Autofahren 2.0 - 4 Jahre und 231000km elektrisch unterwegs

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Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs


Servus Community!

Seit heute bin ich genau 1 Jahr elektrisch mit dem Ioniq unterwegs :hurra:
In diesem Jahr ist viel geschehen und ich möchte den Tag mal zum Anlass nehmen, die Erfahrungen zusammenzufassen.

Wie bin ich zum Ioniq gekommen?

Wir haben uns vor 2.5 Jahren ein Haus in Kochel am See gekauft und sind aus dem Münchener Süden an den Alpenrand gezogen. Damit veränderte sich unser Leben extrem, denn fortan waren wir nicht nur Hausbesitzer, sondern vor allem zu Pendlern geworden. Das war schon eine große Umstellung. Bislang konnte ich den einen Kilometer zur Arbeit mit dem Radl fahren, die Partnerin fuhr 5km mit dem Auto zur Arbeit und das Kind musste jeden Tag ganze 50m zur Schule gehen. Unseren Kleinwagen, einen Opel Agila B, habe ich unter der Woche teilweise komplett vergessen, höchstens für Einkäufe im 3km entfernten Supermarkt habe ich den unter der Woche mal genutzt.

7 Jahre lang haben wir den Wagen so genutzt und gerade einmal 70tkm zusammengebracht, dann kam der Umzug auf's Land.

Auf einmal Hausbesitzer mit großem Grundstück zu sein, stellte dann alles auf den Kopf. Nun mussten wir zu dritt täglich 2x65km mit dem Auto pendeln, abends dann noch die Einkäufe erledigen und haben Unmengen an Besorgungsfahrten zu Baumärkten etc. machen müssen. Das ging ein ganzes Jahr so. Schließlich hatte der Agila bereits 110tkm auf der Uhr und ich begann mir Sorgen zu machen, wie lange das noch so weiter geht. Täglich wurden es mehr Kilometer. Der Kleinwagen, der uns bislang immer vollkommen ausgereicht und uns nie im Stich gelassen hatte, war mir zum Pendeln mit der ganzen Familie und für Baumarktbesuche einfach zu klein. Ich war da eigentlich nie besonders anspruchsvoll, selbst Urlaube zu dritt inkl. Gepäck und Rennrad ( :!: ) im Agila haben wir unternommen, mir hatte eigentlich nie was gefehlt.

Nun war es aber eine neue Situation, die vielen, vielen Kilometer bei Wind, Wetter, Eis und Schnee mit der kompletten Familie an Bord. Das stresste mich irgendwie. Hinzu kam, dass ich mir recht häufig ein größeres Fahrzeug von der Firma oder einem Bau- oder Möbelmarkt ausleihen musste, um Baumaterialien für's Haus, Möbel oder andere große Dinge zu transportieren. Eine Hängerkupplung hatten wir nicht, würde beim Agila auch gerade mal für einen Mini-Anhänger reichen :lol:

Es musste also langfristig eine Lösung her, ein zweites Auto musste angeschafft werden. Doch was nimmt man da?
Monatelang schwirrte mir die Frage durch den Kopf, was für ein Auto ich kaufen sollte.

"Ich brauche ein Pendlerfahrzeug, ich fahre viele Kilometer"
"es muss ein Diesel sein!"
"nein, ein Diesel ist schwierig, weil man die politische Entwicklung nicht abschätzen kann"
"kaufe einen Benziner, dann hast Du Deine Ruhe"
"mit Hängerkupplung für die Transporte"
"mit Hängerkupplung? Dann doch lieber einen Diesel"
"der Wagen muss günstig im Unterhalt sein"
"er muss einen Zweiachser-Hänger ziehen können"
"ich brauche eigentlich zwei Autos!"
usw...

Mir ging da wirklich so einiges durch den Kopf.
Gerade in Bezug auf das Ziehen eines großen Hängers, schwärmte ich immer wieder für einen Subaru Forester Diesel. Von dem Fahren bei uns sehr viele rum, wir haben auch in 12km Entfernung einen Subaru-Händler vor Ort. Technisch betrachtet, hat mir Subaru mit den Boxer-Motoren und dem Allradantrieb schon immer gut gefallen, so ein Forester würde meine Ansprüche voll und ganz erfüllen, die Subarus gelten zudem auch als sehr robust.

