Frage: Rekuperation und Bremsen

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Neufahr2
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Kann mir bitte jemand etwas erklären: wenn der Akku gut gefüllt ist, dann wird kaum rekuperiert (habe ich hier im Forum so verstanden). Wird dann tatsächlich mit den Scheibenbremsen gebremst?
Wäre es nicht logisch, dann weiterhin elektrisch, aber ohne Ladung, zu bremsen? Ich dachte immer, ein Vorteil von e-Autos wäre der "Nichtverschleiss von Bremsbelägen"?!
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

hank-arus
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Ich denk die Energie müsste irgendwohin dann, man kann sie ja nicht verschwinden lassen. Ist auch nur die ersten paar Kilometer und bei 100% Ladung so. Find ich nicht so tragisch. Man muss nur aufpassen wenn man, wie ich, immer in B fährt. Das kann schon überraschen wenn er nicht bremst.
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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Natürlich ist es technisch möglich, die gewonnene Überschussenergie in Widerständen zu verheizen, macht aber wenig Sinn. Bei Schwerlastfahrzeugen ist es sinnigerweise auf ähnliche Weise sogar Gang und Gäbe, um den Bremsverschleiß zu verringern, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Retarder.
Bei zu wenig mechanischer Bremsung besteht die Gefahr, das die Bremsscheiben starken Rost ansetzen und auch gerne fest gammeln, insbesondere an der Hinterachse. Das passiert mir ständig die letzten Jahre auch mit meinen Verbrennern und vorausschauender Fahrweise. Da muss ich dann leider mit schleifender Bremse und ausgekuppelt die Berge runter rollen lassen, damit ich beim nächsten TÜV nicht durchfalle. Bei meinen Fahrzeugen mit Trommelbremse an der Hinterachse habe ich nicht das Problem. Deshalb finde ich es gut, das der VW ID3 hinten Trommelbremsen hat. Bei meinen beiden A-Klassen muss ich deshalb schon nach wenigen Jahren (ca. 4) an der Hinterachse die Scheiben und Beläge tauschen, obwohl bei weitem noch nicht verschlissen. Plus gründliche Reinigung der Sättel und Gleitflächen um eine einwandfrei Funktion zu gewährleisten. Leider kann man bei Mercedes nicht einfach während der Fahrt ein wenig die Handbremse schleifen lassen, um die Scheiben und Beläge "frei" zu bremsen, da dort für die Feststellbremse Quasitrommeln verbaut sind. Zur Info, ich lebe im Sauerland, mit vielen Hügeln und Tälern. Bevor wir Fahrzeuge in der Garage oder unter dem Carport abstellen, versuchen wir vorher die Bremsen "trocken" zu bremsen, ganz besonders im Winter. Ausserdem vermeiden wir dann die Feststellbremse anzuziehen, weil es häufiger vorkommt, dass diese über Nacht so doll festrostet und nächsten Tag die Beläge abreißen oder ausbrechen.
Zurück zum e-208: Meine Probefahrt war im März, das Fahrzeug wurde im Februar auf den Händler zugelassen und hatte ca. 1500 km auf dem Tacho. Die Bremsen an der Vorderachse waren blitzblank, die auf der Hinterachse ziemlich rostig. Bei Übergabe war der Akku zu 100% geladen. Angezeigte Restreichweite 180 km. Aussentemperatur ca. 12°C. Der Händler hat auch gar nicht zu viel erklärt, meinte nur ich solle auch das Bremspedal wie gewohnt benutzen. Bei leichtem Bremsen würde das Fahrzeug bevorzugt rekuperieren. Also bin ich los gefahren. An der ersten Kreuzung musste ich dann tatsächlich mit der Bremse arbeiten. Die Rekuperation hatte gar keinen Effekt, obwohl ich auf B-Modus geschaltet hatte. Nach ca. 15 km mit vielen Beschleunigungsorgien konnte ich dann endlich die Rekuperation erleben. Habe dann den D-Modus gewählt und bin einfach so gefahren, wie ich es von unseren Verbrennern gewohnt war. Alles ohne Assistenssysteme, voll manuell. Da wurde mir die Rekuperation im B-Mode doch zu viel. Dieses "One-Pedal-drive" war für mich zu anstrengend und hat mich an meine Carrera-Bahn erinnert. Im D-Modus hatte ich ein besseres Gefühl. Bin dann sehr langsam eine Steigung zum unserem Schützenhaus (ca. 16%) hoch gefahren und war begeistert, wie gleichmäßig das funktioniert. Mit dem Verbrenner ist das immer ein Drama. Danach natürlich wieder runter, auf der Bremse im D-Modus. Das war noch viel besser. Der Bordcomputer zeigte volle Rekuperation an. Wieviel mechanische Bremse dabei war kann ich nicht sagen. Am Ende der Probefahrt waren jedoch die hinteren Bremsscheiben noch nicht vom Rost befreit. Ich würde mir deshalb wie beim ID3 Trommelbremsen wünschen.
Sorry für den langen Text.
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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hank-arus hat geschrieben: Ich denk die Energie müsste irgendwohin dann, man kann sie ja nicht verschwinden lassen. Ist auch nur die ersten paar Kilometer und bei 100% Ladung so. Find ich nicht so tragisch. Man muss nur aufpassen wenn man, wie ich, immer in B fährt. Das kann schon überraschen wenn er nicht bremst.
Dieses unterschiedliche Verhalten kurz nach dem Vollladen ist fuer mich sehr ungewoehnlich. Kenne ich vom e-Golf nicht.

