Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon energieingenieur » Do 30. Jan 2014, 22:58

Ich durfte mir gestern die Kohlekraftwerke Datteln4 und Scholven bei Gelsenkirchen ansehen. Die Kohletechnik soll hier aber nicht Thema sein. Etwas skuril fand ich dann aber diesen Blick hier:
2014-01-29_14-22-34_small.jpg
Elektrotankstelle am Kohlekraftwerk Scholven

Direkt vor diesem gigantischen 2Gigawatt-Kraftwerk steht ein kleines PV-Carport mit 2 Elektrodienstwagen der e.on. Davor eine Werbetafel bzgl. der ökologischen Motivation. Immerhin wurden 2 Diesel-PKW durch Elektro ersetzt, um die CO2-Bilanz des Kraftwerks (10,7Mio Tonnen CO2 pro Jahr) etwas aufzubessern.
Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass dieser Ladepunkt öffentlich ist, las nun aber auf der e.on-Website:
Zitat: "Insgesamt stehen in dem Carport vor dem Tor West vier Ladeplätze zur Verfügung. Auf zwei Plätzen können Besucher und Nachbarn des Kraftwerks ihr Elektroauto oder Elektrofahrrad unentgeltlich aufladen."

Wohnt Jemand in der Nähe, der die Daten für das Stromtankstellenverzeichnis aufnehmen könnte? Die Tankstelle ist direkt vorm Kraftwerk in der Glückauf-Straße. Will den Ladepunkt ohne Wissen über die Anschlüsse nicht eintragen. Das Bild darf natürlich gerne verwendet werden.
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Re: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon ATLAN » Do 30. Jan 2014, 23:03

Skuril hoch 3 ... :shock: :roll:

MfG Rudolf
Ab 18-11-2013 Fluence, seit 16-6-2015 MS 85D, seit 16-6-2017 MX 90D :-D Gratis SuC gefällig? :) http://ts.la/rudolf798
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Re: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon energieingenieur » Do 30. Jan 2014, 23:15

Nur mal so zum Vergleich... Die Leistung, die aus diesem Kraftwerk kommt, genügt, um GLEICHZEITIG:
46.500 Fahrzeuge mit 43kW
oder 90.900 Fahrzeuge mit 22kW
oder 181.800 Fahrzeuge mit 11kW
oder 540.500 Fahrzeuge mit 3,7 kW
oder 1 Mio Fahrzeuge mit Schukodose
aufzuladen.

Bei einem Elektroautoverbrauch von 18 kWh/100km liefert dieses Kraftwerk 266.666.666 elektrische Kilometer Fahleistung ab - pro Tag. Das bedeutet knapp 7000 mögliche Erdumrundungen pro Tag.
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon Karlsson » Do 30. Jan 2014, 23:37

Ich sehe auch täglich so ein Monstrum. Mal sind Kohleberge davor, mal nicht.
Hat kräftig Hunger, das Teil.
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon energieingenieur » Do 30. Jan 2014, 23:48

Karlsson hat geschrieben:
Ich sehe auch täglich so ein Monstrum. Mal sind Kohleberge davor, mal nicht.
Hat kräftig Hunger, das Teil.

Laut dem e.on-Mitarbeiter werden pro Tag 2 Güterzüge voll Steinkohle angeliefert...
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Re: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon AbRiNgOi » Mo 3. Feb 2014, 09:19

energieingenieur hat geschrieben:
Nur mal so zum Vergleich... Die Leistung, die aus diesem Kraftwerk kommt, genügt, um GLEICHZEITIG:
46.500 Fahrzeuge mit 43kW
oder 90.900 Fahrzeuge mit 22kW
oder 181.800 Fahrzeuge mit 11kW
oder 540.500 Fahrzeuge mit 3,7 kW
oder 1 Mio Fahrzeuge mit Schukodose
aufzuladen.

Bei einem Elektroautoverbrauch von 18 kWh/100km liefert dieses Kraftwerk 266.666.666 elektrische Kilometer Fahleistung ab - pro Tag. Das bedeutet knapp 7000 mögliche Erdumrundungen pro Tag.


Wenn man weiter-rechnet sind das also 110gCO2/km oder? also für rein Kohle noch immer besser als moderner PKW!!! (wenn es nach Merkl geht...)
(Nebenrechnug: 10,7Mtonnen/Jahr = 1,07E13 g/Jahr = 2,931E10 g/Tag, durch die Kilometerleistung 2,66E8 = 110g)

Und wenn man jetzt noch wie bei den Benzinbrüdern üblich nicht den real Verbrauch sondern den NEFZ-Wert nimmt der bei der ZOE zum Beispiel bei 10kWh/100km liegt dann haben wir einen NEFZ Wert 61 gCO2/km bei reiner Kohle, effizienter geht's gar nicht!

