Schnellladung notwendig?

Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon TeeKay » So 27. Apr 2014, 13:32

Ihr immer mit euren "Wenn alle Menschen Deutschlands gleichzeitig ihr Auto mit 22kW laden wollen". Macht die Augen auf. Mir passierts ehrlich gesagt selten, dass ich in einer großen Autoschlange fahre und auf einmal 100 Autos gleichzeitig den Blinker rechts betätigen und parken. Aber vielleicht ist das in anderen Gegenden so?

Wie schaffen es denn die Energieversorger, fünfstöckige Häuser mit 20 Wohneinheiten mit elektrischen 22kW-Durchlauferhitzern anzuschließen? Was ist, wenn alle gleichzeitig duschen wollen? Und alle gleichzeitig auf allen vier Herdplatten kochen, mit 220° backen, in jedem Zimmer den 2m-Plasma-Fernseher laufen lassen, bügeln, Kochwäsche waschen, Geschirrspülen, Wasser im Wasserkocher kochen und im Keller sägt jeder mit seiner neuen Säge illuminiert von einem 1000W Baustrahler. Alles gleichzeitig natürlich. Könnte ja alles mal vorkommen. Die Erfahrung zeigt aber, dass das nicht passiert. Deshalb sind die Hausanschlüsse viel kleiner als die Summe der Verbraucher. Und wenn doch mal obiges Szenario eintreffen sollte, fliegt die Sicherung. Ist mir noch nie in meinem Leben passiert. Komisch. Dabei hab ich doch ein so realistisches Szenario gehabt.

Abgesehen davon wäre es ein leichtes, Lastmanagement einzuführen. Dann kriegen eben alle Elektroauto-Anschlüsse eines Straßenzuges ein zentrales Lastmanagement verpasst.
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon Goingi3 » So 27. Apr 2014, 14:02

Ja fdl1409, es freut mich, dass Du das auch so siehst.

Wir müssen noch etwas Geduld haben. Stärkere Akkus werden kommen, die Reichweiten werden steigen. Jetzt das Stromnetz massiv mit Schnellladestationen auszurüsten und überhastet in die elektrische Infrastruktur zu investieren, wäre nicht zielführend.

Wenn man das glauben kann, dann steht das japanische Unternehmen Sekisui Chemical offensichtlich schon mit neuen optimierten Li-Ion-Akkus vor der Marktreife, die mit viel höheren Leistungsdichten auf Reichweiten von rund 600 km hoffen lassen. Die Kosten sollen durch einfachere Herstellung um fast zwei Drittel niedriger sein. Bereits 2015 sollen die Akkus in Massenproduktion gehen. Klingt utopisch, zeigt aber, dass da im Hintergrund sehr wohl etwas im Gange ist, wie bei allen Entwicklungen. Und ich wette, dass die Japaner da nicht die einzigen sind.

Man denke an die CD-, DVD- und Bluray-Brenner. Ich habe damals um € 250.-- einen der ersten DVD-Brenner gekauft, der sogar schon 4-fach brennen konnte. Heute brennen die 40-fach und sind um € 19,90 zu bekommen.

Mit solchen Akkus werden Schnellladestationen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen und hauptsächlich auf Durchzugsstrecken zu finden sein. Standardmäßig wird man sein Elektromobil z.B. während einer längeren Standzeit mit geringen Ladeleistungen schonend für den Akku und das Stromnetz aufladen und dann, ähnlich wie mit einem Verbrennungsantrieb 500 oder 600 km fahren können. Das werden die Stromnetze ohne große Verstärkungsmaßnahmen schaffen. Alles wird wieder seinen normalen Lauf haben. Tesla macht das ja bereits vor.

Ich rechne damit, dass bereits in wenigen Jahren ein Umbruch stattfinden wird.
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon energieingenieur » So 27. Apr 2014, 14:16

Mann sollte in diesem Zusammenhang übrigens auch nicht vergessen, dass es technisch bereits möglich ist (siehe ChargeLounge oder andere Projekte), Schnellladungen (auch >40kW) an Stellen zu ermöglichen, wo das Netz nur 11kW Dauerlast hergibt.

