Berliner Modell

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bahnfahrer
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folder Do 27. Dez 2018, 16:50
Hallo!

Immer wieder lese ich vom "Berlinder Modell".

Was ist das?

Hat die Stadt ein Konzept zur Aufstellung von Ladesäulen? Ich finde dazu im Informationssystem des Senates nichts.

Gibt es etwas Offizielles dazu?

Viele Grüße,
bahnfahrer.
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Re: Berliner Modell

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zoppotrump
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folder Do 27. Dez 2018, 17:28

Re: Berliner Modell

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folder Do 27. Dez 2018, 17:56
Berliner Modell:
- maximal 11kW
- viele 3,7kW
- maximal 2 Ladepunkte pro Standort, viele nur 1 (selbst Belarus, wo es im ganzen Land 160 Elektroautos gibt, baut inzwischen 4er bis 6er Standorte in Städten. In Kopenhagen gibts 12er Standorte und selbst die sind tagsüber voll ausgelastet. Vermeidet Parksuchverkehr, wenn viele Ladepunkte an einem Ort zu finden sind)
- wenige 50kW DC-Lader, ausschließlich auf Privatgrund, den der Besitzer samt zweier Parkplätze 24/7 gratis und exklusiv für die Ladesäule zur Verfügung stellen muss
- total praxisfremder Pauschaltarif, der auf einen ebenso praxisfremden Zeittarif in nutzerunfreundlichen 15min-Zeitblöcken + Startentgelt folgte
- Konzentration auf den inneren S-Bahn-Ring
- Angeblich Bau von Ladepunkten auf Nutzerwunsch. In der Realität werden angefragte Ladepunkte abgelehnt, wenn dem Senat die Lage zu abgeschieden ist und außer dreier Elektroautofahrer im Umkreis keine Destination für Auswärtige in der Nähe ist
- maximale Praxisfremde. Wer einen Ladepunkt vor der Haustür haben will, muss sich erst das Elektroauto kaufen, kann dann den Antrag stellen und 18 Monate auf den Bau warten
- es wird unter Androhung der Todesstrafe vermieden, bei großen Straßenbauprojekten Vorbereitungen für Ladeinfrastruktur zu treffen oder Ladeinfrastruktur sogar gleich mit zu bauen (siehe Ostkreuz oder Holzmarktstr.).
- kein Roaming (außer seit einiger Zeit Ladenetz), kein adhoc-Laden
- es wurden bevorzugt unzuverlässige Säulen von Efacec und EBG Compleo gekauft, die jahrelang (EBG) oder bis heute (Efacec) nicht richtig funktionieren
- der Senat versucht nach besten Kräften, die vor einigen Jahren mit Staatsgeld geförderte Konkurrenz von Innogy auszuschalten, die alles besser macht. Nutzungskonzessionen wurden nicht verlängert, in vielen Bezirken die Halteverbote vor den Säulen entfernt und Bodenmarkierungen für viel Geld abgefräst

Fazit: Be Emobil, so typisch berlinisch schlecht
"Area man who cannot deny committing securities fraud would like to sell you a money printing machine along with a robotaxi." @ContrarianShort auf Twitter

Re: Berliner Modell

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siggy
folder Mo 31. Dez 2018, 06:49
Kann es sein das Innogy Säulen in Berlin jetzt auch gedrosselt werden? Ich konnte früher mit 22 und jetzt nur noch mit 12KW laden?
http://www.borkum-exklusiv.de/
Freizeitfahrer mit Model S seit 20.03.2014, bisher 340.000km

Re: Berliner Modell

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MHi
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folder Mo 31. Dez 2018, 12:25
Abgesehen von der Anzahl der Ladepunkte hat Berlin aber das Konzept von Destination-Chargern verstanden, da braucht es keine 22kW, da steht man eh länger. 3.7 bzw. 11kW für die Stromverschwender (>20kWh/100km) sind völlig hinreichend. Allerdings müsste das eben mit einer hinreichenden Anzahl von Schnellladern flankiert werden.

Unsinnig sind die hirnlos aufgestellten 22kW-Säulen mit 1-2 Ladepunkten und Höchstladedauer von 2 Stunden, idealerweise noch mit Pauschaltarif zum Laden (wie hier in Magdeburg). Da kann man sich das Aufbauen sparen.

