Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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    JoDa
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folder Sa 4. Mai 2019, 18:03
Um die Förderungen für ein neues Elektroauto zu kassieren muss man einen Ökostromanbieter wählen.
Das geht ganz einfach und schnell. Tarifvergleichsportal öffnen, dort die Buttons für "Ökostromanbieter" und eventuell noch den Button für "besondere Ökostromauszeichnung" drücken, den billigsten dieser Anbieter wählen und in ca.15min das Online-Wechselformular ausfüllen. Man freut sich, dass das dank EU-Strommarktliberalisierung so einfach geht, und das Ökostrom nicht mehr kostet.

Ein paar Fragen drängen sich trotzdem auf:
Ökostrom kostet nicht mehr, obwohl man damit zusätzlich Ökostromkraftwerke fördert?
Man bekommt den Strom (=die elektrische Energie) aus dem Netz in welchem sich der momentane Strommix befindet. Wie kann ich da sicher sein das ich nur Ökostrom bekomme?

Üblicherweise wird dann Wikipedia befragt. (Nicht vergessen auch einmal etwas für Wikipedia zu spenden.;-))
Wenn man den Artikel "Ökostrom" liest, macht sich rasch Ernüchterung breit und man fühlt sich als privater Stromkunde verar...t.
Wenn einem der Artikel zu lange ist reicht es auch den Unterpunkt "Ökostromanbieter" zu lesen, dort werden nach Staaten geordnet die wenigen empfehlenswerten Ökostromanbieter genannt. Das sind vereinfacht gesagt jene welche den Bau von neuen regenerativen Kraftwerken zusätzlich fördern.

Wer etwas mehr Zeit hat kann sich auch nachfolgend meine Gedanken zum Thema durchlesen:
Die neuen geförderten regenerativen Kraftwerken (Deutschland: EE-Gesetz, Österreich: OEMAG) bekommen für einen gewissen Zeitraum einen festen Einspeisetrarif (EEG: 20Jahre, OEMAG: 13Jahre). Der von diesen Anlagen eingespeiste Strom wird an der Strombörse gehandelt. Die Differenz zwischen Fördertarif und Börsenpreis zahlt der Stromkunde in Form der Förderbeträge (Deutschlad: EE-Umlage, Österreich: Ökopauschale und Ökoförderbetrag) auf seiner Stromrechnung. Unabhängig vom Stromlieferant wird somit der Bau von neuen erneuerbaren Kraftwerken gefördert. :D
Die Stromkennzeichnung auf der Jahresabrechnung ist in Österreich im Vergleich zu Deutschland vorbildlich. (In Ö wird sogar angegeben aus welchen Staaten die Herkunftsnachweise stammen, und ob diese zusammen mit der elektrischen Energie erworben wurden, oder ob nur auf dem Papier ein reiner Zertifikathandel stattgefunden hat.) Trotzdem bin ich der Meinung, dass durch die Stromkennzeichnung generell die Privatkunden getäuscht werden. Ihnen wird dadurch suggeriert, das sie durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter erreichen, das mehr Ökostrom ins Netz eingespeist wird. Tatsächlich bewirkt der Wechsel zu einem Ökostromanbieter jedoch nur eine Umverteilung des bereits vorhandenen Ökostroms. Man bekommt den Ökostrom und der Industriekunde, dem die Stromherkunft egal ist, bekommt den Rest. :evil:
Auch wenn man diese Meinung nicht teilt, so kann man doch die Notwendigkeit einer zusätzlichen Kennzeichnung von "echtem Ökostrom" erkennen. Also von solchem durch dessen Kauf man den Zubau von neuen regenerativen Kraftwerken zusätzlich fördert. Dazu dienen die Ökosiegel. In Österreich gibt es das österreichische Umweltzeichen UZ 46 , mit so strengen Vorgaben dass sie kaum ein Stromanbieter erfüllt. Die großen Händler bieten jedoch zusätzlich teurere Tarife mit UZ 46 an. Die unabhängige Umweltorganisation Global 2000 macht jedoch alljährlich den sog. "Stromanbieter Check" in dem sie alle großen österreichweit tätigen Stromanbieter (2018: 23 Anbieter) nach einem Punktesystem reiht und in 5 Kategorien einteilt. Nur 2 Anbieter die AAE und die W.E.B mit einem Marktanteil von insgesamt 0,2% erreichten 2018 die höchste Kategorie "Treiber der Stromzukunft".
In Deutschland gibt es ein solches Ranking nicht, dafür gibt es 7 verschiedene Ökostromsiegel mit mehr oder weniger strengen Vorgaben. Auf utopia.de wurden diese unter die Lupe genommen. Ergebnis:
"Siegel wie ´Grüner Strom´ und ´ok power´ sind zweifellos aussagekräftig und garantieren, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden. Aber es geht eben noch besser, wie einige Ökostrom-Anbieter vormachen, und zugleich zeigt sich, das das Fehlen solcher Siegel auch nicht unbedingt bedeutet, dass der Ökostrom schlecht ist. Eine wirklich zufriedenstellende Orientierung bieten Ökostrom-Labels (in Deutschland) derzeit eher nicht."
Aber auf utopia.de werden auch Ökostromanbieter empfohlen. Von den 4 deutschen Ökostrompionieren (Lichtblick, Naturstrom, EWS, Bürgerwerke) bis zu dem seit 2018 aktiven "Online Marktplatz für Strom" auf www.enyway.com.
Der österreichische Stromhändler aWATTar bietet seit kurzem seine Dienste auch in Deutschland an. Er ist der erste Anbieter für stündlich schwankende Strompreise, gemäß dem Strombörsenpreis EPEX-Spott. Die österreichische Ladelösung go-e hat bereits eine WLAN-App eingebaut, welche das Laden des Elektroautos Vollautomatisch nach diesem Strompreis steuert, welcher einen Tag im Voraus bekannt gegeben wird. :D
Verrechnungssysteme für Ökostrom auf Blockchain-Basis sind im Testbetrieb. :D

