Test

Renault ZOE R135 Z.E. 50: Erste Testfahrt im neuen ZOE

Renault ZOE 2019
Foto: Renault
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Sechs Jahre nach der Markteinführung präsentiert Renault den ZOE komplett runderneuert. Äußerlich sind die Veränderungen zwar eher dezent, unterm Blech hat sich dafür wesentlich mehr getan. Was sich so alles verändert hat und wie sich der neue ZOE fährt, das erfahrt ihr hier.

Als Renault 2013 den ZOE auf den Markt brachte, fand der / die Französin schnell eine große Fangemeinde. Dank Chameleon-Lader wurde jede Säule quasi zur Schnellladesäule und mit der Batteriemiete war der Einstiegspreis für viele erschwinglich. Für vergleichbare Fahrzeuge – sofern andere Automobilhersteller diese überhaupt im Angebot hatten – musste man gut und gerne 10.000 Euro und mehr drauflegen.

Heckansicht neuer Renault ZOE
Foto: Renault

2017 brachte Renault dann eine 41 Kilowattstunden große Batterie, wodurch die reale Reichweite von Anfangs 150 auf gute 250 Kilometern stieg, 2019 kam die etwas leistungsstärkere Version R110 hinzu. Daneben gab es in all den Jahren keine nennenswerte Modellpflege. Die Konkurrenz wacht nun jedoch so langsam auf – so bietet Volkswagen mit e-Up und Geschwister gleich eine ganze Reihe von Fahrzeugen an, die im Preissegment darunter wildern und auch Opel Corsa-e und Peugeot e-208 sind inklusive Batterie preislich auf Augenhöhe. Es war also an der Zeit für ein größeres Update.

Optik

Interieur des Renault ZOE
Foto: Renault

An der grundsätzlichen Form des Renault ZOE hat sich wenig geändert, viele Teile wurde jedoch verändert und sorgen für ein frisches und moderneres Erscheinungsbild. So wurden die Stoßfänger vorne und hinten überarbeitet, die Motorhaube ist stärker konturiert, die Beleuchtung ist nun rund um in LED und der Kühlergrill hat etwas Chromschmuck bekommen. Die wesentlichen Veränderungen gab es jedoch im Innenraum, beziehungsweise unter dem Blech.

Foto: Renault

So sind nun alle Anzeigen digital. Das 10 Zoll Display im Armaturenbrett lässt sich vielfach einstellen und zeigt nun neben dem Üblichen wie Geschwindigkeit und Ladestand auch Navigationshinweise mit Karte an. Zentral befindet sich ein 9 Zoll (Intens Ausstattung) bzw. 7 Zoll (Life und Experience) großer Bildschirm, der zudem Multitouch unterstützt. Schnurloses Laden von Smartphones ist auch an Bord.

Dank neuer Materialien, unter anderem Polsterstoffe aus Recyclingmaterial, wirkt der Innenraum deutlich hochwertiger. Die Rücksitzbank ist nun geteilt umlegbar.

Antrieb / Fahren

Foto: Renault

Neben dem bekannten R110 Antrieb mit 80 kW, ist ein optional leistungsstärkerer Antrieb – R135 – mit 100 Kilowatt (135 PS) und 245 Newtonmeter erhältlich, der den ZOE in jeder Situation souverän antreibt. Wir konnten den ZOE lediglich auf Landstraße testen, dort macht der Kleinwagen jedoch absolut Laune zu fahren. Ob es bei Autobahntempo wieder etwas zäher wird, muss ein weiterer Test zeigen. Neu ist zudem ein B-Modus, der laut Renault ‚Ein-Pedal-Fahren‘ ermöglichen soll. An die 30 Kilowatt an Rekuperationsleistung haben wir bei sinkendem Ladestand allein mit dem Loslassen des Fahrpedals gesehen. Was nicht ganz ausreicht, um den ZOE ohne Einsatz des Bremspedals zu fahren – vor Kurven muss also weiterhin gebremst werden. Beim Wechseln des Fahrmodus fällt eine weitere Neuerung auf, die Parkstellung ist nicht mehr über den „E-Shifter“ auswählbar, sondern wurde mit der elektrischen Parkbremse kombiniert.

