Interessante Studien nur bei Startups?

Blick in die Zukunft der Elektroautos

Interessante Studien nur bei Startups?

Beitragvon zottel » Do 15. Sep 2016, 18:29

Ich will das mal hier in den Raum stellen, weil mir das immer wieder auffällt:

Warum gibt es eigentlich wirklich interessante E-Auto-Konzepte nur jenseits der Auto-Industrie?

Ich beschreibe mal meinen persönlichen Use-Case:
  • Ich wohne auf dem Land, nicht in der Stadt. Kleine E-Autos werden immer als „Stadtfiltzer“ angepriesen, aber welcher echte Stadtbewohner hat zu Hause schon die nötigen Lademöglichkeiten? Ergo muss ein E-Mobil landstraßentauglich sein (mindestens 100 km/h Endgeschwindigkeit, und das nicht erst nach einer Minute) und über mindestens 100 km Winterreichweite (ohne frieren) verfügen, also ca. 200-250 km NEFZ.
  • Als Familienkutsche ist ein Verbrenner bereits vorhanden. Der wird auch so schnell nicht durch ein Elektroauto ersetzt werden: Ist erst zwei Jahre alt, und für Urlaubsfahrten sind mir auch die 300+ km echte Reichweite des zukünftigen Ampera-e nicht genug, das müssten schon an die 500-600 km Autobahnreichweite (!) sein, damit das ernsthaft in Frage käme, plus gut ausgebautes Netz zur Schnell-Ladung. Also ist das Auto, das ersetzt werden kann, mein kleiner Peugeot 107, der für einen Benziner recht sparsam ist, aber Elektro wäre natürlich doch viel besser. Mit anderen Worten: Kleinstwagen, aber allermindestens zwei Mitfahrersitze für die Kinder muss er haben, besser insgesamt ein Viersitzer oder mehr.
  • Ein bisschen Aufpreis darf Elektromobilität schon kosten, aber übermäßig sollte es nicht sein. Wenn, wie bei der Zoe, allein die Batteriemiete mehr kostet als meine jetzigen Ausgaben für Benzin ist das einfach kein Option. Der Alltagsbetrieb muss deutlich günstiger sein, dann kommt ein höherer Anschaffungspreis in Frage. Der muss sich insgesamt nicht amortisieren, aber ich will auch nicht das doppelte eines vergleichbaren Verbrenners bezahlen.
  • Ich hätte gerne was frisches, neues, nicht das immer gleiche Auto-Design der Verbrenner. Das ist nicht zwingend notwendig, wäre aber schön.

Ist das so ungewöhnlich? Die meisten E-Auto-Enthusiasten scheinen auf größere Autos, „richtige Autos“ zu schielen, aber für mich sind auch mit der kommenden Generation die E-Autos da noch nicht wirklich konkurrenzfähig genug, um die Familienkutsche zu ersetzen, und als einziger Insasse auf dem Weg zur Arbeit (hin und zurück ca. 70km/Tag) einen Leaf durch die Gegend zu kutschieren halte ich für Verschwendung, und zu teuer ist es auch.

Was habe ich für Optionen? Die mia, die ich mal hatte, war ziemlich nahe dran, aber dann doch einen Ticken zu schwach auf der Brust, motorisch wie akkutechnisch und auch vom Komfort her (v.a. Heizung); meine Frau konnte sich nicht mit ihr anfreunden. Nach den diversen Preissenkungsrunden sind iON und C-Zero interessant geworden (v.a. auch als Gebrauchte), aber auch hier ist die Reichweite noch zu knapp bemessen. e-UP und i3 wären theoretisch interessant, sind aber beide viel (SEHR viel) zu teuer für meinen Geschmack und für das, was sie bieten.

Was kommt von den Konzernen? Praktisch nichts in diesem Segment. Tolle Ankündigungen in den nächsten Jahren ein bis zwei Klassen höher, immerhin, aber bei den Kleinstwagen? Gähnende Leere.

Da sieht man nur immer wieder tolle Projekte von Startups, die letztlich aber meist scheitern. Tatsächlich war die mia, evtl. noch zusammen mit Think und Tazzari Zero und, wie gesagt, den Drillingen, das einzige Auto, das in dieser Richtung je auf dem Markt war, zum Neupreis allesamt damals aber auch VIEL zu teuer. Erst jetzt, mehr als fünf Jahre nach Markteinführung, sind die Drillinge zu sinnvollen Preisen zu haben – was durchaus Hoffnung macht, dass es neue Startups jetzt vielleicht schaffen könnten, wo die Batterien günstiger zu haben sind.

Aktuell scheint e.GO auf ganz gutem Weg zu sein, aber 120 km Reichweite in der schon größeren Version? Das konnte die mia auch. Das MirrowCars-Projekt sieht nach einer guten Idee aus, aber ob da was draus wird …

Und mehr fällt mir schon gar nicht mehr ein. Microlino klingt cool, wird aber wohl nur zwei Sitzplätze haben.