Während ich mehrere Monate so für so einen Subaru schwärmte und immer wieder mal bei dem Subaru-Händler auf dem Hof stand und nach gebrauchten Modellen schaute, musste ich allerdings die Pendelei und die Transporte weiterhin erledigen. Ich hatte vor allem in dem verwilderten Garten Unmengen an Grünabfällen, die abtransportiert werden mussten. Ein Container muss her!

Ein Anruf beim örtlichen Containerdienst und ein 10m³ Container wurde mir auf den Hof gestellt. Da passte schon gut was rein. Ein weiterer Anruf und der Container wurde wieder abgeholt. Ich brauchte mich nicht um das Verfahren des Grünzeugs kümmern und bekam ein paar Tage später die Rechnung dafür: 128€ :!:

Wow, dachte ich mir. Für den Preis eines großen Hängers, kann ich aber oft beim Containerdienst anrufen und mir den auf den Hof stellen lassen. Erste Zweifel kamen in mir auf, ob ich überhaupt so einen SUV mit Hängerkupplung brauche. Eines Tages stand ich dann aber wieder beim Subaru-Händler auf dem Hof und schaute mich um. Da standen auf einmal drei BMW i3 auf dem Hof. Die fand ich spannend, ein Blick auf den Preis ließ mich aber nur den Kopf schütteln. 34t€ für ein eineinhalb Jahre altes Elektroauto, welches gerade mal 100km schafft? "Die spinnen!" dachte ich mir.

Aber ich begann mich dafür zu interessieren - zunächst aber rein technisch.

Im Internet habe ich dann diverse Abende verbracht und mich nach dem Stand der Technik informiert. "Schaffen die Dinger überhaupt meine Pendelstrecke, wie lange dauert das Nachladen?" waren die Fragen, die ich mir stellte. Ihr kennt das ja. Mir waren die E-Autos vor allem viel zu teuer, mehr als 20.000€ wollte ich eigentlich nicht für ein Auto ausgeben. Vor allem Berichte über frierende i3-Fahrer im Winter und 100km Reichweite, bereiteten mir ein Kopfschütteln. Gibt es echt Leute, die sich im Jahr 2016 in ein so teures Auto setzen und frierend durch die Gegend fahren? Die müssen doch nicht ganz sauber sein! :lol:

Einige Wochen später war dann mein Bruder bei mir zu Besuch und ich begann ihm von meinen Plänen zu erzählen, was mich so plagt. Irgendwann fragte er mich, warum ich mir zum Pendeln nicht ein E-Auto kaufen würde, die sind günstig im Unterhalt und da geht nichts kaputt. Er selbst wäre einen Tesla zur Probe gefahren und war sehr beeindruckt davon.

Naja, ein Tesla war absolut über dem Preisbereich, den ich mir so vorstellte, da brauchte ich nicht zu recherchieren, das wusste ich auch so.

Aber der Hinweis auf die Betriebskosten und die geringe Defektanfälligkeit, lenkte meine Gedanken in eine neue Richtung. Ich begann, den Kauf eines Autos mal von der wirtschaftlichen Seite zu betrachten. Was ich dann in Erfahrung brachte, ließ mich frohlocken, die Kilometerkosten eines E-Autos waren schon sehr niedrig. Lediglich die unbekannten Kosten für einen Ersatzakku, emfand ich als Last, die Garantie auf die Akkus war für meine neue Jahreskilometerleistung nicht ausreichend, bei keinem der Hersteller.

Wochen vergingen.

Als ich mit meiner Partnerin dann an einem Wochenende im Oktober 16 unser Kind samt Freundin in Bad Tölz im Kino abgeliefert hatte, spazierten wir während der Vorstellung durch das nah gelegene Industriegebiet und schauten uns bei diversen Autohändlern um. Schnell waren wir uns einig, dass die Kisten sich in Preisregionen bewegen, die einfach nur noch unfassbar waren. "Man wird ja heute schon gezwungen einen Mercedes zu kaufen, alle anderen kann man sich ja gar nicht leisten" scherzte ich, nachdem wir bei Mercedes, VW und anschließend bei Audi waren. 23t€ für einen Basisgolf VII mit 82PS - abartig!