Wenn Probefahrer (auch solche, die noch keine e-Auto-Erfahrung haben) eine Probefahrt mit vollem Akku beginnen, entstehen bei manchen sicherlich die Fragen:
- Warum gibt es keinen Unterschied zwischen D und B - ist da was kaputt?
- Warum aendert sich das im Laufe der Zeit - ist da was kaputt?

Mein Vorschlag an PSA:
- bietet konfigurierbare Ladelimits an, standardmaessig z.B. 90%, wer 100% will, muss es extra bestaetigen => akkuschonend und genug Platz fuer Rekuperation da
- in D keine Rekuperation => dadurch keine Aenderung des Fahrverhaltens
- Rekuperation (in B oder bei Druck auf Bremse) auch nach Vollladung (ausser, wenn dann mehr als z.B. 102% netto-Kapazitaet drin waeren - wer laedt schon 100%, wenn er auf dem Berg ist?)
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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"wer laedt schon 100%, wenn er auf dem Berg ist?"

Ich mache dies, da ich so zwischendurch auch einmal die Scheibenbremsen richtig brauche und diese nicht vergammeln.

Beim Ampera-e habe ich aber die Möglichkeit das Laden auf einen Abfahrtszeitpunkt hin zu programmieren. So ist er nur kurze Zeit auf 100% vollgeladen, bevor ich losfahre. Schade, dass es diese Möglichkeit beim Peugeot e-208 / Corsa-e nicht gibt.
Unsere Familie fährt voll elektrisch:
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Opel Corsa-e seit Juni 2020 über 11'000 km

Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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Ah, an das gezielte Freibremsen hatte ich nicht gedacht (macht man ja nicht mal beim Verbrenner). Aber Corsa-e und e-208 sollten doch Ladetimer haben.
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

Gerri83
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Beim Verbrenner muss man ja nicht freibremsen weil die Bremsen laufend benutzt werden...

Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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Nutzt doch zum Freibremsen einfach den Handbremsknopf.
Ohne Verkehr im Nacken während der Fahrt nach hinten ziehen und schon wird vorn und hinten mit 50% Bremsdruck gebremst.
Rost auf der Scheibe ist Schnee von gestern.
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

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Uihh, guter Tipp. Habe mich noch nie getraut den Hebel während der Fahrt zu benutzen. Habe jedoch auch so etwas im Manual gelesen, dass man quasi mit dem Handbremsschalter bremsen kann. Ein "Überbremsen" soll dann die Elektronik/ABS verhindern. Muss das mal ausprobieren. Ich bremse gerne die Scheiben trocken, bevor ich in die Garage fahre. Hatte einfach bergab, bei 70 km/h, auf Neutral gestellt und die Reibbremse genutzt. Hat auch funktioniert. Der Motor läuft dann elektrisch (nicht mechanisch) frei. Die Synchronmaschine erzeugt dann allerdings eine recht hohe Induktionsspannung, wofür die Leistungshalbleiter zwar ausgelegt sein sollten, aber der Teufel ist ein Eichhörnchen ;-)
Danke für den super Tipp!
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Re: Frage: Rekuperation und Bremsen

Tiefflieger aus TF
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Das funktioniert bei allen Autos mit elektrischer Hand-/Parkbremse so.
Ist auch für den Beifahrer als Notfallknopf, falls der Fahrer nicht mehr fahrtauglich ist, um den Wagen zum Stillstand zu bringen.
Brieft mal alle eure Frauen und Kinder für diesen Notfall.
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