Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 13:26
Hallo zusammen!

An anderer Stelle hatte ich ja schon vom Bau unserer zwei Lollos von NewMotion für unsere Kunden berichtet.
Gebohren ist die Idee damals, als wir unser erstes e-Auto anschafften. Dies sollte möglichst an einer Wallbox anstatt Schuko geladen werden und da diese WB dann tagsüber (wegen Solarstrom) oft von unseren Fahrzeugen belegt ist, wurden gleich zwei Säulen installiert.
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Zurzeit werden die Säulen noch überwiegend durch uns benutzt. Die Anzahl der Fremdladungen liegt bei 1 - 2 die Woche, mehr hatte ich auch eigentlich nicht erwartet und selbst davon bin ich schon überrascht. Die Bereitstellung der Lademöglichkeiten soll der Förderung der e-Mobilität in unserem ländlichen Raum dienen und ich sehe sie nicht als Geschäftsfeld unserer Gärtnerei an.

Mein Ziel für die nächsten Jahre ist der komplett Umstieg auf E.
Dazu gehören nicht nur die PKW (e-load up! zum ausliefern kleiner Dinge und Outlander bzw. für diesen bald den Kona für Messen und Lieferantenbesuche in D), sondern auch Maschinen und Geräte wie Stapler, Sprinter und LKW. Der Sprinter soll ja ab nächstem Jahr ab Werk elektrisch zu bekommen sein. Ich hoffe, dass es dann etwa 2 Jahre später ein Batterieupgrade und eine Anhängerkupplung geben wird. Bis dahin sollte unserer noch durchhalten.

Die Fahrzeuge sollen überwiegend an AC geladen werden, um unsere PV maximal ausnutzen zu können. Dafür ist auch eine interne Wallbox mit Bilanzpunktregler vorhanden. Dies sollte kein Problem sein, da die Fahrzeuge - wie fast überall - auch bei uns überwiegend stehen. Ein Problem stellt nur die Hochsaison dar. März, April, Mai und Oktober müssen die Fahrzeuge jederzeit einsatzbereit sein. Während dieser Wochen kommt es immer wieder vor, dass nach Rückkehr von einer Langstrecke eine sofortige Anschlussfahrt ansteht. Bestenfalls sollte also eine Schnelllademöglichkeit während des Ausladens vorhanden sein.

Ein eigener Schnelllader muss her...
26kWp PV im Eigenverbrauch
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 14:03
Beim Bau der 2 Lollos durften wir unsere 63A Haussicherung durch 80A ersetzen - jetzt ist aber Schluss!
Aufgrund dieser Beschränkung konnten wir auch nur eine Kundensäule auf 22kW freigeben, die andere lediglich mit 11kW um eine Überlastung unseres Anschlusses zu vermeiden. Die ganze Anlage geht sowieso schon auf dem Zahnfleisch...

Im März 2018 habe ich dann den ersten Kontakt mit Westnetz aufgenommen mit der Bitte um Leistungserhöhung.
Bis dato wird unsere Firma mit Strom vom Wohnhaus versorgt. Dieser Anschluss ist laut Westnetz nicht mehr zu erhöhen - es muss also ein neuer her. Der Plan ist, die Firma mit einem neuen Anschluss auszustatten und darüber dann das Wohnhaus zu versorgen.

Der VNB hat also Daten bezüglich der angedachten Leistung erwartet.

Meine Vorstellung war einen klassischen 50 kW Lader zu errichten - doch irgendwie hatte ich Bauchweh dabei.
Welches Auto lädt in Zukunft noch mit 50kW? Alles, was jetzt für die nächsten Jahre angekündigt wird, liegt deutlich darüber. Selbst der Kona kann ja schon 77kW in der Spitze - von EQC, E-Tron, Neo mal ganz zu schweigen. Wieviel kW muss eine Säule in Zukunft haben, damit sie für Kunden interessant wird anzufahren? Wieviel kW werden Nutzfahrzeuge wie Transporter und LKW haben? Sicherlich mehr als 50kW! Außerdem gehe ich von 1.000V Technik bei LKW aus.