In diesem Sinne:
"panta rhei" (Heraklit)

Update: 5.5.19 utopia.de-Link verbessert. Dank an JuGoing
Zuletzt geändert von JoDa am So 5. Mai 2019, 08:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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JuGoing
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folder Sa 4. Mai 2019, 19:32
Der erste Utopia Link funktioniert bei mir nicht.
10/13 PV 9,75 kWp (Ost / West) & Pelletsheizung ÖkoFen 25 kW mit 15 qm Solarthermie
02/17 Hauskraftwerk E3/DC S10E12 mit 13,8 kWh Batteriekapazität und Notstromversorgung
06/17 ZOE R90 ZE 40 22 kW
11/17 Sion reserviert

Re: Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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    Alex1
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folder Sa 11. Mai 2019, 20:14
Danke, JoDa, dass Du mich bestätigt hast :mrgreen: - keine Ironie! Wir liegen anscheinend doch nicht so weit auseinander ;)

Die 4 "Zeitgleichen" in Wiki sind die Einzigen, die die Energiewende voranbringen, wenn man zu ihnen wechsel
Relativ neu(?) ist ja enyway.com, die die großen Stromversorger umgehen und nur noch das Netz nutzen. Damit weiß wirklich Jede, welche kWh von welchem Einspeiser kommt (Blockchain). Gründer ist ja der Lichtblick-Gründer, insofern bin ich da ein klein bisschen skeptisch. Die waren m.W. nicht so 100 % regenerativ, haben ihre kWh auch mal woanders her geholt. Hab es aber nicht in alle Einzelheiten verfolgt.

Das mit Bürgersolarparks oder -flächen ist ja unbestritten (Solarzellen werden eben nicht abgeschaltet, wenn genug Strom da ist). Bei Windparkst hat ja unsere tolle Regierung den Bürgerprojekten so dicke Knüppel zwischen die Beine geworfen, dass es m.W. praktisch keine Bürgerwindkraftwerke gebaut werden. Weiß jemand mehr?
Freitag treffen wir uns: https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

Herzliche Grüße
Alex

Rest-CO2 kompensieren: http://www.atmosfair.de Goldstandard

Re: Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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    agerhard
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folder Do 12. Sep 2019, 14:08
Alex1 hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 20:14
..., dass es m.W. praktisch keine Bürgerwindkraftwerke gebaut werden. Weiß jemand mehr?
Zumindest hat mein Anbieter, die prokon eG (NICHT: ehem. prokon GmbH) in 2019 ein neues - Nr. 65 - ans Netz gebracht:
https://www.prokon.net/news-und-presse/ ... b-genommen