Re: Berliner Modell

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Xochipilli
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folder Sa 21. Sep 2019, 14:08
die Stadt ein Konzept zur Aufstellung von Ladesäulen?
Das wäre das erste Mal, dass diese Stadt ein Konzept für irgendetwas hätte.
Aber keine Sorge: Selbst wenn die Verwaltung etwas auf Papier schreibt, so heisst das noch sehr lange nicht, dass das auch gemacht wird.

Re: Berliner Modell

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bahnfahrer
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folder Di 24. Sep 2019, 20:11
Vielen Dank für die Antworten.
1. Ich habe gehört, dass die Ladesäulen am Ende dem Land Berlin gehören? - Weiß jemand, ob das zutrifft?
2. Auf http://www.be-emobil.de/ steht "In insgesamt 167 Suchräumen (blau) wurden nach der Genehmigung durch die Behörden Ladesäulen in Betrieb genommen." Verstehe ich das richtig, dass die Bezirksämter Wünsche äußern konnten, an welchen Stellen ungefähr Ladesäulen entstehen sollen? Diese Karte scheint mir daraufhin zu deuten: http://www.be-emobil.de/wp-content/uplo ... lin_A0.pdf und dieser Text: https://hilfe.be-emobil.de/hc/de/articl ... eben-wird-
3. Gab es eine Priorisierung: bevorzugt im öffentlichen Raum oder im halb-öffentlichen?
4. Wie sind die Sondernutzungsrechte für den öffentlichen Raum ausgestaltet? Wird dafür eine Gebühr erhoben? Ist die Genehmigung befristet? An welche Bedingungen geknüpft? Erhalten auch andere als Allego Sondernutzungsrechte? Wenn ja: welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?

Beste Grüße,
bahnfahrer.

Re: Berliner Modell

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bernd71
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folder Di 24. Sep 2019, 22:08
MHi hat geschrieben:
Mo 31. Dez 2018, 12:25
Abgesehen von der Anzahl der Ladepunkte hat Berlin aber das Konzept von Destination-Chargern verstanden, da braucht es keine 22kW, da steht man eh länger. 3.7 bzw. 11kW für die Stromverschwender (>20kWh/100km) sind völlig hinreichend.
Naja, 3.7 KW Zuhause sind vielelicht noch OK, da man ja jeden "Abend" seinen eigenen Stellplatz hat. Auf öffentlichen Parkplätzen sollte man den Akku tags/nachts über schon voll bekommen können. Mit den Akkus > 50 KW wird das schon schwierig. Spart Ladeplätze, also 11KW sehe ich als minimum. Akkus werden ja größer.

Re: Berliner Modell

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gthoele
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folder Mi 25. Sep 2019, 08:41
Ich erzähl' dann mal ein paar Interna. Aber nur die die schon öffentlich bekannt sind.
1. Ich habe gehört, dass die Ladesäulen am Ende dem Land Berlin gehören? - Weiß jemand, ob das zutrifft?
Die Allego-Ladesäulen aus dem Vertrag mit dem Land Berlin gehören nach Vertragsende dem Land Berlin. Es sei denn der Vertrag wird verlängert. Das Land hat ja auch große Teile der Investitionskosten mittels Zuschuss bezahlt. Der Vertrag läuft bis 2022 und enthält eine Verlängerungsoption. Ob verlängert wird oder nicht wird man dann irgendwann der Presse entnehmen können.
Ladesäulen, die nicht aus diesem Vertrag stammen, gehören natürlich danach nicht dem Land Berlin sondern weiterhin ihrem Eigentümer.
2. Auf http://www.be-emobil.de/ steht "In insgesamt 167 Suchräumen (blau) wurden nach der Genehmigung durch die Behörden Ladesäulen in Betrieb genommen." Verstehe ich das richtig, dass die Bezirksämter Wünsche äußern konnten, an welchen Stellen ungefähr Ladesäulen entstehen sollen?
Na ja, ohne Bezirksamtszustimmung gibt es gar keine Ladesäulen im öffentlichen Raum, da die eben eine Sondernutzungserlaubnis brauchen. Die Standorte sind vom Senat vorgeschlagen worden, da steckt ein berechnetes Versorgungsmodell hinter (vom DLR glaub' ich errechnet damals). Inwieweit die Bezirksämter da Wünsche geäußert haben weiß ich nicht. Möglich wäre es aber sicherlich gewesen. Es ist auch heute noch möglich.
3. Gab es eine Priorisierung: bevorzugt im öffentlichen Raum oder im halb-öffentlichen?
Im Öffentlichen Raum. Im halböffentlichen Raum kann das Berliner Modell auf Wunsch zwar auch angewendet werden, muss aber nicht, da reicht es, die Ladesäulenverordnung einzuhalten.
4. Wie sind die Sondernutzungsrechte für den öffentlichen Raum ausgestaltet? Wird dafür eine Gebühr erhoben? Ist die Genehmigung befristet? An welche Bedingungen geknüpft? Erhalten auch andere als Allego Sondernutzungsrechte? Wenn ja: welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?
Siehe auch:
https://www.berlin.de/ba-charlottenburg ... 815151.php