Nachtrag: Hier hat sich ein Rechenfehler eingeschlichen, laut Wikipedia erzeugt das Kraftwerk 900gCO2/kWh, das wären bei den 10,7MioTCo2 pro Jahr eine Leistung von nur 1,35GW. Ich denke der Unterschied ist der Leistungsmittelwert, d.h. das Kraftwerk hat im Mittel einen CO2 Ausstoß von 10,7MioT, ist im Mittel 1,35GW am Netz. (Standzeiten und Minderleistung eingerechnet), damit sind wir im NEFZ auf 90g CO2/km, auch nicht schlecht.
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon Karlsson » Mo 3. Feb 2014, 12:28

Und jetzt nehm noch mal an, dass zumindest ein Teil der Abwärme als industrielle Prozesswärme oder für Fernwärme genutzt wird.
Dafür muss dann entsprechend weniger Öl/Gas verbrannt werden.

Trotzdem kein Zukunftsmodell.
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon AbRiNgOi » Mo 3. Feb 2014, 12:57

Karlsson hat geschrieben:
Und jetzt nehm noch mal an, dass zumindest ein Teil der Abwärme als industrielle Prozesswärme oder für Fernwärme genutzt wird.
Dafür muss dann entsprechend weniger Öl/Gas verbrannt werden.

Trotzdem kein Zukunftsmodell.


Ist schon richtig, das kann nicht die Zukunft sein, das kann und will ich nicht glauben,aber:

Es gibt immer wieder die Antwort von EMobilitäts Zweiflern, dass selbst wenn ich meinen Strom selber produziere, der Strom aus dem Kohlekraftwerk kommt, weil wenn ich meinen Strom einspeisen würde, würde das Kohlekraftwerk um genau das weniger produzieren, und somit ist das was ich im eFahrzeug verfahre pure Kohlekraft. Und selbst wenn nun diese Herrschaften so um die Ecke rechnen, ist es immer noch besser ein Elektrofahrzeug zu fahren als einen absolut ineffizienten Verbrenner, selbst die Besten und Neuesten benötigen mehr als 90gCO2/100km...
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon Karlsson » Mo 3. Feb 2014, 13:11

Und dann auch noch bedenken, dass das Katalogwerte sind, die mit dem Alltag nicht zusammen passen.
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Re: AW: Stromtankstelle am 2Gigawatt-Kohlekraftwerk

Beitragvon Super-E » Mo 3. Feb 2014, 13:47

AbRiNgOi hat geschrieben:
Es gibt immer wieder die Antwort von EMobilitäts Zweiflern, dass selbst wenn ich meinen Strom selber produziere, der Strom aus dem Kohlekraftwerk kommt, weil wenn ich meinen Strom einspeisen würde, würde das Kohlekraftwerk um genau das weniger produzieren, und somit ist das was ich im eFahrzeug verfahre pure Kohlekraft. Und selbst wenn nun diese Herrschaften so um die Ecke rechnen, ist es immer noch besser ein Elektrofahrzeug zu fahren als einen absolut ineffizienten Verbrenner, selbst die Besten und Neuesten benötigen mehr als 90gCO2/100km...


Hi AbRiNgOi,

ich fühle mich indirekt zitiert, da ich das fast wörtlich so geschrieben habe, aber...
Zuerst. Ich bin E-mobilitätsfan. Zweitens. Du hast vollkommen Recht, dass selbst bei schlechtem Energiemix die Werte immer noch gut, wenn sogar nicht besser als bei den meisten Verbrennern sind. Weiterhin kann man sagen, dass Zentralkraftwerke zumindest die Option der Kraftwärmekopplung bieten (die bei dieser Rechnung immer weggelassen werden). Außerdem besteht die Möglichkeit zukünftig Stromüberschüsse (sonniger Samstagmittag, statt Freitag abend nach der Arbeit) gezielt zu tanken. Neben CO2 Einsparung (für mich eigentlich zweitrangig) gibt es aber noch zahlreiche andere Faktoren, die für EVs sprechen. Ich habe aber auch nie gesagt, das man dann pure Kohlekraft verfährt, sondern es eben auch dem Energiemix entspricht.

Trotzdem tankt man nicht emissionsfrei nur weil man einen Ökostromtarif bezahlt, sondern es gibt DEN Energiemix. An dem muss man sich messen lassen, und das kann das EV. Da ein Großteil der Heimlader ihr Fahrzeug vermutlich Nachts aufladen gibt es da wenig Sonne, die scheint. Da es keine intelligente vernetzte Ladesteuerung gibt, ist es sogar möglich, dass im EV weniger Ökostrom landet als im Durchschnitt.

Mit anderen Worten. Es gibt eigentlich einen zeitabhängigen Energiemix, mit variablem CO2 Ausstoß.

Meine Aussage wirbt daher dafür, dass man darauf hinarbeiten muss, dass EVs gezielter aufgeladen werden, wenn es zu Überschüssen von Erneuerbaren Energien kommt. Es hilft nichts, wenn man denkt man tankt ÖKO, nur weil man dafür bezahlt.

Möglicherweise hast Du dich gar nicht auf meinen post bezogen, aber ich wollte das nicht so stehen lassen...
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