Deutlich verbessert wurde die Dämmung. Während bei der vorherigen Generation viele die lauten Fahrgeräusche bemängelten und selbst nachgedämmt haben, dringen nun kaum mehr Geräusche von Motor und Fahrwerk in den Innenraum. Überarbeitet wurde auch das Fahrwerk. Ohne direkten Vergleich ist dies zwar schwer zu beurteilen, subjektiv werden Unebenheiten jedoch besser weggeschluckt, der ZOE bleibt dabei gewohnt komfortabel.

An Bord sind nun auch zahlreiche Assistenzsysteme, wie Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung und Höchstgeschwindigkeitswarner, Spurthalte-Warner und Spurhalte-Assistent sowie Toter-Winkel-Warner. Ein Notbremsassistent wird erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar sein. Einen adaptiven Tempomaten gibt es weiterhin nicht.

Batterie / Reichweite

Der neue ZOE wird mit zwei  Batteriegrößen angeboten – Z.E. 40 und Z.E. 50, die 40 bzw. 50 Kilowattstunden an nutzbarer Kapazität bieten. Die 40er Batterie ist jedoch identisch mit der 50er und lediglich per Software limitiert. Später soll es möglicherweise noch die Option auf ein nachträgliches Upgrade geben. An Reichweite gibt Renault 300 (R110 Z.E. 40) bis 395 (R110 Z.E. 50) Kilometer nach WLTP an. Realistisch dürften eher 250 bzw. 350 km bei gemischter Fahrweise sein. Nach unserer Testrunde im R135 Z.E. 50 stand nach 226 km ein Verbrauch von 11,9 kWh/100 km auf der Uhr und eine Restreichweite von 166 km. Das Ganze bei Landstraßentempo mit einem Schnitt von knapp 50 km/h.

Laden

Foto: Renault

Serienmäßig ist auch der neue Renault ZOE mit dem Chameleon-Ladesystem ausgestattet, welches das Laden an Wechselstrom mit bis zu 22 Kilowatt Leistung ermöglicht. In zwei Stunden und 40 Minuten (Z.E. 40) bzw. drei Stunden und 40 Minuten (Z.E. 50) lässt sich die Batterie an normalen Ladesäulen vollständig aufladen. Optional – der Aufpreis liegt bei 890 Euro – kann der ZOE nun jedoch auch mit einem CCS-Anschluss ausgerüstet werden, der zusätzlich auch die Ladung mit Gleichstrom ermöglicht. Mit bis zu 50 Kilowatt Leistung, reduziert sich die Ladezeit auf gut die Hälfte –  Renault gibt hierfür 50 Minuten (Z.E. 40) bzw. eine Stunden und zehn Minuten (Z.E. 50) für eine Ladung auf 80 Prozent an. Besonders interessant ist dies dann, wenn man bei niedrigem Ladestand mal eben schnell ein paar Kilometer nachladen möchte. 150 km in 30 Minuten verspricht Renault.

Preis

Kommen wir zum Schluss zum Preis. Trotz all der Neuerungen ist der Einstiegspreis gleich geblieben. Los geht es ab 21.900 Euro mit dem R110 und der 40 kWh Batterie. Diese kann entweder gemietet – von 74 Euro pro Monat bei 7.500 km pro Jahr bis zu 124 Euro ohne Kilometerbegrenzung – oder gekauft werden. 8.090 Euro Aufpreis verlangt Renault dafür, unabhängig von der Batteriegröße. Wer die große Batterie ordern möchte, bezahlt mindestens 23.900 Euro + Batteriemiete. Mit dem leistungsstärkeren Motor, Kauf der großen Batterie und ein paar Optionen wie Winterpaket, CCS-Anschluss und Co, sind allerdings auch die 40.000 Euro nicht mehr weit entfernt – viel Geld für einen elektrischen Kleinwagen. Von diesen Preisen kann noch der Umweltbonus abgezogen werden.