Will denn niemand einen günstiegen, landstraßentauglichen E-Kleinstwagen ohne Schnickschnack? Aktuell sehe ich fast nur die Chance, dass der e-UP in ein paar Jahren vielleicht günstiger zu haben sein wird, etwa von Skoda. Aber eigentlich müssten es ja, zumindest nach Förderung, weniger als € 15.000,– werden, und das halt ich dann doch für unwahrscheinlich …
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Re: Interessante Studien nur bei Startups?

Beitragvon netvergrampfn » Mi 21. Sep 2016, 17:41

Da ich mich grade angemeldet habe und den Beitrag halt mal schnell aufgemacht habe, kurz einen Satz zu Deinem Anliegen:
Ich interessiere mich seit längerem für EMobilität (schon 92 den Twike-Prospekt bestellt und danach überlegt, was man alternativ bauen könnte, damit es auch mehr als drei Masochisten kaufen) und habe 2011/12 ein Konzept entwickelt, das sowohl als Pendlerauto als auch für Nur-städtischen Betrieb (und Touristisch) nutzbar wäre, und das für die gleiche Klasse, in der der e.Go (und wahrscheinlich der Micolino) startet. Das ist die, die Winterkorn mal als Golf-Carts verspottet hat.

Ich bin von Haus aus eher Normalautofahrer und kein Orthodoxer, was Art und Umfang von Änderungen bzgl. Umweltschutz betrifft, habe mir halt damals überlegt, daß ein Zweit/Carsharing-Auto mit sehr geringem Stromverbrauch evtl. kurzfristig mehr bringt, als ein SUV mit umgekippter Schrankwand voller Akkus im Unterboden.

Und die Klasse ist die Einzige, in der bezogen auf die Entwicklungskosten auch ein Seiteneinsteiger überhaupt an so ein Abenteuer denken kann, einfachere Zulassung, Gewicht ohne Akkus 450kg und Nennleistung bei EMotor 15kW, was theoretisch ein spritziges Stadtwägelchen erlauben würde, wenn man vom Gewicht noch ein wenig vom maximal Erlaubten wegbliebe und bei etwas Aerodynamikarbeit auch mit 120km/h für kurze Autobahnfahrten denkbar.
Kurz: was bekam ich 'per Zufall' Mitte 2015 mit? Es wurde im Herbst/Winter 2014, ohne daß es auch irgendwer mitbekam (ein EMob-Papst ist nach meiner Nachfrage komplett aus allen Wolken gefallen, weil er es auch nicht wußte) die Fahrzeugklasse in Unterklassen aufgeteilt, die unverkleideten Quads durften fahren wie bisher und die verkleideten Fahrzeuge wurden auf 90km/h Höchstgeschwindigkeit begrenzt...
Da können wir uns dreimal überlegen, welche Lobbyisten das angeschoben haben...
Das ist meiner Meinung nach für viele potentielle Interessenten ein Ausschlusskriterium, weil ich keinen kenne, der mit 90km/h auf die Autobahn fahren würde, auch nicht für zwei Ausfahrten im suburbanen Raum.
So wurde eine 'Gefahr' für unsere systemischen Autohersteller getilgt und die Hürde für Neueinsteiger deutlich erhöht.

Ach, und was die Förderung betrifft, so hab ich nach erster Bekanntmachung an das verantwortliche Ministerium geschrieben, um eine verbindliche Antwort zu bekommen (explizit darauf verwiesen, daß die Info für mich existenziell wichtig sei), ob die Leichtkfz-Klasse L7e auch mit dabei wäre (macht ja kalkulatorisch einen Unterschied...), schriftliche Antwort: "Ja, natürlich, da können sie sich drauf verlassen"! Ein paar Wochen später doch wieder gelesen, daß L7e nicht mit dabei wäre, nochmal ans Ministerium geschrieben, Antwort: "Nein, diese Klasse ist nicht dabei, sie haben damals auch keine verbindliche Antwort bekommen" (Lustigerweise werden die Antwortmails nie von Personen 'signiert', da steht jeweils Bürgerservice oder ähnliches, damit man nicht noch jemanden bei Fehlauskünften belangen kann).
Hat da evtl. nochmal Wolfsburg bei Siggi Starminister angerufen???

Der e.Go ist ein nettes Autochen für die Stadt, aber auch auf 90km/h beschränkt, das würde ich beim sharen mit Vergnügen mitnutzen, aber niemals kaufen, mia, Think und Tazzari waren halt zu früh und zu optimistisch auf den Markt gekommen, ich hab 2012 gestaunt und geschwitzt, wie euphorisch da viele losentwickelt haben.

Reichweite würde ich sagen, daß in ein kleines, sehr günstiges Auto Akkus für 250km zu stopfen nicht soo sinnvoll ist, das ist ja auch der Denkfehler beim i3 gewesen... Ich hab 2011 mit einem Bereichsleiter von Siemens gewettet, daß innerhalb von 5 Jahren ein Induktionsladesystem auf den Markt kommen wird, der hat mich für komplett verrückt erklärt und dieses Jahr auf meine Mail komischerweise nicht mehr geantwortet...

Ich denke, wenn VW entscheidet, daß Induktion für die Stadt sinnvoll ist und das eigene Produkt dazu kommt, dann wird das der verantwortliche Minister mit Milliarden fördern, dann machen Kleinwagen fürs Pendeln richtig Sinn....
Grüße
netvergrampfn
 
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