Dann kamen wir bei einem Händler vorbei, bei dem ein Hyundai ix20 auf dem Hof stand, für gerade einmal 13.000€. Ein Blick in den Innenraum und ich meinte zu meiner Partnerin "Du schau mal, für 13t€ und da ist doch alles drin. Das langt doch absolut. 5 Jahre Garantie auf die Karre ohne Kilometerbegrenzung." Das Interesse für Hyundai war geweckt!

Daheim schaute ich mir die Internetseite von Hyundai an und stieß recht schnell auf den Ioniq. Der gefiel mir und der sollte sogar als Elektro auf den Markt kommen!!! Preislich war die mittlere Ausstattungsversion mit 35t€ zwar vollkommen über meinen ursprünglichen Vorstellungen, aber dafür hatte er 8 Jahre Garantie oder 200tkm auf den Akku, was genau meiner Fahrleistung in diesem Zeitraum entsprach. Am nächsten Tag fuhr ich zu einem Hyundai-Händler, der bei mir auf der Pendelstrecke lag. Uih, da stand sogar ein Ioniq vor der Tür, wenn auch ein Hybrid. Ich schaute mir den Wagen an und durfte mich auch reinsetzen - wow, der gefällt mir. Nach einem ausführlichen Gespräch vor Ort, sagte man mir, dass das Autohaus in wenigen Wochen den ersten Vorführer vom Ioniq Electric bekommen würde und sie sich bei mir melden würden. Ich war angefixt!

Der Ioniq ließ mir keine Ruhe. Im Zuge der Recherche fand ich recht schnell heraus, dass es in so einem komischen Elektro-Dingsforum, goingelectric.de, bereits einen ewig langen Thread zum Thema Ioniq Elektro gab, da las ich mich ein und die Euphorie des Threads begann mich zu fesseln. Dann wurde berichtet, dass der erste Händler bereits ein paar Ioniq Elektro bekommen hatte und die ersten an die Kunden ausgeliefert wurden. Die Sache ließ mir keine Ruhe. Der Händler hatte für den 26.11.16 einen Premierentag für den Ioniq Elektro angekündigt.

Am Freitag, dem 25. bin ich dann abends auf der Couch eingeschlafen, das typische Ende einer anstrengenden Pendlerwoche. Erst morgens um vier Uhr bin ich aufgewacht und hatte das dringende Gefühl nach Landsberg fahren zu müssen, um mir den Ioniq Elektro mal live anzuschauen. Um 7 Uhr habe ich dann meine Partnerin geweckt und erzählte ihr von meinem Vorhaben. Die hielt mich zwar für bekloppt, wollte aber mitkommen. Also machten wir uns auf den 80km Weg nach Landsberg, mitten durch die oberbayerische Prärie. Mitten im Nichts liefen wir dann auf den einzigen PKW auf, der um diese Uhrzeit im Hinterland unterwegs war. Ein Mercedes B250 ED! Ich sagte zu meiner Partnerin "Das gibt es doch gar nicht, niemand ist unterwegs und das einzige Auto was man hier im Hinterland trifft, ist eine Mercedes B-Klasse mit E-Antrieb". Wenn das mal nicht ein Zeichen war.

Bei Autohaus Sangl angekommen, wurden wir freundliche begrüsst und schauten uns um. Da stand er, der Ioniq Elektro in Weiss und Premium-Ausstattung. Wow, der war noch einmal schöner, als der Hybrid, Weiss ist eh schon immer unsere Farbe gewesen. Ich setzte mich rein und war von der Ausstattung total begeistert. Das gefiel mir alles richtig, richtig gut. Dann dackelte ich wie ein kleiner Junge mehrere Male um das Fahrzeug herum, nach der x-ten Runde fiel mein Blick dann mal auf die Preistafel. 30.900€! :shock:

Was war hier los? "Ist das ein Gebrauchter?" fragte ich den Berater vom Autohaus. "Nein, dass ist unser Hauspreis" meinte dieser. Ich wurde ganz unruhig, mit so einem Preis hatte ich nicht gerechnet, ich hatte mich ja schon auf die 35t€ für einen Style eingestellt. Machen wir es kurz, ich lernte Jürgen Sangl kennen, war begeistert von seinem Engagement und seiner Begeisterung für die Elektromobilität und noch viel mehr davon, dass er uns einfach den Schlüssel vom Vorführer in die Hand drückte und uns viel Spaß bei der Probefahrt wünschte. Das kannte ich von anderen Autohäusern anders, da wurden erstmal Personalien aufgenommen, Unterschriften geleistet usw... Nicht bei Sangl!

