Leichtbau kommt und geht.

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Leichtbau kommt und geht.

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Das scheint im Automobilbau tatsächlich so zu sein.
Nach der Ölkrise 1973 hat z.B. Mercedes angefangen, die Autos abzuspecken, für weniger Benzinverbrauch. Man hat z.B. plötzlich Kunststoffstoßstangen an Mercedesautos gesehen.
Anfang und Mitte der 80er waren Golf 1 u. 2 sehr leicht. Ich kann mich erinnern, den Golf 2 Turbodiesel mit 4 Liter Spritverbrauch gefahren zu haben. Danach wurden die Golfs schwerer, z.B. wegen Unfallschutz beim Seitenaufprall, die Türen aller PKWs wurden schwerer. Plötzlich wurden die Autos mit falschen Verbrauchswerten angegeben, das wurde bei allen Herstellern Mode.
Mitte der 80er wurde der erste M3 gebaut, E30, der war extrem leicht gebaut. Er diente in erster Linie als Homologationsmodell für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM), deshalb war er so extrem gebaut wie kein anderer M3, der ihm folgte. Das ist der einzige BMW, der serienmäßig nah an einem echten Rennwagen dran ist. Das waren noch Rennen, bei der DTM, werde ich nicht vergessen. Johnny Cecotto, Roberto Ravaglia, Klaus Ludwig, das waren Zeiten...

In den 90ern wurden die Autos permanent schwerer, jedes Nachfolgemodell hatte mehr Speck auf den Rippen. Alles wegen der Sicherheit, die Leute, die die leichten Autos Anfang der 80er fuhren, waren allesamt lebensmüde. Es gab eine Ausnahme, die Lotus Elise. Mitte der 90er vorgestellt, 700 Kilo schwer. Ich dachte mir, wenn du dir die mal leisten kannst, kaufst du sie. 2002 war es soweit :D Ein unfassbares Auto, hatte ich mit viel Aufwand noch 80 Kilo abgespeckt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mal ein Serienauto fahre, dass mir so viel Fahrspaß bereitet wie das Ding. Die wurde mir kaputtgefahren, Vorfahrt genommen, sonst hätte ich die noch. Die war ich übrigens auch mal mit ca. 4 Liter Spritverbrauch gefahren, das ging tatsächlich.
Als Ausgleich für den Verlust der Elise habe ich mir eine andere extreme Leichtbaukiste zugelegt, von BMW. Eine 20er S1000RR. Nichts hat mir beim Fahren bis jetzt so viel Spaß bereitet wie das Gerät, das ist der Wahnsinn.

Ende der 90er, Anfang der 2000er fand sich wieder Leichtbau in den Autos. Z.B., der 5er E60. Viel Alu wurde da verbaut, der ist für seine Größe recht sparsam, das Bangledesign war auch windschnittig. VW Konzern hatte da auch wieder Leichtbau betrieben, z.B. bei dem Audi A2.
Danach wurden die Nachfolgemodelle wieder schwerer...

Dann kam BMW mit i3 und i8, ich finde es unfassbar, dass BMW die so gebaut hat. Die Begehrlichkeit war in mir geweckt :mrgreen:
Beide werden nun bald auch nicht mehr gebaut.

Aktuell gehts mit den Pfunden wieder steil bergauf. Stromverbrauch ist egal, Hauptsache Reichweite und schnell laden. Um den Drang nach Vortrieb zu befriedigen, haben die Boliden meist mehr als 200 PS, so ists richtig :roll: Wird es so weitergehen?

Sicher gibts in der Historie noch viele andere Fahrzeuge, die in Sachen Gewicht in beide Richtungen herausstechen. Mir waren die oben genannten aufgefallen.
i3 (120 Ah), i8, V8-Touring
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Re: Leichtbau kommt und geht.

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Wie der i4 und iX geplant wurde, war der Strom auf der Straße sehr, sehr billig. Wenn die Strom Preise an den CCS weiter steigen, dann sollte doch der Stromverbrauch unabhängig von der Reichweite wieder ein Thema werden, oder? Mit momentan 7€/100km oder mehr im i4 spürt man das plötzlich.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
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Re: Leichtbau kommt und geht.

electic going
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Relevant ist nicht einfach das Gewicht, sondern wie man es auch geschickt "umbaut" und vortreibt. Also sparsamer Antrieb und gute Aerodynamik.