Fazit

Renault hat das meistverkaufte Elektroauto in Europa – mehr als 150.000 Exemplare seit dem Marktstart 2013 – in zahlreichen Details überarbeitet, die den elektrischen Kleinwagen in Summe zu einem wesentlich besseren und hochwertigeren Fahrzeug machen. Nachdem die Schnellladung mit 43 kW AC mit der Modellpflege in 2015 zumindest in Deutschland weggefallen ist, kann der neue ZOE mittels optionalem CCS-Anschluss nun wieder schneller geladen werden. Positiv aufgefallen sind die deutlich verbesserte Dämmung und die aufgefrischten und nun volldigitalen Anzeigen. Das ehemalige Alleinstellungsmerkmal des günstigsten Einstiegs in die E-Mobilität ist allerdings dahin. Hier wird sich zeigen, ob das Auswirkungen auf die Verkaufszahlen haben wird.

 

Die Reisekosten zur Testveranstaltung wurden von Renault übernommen.

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7 Kommentare zu “Renault ZOE R135 Z.E. 50: Erste Testfahrt im neuen ZOE

  1. Bin letzte Woche Probe gefahren und hab sie daraufhin gleich bestellt. Das Fahrgefühl ist komplett anders. Lenkung, Federung und Geräuschniveau sind mit der „alten“ ZOE nicht zu vergleichen. Schon der R110 Motor zieht gut durch, vor allem beim Überholen auf der Landstraße. Bestellt habe ich allerdings den R135.
    Die neuen Bildschirme machen richtig Spaß, nur löst die Rückfahrkamera anscheinend nicht so hoch auf, wie der Bildschirm darstellen kann. Schade. Digital-Radio ist jetzt Serienmäßig dabei, wäre mir den Aufpreis auch nicht wert gewesen.
    Gespannt bin ich auf die Ladekurve mit CCS. Das konnte ich mangels Ladesäule leider nicht testen. Insgesamt finde ich die Kombination aus R-Motor und CCS-Laden deutlich besser als bei meiner jetzigen Q90.

  2. Hat das neue Modell endlich höhenverstellbare Sitze?

  3. Leider nein, bei der Verstellbarkeit der Vordersitze ist alles beim Alten

  4. Schade finde ich den Preis für die vollausgestattete Zoe mit Kauf Akku von 43000 Euro. Dafür gibt es das Model 3

  5. Am Red-Bull-Ring in Spielberg (Österreich) konnte ich bei den E-Mobility Play Days die neue ZOE ausprobieren. Das neue Innendesign gefällt mir ausgesprochen gut. Das Auto war sehr gut zu fahren und sofort fiel auf, dass die Dämmung deutlich verbessert wurde!!
    Endlich gibt es Nebelscheinwerfer und damit hoffentlich auch ein Cornerlicht. Auch die LED Scheinwerfer werden sicherlich ein großer Sprung nach vorne sein. Tagsüber konnten wir die Beleuchtung natürlich noch nicht testen.
    Leider waren es nur ein paar Runden im Konvoi über einen Teil des Red-Bull-Rings. Gerne wäre ich noch länger damit gefahren 🙂

  6. Ja auch ich bin bei den Krone E-Mobility Play Days die neue Zoe gefahren. Es ist kein vergleich zu meiner Q210. Der E-tron vor mir konnte mich nicht abhängen. Sehr hochwertige Innenverarbeitung Über einen Servicetechniker am Stand konnte ich erfahren das V2G zwar vorbereitet ist aber erst optional freigeschaltet werden muss. Leider konnte auch ich nicht das volle Potential der Rekuperation und den Fly Modus testen. Dafür ist war die Teststrecke zu kurz obwohl ich 2 Runden gefahren bin. Dauergrinsen war angesagt.

  7. Wenn man hier einen längeren Text geschrieben hat, die Email vergaß einzutragen und abschickt, ist alles verloren, was man tippte. Schlecht gelöst.

    In Kurzform, was ich schrieb: Die 22 kW AC sind nachwievor eine Seltenheit bei E-Autos und m.E. das Erfolgsrezept des Zoe, da sehr vorteilhaft. Das bieten sonst nur wenige wie Smart und Honda e.

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