Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

Franzosenschrauber
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Hallo,

ich bin neu in dem Forum und auch in der Elektroszene. Ich selbst bin Servicetechniker bei PSA. Unser Konzern hat Anfang dieses Jahr eine Offensive gestartet unter anderem zur Schulung des Personals. D.h. wir werden mit "Gewalt" an die Elektrofahrzeuge rangeführt. Mittlerweile habe ich den HV2, d.h. ich darf an spannungsfreien Fahrzeugen Reparaturen durchführen. Privat möchte ich auch auf ein Elektrofahrzeug in Kombi Grosse umsteigen, natürlich vorzugsweise bei PSA. Das heißt erstmal warten, da PSA kaum Fahrzeuge hat und demnächst erstmal der 208 und 2008 elektrifiziert raus kommen sollen.

Genug zu mir mir, jetzt meine Fragen:

1. Ich werde das Elektroauto zu 80% im Kurzstreckenbetrieb nutzen und nur selten längere Touren fahren. Der größte Teil davon wird gerade mal ca. 150km sein, die wohl ohne Zwischenstop drin sein müssen. Aber es wird auch mal vorkommen, dass eine weitere Tour ansteht. Wie funktioniert es dann, wenn man unterwegs laden muss. Die Hersteller sagen, 80% in einer halben Stunde. Wieviele Ladesäulen sind da an den Raststätten und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eine freie zu erwischen bzw. was macht man, wenn die belegt ist und die nächste zu weit weg ist? Wieviel verschieden Laderäumen gibt es, oder kann ich an jeder Säule von jedem Anbieter laden?

2. Wie erfolgt die Abrechnung bzw. Bezahlung und was kostet eine "Tankfüllung"? Sind die Preise unterschiedlich, speziell an den Schnellladesäulen an der Autobahn, wo ja auch der Sprit immer teurer ist als normal?

3. Wie zufrieden seid ihr mit der Zuverlässigkeit der Autos? Hattet ihr schon grössere Probleme oder könnt ihr die bedenkenlos empfehlen?

4. Wenn ihr zu Hause über Nacht lässt, habt ihr euch einen speziell abgesicherten Anschluss , ggflsein, tarkstrom oder sogar Wallbox installiert oder reicht eine normale gut abgesicherte Steckdose? Woher weis ich, ob mein Hausanschluss ausreichend für die Stromaufnahme ist? Und kann man beim Stromanbieter einen speziellen Tarif buchen bzw. einen zusätzlichen Zähler?

5. Gibt es APP's, die eine Reiseplanung incl. Verbrauch des Stromes einplanen können um gezielt Ladesäulen anzufahren oder wie macht ihr das?

So, das sollte erstmal genug sein. Vielleicht fallen mir noch ein paar Fragen ein, aber diese brennen mir im Moment ganz schön auf der Seele. Ich hoffe, ich nerve nicht zu doll mit meinen Fragen und würde mich über Antworten freuen!
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Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

Afaik
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Franzosenschrauber hat geschrieben: 5. Gibt es APP's, die eine Reiseplanung incl. Verbrauch des Stromes einplanen können um gezielt Ladesäulen anzufahren oder wie macht ihr das?

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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Franzosenschrauber hat geschrieben: 1. Ich werde das Elektroauto zu 80% im Kurzstreckenbetrieb nutzen und nur selten längere Touren fahren. Der größte Teil davon wird gerade mal ca. 150km sein, die wohl ohne Zwischenstop drin sein müssen. Aber es wird auch mal vorkommen, dass eine weitere Tour ansteht. Wie funktioniert es dann, wenn man unterwegs laden muss. Die Hersteller sagen, 80% in einer halben Stunde. Wieviele Ladesäulen sind da an den Raststätten und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eine freie zu erwischen bzw. was macht man, wenn die belegt ist und die nächste zu weit weg ist? Wieviel verschieden Laderäumen gibt es, oder kann ich an jeder Säule von jedem Anbieter laden?
80% in einer halben Stunde stimmt nicht unbedingt. Das kommt erstens auf das Auto an und zweitens auf die Ladesäule.