Daimler hat ja mit dem EQS wohl etwas sau sparsames trotz Größe und Gewicht gezaubert. Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen, wie gut die Autobauer bei sowas sind, denn da wird man echte Praxiszahlen bekommen, die ärgerlich werden könnten. Wenn da von einem Hersteller Fahrzeuge mit 500km Reichweite kommen, die aber auch an jedem HPC, auch ohne 800V, in 20 Minuten bereit für weitere 300km sind und von anderen Herstellern nur Fahrzeuge mit 200km in 30 Minuten (bei gleichem Preis und "Status"), wird das sehr deutlich und für etliche Kunden dann doch zu einem Argument.

Strompreise sehe ich da nicht als Problem. Die Spritpreise kennen auch nur eine Richtung und trotzdem verkaufen sich diese Mega-Kisten sehr gut. Eher Ladezeit zusammen mit erzeugter Reichweite mit der Flexibilität, nicht nur bestimmte Ladestationen anfahren zu müssen um die Ladezeit auch zu erreichen.

Re: Leichtbau kommt und geht.

Michael_Ohl
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Mein E-UP ist das Leichtgewicht und braucht um die 12kWh in der Stadt bei 13XX kg. Die Postkutsche zeigt 13,5kWh als schnitt, der maxi 14,5kWh und der Expert 23 kWh. Der ist sicher mit 2100kg auch schwerer, aber der wird dank seiner Reichweite auch öfter mit 130 über die BAB gescheucht, was mit den Kangoos eher seltener gemacht wird.

MfG
Michael
Kangoo ZE maxi seit 2015 120000km, Kangoo ZE Postkutsche seit 2018 91500km, E-UP seit 2020, 5000km, C180TD seit 2019 27000km , max G30d seit 2020 350km, Sunlight Caravan, Humbauer 1300kg, E-Expert 75kWh 3000km

Re: Leichtbau kommt und geht.

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Interessant war die Entwicklung bei den Motorrädern, da gab es mal eine Phase wo auch die Sportgeräte jedes Jahr schwerer wurden, dann kamen aber plötzlich die ersten abgespeckten Varianten auf den Markt und die Kunden merkten dass man damit doch viel besser flott unterwegs war, dann wurde überall abgespeckt und soweit ich das heute noch überblicke, ich fahre ja seit Jahren nur noch E-Roller, ist es aber bei den sportlichen Geräten dabei geblieben. Was dabei zählt ist nicht nur der Verbrauch, viel Motorleistung hilft zwar dabei das Mehrgewicht schnell nach Vorne zu bringen, allerdings in den Kurven und vor Allem auf der Bremse hilft nur der Leichtbau. Da haben sie nun teuer erkauft so viel Motorleistung in ihren tollen E-Autos der 2,5t/an die 5m - Klasse, aber bekommen die nicht mehr flott um die Kurven herum und nicht mehr ordentlich heruntergebremst oder eben nur noch mit außerordentlich hohem Materialaufwand / Verschleiss dabei, die Gesetze der Physik sind eben nur sehr schwer überwindbar.
Auch als ich früher noch flott mit dem Motorrad unterwegs war wusste ich schon, schnell geradeaus zu fahren ist anspruchslos und absolut keine Kunst, das wahre Können von Fahrzeug und Fahrer zeigte sich immer erst wenn die Strecke kurvig wurde. Idealerweise auf Strecken ähnlich der Nordschleife und da machte jedes kg weniger wieder etwas mehr Spaß beim Fahren. Die damals auf der BAB mit über 200 an dir vorbei zogen, die konntest du eh auf der ersten kurvigen Strecke vergessen,da kam nichts .
Ist das nicht gut ?
Ja ! Das ist nicht gut !

Re: Leichtbau kommt und geht.

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Ja, bei Motorrädern ist es anders rum. Die wurden immer leichter. Meine S1000RR wiegt 193 Kilo, vollgetankt, hat Carbonfelgen.
Das Ding macht mir in Kurven irre viel Spaß. Die Elektronik macht die Leistung fahrbar. Außerdem wackelt da nichts, Fahrwerk ist immer souverän ruhig.
Allerdings ist sie, trotz niedrigem Gewicht, kein Spritsparer. Der Motor ist ein echter Rennmotor, da zählt im Wettbewerb nur Leistung.
i3 (120 Ah), i8, V8-Touring

Re: Leichtbau kommt und geht.