Die Entscheidung stand also fest:

Es wird ein 150kW Lader!

Meine Planung für den Verteilnetzbetreiber sah also wie folgt aus:

150kW für Schnelllader
66kW für 3x22kW AC
und der 'Rest' auf 250kW (34kW) für uns.

Dies sind natürlich extreme Werte, bei der sich 4-5 Fahrzeuge im maximalen Ladebereich befinden müßten, wobei der 150er Lader etwa 160kW Leistungsaufnahme hat - also ein eher unwahrscheinlicher Fall. Außerdem kommt noch unsere 26kWp Solaranlage dazu. Andererseits hat unsere Bewässerungsanlage bei Volllast schon fast 20kW...

Mit meinem Wunsch von 250kVA wurde ich dann bei Westnetz vorstellig. :?

Nach einiger Zeit kam dann der Anruf, das dies nicht geht. Ab Trafo können sie nur 200kVA bereitstellen, darüber hinaus ginge nur eine Anbindung an das 20kV-Netz mit eigenem Trafo unsererseits.
Toll - 200kW sind einfach zu wenig - was jetzt?

Ich habe mich dann mit der 20kVA Anbindung beschäftigt, mit Strompreisen, Netzentgelten, Schaltlehrgängen für 20kV, gebrauchten Kompaktstationen, Wartungsfristen für ölgekühlte Trafos und so weiter und so fort.
Meine Lust ist drastisch gesunken... :cry:

Die Monate gingen ins Land und ich telefonierte nochmals mit diversen Mitarbeitern von Westnetz. Schließlich machten wir einen Ortstermin aus. Der Mitarbeiter sah sich alles genau an und vor allem hörte er mir zu, was ich überhaupt vor hatte. Irgendwie hatte ich damals schon den Eindruck, dass er das mit der e-Mobilität nicht so schlecht findet und von meinen Engagement angetan war und was soll ich sagen - einige Tage später hatte ich einen Vertrag mit der Bereitstellung von 250kVA vom Ortnetztrafo auf dem Tisch.
Und nicht nur das - ich soll auch einen 'normalen' Zähler ohne RLM (registrierende Lastgangsmessung) bekommen - dies aber nur solange, wie unser Jahresverbrauch unter 100.000kWh liegt. Der Nachteil wäre nämlich, dass auch unsere Solaranlagen auf RLM umgerüstet werden müßten, was mit einem erheblichen Aufwand und Kosten verbunden wäre. Außerdem könnte ich viele Stromanbieter nicht mehr nutzen, das sie keine Lastgangsabrechnung machen können - so zb Maingau.
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Diese Trafostation steht direkt am Ende unseres Grundstückes. Der Trafo darin hat 250kVA und soll gegen einen 600er getauscht werden.
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 14:13
Der Vertrag wurde also unterschrieben!

Um die Kosten im Griff zu halten, haben wir die Verlegung der Leerrohre übernommen.
Unser hanglagiges Grundstück ist zum Nachbarn hin mit 2-3m hohen Stützwinkeln gesichert. In den Zwischenraum von Winkeln und seiner Halle gibt es keinen Zugang. Der Plan war also, nicht unseren neuen Kundenparkplatz aufzureißen, sondern den Nachbarn um Erlaubnis zu fragen, die Rohre auf seine Seite an unsere Betonwinkel zu machen - dies war auch überhaupt kein Problem und hat uns die Arbeit wesentlich vereinfacht.