Die Probefahrt entsprach dann ganz genau unseren Vorstellungen und wir bestellten einen Ioniq Elektro mit Premiumausstattung.

Meine Partnerin schwieg die ganze Heimfahrt, sie konnte es nicht fassen, dass wir gerade eben ein Auto für über 30.000€ gekauft hatten, einfach mal eben. Zugegeben, etwas komisch war es schon, hatten wir auch noch nie so gemacht :D

Die 5 Monate Wartezeit lassen wir mal außen vor. Die hat mich nicht entschleunigt, zu wenig Informationen gab es von Hyundai, genau genommen eigentlich gar keine.

Dann kam der Tag der Abholung.

Bei wunderschönem Wetter machten wir uns auf den Weg nach Landsberg. Geschlafen hatte ich nicht gut, ich war total aufgeregt. Dort angekommen, standen wir erstmals vor unserem neuen Auto, die Scheiben hatten wir folieren lassen und ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden, so hatte ich mir den Wagen vorgestellt! Der Papierkram war schnell erledigt und dann ging es auf den Weg heim. Nach 2km machten erstmal einen kurzen halt und schauten uns das Auto im Sonnenlicht an. Ich war happy, wie ein kleiner Junge. Da war das neue Spielzeug :D

Auf der Fahrt nach Hause, bin ich sehr locker und entspannt gefahren, die 80km sollten ja kein Problem sein. Nach einem kurzen Zwischenstopp daheim und einer guten Tasse Kaffee, ging es auch sogleich an den ersten Schnelllader, um mal die Ladung auszuprobieren. War ich aufgeregt, war das spannend! Aber es war alles kein Problem.

Die folgenden Wochen stand die tägliche Pendelei auf dem Programm, die geforderte Strecke war für den Ioniq überhaupt kein Problem. Recht schnell fand ich heraus, dass mir die Fahrt über die Landstraße mehr Spaß macht, als über die Autobahn, dieses sanfte und leise Dahingleiten mit einem E-Auto ist super. Die Assistenzsysteme sorgten zusätzlich für ein gefühltes Plus an Sicherheit, ich kam deutlich entspannter in der Arbeit und abends auch frischer wieder daheim an. Es war einfach nicht so stressig wie im Agila und man fühlte sich auch nicht so bedrängt von den anderen Verkehrsteilnehmern, konnte aber auch leichter Überholen. Der ist schon besser im Antritt, als der Kleine, wenn auch kein Rennwagen.

Der Verbrauch des Fahrzeugs war sehr gering, ich kam sehr schnell an Verbrauchswerte heran, die abends noch ein dickes Plus an Reichweite im Akku übrig ließen, meist mehr als 50% SOC. Die Angst um die Reichweite war eh schnell vergessen, nach etwa 2 Wochen, machte ich mir da überhaupt keine Sorgen mehr drüber. Wir fuhren auch fast täglich am Schnelllader vorbei, damals ja noch kostenlos, und so stellte sich auch schnell eine gewisse Routine ein, was die "Erweiterung der Reichweite" anging. Wir machten auch gerne am Wochenende mal den einen oder anderen kurzen Ausflug, bewegten uns aber vorwiegend in der Komfortzone im Raum München.

