Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfrastr.

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Beitragvon iOnier » Do 12. Jul 2018, 13:28

in diesem Unterforum wurde ich nicht ganz zu Unrecht auf OT aufmerksam gemacht und möchte mein Anliegen daher hier - hoffentlich passender - noch mal vortragen. Wer dort schon darauf geantwortet hat, soll das von mir aus gern per "copy&paste" hier noch mal tun, damit der Diskussionsfaden hier neu auflebt.

Ich füge hier mal den wesentlichen Text meines betreffenden postings noch mal ein, um den Ausgangspunkt neu zu setzen. Bewusst habe ich den Text nicht verändert oder ergänzt, nur den hier belanglosen Bezug auf das von mir kommentierte Vorposting am Anfang herausgenommen:

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"Dennoch bin ich - außer bei Schnellladesäulen! - eigentlich gegen die aktuelle Methode, Ladeinfrastruktur an freigehaltene Parkplätze zu binden. Aus den genannten Gründen (Akzeptanz, siehe auch mein vorheriges Posting).

Besser meines Erachtens: billige Lademöglichkeiten in großer Zahl schaffen, quasi an jedem Parkplatz (oder mit handelsüblicher Typ2-Kabellänge praktisch von jedem Parkplatz aus erreichbar eine). Und nur mit 16 A einphasig (entspricht etwa 3,7 kW Ladeleistung). Keine Abrechnung - Stromkosten in die Parkgebühr eingepreist.

Dem Aufschrei, den ich jetzt erahne, möchte ich gleich mal das Folgende entgegenhalten, vielleicht etwas ketzerisch in dieser Runde, aber IMO nicht unberechtigt:

Wer sind wir denn, dass wir in jeder Stadt, die wir mit unserer Anwesenheit "beehren", freie Parkplätze vorzufinden gedenken, womöglich auch noch kostenlos und den Strom auch noch umsonst? Genau so wird das nämlich von der "Verbrennerfraktion" wahrgenommen: "die E-Fuzzis werden gepampert, wir kriegen keine Parkplätze mehr, die Stellflächen vor den Ladesäulen stehen meist leer und wenn wir sie dann in unserer Not nutzen, werden wir auch noch abgeschleppt".

Sagt nicht, dass das nicht so wäre; genau diese Töne habe ich schon gehört. Und ganz falsch ist das auch nicht!

Eine 22 kW Ladestation, deren Standfläche auch noch freigehalten wird, ist doch der pure Luxus. Wer 20 km in die Stadt fährt und sich dort auch nur 2 h aufhält, der hat schon mit 3,7 kW Leistung abzüglich Ladeverlusten ca. 6,5 kWh geladen - reicht sogar für 50 km Rückweg, OK, im Winter vielleicht nur für 40.

Also: wie oben beschrieben (viel) mehr schwache Ladestationen und gut ist. Keine "Sonderrechte" nötig => kein Konfliktpotential. Kein Stress mit "zugeparkten" Ladesäulen.

Wer längere Wege oder kürzere Aufenthalte hat => geht halt an die Schnellladestation. Ja, von denen muss es dann auch in der Stadt auch genug geben. Ist dann halt nicht mehr der o.g. Luxus. Aber ich denke, wir haben kein Recht, Anspruch auf "Luxus" zu erheben.
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Und nun: "Feuer frei" ;-)
Gruß
Werner
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Beitragvon mweisEl » Do 12. Jul 2018, 13:34

iOnier hat geschrieben:
Also: wie oben beschrieben (viel) mehr schwache Ladestationen und gut ist. Keine "Sonderrechte" nötig

Wäre eine gute Idee insbesondere für Parkhäuser und Tiefgaragen, und sogar LSV-konform preiswertest mit sog. Schuko-Plus-Dosen zu machen (ja, Schukokontakte gibt es nicht nur in Mehrfachsteckdosenqualität).
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon TeeKay » Do 12. Jul 2018, 14:31

Ich weiß ja nicht, wie das in deiner Stadt ist. Aber in Berlin ist jeder Parkplatz belegt. "Viel mehr" Lademöglichkeiten hieße also, alle Parkplätze damit auszurüsten. Eine Benachteiligung der Verbrenner und eine Bevorzugung der Elektroautos ist übrigens durchaus wünschenswert. Denn nur mit mehr Fahrvergnügen wird das nichts mit der Durchsetzung der Elektromobilität. In der Berliner City mit großer Wahrscheinlichkeit am Ziel einen Parkplatz zu haben, das ist ein echter Vorteil, der mit Geld teilweise gar nicht aufzuwiegen ist. Der Unterschied wird mir jedesmal klar, wenn ich in der Frankfurter City bin, wo es Lademöglichkeiten fast nur in (teils viel zu engen) Parkhäusern oder an der Straße ohne Verbrennerverbot gibt.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon iOnier » Do 12. Jul 2018, 21:48

TeeKay hat geschrieben:
Ich weiß ja nicht, wie das in deiner Stadt ist.

