CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon i300 » Fr 26. Sep 2014, 09:32

Also wenn ich den Strommix anrechnen soll obwohl ich zertifizierten Ökostrom (greenpeace) oder PV-Strom verwende ist das so als ob ich - wenn ich die selbst angebauten Biomöhren esse - Möhren esse, die 95%* der Pestizide von herkömmlich angebauten Möhren beinhalten.. :shock:
Geht auch mit Äpfel und Birnen...:mrgreen:

* für das Beispiel habe ich einfach mal einen 5% Bio-Anteil in D verkaufter Möhren ( deutscher Möhrenmix) angenommen.

:ironie:
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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon Joe-Hotzi » Fr 26. Sep 2014, 10:41

Es ist eine völlig unsägliche, von der eigentlichen Problematik (Verbrauch endlicher fossiler Primärenergien) ablenkende Vergleichspraxis! Wenn jemand die Ökobilanzen von Kfz vergleichen will, dann bitte richtig! Dann geht auch die Vorkette der Kfz mit Verbrennermotor mit ein und es sollte eine realistische Gesamtlebensdauer /Kilometerleistung hochgerechnet werden. Alles andere ist Täuschung und Irreführung.

Geht es um den Energieverbrauch /Vergleich von Kfz in der Effizenz sollte man sich an Energieeinheiten (kWh/100km) orientieren und nicht am CO2-Ausstoß einer imaginären unterstellten Energiebereitstellung. Diese kann durch den Produkthersteller (Autobauer) ja nicht beeinflusst werden! Weder beim E-Auto, noch beim Verbrenner!

Im Gegenteil! Beim E-Auto kann zumindest der Nutzer die Vorkette beeinflussen - beim Verbrenner-PKW nicht. Aber da unterstellt niemand oder berechnet anteilig, dass der Sprit (in zunehmendem Maße!) aus Teersanden gewonnen wurde:
Nur mit hohem Energieaufwand lässt sich das Schweröl vom Sand trennen - ein Drittel bis zur Hälfte der gewonnenen Energie wurde zuvor in den Produktionsprozess hineingesteckt. Deshalb ist Öl aus Teersänden mit drei- bis viermal höheren Treibhausgasemissionen verbunden als konventionell gefördertes Öl.

Wohlgemerkt: dann hat man erst einmal Schweröl - noch keinen Sprit an der Zapfsäule ... Die Berechnungen des CO2-Ausstoßes für die Vorketten der Spritgewinnung sind allesamt etwas älter - da sprudelten die konventionellen, einfacheren Quellen noch!
Dieser "CO2-Rucksack" wird derzeit beim Sprit völlig ausgeblendet und ist eben auch nicht in der CO2-Angabe der Hersteller enthalten, sondern nur die Feisetzung bei der Verbrennung im Auto. Mit welchem Recht betrachtet man das E-Auto anders?

Wer also beim E-Auto die Energiebereitstellung Well-to-Tank berücksichtigen will, der muss es auch für konventionelle Kfz tun - und zwar richtig!
Hotzenblitz fahren macht Spaß!
Stromos aber auch!
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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon Hasi16 » Fr 26. Sep 2014, 10:58

Alex1 hat geschrieben:
Wenn Du bei echten Ökostromanbietern kaufst, wird für jede kWh, die Du verbrauchst, eine regenerativ erzeugte kWh eingespeist. Und das wird NICHT durch Dreckstrom ausgeglichen.

Genau das meinte ich.

Wer also beim E-Auto die Energiebereitstellung Well-to-Tank berücksichtigen will, der muss es auch für konventionelle Kfz tun - und zwar richtig!

Genau so ist es. Ich finde den Ansatz sehr gut CFK irgendwo zu produzieren, wo Energie im Überfluss vorhanden ist.

Letztlich muss man sich aber eingestehen, dass eigentlich immer nur der konkrete lokale CO2-Ausstoß eines Autos betrachtet wird - und zur Vereinfachung wird das auch wohl so bleiben.
Wie gesagt: Die EAuto-Kritiker vergleichen ein EAuto ja immer mit einem 3,3 Liter-Diesel. Absurd. In der Realität ist jedes EAuto, welches pur mit Braunkohle-Strom geladen wird, ökologischer unterwegs als der "3,3 Liter-Diesel", der in der Realität 6 Liter verbraucht.

Viele Grüße
Hasi16
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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon Misterdublex » Fr 26. Sep 2014, 22:33

kai hat geschrieben:
Moin,

hier ist die Antwort.
CO2_Bilanz_JPG.jpg


Selbst im deutschen Strommix sind E-Autos schon besser in der CO2 Bilanz als ein extrem sparsamer Verbrenner.

Und woher das Öl kommt, kann man NICHT beeinflussen, geschweige denn es selbst herstellen.

Strom kommt aus Deutschland, und man kann den Anbieter wechseln z.B. Naturstrom usw.
Strom können viele Leute auch selber herstellen über PV, Wind, BHKW, Erdöl nicht.