Erst nach zwei Monaten und 8000km stand dann die erste etwas weitere Strecke an, zum e-Day ins Altmühltal. Da musste ich zum ersten Mal an einem Bezahllader laden, bei der Mediamarkt-Verwaltung in Ingolstadt. Das lief aber auch ohne Probleme ab und wir hatten einen sehr schönen Tag zusammen mit anderen E-Autofahrern :thumb:

Im August stand dann die erste, richtige Langstrecke an, knapp 750km in die Mitte Niedersachsens nach Nienburg. Die ganze Familie war mit an Bord, die Route habe ich mir über zahlreiche Tage zurechtgelegt, ich wollte da kein Desaster erleben. Immer wieder wurden im Vorfeld die Säulen hier im Forum gecheckt, nicht das ich an einer defekten Ladesäule stranden würde. Zunächst ging alles gut, die ersten drei Ladestopps verliefen ohne Probleme. Bis zur Raststätte Frankenwald Ost. Die Säule war im Stromtankstellenverzeichnis einen Tag vorher als defekt gemeldet worden, es gab aber einen Verbindungsweg auf die Westseite. Dort angekommen, war die Säule auf der Ostseite auch tatsächlich tot und ich fuhr auf die gegenüberliegende Seite rüber. Dort angekommen musste ich aber zu meinem Entsetzen feststellen, dass auch diese Säule komplett ausgefallen ist :o

Ein Blick auf die Restreichweite bereitete mir Bauchschmerzen - noch 10km!

Im Stromtankstellenverzeichnis fand ich dann den Autohof Bayerisches Voigtland knapp 12km entfernt. Dann erinnerte ich mich, dass es die letzten Kilometer stark bergab ging. Jetzt ging der Puls auch bei mir leicht in die Höhe, versuchte das aber vor der Familien zu verbergen. Wenn ich ruhig werde, bedeutet das meist nichts Gutes, soweit kennt mich meine Familie schon :lol:

Gut. Ich musste nun also irgendwie die Strecke zu der Säule schaffen. Von der angezeigten Reichweite habe ich mich erstmal nicht beeindrucken lassen, der SOC-Stand sollte uns bei ruhiger Fahrweise die Strecke schaffen lassen. Da es noch recht früh am Morgen war und der Verkehr überschaubar war, wartete ich an der Autobahnauffahrt auf den nächsten LKW, um mich auf dem Bergaufstück wenigstens im Windschatten ziehen zu lassen. Die 10km auf der Autobahn mit stetig sinkendem SOC kamen mir wie eine Ewigkeit vor, die Abfahrt war wie eine Erleichterung. Wir kamen dann bis zur Säule und konnten den Ioniq wieder aufladen. Dieses Problem hat sich im Gedächtnis eingeprägt und war eine gefühlte Nahtoderfahrung :?

Der Rest der ersten Langstrecke war aber kein Problem, die Etappen wurden entsprechend kürzer gesetzt und lieber einmal ein Stopp mehr eingelegt, als in Probleme zu geraten. Die Kritik meiner Familie blieb aber nicht aus, es hat Monate gedauert, bis das verloren gegangene Vertrauen in die E-Mobilität wieder hergestellt war.

Eine Woche später habe ich dann mal die bei eRuda geplante Challenge-Strecke abgefahren, laut Angabe der Veranstalter sollte die Runde 240km lang sein. Eine solche Strecke war ich auch noch nicht so häufig an einem Stück ohne Nachladen gefahren. Das klappte aber recht gut, so dass ich im Anschluss den Akku sogar noch leergefahren habe. Ich kam auf eine Gesamtreichweite von 314km mit einer Ladung. Meine persönliche Bestmarke bislang. Der Ioniq kann also auch richtig weit, wenn's sein muss :P

Mitte September letzen Jahres musste ich dann aus beruflichen Gründen allein nach Dortmund, dieses Mal hatte ich besser geplant und mehr Alternativen eingeplant. Trotz schlechten Wetters und Sturm lief die Fahrt wie geplant, mit einer gewissen Flexibilität, hatte ich dann am Abend 934km gefahren. Den Geschäftstermin hatte ich pünktlich erreicht und erfolgreich abgeschlossen, ein guter Tag. Den dreitägigen Aufenthalt in Norddeutschland, habe ich neben beruflichem und privatem auch gleich noch mit dem Treffen in Dille verbunden, bei dem ich einen Haufen netter Leute und E-Enthusiasten getroffen und kennengelernt habe. Dort musste ich mich bereits am Samstagmittag, verabschieden, die Rückfahrt stand an. Ich habe auf der Rückfahrt zwar dreimal die Schildkröte, gesehen, aber keine ernsthaften Schwierigkeiten gehabt. Wieder ein Wochenende mit 2000 gefahrenen Kilometern beendet, von der E-Mobilität absolut überzeugt.