A.Q.
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Ich denke, dass das Gewicht mit dem Umstieg auf die E-Mobilität noch weniger Beachtung finden wird als bei den Verbrennern.
Denn erstens werden E-Autos wegen der Akkus sowieso viel schwerer - und der Unterschied zwischen 1400 und 1500 kg ist deutlicher als der zwischen 2100 und 2200 kg.
Zweitens spielt das Gewicht für den Verbrauch bei E-Autos eine viel geringere Rolle als bei Verbrennern.

Gewicht beeinflusst den Verbrauch ja nur aus zwei Gründen:
* Erhöhter Rollwiderstand: Der Einfluss des Rollwiderstand auf den Verbrauch ist aber recht gering.
* Beim Bremsen eines schweren Fahrzeugs wird mehr Energie in Wärme umgewandelt. Das spielt bei Elektroautos aber eine viel geringere Rolle, da man meistens durch Rekuperation bremst und dabei ca. 60 % der Energie zurückgewinnt.

Und für die Beschleunigung ist das Gewicht auch nicht mehr so wichtig, weil leistungsstarke E-Motoren einen vergleichsweise geringen Aufpreis kosten.

Ich will damit nicht sagen, dass ich das gut finde, im Gegenteil.

Die wichtigere Stellschraube für den Verbrauch zumindest auf der Langstrecke ist aber der Luftwiderstandswert. Hier haben die meisten Hersteller noch einige Hausaufgaben vor sich.

Re: Leichtbau kommt und geht.

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Ein paar kleine Vorteile fallen mir bei leichteren Elektroautos noch ein.

Die Verzögerung beim Rekuperieren ist stärker. Den i3 fährt man tatsächlich fast ganz ohne manuell zu bremsen, die Verzögerung ist immens. Z.B., der i8 rekuperiert fast mit der gleichen Leistung, die Verzögerung dabei ist viel geringer.

Beim Bremsen ist höheres Gewicht generell schlechter, der Bremsweg wird dadurch länger, in Kurven gibts Performancenachteile, das Gewicht drückt nach Außen. Lager und Federn sind stärker belastet.
i3 (120 Ah), i8, V8-Touring

Re: Leichtbau kommt und geht.

A.Q.
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Die Verzögerung beim Rekuperieren ist stärker.
Aber nur dann, wenn die Rekuperation des Motors an seine Grenzen kommt. Ein Taycan rekuperiert mit bis zu 265 kW!
Beim Bremsen ist höheres Gewicht generell schlechter, der Bremsweg wird dadurch länger,
Aber nur minimal. In der Theorie eigentlich gar nicht, in der Praxis ein klein wenig, weil der Reifen sich bei einer Vollbremsung stärker erwärmt.
in Kurven gibts Performancenachteile, das Gewicht drückt nach Außen.
Ja, aber auch nach unten. Daher ist die maximale Winkelgeschwindigkeit vom Gewicht unabhängig. Ein Problem wird das Gewicht erst, wenn es zu weit oben liegt und dadurch der Wagen zu kippen droht.
Lager und Federn sind stärker belastet.
Das ist ohne Zweifel ein wichtiger Aspekt! Bei meinem VW Sharan hat das ständig zu Ärger und teuren Reparaturen geführt.

Re: Leichtbau kommt und geht.

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Mein Vergleich beim Rekurperieren bezieht sich auf gleiche Rekuperationsleistung und unterschiedlichen Fahrzeuggewichten, da verzögert das leichtere Auto stärker. Und man bekommt nur ca. 60% Strom beim Rekuperieren zurück, da geht also schon auch was verloren.

Meine Elise wog 690 Kilo. Damit konnte ich auf dem winkligen Kurs in Oschersleben z.B. den 911er Porscheboliden richtig um die Ohren fahren. Ich konnte Kurven viel später anbremsen und war an Kurvenausgänge viel früher wieder auf dem Gas. Wenn die Reifen auf Temperatur waren, war der Speed enorm.
Zitat von Colin Chapman (Lotusgründer): „Mehr Leistung macht ein Auto auf der Geraden schneller, weniger Gewicht macht es überall schneller.“

Auf Rennstrecken wimmern Bremsen und Reifen bei schweren Autos schnell ihr letztes Gebet, mit dem leichteren Auto bleibt der Speed konstant.
Es gibt viele Videos von Teslas auf der Nordschleife. Beachtlicher Speed, aber nicht lange :lol:
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