Das Ende der Zeittarife?

Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Elektrofix » Mo 4. Jul 2016, 07:08

graefe hat geschrieben:
Könntest Du mir erklären, was Du mit "50% Auslastung" meinst und warum Du das auf 333 Tage beziehst!? Für die Berechnung der Fixkosten ist doch die Auslastung wurscht.
erkläre ich Dir gern:
- an einer Ladestation wird ja nicht rund und die Uhr geladen. Auch wenn es am Tage recht voll sein kann, in der Nacht wird es leer sein, daher die großzügige Schätzung einer Auslastung von 50%
- die 333Tage sind einfachen mit den 1000€ zu rechnen (damit Menschen dann der Rechnung ohne Taschenrechner folgen können)
- Die Fixkosten können nur bei dem Gebrauch der Ladestation gedeckt werden, also ist die Auslastung für die Fixkosten elementar. Die variablen Kosten sind nicht an der Auslastung gekoppelt; sie fallen ja nur an, wenn die Station genutzt wird.

Das bei der Preisbildung noch Verwaltungs- und Vertriebskosten, kalkulierter Gewinn für den Unternehmer, Wartungs- und Reperaturkosten fehlen, sollte allen BWL-Menschen klar sein; ich wollte jedoch meinem Beitrag einfach halten.
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Tho » Mo 4. Jul 2016, 07:09

Kurz gesagt: Bisher wird keine einzige Ladesäule wirtschaftlich sein. Alles Verlustgeschäft. (Werbeffekte außen vor) ;)
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Elektrofix » Mo 4. Jul 2016, 07:55

Exakt, und Ladenetz und Co versuchen jetzt über den Pauschaltarif einwenig die Betriebskosten zu decken.
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Tho » Mo 4. Jul 2016, 08:01

Letztendlich werden nur Anbieter erhalten bleiben, die es schaffen die Verluste für die nächsten 10 Jahre zu finanziieren.
Danach ist der Markt soweit konsolidiert und ausreichend Fahrezeuge auf der Straße, dass Gewinn erzielt werden kann.
Die lukrativen Standorte hat man sich dann schon gesichert.
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Elektrofix » Mo 4. Jul 2016, 09:30

Jupp, T&R machen die Autobahnen, und das Landleben bleibt den Verbrenner. :lol:

Auch wenn ich mit den Pauschaltarifen von EWE & Ladenetz nicht ganz überein bin, muss ich doch sagen, das die EWE im Nordwesten in den letzen Jahr ganz schon geklotzt hat. Die haben zwar Monopolstellung im Nordwesten, jedoch kannst Du bequem reisen.
Ganz im Gegensatz zur Pregnitz, die ist immer noch TOT, Tja blühenden Landschaft im Nordosten hat Kohl ja angekündigt. Blumen und Unkraut blüht ja, oder? :twistet:
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon fährtelektrisch » Mo 4. Jul 2016, 14:37

Hachtl hat geschrieben:
Nein eben nicht. Die Abrechnung von Strom in Deutschland hat in kWh zu erfolgen. Mit dem Gesetz wird klargestellt, daß das Auto auch Letztverbraucher ist, nicht die Säule. Damit hat die Abrechnung in kWh zu erfolgen.


Na diese Schlussfolgerung erscheint aber doch etwas gewagt. Höre ich definitiv zum ersten Mal. Die Interpretation, die mir geläufig ist, besagt, dass Normalsterbliche mit dem hoffentlich bald kommenden neuen Gesetz überhaupt erst Ladestrom anbieten dürfen und zwar unabhängig davon wie er abgerechnet wird. Heute dürfen nur Energieversorger Ladestrom anbieten. Selbst verschenken ist bei enger Interpretation der aktuellen Gesetzeslage nicht erlaubt, wenn man kein Energieversorger ist bzw. keinem Energieversorger gleichgestellt sein möchte (mit entsprechenden Pflichten).