Eine Woche später folgte ein erneutes Highlight des ersten elektrischen Jahres, die Teilnahme an der eRuda mit dem Team Auto Sangl. Nach einem netten Abend am Vortag der eRuda, ging es vor allem darum, den Ioniq zeitig wieder aufgeladen zu bekommen. Die Zeitspanne vom Ankommen in der Nacht und der Fahrt zur eRuda am frühen Morgen war so kurz, dass ich den Wagen nicht einmal annähernd vollgeladen bekommen habe. Ein kurzer Abstecher zu einem Schnelllader 26km vor dem Start in Fürstenfeldbruck entfernt und der Akku war voll, die Energie die ich vom Schnelllader bis zum Veranstaltungsgelände gebraucht habe, habe ich dort mit dem Notziegel bis auf 97% SOC aufladen können.

Keiner wusste so richtig Bescheid, wie der Ablauf bei der eRuda sein würde, irgendwann standen wir dann am Start in der Schlange und dann ging es los aus die große Runde. Mit einem Stopp in Landsberg und Garmisch-Partenkirchen, haben auch alle aus dem Team die Runde ohne nachzuladen geschafft. Die Erleichterung stand vielen ins Gesicht geschrieben :thumb:
Der Abend war dann sehr nett und entspannend, ich habe viele nette Leute kennengelernt und interessante Gespräche geführt.

Im Oktober hörte ich dann von dem Vorhaben von Andreas Haehnel, der es Horst Lüning nachmachen und 24 Stunden am Stück mit dem Ioniq fahren wollte, um so viele Kilometer in 24h zusammen zu bekommen, wie nur möglich. Ich bin dann nach Fürholzen gefahren, um den Jungs vor Ort die Daumen zu drücken, @bangser habe ich dort auch wieder getroffen, der als zweiter Fahrer bei dem Versuch am Start war. Viele nette Leute waren vor Ort, egal ob sie von der Fahrt über die sozialen Medien erfahren haben oder einfach nur zufällig vorbei gekommen sind, alle waren von der Idee begeistert und haben mitgefiebert, um zu zeigen, was ein durchschnittliches E-Auto heute schon leisten kann. Leider musste der Versuch kurz nach dem ich dort weggefahren bin, leider abgebrochen werden - technische Probleme :(

Im zweiten Versuch hat es dann aber geklappt, der Wagen hat durchgehalten und mit 2105km ist er dem Tesla schon erstaunlich nah auf die Pelle gerückt. Ich bin dabei mit meinem Wagen zwei Runden mitgefahren, um mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Jungs da 24 Stunden geleistet haben und natürlich auch, um Vergleichsdaten aufzuzeichnen und die Aktion zu filmen. Erfreulich war der Zusammenhalt der vor Ort anwesenden E-Fahrer, die markenübergreifend mitgefiebert und die Daumen gedrückt haben.

Das nächste Highlight des Jahres, war meine Fahrt auf den Tiefenbachferner. Die Ötztaler Gletscherstraße ist Teil der diesjährigen eRuda-Challenge. Das fand ich so interessant, dass ich das schöne Wetter am Reformationstag letztes Jahr nutzte, um mit dem Ioniq dort hin zu fahren. Immerhin der höchst gelegene, befahrbare Punkt der Alpen, sowie der höchste Alpentunnel auf 2830m Höhe. Das Wetter war ein Traum, die Fahrt dorthin ebenso. Für den Ioniq stellte die Auffahrt kein Problem da, mit dem Drehmoment eines Elektroautos macht eine solche Auffahrt richtig Freude. Ich bin schon gespannt, wie es in diesem Jahr sein wird, wenn wir im Rahmen der eRuda mit zahlreichen Autos dort hoch fahren :P

Dann kam ziemlich plötzlich der Winter, mein erster mit dem Elektroauto.