Mein Akku ist klein (Ioniq mit 28 kWh), lädt aber schnell. An einer schnellen Schnellladesäule (100 kW+) lade ich so in 16 Minuten von 10% auf 75%. Wenn man eine "langsame" Schnellladesäule (50 kW) hat und einen Akku mit 100 kWh, dauert es natürlich mindestens 80 Minuten, um von 10% auf 75% zu kommen. Andere Autos laden trotz relativ großem Akku nur relativ langsam (beispielsweise die neue Zoe mit 50-kWh-Akku).

Bei PSA ist es zumindest den Spezifikationen nach auch relativ schnell.

Unterwegs lädt man an Schnellladern. Die gibt es an vielen Raststätten und Autohöfen. Sollte man momentan aber noch etwas planen, da es diese nicht überall gibt. Teilweise gibt es "Ladeparks" mit 4-6 Ladesäulen. Tesla hat bis zu 20 Ladesäulen, was zeigt, wo die Reise hin geht. Momentan ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man eine freie erwischt, wenn es mehrere Säulen gibt. Wenn alles belegt ist, muss man warten oder weiterfahren (etwas Puffer sollte man daher immer lassen).

Du solltest Dir 2-3 Ladekarten holen, die den Großteil des Markts abdecken. Dann kannst Du an fast allen Ladesäulen laden, außer von Tesla (plus einige weitere Ausnahmen).
Franzosenschrauber hat geschrieben: 2. Wie erfolgt die Abrechnung bzw. Bezahlung und was kostet eine "Tankfüllung"? Sind die Preise unterschiedlich, speziell an den Schnellladesäulen an der Autobahn, wo ja auch der Sprit immer teurer ist als normal?
Teilweise kannst Du direkt an den Säulen zahlen oder die Säule auf der Webseite des Betreibers freischalten. Das kann attraktiv sein bei Pauschalpreisen und großem Akku. Ansonsten eben eine Ladekarte benutzen. Mit Maingau zahlst Du zur Zeit überall 35 Cent pro kWh. An Wechselstrom (die langsamen Ladestellen vor allem in Städten) geht es teilweise etwas günstiger. Ob diese Preise langfristig Bestand haben, weiß niemand. Schnelllader sind sehr teuer in der Anschaffung, daher können die Preise langfristig durchaus noch hoch gehen.
Franzosenschrauber hat geschrieben: 4. Wenn ihr zu Hause über Nacht lässt, habt ihr euch einen speziell abgesicherten Anschluss , ggflsein, tarkstrom oder sogar Wallbox installiert oder reicht eine normale gut abgesicherte Steckdose?
Prinzipiell reicht eine gute Steckdose. Mache ich bisher so. Aber eine Wallbox insbesondere mit angeschlagenem Kabel ist sicherer und komfortabler (werde ich mir demnächst anbringen lassen).
Franzosenschrauber hat geschrieben: Woher weis ich, ob mein Hausanschluss ausreichend für die Stromaufnahme ist?
Prüfen, aber im Einfamilienhaus sicher kein Problem. Und für ein Profil wie Deines reichen sicher 3,6 kW Ladeleistung. Aber 11 kW ist wahrscheinlich auch möglich.
Franzosenschrauber hat geschrieben: Und kann man beim Stromanbieter einen speziellen Tarif buchen bzw. einen zusätzlichen Zähler?
Teilweise ja. Ob es sich lohnt, kommt auf die Umstände an.