Ich "habe" keine Stadt, lebe auch in keiner, bin "Landei". In den 80ern habe ich ca. 1,5 Jahre in Berlin (West) gelebt; der Verkehr war damals schon schlimm, hat heute sicher noch zugenommen. Damals hatte ich kein eigenes Auto, war aber gelegentlich mit Auto dort unterwegs. Zwischenzeitlich war ich v.a. in den letzten 10 Jahren noch paarmal da und habe immer einen Parkplatz bekommen (nein, nicht vor der Ladesäule, mit dem E-Auto war ich noch nicht da). Bringt halt mal 1-200 m Fußweg mit sich oder auch mal etwas mehr.
Nun mag das nicht repräsentativ sein, aber nachvollziehen kann ich nicht ganz was Du schreibst.
alle Parkplätze damit auszurüsten.

Nö. An der Mitte jedes 3. Parkplatzes einen Poller mit 2x Typ2 reicht doch dicke. Wer sein 7m Ladekabel dabei hat erreicht den dann auch vom Stellplatz davor und dem dahinter, 2/3 Stellplätze wären also elektrifiziert. An sich sogar alle 3 hinreichend, denn dass sich 3 E-Autos da dann drängeln würden ist zutiefst unwahrscheinlich, auch noch auf Jahre, so schnell steigt die Quote nicht. Montageplatz für eine 3. könnte man vorbereiten am Poller und bei späterer Wartung ergänzen, wenn der Bedarf dann mal da ist.
Eine Benachteiligung der Verbrenner und eine Bevorzugung der Elektroautos ist übrigens durchaus wünschenswert.

Ja. Für Dich und mich und für die Fußgänger.

Auf der Straße / an der Parkfläche haben wir es aber zu 99% nicht mit Dir und mir und Fußgängern zu tun, sondern mit Autofahrern auf Parkplatzsuche. Die wiederum zu 99% Verbrenner fahren. Du verstehst, worauf ich hinaus will?
In der Berliner City mit großer Wahrscheinlichkeit am Ziel einen Parkplatz zu haben, das ist ein echter Vorteil, der mit Geld teilweise gar nicht aufzuwiegen ist.

Genau das ist der Knackpunkt. Der arme Knacker mit dem '93er Corsa, der sich nichts neueres leisten kann, aber auch der Mittelständler, der sich seinen BMW oder Audi mühsam angespart hat, als das Wort "Elektroauto" noch ein Witz auf 4 Rädern war, die sehen doch nur, dass ihnen Parkraum genommen wird, auf den sie genau so angewiesen sind wie wir, uns aber wird er "geschenkt"; wie Du selbst schreibst "mit Geld gar nicht aufzuwiegen".

Das ist ja gut gemeint "Förderung der Elektromobilität", aber in der Bevölkerung baut sich doch eine Gegenposition auf. Von vielen Verbrennerfahrern (und die Masse ist eben nicht "reich") werden wir als wohlhabende Schnösel gesehen, die sich so ein Elektrospielzeug leisten können und die dann auch noch von Vater Staat gepampert werden.
Der Unterschied wird mir jedesmal klar, wenn ich in der Frankfurter City bin, wo es Lademöglichkeiten fast nur in (teils viel zu engen) Parkhäusern oder an der Straße ohne Verbrennerverbot gibt.

Das zeigt es genau auf.

Was ich sehe ist diese Alternative, etwas sehr pointiert vielleicht, aber halt mal auf den Punkt gebracht:

* Entweder: ein paar wenige teure Ladeplätze, die für uns freigehalten werden - und Krieg auf der Straße.

* Oder: viele billige Ladeplätze ohne Freihaltung und Frieden.

Letzteres (und "Abrechnung" des Stroms pauschal über die Parkgebühr - wobei er dann durch die Verbrenner quersubventioniert würde!) wäre mir Förderung genug und würde weniger Stress mit sich bringen.

Obiges "Entweder" haben wir schon beginnend. Ist es sinnvoll, den Weg so weiter zu gehen? Denn noch mal 10 Jahre weiter gedacht; der Wunsch ist dann ja, viel mehr E-Autos zu haben. Dann nützen uns die paar freigehaltenen 22 kW-Ladeplätze auch nix mehr. Um die prügeln wir uns dann selber.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon Helfried » Do 12. Jul 2018, 22:10

iOnier hat geschrieben:
Genau das ist der Knackpunkt. Der arme Knacker mit dem '93er Corsa, der sich nichts neueres leisten kann, aber auch der Mittelständler, der sich seinen BMW oder Audi mühsam angespart hat, als das Wort "Elektroauto" noch ein Witz auf 4 Rädern war, die sehen doch nur, dass ihnen Parkraum genommen wird


Das ist aber Absicht, dass der fossile Mob aus den Städten hinaus gedrängt wird. Bei uns wird das seit Jahren mit Erfolg praktiziert. Die Stadt wird damit lebenswerter. Sie ist nicht auf fossile Autofahrer angewiesen.

Parkraum wird immer weiter künstlich verknappt, ob für Blumentröge oder für Elektroautos ist dann eher sekundär.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon iOnier » Do 12. Jul 2018, 22:46

Helfried hat geschrieben:
Das ist aber Absicht, dass der fossile Mob aus den Städten hinaus gedrängt wird.