Ich hatte im Winter weder Probleme mit der Reichweite, der Mehrverbrauch hielt sich auch in Grenzen und ziemlich schnell war klar, dass es sehr angenehm ist im Winter ein E-Auto zu fahren. Es ist morgens bereits vorgewärmt in der Garage, am Abend bei der Heimfahrt sehr schnell warm. Auch die Reichweite sank bei mir nie auf unter 200km, abends waren meist noch 30-50% SOC im Akku vorhanden. Auch diverse Langstreckenfahrten oder längere Ausflüge waren mit dem Ioniq kein Problem.

Vor 4 Wochen kam dann die ultimative Herausforderung. Ich musste dringend nach Norddeutschland, hatte aber keine Zeit dort lange zu verweilen. Die Frage war nun, ob es möglich wäre innerhalb eines Tages nicht nur da rauf zu fahren, sondern am gleichen Tag auch wieder zurück?

1539km an einem Tag habe ich trotz diverser Schwierigkeiten beim Laden bewältigen können, für mich persönlich die längste Fahrt bislang quasi an einem Stück. Diese Fahrt zeigte, wo es momentan noch bei der E-Mobilität hakt, aber auch, was mit einem ganz normalen E-Auto (das nicht von Tesla kommt) bereits möglich ist. Das sollte eigentlich auch den letzten Zweiflern die Angst nehmen und gleichzeitig zeigen, dass Reichweite nicht nur von der Akkugröße abhängt. Für mich stand auch nie zur Debatte dafür den Verbrenner zu nehmen.

Nur bei der Fahrt zu den alternativen Antriebsformen nach Sinsheim, da hatte ich mich trotz knapp 50.000km mal wieder fast verschätzt, als ich die Bedingungen, die Etappenlänge und den Verbrauch des Ioniq völlig falsch eingeschätzt habe und mangels ausreichender Planung einen möglichen Zwischenstopp ausgelassen habe. Das hat mich kurzfristig mal wieder in Schwierigkeiten gebracht, die ich mit einer 10-Minutenladung an Typ2 zwar lösen konnte, aber auch zeigt, dass zu viel Vertrauen in die Technik einen schnell mal übermütig werden lässt. Zu viel gewollt, fast wäre es in die Hose gegangen. Beim nächsten Mal, ist man dann wieder ein wenig vorsichtiger 8-)

Der Ioniq macht es einem diesbezüglich aber auch schwer. Er hat sich nun ein Jahr und bislang 51500km als derart zuverlässiges Auto erwiesen (man neigt schon fast dazu Partner zu sagen ;) ), dass man die Probleme in der Infrastruktur die derzeit bestehen schon fast ausblendet. Im Alltag habe ich für den Fall der Fälle zwar ein Typ2-Kabel im Kofferraum, das mobile Ladegerät verbleibt aber daheim. Man vertraut darauf immer und überall, eine Ladelösung zu finden, bislang hat das ja auch immer (dreimal auf Holz geklopft) funktioniert.

Wie denke ich nun über die E-Mobilität nach dem Jahr?

Ich persönlich genieße das stressfreie Fahren mit dem E-Auto. Ich habe unterstützend meine Assistenzsystem mit an Bord, das gibt einem noch eine gewisse zusätzliche Sicherheit. Nicht mehr schalten zu müssen und per Fahrpedalbewegung jederzeit reagieren zu können, finde ich speziell im Stadtverkehr und bei Bergfahrten sehr angenehm und besonders das leise Fahren wirkt bei mir sehr entschleunigend. Ich kann mir ein zurück auf einen Verbrenner nur noch schwer vorstellen, dazu vermisse ich zu wenig und habe zu viele Vorteile. Ich sehe das Zwischenladen auch nicht als Last, sondern als willkommende Möglichkeit eine Pause zu machen, mal etwas zu essen und zu trinken und vielleicht auch mal ein paar Minuten Land und Leute an einem Ladepunkt zu treffen. Als Pendelfahrzeug ist das E-Auto eh perfekt, da es absolut zuverlässig und von den Betriebskosten sehr günstig ist.

Wie weit ich mich inzwischen vom klassischen Antrieb entfernt habe, ist mir an Weihnachten im Mercedes Benz- Museum in Stuttgart aufgefallen. Ich bin wirklich technikbegeistert und eigentlich ein typischer Petrolhead, aber z.B. mit dem dort gezeigten Antrieb vom Mercedes-AMG-ProjectOne Hypercar (einem Hybriden), konnte ich trotz perfekter Materialverarbeitung und technischer Raffinessen überhaupt nichts anfangen, was für ein Aufwand.