Insgesamt: Einfach machen. Geht alles, mit etwas Planung sowieso.
Ioniq 28 kWh Premium mit Sitzpaket, Intense Blue, Michelin CrossClimate+, Produktionsdatum 16.4.2019 - Abholung in Landsberg am 14.9.2019 (Sangl #588)

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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3. Wie zufrieden seid ihr mit der Zuverlässigkeit der Autos? Hattet ihr schon grössere Probleme oder könnt ihr die bedenkenlos empfehlen?
Allgemein kann ich Dir das nicht beantworten. Wir fahren aber schon seit 4,5 Jahren und 90.000 km einen Nissan Leaf. Ohne Probleme, 1* im Jahr zum Nissan Händler, Scheibenwasser, Pollenfilter und alle 2 Jahre Bremsflüssigkeitscheck. Das wars.
Und seit 6 Monaten und 11.000 km einen Hyundai Kona.
Ich würde niemals auf die Idee kommen, irgendwann wieder einen Verbrenner zu kaufen, mit den Elektros fahren wir extremst günstig und beide machen sehr viel Spaß, diese Laufruhe und das sofortige Drehmoment ist durch nichts zu ersetzen :-)
Nissan Leaf Acenta 24 (2015) & Hyundai Kona Trend 64 (2019)

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

schnaeutz
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Auch wenn meine Meinung im Forum nicht besonders beliebt ist: Elektroauto ist ewas für Kurz- und Mittelstrecken in Deutschland. Bei Langstrecke würde ich den Diesel nehmen, vor allem, wenn man unter Zeitdruck steht. Und Urlaubsreisen ins Ausland müssen ladetechnisch sorgfältig vorbereitet werden. Nicht alle ausländischen Säulen lassen sich mit deutschen Karten zu einem fairen Preis freischalten. Einige sogar gar nicht. Ausländische Anbeiter verlangen oft eine hohe Grundgebühr, die sich für eine Urlaubsreise nicht lohnt oder verschickt gar nicht erst Karten ins Ausland.

Hier hat die EU bisher versagt! Jede Säule in der EU muss sich mit jeder Karte der EU freischalten lassen. Von Rundfahrten durch die Landschaft Nordskandinaviens oder Islands (mit Ausnahme der Küstenstraße) einmal ganz zu schweigen.

Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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Deswegen fahre ich seit 2010 mit einem Tesla quer durch Europa. Anfänglich immer auf der Suche nach CCE32A. Ab 2013 wurde das Suchen allmählich eingestellt. Heute fahre ich einfach los und lasse das Fahrzeug seinen Weg suchen. Am Ziel ein Hotel mit Destination Charger. Elektrisch Langstrecke zu fahren ist einfach entspannt und supergünstig, auch wenn am SuC für das Model 3 einen fairen Preis für Strom gezahlt werden muss. Auf jeden Fall günstiger wie mit einem vergleichbaren Verbrenner.
Das Beste: Ich brauche keinerlei Karte. Das Fahrzeug selbst ist der Ausweis.


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Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

Rita
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guck mal auf französichen Seiten nach dem Berlingo electric... habe da schon einige atraktive angebote gesehen

ich lade meist gratis beim Kaufland oder Aldi...

für zuhause habe ich mir grade ein Adapterkabel gekauft, um an einer CEE rot neben dem Rolltor zu laden

Rita

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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schnaeutz hat geschrieben: Hier hat die EU bisher versagt! Jede Säule in der EU muss sich mit jeder Karte der EU freischalten lassen.
Nein, die EU hat nicht versagt. Hier ein Auszug aus Artikel 4 der Richtlinie 2014/94/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe:

"(9) Alle öffentlich zugänglichen Ladepunkte müssen den Nutzern von Elektrofahrzeugen auch das punktuelle Aufladen ermöglichen, ohne dass ein Vertrag mit dem betreffenden Elektrizitätsversorgungsunternehmen oder Betreiber geschlossen werden muss.