Als Dimension einigten wir uns mit dem VNB auf ein 125er Rohr, da das zu verlegende Kabel 4x240qmm haben wird. Vorsichtshalber haben wir bei Montage noch ein kleines Stahlseil zum einziehen des Kabels eingebaut.
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Über 30m Strecke sind schon mal fertig und nächstes Jahr wird wohl wieder buchstäblich Gras (Brombeeren) über die Sache gewachsen sein... ;)
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 14:26
Mitlesen..
Passivhaus Premium, 18kWp PV, Sole WP mit Kühlung über BKA, KNX, 530e 3.2l/100km ~50% Elektrisch, 2021 EQC oder Crozz, PlugIn-PV Anlage
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 14:31
Mensch Meyer...da überholts Du sagar den Ladepark in Hilden was die Spitzenleistung angeht.

Ich mache mir noch große Hoffnung auf die neuen DC lader aus dem Hause Vw....24 kw mit V2H...preis 3000€ (?)

Ich drück die Daumen...
ExKonsul leaf blau winterpack ca 50000 km Spannung und Spass mit Akku und....brusa booster in arbeit...in warteschleife auf upgrade 62 kwh in der Unendlichkeit....akkurex in Plannung muxsan.com...ewölfchen arrived...Konzertsaal auf Rädern

Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Mi 3. Okt 2018, 17:51
Hilden - dann bräuchten wir noch eine Backstube. ;)

Jetzt wird's etwas kompliziert:

Zeitgleich mit der Anfrage bei Westnetz habe ich meinen örtlichen Elektriker nach einer neuen Hauptverteilung gefragt - vor allem wegen des Preises. Dieser meinte, dass sie erst vor kurzem etwas vergleichbares mit Wandlermessung bei einem Hotel installiert hätten und ging von 5-6t€ aus. Ein Irrtum, wie sich später herausstellte...

Da unser Geschäft keinen Keller hat, ist der Wareneingang der einzig sinnvolle Platz für den Hausanschlußkasten und die Hauptverteilung. Aber selbst dort ist eigentlich jeder Quadratmeter schon belegt - lediglich links und rechts neben dem Rolltor sind jeweils noch etwa 1,5m Platz - also wollten wir die Verteilung splitten in einen Wandlerkasten für die Messung und einen Schrank für die Verteilung. Zusätzlich noch einen kleineren Schrank für den eigentlichen Zähler. Alle Schränke waren hängend zur Wandmontage angedacht.

Da ich mittlerweile die Zusage vom VNB hatte, habe ich auch die Planung der Verteilung in Auftrag gegeben. Überrascht war ich dabei, dass diese nicht mehr vor Ort konfiguriert wird, sondern im Werk geplant, dann beim VNB zur Genehmigung eingereicht und anschließend im Werk komplett angefertigt wird.

Planungsgrundlage waren 250kW Leistung und 5 Abgänge (Schnelllader, 3xAC Säulen, Firma, Wohnhaus und einen Reserve). Dazu sollten die vorhandenen PV-Anlagen aufgelegt werden können und damit ich weiterhin unsere Stromerzeugung, Stromeinkauf und damit Eigenverbrauch loggen kann, noch eine zweite Wandlerzählung mit S0-Schnittstelle für den Solarlog.

Der erste Plan der dann von Hager gekommen ist, war eine Katastrophe. Er beinhaltete zwar zwei Schränke, aber diese waren seeehr breit. Alleine zwei Felder für die Solaranlagen mit allen Sicherheitsorganen und Zählern waren dort verplant - irgendwie hat mein Elektriker was falsch verstanden - diese Sachen gibt es ja schon jeweils an der entsprechenden Anlage. Es müssen also lediglich die Kabel aufgelegt werden können. Außerdem erforderte die Splittung in zwei Kasten einen riesigen Hauptschalter, um den zweiten Kasten trennen zu können. Also einmal neu.

Der nächste Plan war dann schon besser. Die Schränke waren schon einiges schmaler, aber noch immer zu groß. Im dritten Anlauf haben wir dann nochmal einen Zähler in einen extra Kasten ausgelagert und es hat von den Maßen her wirklich gepaßt. Allerdings auch nur von den Maßen her, denn der Preis hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt und ich mußte andere Dinge die noch für dieses Jahr geplant waren stoppen. :o
Ein Beispiel soll hier das Verbindungskabel zwischen den beiden Kästen sein - dies ist etwa 10m lang und sollte über 500€ kosten - Wahnsinn, was für Dimensionen.

