Rekuperation und Bremsleistung

Elektromotor, Steuerung, Getriebe, Reifen des Renault ZOE

Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Harrywa » Do 22. Okt 2015, 15:48

Hallo,
also ich hab das bei unserer geliebten ZOE bis jetzt so verstanden, bitte korrigiert mich, falls ich falsch liege. Die Rekuperation wird bei Betätigung des Bremspedals stetig erhöht - das wird ja auch unter "Momentanverbrauch" mit blauen, negativen Leistungswerten angezeigt.

Zwei (teilweise überlappende) Fragen interessieren mich hierbei:
1.) Szenario "Ausrollvorgang": Man fährt mit 60 auf eine Ampel zu, betätigt ausreichend davor gemählich das Bremspedal und kommt zum Stillstand. Wird hierbei die hydraulische Bremse wirklich gar nicht belastet?
2.) Szenario "abrupte Bremsung" oder "Bremsung im starken Gefälle": Wo liegt die Grenze der Rekuperation? Das ist mir bis jetzt noch nicht so klar, bis zu welcher Bremsleistung denn rekuperiert wird bzw. wann die hydraulische Bremse dazu kommt?

Danke für eure Inputs,
lg Harry

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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Berndte » Do 22. Okt 2015, 17:12

Die hydraulische Bremse wird erst kurz vor dem Stillstand genutzt... merkt man mit ein wenig Gefühl am Fuß.
Es gibt maximal 43kW Rekuperation... aber die verringert sich um so langsamer man fährt.
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Michael_Ohl » Do 22. Okt 2015, 18:13

Beim Kangoo höre ich wenn die Bremsen greifen weil erst einmal der Flugrost weg muss.
Das braucht es nicht einmal das Popometer.

mfG
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon STEN » Do 22. Okt 2015, 18:31

Außer bei einer schnell eingeleiteten Bremsung - da wird nichts rekuperiert, da kommen sofort die Eisen
zum Einsatz.
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Nasenmann » Do 22. Okt 2015, 19:52

Berndte hat geschrieben:
Es gibt maximal 43kW Rekuperation... aber die verringert sich um so langsamer man fährt.


Im Winter und/oder bei fast vollem Akku kann auch schon mal bei 10kW Schluss mit der Rekuperation sein.
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon AbRiNgOi » Do 22. Okt 2015, 20:08

Jetzt ist Zeit zum Klugscheißen.. :klugs:

Also es ist so, Das tolle Bremssystem (von einem Hersteller dessen Ladesäulen ihr in EnBW immer mieß macht) nennt man kooperatives rekuperations Bremssystem. Und das geht so: Das Motorsteuergerät (in einem nicht HEV sondern EV halt nur VCU weil kein Motor) meldet immer das mögliche Bremsmoment an das ESP. Dies setzt sich zusammen aus Drehzahl (unter 2,5kmh gleich 0Nm), Der Akkutemperatur, dem Ladezustand aber auch der Motortemperatur und der Umrichtertemperatur. Im Besten Falle also 43kW. Je höher die Drehzahl dessto weniger Drehmoment. Klar, weil Drehzahl mal Drehmoment ist die Leistung. Wenn Du Gas gibts kommt auch 0Nm Bremsmoment raus. Damit kannst Du Beschleunigen und gleichzeitig hinten Bremsen, wer's braucht ;) Oder um die Reibbremse bewusst trocken zu bremsen oder, oder, oder. (Bei manchen Programmierungen zuerst Bremse , dann Gas sonst wird das Gas überdrückt... Kenne die ZOE Programmierung zu wenig, weil die VCU ist von Conti.)

Wie auch immer, das tolle ESP kennt nun das Bremspotenzial der E maschine und den Bremswunsch des Fahrers. Jetzt rechnet das ESP den Drehmomenten Split aus, setzt den Bremswunsch über CAN an die VCU ab und bremst den Rest mit der Reibbremse. Bei hohen Drehzahlen kann das dann schon mal 50% Reibbremsung sein. So etwa bei 80kmh reicht dann meißt die elektrische Bremse aus, die Reibbremse wird vollständig ausgeblendet. Beim Stillstand aber, weil der Inverter kein Haltemoment stellen kann, muss die Reibbremse ran. (Der Inverter müsste ein Gleichfeld stellen, weil ja der Motor steht, und das würde auf nur einem IGBT stehen. Klar, das hält dieser nicht aus.)