Wenn diese Menschen(!) in 10-20 Jahren auch alle elektrisch fahren, weil's halt auch für sie nichts anderes mehr gibt, dann werden Leute, die so denken, sie immer noch als Mob bezeichnen. Deren Zielrichtung ist also eine ganz andere, und E-Mobilität als Mittel zu diesem Zweck einzusetzen empfinde ich als nachgerade perfide.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon TeeKay » Do 12. Jul 2018, 23:12

iOnier hat geschrieben:
Das ist ja gut gemeint "Förderung der Elektromobilität", aber in der Bevölkerung baut sich doch eine Gegenposition auf. Von vielen Verbrennerfahrern (und die Masse ist eben nicht "reich") werden wir als wohlhabende Schnösel gesehen, die sich so ein Elektrospielzeug leisten können und die dann auch noch von Vater Staat gepampert werden..

Ich glaube, damit kommen die meisten Elektroautofahrer gut klar.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon iOnier » Do 12. Jul 2018, 23:30

Ich empfinde es eben einerseits als sozial falsch und andererseits der Förderung von Elektromobilität nicht dienlich. Wer dadurch eine "Anti-Haltung" bekommt wird solange wie er kann beim Verbrenner bleiben. Da spielt eh eine Menge Psychologie mit rein, das wird dadurch noch befeuert.

Außerdem empfinde ich es als falsch eine Gruppe, der es eh besser geht als den meisten anderen (und das dürfte für die meisten hier gelten) zusätzlich zu bevorzugen. Förderung ja, aber nicht so, dass es denen weh tut, die dem Druck nicht ausweichen können.
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon Wiese » Fr 13. Jul 2018, 07:55

Die Idee von iOnier ist mit Sicherheit nicht schlecht. Im Moment hat sie den Nachteil, dass die Kosten für die Städte sehr hoch wären, und die Verbrenner-Fahrer sich eventuel fragen würden warum in einer Straße 20 Ladestellen montiert wurden wo nie ein E-Auto lädt.
Derzeit hätte ich eine andere Idee. Jeder, der ein E-Auto kauft, und keinen eigenen Stellplatz hat, was in der Stadt ja oft der Fall ist, bekommt von der Stadt eine Ladestation in seiner Straße. Wenn dann vor einem Wohnhaus eine Ladestation mit 3 Steckdosen steht, werden auch Andere animiert über ein E-Auto nachzudenken. So würden nach und nach dort Ladestellen entstehen, wo sie auch genutzt werden. Vor jeder Ladestation (max 22 kW) könnte man Nachts ein Parkverbot für "Nicht-Lader" verhängen, damit die Bewohner ihr Auto auch laden können. Wie iOnier schon sagte wären 11 kW Ladepunkte ausreichend, weil in erster Linie Anlieger die Ladestellen nutzen sollen. Wie hier schon gesagt wurde könnte eine Ladestion 3 Parkplätze versorgen, man müsste aber nur einen frei halten, und das auch nicht immer. Meiner Meinung nach ist es ziemlich frech zu erwarten, dass man als Besucher eine freie Ladestation erwartet. Ladestationen für Besucher oder Kunden können diejenigen einrichten, die von dem Kunden profitieren. Wenn alle Supermärkte, Ärztezentren, Parkhäuser, Schoppingmails, Restaurants u.s.w. Ladestellen aufstellen hat jeder E-Fahrer die Möglichkeit während seines Aufenthalts zu laden.
Umweltrelevantes: ab 2007 5,76 kWp PV, ab 2008 Naturstromkunde, ab 2009 20m² Thermie, ab Mai 2006 Honda Civic Hybrid
Eine Frau, 2 Kinder, 3 Enkel, eine Katze :old:
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Re: Soziale u.a. Konsequenzen der Förderung städt. Ladeinfra

Beitragvon SunDance_879 » Fr 13. Jul 2018, 08:12

iOnier hat geschrieben:
Ich empfinde es eben einerseits als sozial falsch und andererseits der Förderung von Elektromobilität nicht dienlich. Wer dadurch eine "Anti-Haltung" bekommt wird solange wie er kann beim Verbrenner bleiben. Da spielt eh eine Menge Psychologie mit rein, das wird dadurch noch befeuert.

Außerdem empfinde ich es als falsch eine Gruppe, der es eh besser geht als den meisten anderen (und das dürfte für die meisten hier gelten) zusätzlich zu bevorzugen. Förderung ja, aber nicht so, dass es denen weh tut, die dem Druck nicht ausweichen können.


*sign*
Umsetzbarkeit, Finanzierung, all das mal außen vor gelassen fände ich es ebenfalls wünschenswert, was du im Eingangspost geschrieben hast. Ich denke, wenn die Infrastruktur so aussehen würde, hätten sehr viele Menschen keine Bedenken mehr, zu wechseln. Denn die Ladesäulenfindeangst wäre weg. Meiner Erfahrung nach ein großer Punkt, den ich immer wieder höre.
Mit freundlichen Grüßen
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