Eigentlich sollte ich dann nur noch den Plan abzeichnen und freigeben (warum ich eigentlich - bin doch kein Elektriker?), damit er zur Genehmigung zu Westnetz kann. Da ich mich aber schon von jeh her für Elektrik interessiere, ist mir die Zuleitungsstärke vom Hausanschlußkasten zum Zählerschrank aufgefallen. Dieses Kabel war zwar nur 2m lang, hatte aber nur 70qmm - wie kann das sein?

Also wieder den Elektriker angerufen. Ja, das paßt laut unserem Programm so, unter Einbeziehung des Gleichzeitigkeitsfaktors. Aha!? Wenn ein Audi e-tron oder unser zukünftiger LKW mit 150kW und zwei ZOE eine halbe Stunde parallel laden, nehmt ihr also einen Gleichzeitigskeitsfaktor an? Gut - der Elektriker wollte sich nochmals kümmern.

Wie ich dann später erfuhr, hat dieser den zuständigen Planer bei Hager angerufen und die Sachlage erklärt. Dieser wiederum hat die Lokalniederlassung bei Westnetz angerufen und nachgefragt, ob das wirklich mit dem 150kW Lader stimmt und ist wohl aus allen Wolken gefallen, als dies bestätigt wurde. Nein - diese Planung können sie vergessen waren wohl seine Worte am Telefon zum Elektriker, da müssen wir ein ganz anderes System nehmen und ich muss das völlig neu planen. :roll:

Lange Rede kurzer Sinn - es wird jetzt ein Standschrank von 2,15m Höhe und 1,60m Breite und das auch in einem Stück, weil es sonst jeglichen Rahmen sprengt. Er ist für 630A ausgelegt - wir werden uns im Wareneingang wohl etwas umorganisieren müssen.

Stand der Dinge ist mit Datum dieses Postes heute, das von den vier Monaten die sich Westnetz im Vertrag für die Herstellung eingeräumt hat, zwei schon vergangen sind. Der Schrank ist seit gut einem Monat bestellt und soll diesen Monat geliefert werden. Angebote von Schnellladern liegen mir mittlerweile 3 vor - allerdings ist diese Investition erst für nächstes Jahr geplant und außerdem nur, wenn die Säulen eichrechtskonform sind.
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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sebas
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folder Mi 3. Okt 2018, 19:46
klingt spannend.. so etwas ähnliches haben wir in Dortmund auch vor...
ich lese gespannt mit

Was habt ihr bei der Westnetz für den 250k Anschluss bezahlt?

Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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    wp-qwertz
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folder Mi 3. Okt 2018, 20:16
:applaus: :!: :massa: :prost: :tanzen: :applaus:
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Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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Amperä-Manni
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    Registriert: Mo 11. Dez 2017, 21:16
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folder Mi 3. Okt 2018, 21:49
Boah, das übertrifft ja alle bisherigen Vorstellungen.
Ich wußte zwar, daß Du ein E-Fan bist, aber daß das solche Dimensionen hat :massa:

Da mußt Du am Montag noch mehr (live und in Farbe) erzählen...und dann alle 4 Wochen ergänzen...
:applaus:

Re: Bau eines Schnellladers (Tagebuch)

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folder Do 4. Okt 2018, 08:17
Danke Euch!

Leider liegen die Fortsetzungen nicht mehr nur an mir. Den Stand der Dinge habe ich oben beschrieben - jetzt müssen wir erst wieder warten.


@wp-qwertz
Vielleicht gibt es ja nach Fertigstellung ein Treffen 2.0 - bist du dann wieder dabei? :D

@Manni
Am Montag kann ich leider nicht kommen - es ist Saison, es sei dennn wir hätten sehr schlechtes Wetter

@sebas
Ich suche es raus - PN
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