Ah ja, das stimmt übrings auch, an der Haftgrenze schaltet das System auf reine Reibbremse um. Erstens weil das System ABS Bremsen mit der Reibbremse ein erproptes System ist, weil fast keine Energie zu holen ist und weil die Komunikation über CAN vom ESP zur VCU und dann noch mal zum Inverter einfach zu langsam ist...

:klugs: /:Ende
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Harrywa » Do 22. Okt 2015, 21:41

Wow, das war jetzt aber wirklich ausführlich, danke! Das würde mich ja auch noch interessieren: Oft geht man (verkehrsbedingt) ja nur ganz kurz vom Gas, sagen wir für 2 Sek. Wohin geht dann eigentlich diese Energie? Damit einen Akku zu laden wäre ja sinnfrei, oder? Kommt das erstmal in einen Supercap oder sowas?
lg Harry

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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Berndte » Fr 23. Okt 2015, 14:33

natürlich geht das in den Akku... einen Supercap hat kein mir bekanntes Fahrzeug.
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon AbRiNgOi » Fr 23. Okt 2015, 15:53

Harrywa hat geschrieben:
...Oft geht man (verkehrsbedingt) ja nur ganz kurz vom Gas, sagen wir für 2 Sek. Wohin geht dann eigentlich diese Energie....


Das ist jetzt die sogenannte Schleppmomentensimulation, die macht die VCU selbständig ohne das ESP zu fragen. Sollte es zu einer Instabilität dabei kommen, würde das ESP mit einer Drehdomentenanhebung reagieren, genauso wie beim Verpenner.

Das ganze wurde eingebaut um das Verpenner-Fahren zu simulieren, also bewusst ein "Motorbremsen" dar zu stellen. Ist halt alles ein wenig historisch gewachsen. Bei einige Fahrzeugen wurde sogar das "zurückschalten" nachgebildet, also dass man bewusst diese simulierte Motorbremse erhöhen kann. (Beim eGolf die Getriebestellung B wie bergab oder bremsen, keine Ahnung. Beim i3 das "one padal driving")

Die ZOE kann nun beides, also die nachgebildete Motorbremse und die elektrisch unterstützte Reibbremse. Aber im Endeffekt kommt es auf das gleiche raus, die E-Maschine erzeugt ein negatives Drehmoment und die dadurch erzeugte Energie kommt in den Akku. Also egal wie die Rekuperierst mit dem Fahrpedal oder mit dem Bremspedal oder mit der Geschwindigkeitsregelanlage, es wird die Energie immer zurück gespeist. Nur wenn du mit dem Bremspedal arbeitest merkst Du nicht wenn die Reibbremse dazu geschaltet wird, da könnte Energie verloren gehen, das siehst Du dann erst bei den Punkten fürs Bremsen... AM meisten Rekuperieren kannst du mit der GEschwindigkeitsregelanlage weil die die maximale E-Maschinen Leistung nimmt und nicht die Reibbremse aktiviert. Im Zweifelsfall wirst Du schneller als gewünscht und die Anzeige wird rot.

Und warum so komplex? Weil das Fahrpedal und die Verantwortung darüber gehört den Entwicklern der VCU (Ehemaliges Motormanagement) und das Bremspedal und die Verantwortung darüber dem ESP. Und so hat jeder seinen kleinen Garten und Zäune rund herum 8-)
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Re: Rekuperation und Bremsleistung

Beitragvon Alex1 » Sa 24. Okt 2015, 00:11

@AbRiNgOi:
Wenn Du Gas gibts kommt auch 0Nm Bremsmoment raus. Damit kannst Du Beschleunigen und gleichzeitig hinten Bremsen, wer's braucht ;)
Das verstehe ich jetzt nicht. Hinten bremsen kann ich ja, wenn ich Gas gebe, doch nur mit der Handbremse?

Zum Ausrollen: In der Stellung N gibt es keinerlei Rekuperation.
"Motorbremse": Wenn ich in Stellung D vom "Gas" gehe, wird nur rekuperiert und nicht reibgebremst (soweit ich das verstehe), aber eben nicht bis zum Stand, sondern nur bis ca. 6 kmh.

"Mit schleifender Kupplung" kann man an einer genügend steilen Steigung auch stehen. So müsste eine Motorsteuerung auch einen Stillstand in der Ebene hinkriegen. Bloß wozu? Das würde ja auch nur ruckeln. Ich hab ja noch die Reibbremse per Fuß, die Handbremse und die P-Klaue am Schalthebel.
Herzliche Grüße
Alex
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