Das sind ganz normale Sondernutzungserlaubnisse, wie für ein Straßenfest. Die kosten was. Wieviel steht in der Sondernutzungsgebührenverordnung, da die Säule nicht allzuviel Standfläche braucht ist das nicht allzu teuer:
http://gesetze.berlin.de/jportal/?quell ... l&max=true
Der Parkplatz vor der Ladesäule wird nicht von der Sondernutzungserlaubnis umfasst, der bekommt stattdessen eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung.

Die Erlaubnis ist bislang an die Laufzeit des Vertrages zum Berliner Modell (also: 2022) gekoppelt. Längere Fristen sind ausnahmsweise in speziellen Fällen möglich - zumindest weiß ich schon von einer solchen Ausnahme.

Jede Frau und jedermann kann eine solche Sondernutzungserlaubnis bekommen. Bedingung ist der Abschluß eines Teilnahmevertrages am Berliner Modell mitsamt den dazu zugehörigen Bedingungen. In diesen Verträgen gibt es dann keinen Zuschuss des Landes Berlin, dafür gehören die Ladesäulen danach aber auch immer noch dem Errichter und nicht dem Land. Man kann sich stattdessen anderswo Zuschüsse besorgen. Weitere Bedingung ist: 300m Abstand zu Allego-Ladesäulen einhalten. Es ist keine Bedingung, maximal 11kW anzubieten, mehr ist möglich.
Der Zugang zum Berliner Modell und der Betrieb von Ladestationen ist für Alle möglich, Allego hat kein Monopolrecht. Diese Möglichkeit hat lange Zeit niemand genutzt, aber inzwischen ist Innogy Teil des Berliner Modells. Ein weiteres bekanntes Unternehmen hat inzwischen den Vertrag unterschrieben und noch ein anderes Unternehmen steht ganz kurz davor.

Re: Berliner Modell

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folder Mi 25. Sep 2019, 12:16
bernd71 hat geschrieben:
Di 24. Sep 2019, 22:08
Auf öffentlichen Parkplätzen sollte man den Akku tags/nachts über schon voll bekommen können. Mit den Akkus > 50 KW wird das schon schwierig. Spart Ladeplätze, also 11KW sehe ich als minimum.
3,7 kW (oder besser Lastmoduliert 1,8-4,6 kW) wären die idealen und preisgünstigen öffentliche Ladepunkte für Leute in der Großstadt die über Nacht ihr E-Auto oder PHEV abstellen und laden möchten.

Gäbe es nur teure und fehlgeförderte FI-B 11 kW Ladepunkte, kommt gleich wieder ein Spezieller der glaubt, E-Autofahrer müssten mitten in der Nach aufstehen, um einen nutzundienlich viel zu früh voll gewordenen Akku (die nicht immer größer, sondern auch mal sparsamer und wieder kleiner werden können) wieder umzuparken.
Seit 27 Jahren mit eigenem PV-Strom elektromobil unterwegs (CityEL mit 1.8 kWh-Akku, seit '13 Smart ED3).
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