Als Grundsatz hat man hier auch:
-------------------------------------------
"Aus der Überzeugung heraus, dass der wichtigste Baustein der Energiewende die grüne Stromerzeugung selbst ist, haben wir uns vom ersten Tag an die Selbstverpflichtung auferlegt, durchschnittlich mindestens so viel Strom in unseren eigenen Windparks zu produzieren und ins deutsche Stromnetz einzuspeisen, wie unsere Prokon Stromkunden verbrauchen."

https://www.prokon.net/strom/unser-stro ... nzeichnung


Ist aus meiner Sicht aktuell für mich der gangbarste Weg über die Stromrechnung die Energiewende voranzubringen.

cu,
agerhard
1. EV: Botschafter-Leaf (04.2015 von eDEVIL übernommen) 2. EV: PerlWeiß-Leaf (10.2016 von Solarstromer übernommen)

Re: Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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smarty79
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folder Sa 12. Okt 2019, 09:08
Ich kann die Fokussierung auf diese wenigen Ökostromanbieter so nicht nachvollziehen.

Unsere örtlichen Stadtwerke Münster investieren in der direkten Umgebung massiv in WEA und Sonnenenergie und tragen das "Grüner Strom Label". Selbst im Gesamtmix liegen diese bereits bei 50% erneuerbaren nach EEG.Die Weichen für die eigenen Gaskraftwerke mit KWK und die Beteiligung am Kraftwerk Hamm wurden vor sehr vielen Jahren gestellt. Dazu kommt als Grundversorger die Pflicht, alle Bürger mit Strom zu beliefern. Wäre die überhaupt erfültt, wenn man nur noch Ökostrom anbietet?

Man darf nicht vergessen: Regional produzierter Strom ist am Ende vom Tag immer mit weniger Leitungsverlusten versehen als der, der von Offshore-Windkraft oder von Wasserkraft aus Österreich kommt. Das können die hier ach so geliebten Stromhändler mit kleiner Produktionsabteilung doch gar nicht leisten.

Insgesamt kommen wir sicher weiter, wenn wir die regionalen Versorger durch die Wahl entsprechender Produkte (eben kein Greenwashing) darin bestärken, weiter den richtigen Weg zu verfolgen.
e-Up! bestellt, Auslieferung in WOB voraussichtlich Februar 2020

Re: Durch Stromanbieter Energiewende unterstützen?

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Nichtraucher
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folder Sa 12. Okt 2019, 09:18
smarty79 hat geschrieben:
Sa 12. Okt 2019, 09:08
Ich kann die Fokussierung auf diese wenigen Ökostromanbieter so nicht nachvollziehen.

Unsere örtlichen Stadtwerke Münster investieren in der direkten Umgebung massiv in WEA und Sonnenenergie und tragen das "Grüner Strom Label". Selbst im Gesamtmix liegen diese bereits bei 50% erneuerbaren nach EEG.Die Weichen für die eigenen Gaskraftwerke mit KWK und die Beteiligung am Kraftwerk Hamm wurden vor sehr vielen Jahren gestellt. Dazu kommt als Grundversorger die Pflicht, alle Bürger mit Strom zu beliefern. Wäre die überhaupt erfültt, wenn man nur noch Ökostrom anbietet?

Man darf nicht vergessen: Regional produzierter Strom ist am Ende vom Tag immer mit weniger Leitungsverlusten versehen als der, der von Offshore-Windkraft oder von Wasserkraft aus Österreich kommt. Das können die hier ach so geliebten Stromhändler mit kleiner Produktionsabteilung doch gar nicht leisten.

Insgesamt kommen wir sicher weiter, wenn wir die regionalen Versorger durch die Wahl entsprechender Produkte (eben kein Greenwashing) darin bestärken, weiter den richtigen Weg zu verfolgen.
Wenn der Grundversorger sich richtig anstrengt, dann sollte man das meiner Meinung nach durchaus honorieren.
Natürlich ist auch eine Grundversorgung mit 100% Ökostrom möglich. Braucht halt ein Konzept dazu. Und einfach abwehren mit dem Argument zu teuer, ist zu kurz gesprungen.

Positiv bewerte ich auch die Energiegenossenschaften. Dort kann man ja dann wirklich auch Kraftwerksbetreiber werden.
derzeit ohne Auto
Sion bestellt, Referral-Link https://sonomotors.com/en/preorder/?r=klaus898928 (je 1% auf den Sion für Dich und für mich)
Demnächst 'ne Zoe Intens mit AHK um die Zeit bis zum Sion zu überbrücken
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