Ich stand da, schüttelte den Kopf und begriff für mich, dass das nicht die Zukunft sein kann.
Zuletzt geändert von IO43 am Mi 21. Apr 2021, 15:37, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Danke für den tollen Erfahrungsbericht!
Unser Blog zur Elektromobilität, e-Golf und Ioniq: https://1.21-gigawatt.net

Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Sehr schön geschrieben! Hat Spaß gemacht, das zu lesen. Nach erst 6000 km im IONIQ geht's mir ähnlich. Ich will dieses Fahrgefühl nicht mehr missen!
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Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Sehr schön zu lesen. Wie ich sagte: Den Ioniq mit dem großen Akku vom Kona (und vielleicht ein paar PS extra), und der Wagen wird gekauft.
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Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Sehr schöner und informativer Bericht! 8-)

Ich gelange immer mehr zu der Überzeugung, das ein Ioniq mit relativ kleinem, aber sehr schnell nachladendem Akku im Vergleich zu einem EV mit großem Akku, der dann entsprechend länger auflädt, nicht wiklich im Nachteil ist.
Gruß
Rainer

BMW i3

Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

Thopomas
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Danke für den tollen Bericht!

Ich habe genau das Gleiche vor: aufs Land ziehen, E-Auto kaufen und einigermaßen ökologisch und günstig pendeln.
Seit 24.07.2020 Hyundai Ioniq :hurra:

Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

kiribaty
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Sehr guter Bericht. Solche Berichte haben meine Entscheidung zum Ioniq letztendlich bestärkt.

Wenn der Akku größer wird, darf die Ladeleistung nicht sinken, sondern muss eher steigen, um ein Vorteil zu sein. Ansonsten könnte man den größeren Akku nur als Reserve, wenn es mal eng wird, sehen.

Edit: Korrektur

Gesendet von meinem ONEPLUS A5000 mit Tapatalk
Ab 26.03.2018 Hyundai IONIQ schwarz Premium mit Schiebedach und belüfteten Sitzen

22.12.17 Verschrottung Opel Vectra C Caravan 1.9 CDTI

Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

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Sehr schöner Bericht. Danke dafür.

Ich bin im Augenblick in der Phase des "leichtsinnig" werdens. Der Ioniq funktioniert einfach perfekt. Die längeren Fahrten in den letzten Wochen haben auch mit dem Nachladen an den Schnelladern immer absolut problemlos funktioniert. Da denkt man dann oft, ob man nicht doch mal längere Etappen fahren sollte. Nur dann kann es schnell passieren, dass einem die Ladeinfrastruktur in Deutschland noch im Stich lässt.

Es ist immer wieder schön zu erfahren, wie andere zum Ioniq gekommen sind. Auf die nächsten 50000 unfallfreien Kilometer.
Ioniq Elektro Style - Marina Blue - Seit 18.11.2017

IoniqInfo - App für die Ioniq Elektro Headunit

Re: Autofahren 2.0 - 1 Jahr und 51500km elektrisch unterwegs

gekfsns
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@IO43
Glückwunsch zu 1 Jahr und >50tkm mit dem Ioniq :applaus:

Der Bericht war richtig fesselnd, hatte eigentlich gar keine Zeit zum Lesen, konnte aber nicht mehr aufhören, bis ich am Ende angelangt war (wie bei der Packung Chips die man anpackt und dann futtert bis nix mehr da ist).
Bin schon gespannt auf die Fortsetzung und wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit dem Ioniq :D

Kenne den IO43 nun schon ein paar Monate persönlich und nach über einem Jahr Ioniq hab ich die Feststellung gemacht, dass nicht nur der Ioniq klasse ist, nein es sind auch ausnahmslos alle deren Besitzer. Hab bisher nur sympatische Ioniq Fahrer kennen gelernt. Freue mich daher auch schon auf die eRuda, bisher haben sich schon 28 im Sangl Team angemeldet. Das wird bestimmt ein nette Gruppe.
Ioniq Electric + ID.3
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