Das neue Gesetzt erlaubt Abrechnung per Zeit, kWh oder ein Mix daraus. Wenn die Abrechnung per kWh erfolgt, dann muss das natürlich mit entsprechendem Zähler erfolgen.
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon GerdNehr » Di 5. Jul 2016, 12:31

Elektrofix hat geschrieben:
Die Kalkulation ist einer AC-Ladesäule ist eine einfach Divisionskalulation (gerundet):
Bei eine Anschaffung von 6T€ und einen Laufzeit von 6 Jahren, sind das 1T€ Abschreibung im Jahr. Bei einen Auslastung von 50% an 333 Tagen, das macht einen Fixkostenanteil von 6€ pro Tag.
Wenn über kWh abgerechnet wird, und wir annehmen, das 50% der Kosten der Ladung Energie sind, dann muss ein Umsatz von 12€ pro Tage gemacht werden, d.h. bei einem Strompreisverkaufpreis von 33,3Ct/kWh an der Säule müssen 36kW täglich durch die Ladesäume fließen um kostendeckend zu arbeiten.
Gewinn, Reparatur, Wartung ist da noch nicht kalkuliert.

also deine Auslastung von 50% und "das 50% der Kosten der Ladung Energie sind", kann ich nicht nachvollziehen.

http://nationale-plattform-elektromobil ... onen/#tabs
ich meine in Bilanz der Marktvorbereitung stand es: Solche Ladesäulen können nicht wirtschaftlich betrieben werden, weshalb auch der Ausbau stagniert.

Hier mal meine Rechnung, die korrekt sein sollte und ebenso verständlich ist:
6T€ Anschaffung schön und gut
mit Planung, Anschluss, Tiefbau kommst du auf einen realistischen Wert von 10T€
dann Abschreibung über 10 Jahre (google die Afa-Tabelle und dann Ladestation), Wartung und Service, kalkulatorischer Zins blabla- man landet bei sowas etwa bei 1300€ jährlich, sagen wir 1200€, also 100€ monatlich.

http://www.kwh-preis.de/wp-content/uplo ... t-bdew.jpg
zum Strompreis: Im Schnitt liege er bei 29 Cent/kWh, davon sind Entgelte, Steuern ein großer nicht beeinflussbarer Teil, den der Betreiber selbst nur weitergibt. Beschaffung und Vertrieb hat einen Anteil von 7 Cent. Beschaffung je nach Kaufpreis an der Börse gute 4 Cent, also hat man zu den 29 Cent ganze 3 Cent Gewinn (von denen allerdings auch der Vertrieb leben muss, was wir mal außen vor lassen) Bei einem Verkaufspreis von 33 Cent (hab ich mal von dir übernommen), dann ergibt dies ein Gewinn von stolzen 7 Cent.
(verdammt viel und unrealistisch sowas zu verlangen! bei Schnellladern kalkulieren einige Betreiber ohne Gewinn und einige regen sich hier über die Preise auf, aber die Preisgestaltung bei Schnellladern an der Umspannungsebene oder Mittelspannung ist ein Thema für sich und wird grundlegend anders kalkuliert!)

So bei monatlichen Kosten von 100€ und einem Gewinn von 7 Cent je kWh müssten 1430 kWh verkauft werden. Entspricht 47 kWh täglich und bei einer durchschnittlichen Ladung (zumindest ermittelt bei einem Schnelllader) von 12 kWh, sind das 4 Ladungen.
Hört sich nicht viel an, ist es für die momentanen Verhältnisse aber. (praktisch ist alles viel schlimmer, da kein Betreiber solche Margen drauf schlägt)

Ich meine, wer kauft ein Elektroauto, wenn er nicht zu Hause laden kann und stattdessen immer am Supermarkt etc laden muss. Diese Art der Ladeinfrastruktur macht nur an wenigen Platzen, also nur da, wo man sich wirklich lange aufhält. In einer Feldstudie kam heraus, dass 91% aller Ladevorgänge zu Hause getätigt werden. und für die längeren Fahrten gibt es Schnelllader.
Die Tatsache, dass viele Fahrer die öffentlichen Ladepunkte nutzen ist reine Gier und Kleinkrämerei. Wer Zeit hat mit seinem Auto eine Stunde Tanken zu fahren weil es 20 km weiter kostenlos ist, hat dann auch Zeit sich über die Preisgestaltung aufzuregen.
Die Erzkonservativen Leutchen sollten mal nachdenken: nur bei 9% wird die Schnellladeinfrastruktur benötigt, bei Verbrennern bei 100%. Wenn man so wenig Kunden hat, dann muss man etwas höhere Preise verlangen um auch nur halbwegs wirtschaftlich eine Säule betreiben zu können. Außerdem analog zu höheren Preisen bei Schnellladern: auf Autonbahnen ist der Sprit ebenfalls teurer!
Wenn ich 90% der Strecken mit 3,5€ auf 100km tanke und 10% dann mal mit 8€, dann bin ich im Schnitt immernoch bei 3,95€ auf 100km.