(10) Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass die Preise, die von den Betreibern öffentlich zugänglicher Ladepunkte berechnet werden, angemessen, einfach und eindeutig vergleichbar, transparent und nichtdiskriminierend sind."
Ioniq 28 kWh Premium mit Sitzpaket, Intense Blue, Michelin CrossClimate+, Produktionsdatum 16.4.2019 - Abholung in Landsberg am 14.9.2019 (Sangl #588)

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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Eberhard hat geschrieben: **** gekürzt **** auch wenn am SuC für das Model 3 einen fairen Preis für Strom gezahlt werden muss. Auf jeden Fall günstiger wie mit einem vergleichbaren Verbrenner.******
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SUC steht für:
Stand-Up Coaster, einen bestimmten Achterbahntyp
gibts da Ladestationen?
Mit freundlichem Gruß Fiedje
ZOE Limited R110 41kWh

Re: Viele Fragen zum Umstieg auf Elektro

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Wir fahren auch seit Jahren elektrisch (siehe Signatur) vor allem die Pendelfahrten ca. 85km tgl.
Das ist sowohl bei den Kosten, als auch beim Fahren eine andere, modernere Welt. Selbst mit unseren alten el. Kleinwagen.

Bei regelmäßigem Fahrprofil lohnt die eigene Wallbox daheim. Evtl. als mobile Version, die man auf Langstrecke mitnehmen kann und so die "Liegenbleibe-Angst" minimiert. Aber mittlerweile ist die Ladeinfrastruktur recht gut ausgebaut. Ansonsten reicht meist auch eine eigene, hochwertige Steckdose mit eigener Zuleitung und Absicherung. Infos findest Du -> im Wiki

Natürlich gibt es zunehmend neue /moderne BEV, so dass eine allgemeine Empfehlung mit den wenigen Angaben schweirig ist. Ich würde Dir ausgiebige Probefahrten und evtl. mal eine "Langzeitmiete" (bspw. bei nextmove) empfehlen. Denn nur so kannst Du austesten, ob das Auto Deinen Ansprüchen wirklich genügt. Eine kurze Probefahrt oder ein Wochenendausflug statt täglicher Standardnutzung bringt da nur erste Eindrücke.

Da Du weder Familie noch gepäckreiche Urlaubsfahreten erwähnst, würde ich die Renault Zoe mal ausgiebig testen. Das neue Modell kann auch an CCS laden, aber auch die älteren Modelle mit 22kW /teils noch 43kW AC-Ladung sind sehr praxistauglich.

@schnaeutz: Wenn man sich bspw. einen Smart electric als (eh benötigten) elektrischen Zweitwagen anschafft und für die Langstrecken den Diesel behält, ist dies sicher eine heute noch übliche Variante. Früher waren "Langstrecke" mit dem BEV halt bei ca. 150km definiert - heute sind es mit den entsprechenden BEV eher 300-400km und da stellt sich irgendwann die Frage nach der Daseinsberechtigung des konventionellen Kfz.
Bei uns ist es vor allem die AHK, mit der ich den Unterhalt dieses "Stehzeuges" noch begründe.
Deshalb ist eben das Fahrprofil /die eigenen Ansprüche beim BEV deutlich wichtiger. Denn noch sind konventionelle Kfz oft flexibler.

@fiedje: SuC steht für Tesla "SuperCharger" und hat mit SUC recht wenig gemein.
Tesla ist derzeit die beste, aber eben auch (noch) recht teure Art der E-Mobilität, da man nicht nur auf das Tesla-abgestimmte Ladenetz, sondern auch auf alle sonstigen Ladepunkte zugreifen kann.
AC-Drehstromladung ist beiTesla Standard, hohe DC-Schnell-Ladeleistungen bei Langstrecke und gestaffelte Akkugrößen ebenfalls. Bei anderen Anbietern ist dies entweder nicht, oder nur gegen Aufpreis verfügbar. Eine eigene Ladeinfrastruktur unterhält nur Tesla.
Hotzenblitz fahren macht Spaß!
Stromos aber auch!
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