Gruß

Kai


Ich sehe die dargestellte Grafik bezüglich der Vorkette bei den Verbrennern etwas kritisch.
Kann es sein, dass dort lediglich die Gewinnung des Benzin/Diesel aus dem Rohöl berücksichtigt ist und zudem mit schönen Zahlen gerechnet wurde? Ich besitze noch einen Audi A2 TDi mit einem Schnittverbrauch von 3,5L/100km, der emittiert etwa 120g CO2/100km und das ist schon ein guter Wert. Die 105g CO2/100km die ein Diesel haben soll laut der Grafik sind doch viel zu gering.

Kann es zudem sein, dass die Energieaufwendungen für die Förderung des Rohöls (incl. seines Transportes zur Raffinerie) nicht enthalten sind?

Im Zuge meines Studiums habe ich eine Vorlesung zum Thema "Brennstofftechnik" besucht und da gab es einen Daumenwert:

Der aussagte, um 1 Tonne Öl zu fördern werden 5 Tonnen Wasserdampft bei 120bar Druck und 320 Grad Celsius benötigt.

Wenn man sich mal hinsetzt und ein wenig Zeit nimmt lässt es sich mit Leichtigkeit ausrechnen wieviel Energie benötigt wird um 5 Tonnen Wasserdampf bei 120 bar und 320 Grad Celsius zu erzeugen. Aus diesem Energiebedarf lässt sich dann berechnen wieviel Erdgas oder Flüssigbrennstoff benötigt würden um diese Energiemenge freizusetzen und genau aus dieser Brennstoffmasse kann dann errechnet werden wieviel CO2 dabei entsteht.

Ich kann mir gut vorstellen, dass allein diese Rechnung die Grafik oben ins Wanken bringt.
E-Golf300-Fahrer.
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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon redvienna » So 28. Dez 2014, 14:15

Zitar ORF.at

Grüne Energien erstmals wichtigste deutsche Stromquelle

Grüne Energien waren laut einem Medienbericht im zu Ende gehenden Jahr erstmals die wichtigste Elektrizitätsquelle in Deutschland.

25,8 Prozent des Stroms produzierten Wasserkraft, Windräder, Photovoltaik- und Biogasanlagen, berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf eine Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.

Demnach kamen die erneuerbaren Energien in den vergangenen zwölf Monaten auf eine Produktion von 157,4 Milliarden Kilowattstunden.

Braunkohle gewinnt wieder an Bedeutung

Dem Bericht zufolge sank der Anteil der Atomkraft und Steinkohle an der Stromproduktion weiter. Dafür gewann die Braunkohle an Bedeutung und rangierte mit 25,6 Prozent Produktionsanteil an der deutschen Elektrizität nur knapp hinter den erneuerbaren Energien.

Dem Bericht zufolge sind ein Grund dafür die niedrigen Preise für CO2-Zertifikate. Dadurch könnten Braunkohlekraftwerke, die wegen der hohen Verschmutzung besonders viele CO2-Zertifikate benötigen, ihren Strom relativ billig produzieren. Bei den vergleichsweise teuren Gaskraftwerken nahm der Anteil an der Produktion ab, sie produzierten noch 9,6 Prozent des deutschen Stroms.


Publiziert am 28.12.2014

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Re: CO2-Ausstoß unter Betrachtung Strommix ok?

Beitragvon tommy_z » So 28. Dez 2014, 15:13

Zum Thema Vorkette bei Erdöl-Produkten gibt es interessante Artikel bzgl. Schiffstreibstoff, z. B. diesen: Wirtschaft - Schwer auf Öl.

Zitat: "Zu giftig ist der Qualm dieses zähflüssigen, stinkenden Abfallprodukts der Ölindustrie, voller Schwefel, Asche und Ruß. ... Auf See dagegen ist Schweröl noch immer der Standardtreibstoff von Fracht- und Kreuzfahrtschiffen. Auch im Bauch der havarierten Costa Concordia lagern angeblich 2200 Tonnen Schweröl und 180 Tonnen Schiffsdiesel".

Und interessant auch der Kommentar von "guzzibiker" (!): "Das Schweröl fällt aber bei der Raffinerie trotzdem an. Was wird dann damit gemacht? Wird es dann an Land verbrannt unter riesigen umwelttechnischen Aufwand und ebenso riesigen Kosten? Wer bezahlt die Entsorgung des Schweröls?"

Man wird also davon ausgehen können, dass schon allein der Transport des Röhöls heftige Emmissionen - nicht nur CO2, sondern auch SO2 u.v.a.m. - freisetzt, ohne das nur ein Liter raffineriert wurde. Das Löschen der Ladung im Hafen sowie der Weitertransport in die Raffinerien wird weitere Emmissionen freisetzen. Und die Erschließung / Förderung des Erdöls incl. der Unsitte des Abfackelns mitsamt der immer mal wieder vorkommenden Bohrplattform-/Tankerunfälle tun ein Übriges zur Schädigung der Umwelt.

Die Herstellung von Ölplattformen, Tankern, Raffinerien und schließlich Kfz mit Verbrennungsmotoren darf man bei dieser Betrachtung natürlich nur dann betrachten, wenn man die Herstellung von Batterien, Windrädern, Photozellen und Elektroautos gegenrechnet. Die VCD-Sichtweise, diesen Herstellungsprozess (und seinen Energie- bzw. CO2-Impact) den Elektroautos zuzuschreiben, bei den Verbrennerfahrzeugen aber zu vernachlässigen, ist allerdings unseriös.
Beste Grüße, Thomas
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