Die Flatrates die es zZ gibt werden auch nur Übergangslösungen sein, das ist recht sicher. Auch dies zeigte sich in einer Studie bei der Flatrates angeboten worden sind. Anfangs ist der Bezug hoch, flacht aber schnell ab, sodass man mit einem Tarif ohne Grundpreis günstiger unterwegs ist.
Wohnt man sebstverständlich direkt neben einem Schnelllader, so is dies wahrscheinlich nicht der Fall, aber selbst da werden die Unternhemen aus eigenem Interesse einen Riegel vor schieben.

Zum Thema des Threads:
http://schaufenster-elektromobilitaet.o ... rzeuge.pdf

momentan müsste aus rechtlicher Sicht der Betreiber mit dem Kunden einen Stromliefervertrag abschließen wie bei jedem Haushaltskunden. Hier wird dies berichtigt, dass für eine Dienstleistung gezahlt wird und nicht nur für einen Strombezug. (Seite 10)
Mit der Abrechnung nach Zeit oder Kilowattstunde hat das eher weniger zu tun wenn ich nicht irre.
http://schaufenster-elektromobilitaet.o ... 141110.pdf
Irgendwo hatte ich gelesen, dass die ganze Eichung einer Säule, einschließlich des Ladekabels das Problem sei und einer Eichung bedarf es bei einem Zeittarif nicht. Hier kann die bezogene Dienstleistung mit einer Stoppuhr überprüft werden, also eine Ausnahmeregelung die schon für Parkuhren gilt.
Das Problem ist, dass versucht wird, alte geltende Rechte auf neue moderne Technologien zu übertragen die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Und zumindest bei Schnellladern wird es immer eine Zeitkomponente geben, aus bereits genannten Gründen. Auch wenn es heißt Abrechnung nach kWh aber wer länger als 30min steht zahlt dann 5€ je 10 min (oder so, könnte ich mir vorstellen).


wen das Thema ernsthaft interessiert hat hier etwas Lektüre:
vielleicht hören einige dann das ständige gemecker auf, wenn sie erstmal verstanden haben, wie das ganze fnktioniert. Wenn man irgendwo meckern kann, dann bei der Bundesregierung, da diese immer nur erzählt, aber nichts macht. Die Kaufpreisprämie von 4T€ ist schließlich ein Witz. Die EU-Nachbarländer haben wesentlich attraktiviere Anreize.

http://www.moonroc.de/research/2014/lad ... ftsmodell/
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-wAsset ... odelle.pdf
http://www.e-mobilbw.de/files/e-mobil/c ... tungen.pdf
https://www.uni-due.de/imperia/md/conte ... ruktur.pdf
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon mweisEl » Di 5. Jul 2016, 12:39

GerdNehr hat geschrieben:
Die Tatsache, dass viele Fahrer die öffentlichen Ladepunkte nutzen ist reine Gier und Kleinkrämerei.

Oder doch "alternativlos", da ca. 99% der Großstadtbewohner keinen privaten Ladeplatz bekommen können.
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon Tho » Di 5. Jul 2016, 12:42

Oder nötig, weil die Reichweite nicht reicht. Ich fahre täglich 160km mit der Zoe im Mittelgebirge, das ist ohne unterwegs zu laden einfach knapp.
Wenn ich einen Freizeitausflug über die Reichweite hinaus mache, dann muss ich auch laden.

Für eine AC Säule müssen auch nicht zwangsweise 10k Kosten entstehen, wenn man sich einen Platz mit Stromanschluss in der Nähe sucht. TNM Box 1000€, Sockel betonieren und Mast 1000€, Elektrischer Anschluss 1000€. Wären wir bei 3k. ;)
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Re: Das Ende der Zeittarife?

Beitragvon mweisEl » Di 5. Jul 2016, 12:55

Tho hat geschrieben:
Für eine AC Säule müssen auch nicht zwangsweise 10k Kosten entstehen, wenn man sich einen Platz mit Stromanschluss in der Nähe sucht. TNM Box 1000€, Sockel betonieren und Mast 1000€, Elektrischer Anschluss 1000€. Wären wir bei 3k. ;)

Eben. Und die Kosten für den "elektrischen Anschluss", ggf. inkl. der Tiefbauleistung, Betonsockel etc. darf man auch nicht auf 6 Jahre abgeschrieben berechnen - das hält deutlich länger als eine heute angebotene Ladesäule - bestimmt 50 Jahre und mehr wie ein Hausanschluss.
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