Dort ist ein Batteriespeicher eingebaut, der kontinuierlich mit 11kW lädt und bei Fahrzeugankunft dann eben 40kW oder mehr abgeben kann. Die Frage der Effizienz möchte ich dabei jetzt mal außen vor lassen, da ich dazu nur wenige Infos habe, aber technisch funktioniert das. Übrigens auch, weil nicht alle Autos gleichzeitig dort ankommen ;-)

Das Akkus besser werden, davon gehe ich auch aus, aber bis ein Faktor 4-5 erreicht ist (wie eben von Goingi3 prohepzeit), wird es wohl doch noch etwas dauern. Alternative ist es zu machen, wie Tesla: Mehr Akkus = mehr Masse ins Fahrzeug zu integrieren. Ich persönlich finde das aber nicht immer sinnvoll, denn: Mehr Akkus kosten mehr Geld und mehr Masse führt auch in anderen Bereichen zu mehr Kosten. Es macht für ein Fahrzeug, was zu 90% im Bereich <100km bewegt wird keinen Sinn, Akkus mit sich herum zu fahren, die 500km Strecke ermöglichen, was evtl. 2-3 pro Jahr gebraucht wird. Was nicht ausschließt, dass Fahrzeuge mit 500km Reichweite für Leute, die wirklich täglich lange Strecken fahren durchaus sinnvoll sind. Aber das ist eher die Außnahme, als die Regel.

Es wird letztlich eine Frage des Budgets sein, wer sich was kauft. Nehmen wir an, ich könnte mir in 5 Jahren ein Fahrzeug wie den ZOE/Smart/i3 mit 500km Reichweite kaufen und er würde das gleiche Kosten, wie ein ZOE/Smart/i3 mit 150km heute... Ich glaube ich würde das nicht tun. Ich würde auf einen kleineren/leichteren Akku mit vll. 200km downsizen, mir das Geld sparen und dafür in Kauf nehmen, bei den wenigen Strecken im Jahr, wo mir 200km nicht reichen, einfach mal 30min Ladepause einplanen zu müssen. Aber das kann letztlich jeder nur für sich selbst entscheiden und wird auch davon abhängen, was die Hersteller dann anbieten und wie sich die Infrastruktur entwickelt.
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon Vanellus » So 27. Apr 2014, 14:38

Wenn denn in einigen Jahren Akkus verfügbar sein werden, die nicht größer und nicht schwerer als die heutigen sind - und wir uns darüber alle freuen - und wir damit, sagen wir mal, die dreifache Strecke fahren können, nimmt natürlich die Notwendigkeit ab, häufig unterwegs zu laden. Gehen wir mal von 60 kWh im Akku aus gegenüber rund 20 kWh heute. Wenn ich den allerdings mit 14,4 A (230 V AC) zuhause lade (so die Stromstärke bei goingi3) = 3,3 kW dann brauche nicht mehr in der Praxis 4-5 Stunden sondern 12 - 15 Stunden. Das bedeutet, er ist morgens in der Regel noch nicht voll. Wenn der Akku ziemlich leer war, brauche ich dann über 20 Stunden und wenn die Kapazität noch größer ist brauche ich noch mehr Zeit.
Mit anderen Worten: wenn ich mit einem 60 kWh-Akku herum fahre (worüber ich mich freuen würde) und dennoch unterwegs nachladen müsste, bräuchte ich an einer 11 kW-Säule rund 5 Stunden bis er wieder voll ist. Wenn das tagsüber ist, würde ich diese Tour mit dem Elektroauto nicht machen. Über Nacht geht das. Konsequenz: bei großen Akkus brauche ich zwar seltener nachzuladen, aber wenn, dann bitte ordentlich mit mindestens 22 kW, gern mehr. Es macht also wenig Sinn, heute 11 kW-Säulen im öffentlichen Raum aufzustellen, das sollten schon mindestens 22 kW-Säulen sein, die dann auch in 5 Jahren noch sinnvoll sind. Zuhause (und bei Hotels) als Schnarchladung über Nacht sieht das anders aus.
Gruß
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon TeeKay » So 27. Apr 2014, 14:45

Bei größeren Batterien macht Schnellladung noch viel mehr Sinn als bei kleinen. Das sieht man schon daran, dass ein i-Miev an einem 50kW-Chademo fast genauso lange lädt wie ein Leaf mit 50% größerer Batterie. Ganz einfach deshalb, weil das Zeitfenster für maximale Ladeleistung umso kleiner ist, je geringer die Batteriekapazität ausfällt. Bis zum Kia Soul mit 27kWh dürfte ein 50kW Chademo alle Autos in etwa gleicher Zeit laden können - der Soul kommt mit der Ladung dann aber fast doppelt so weit wie der i-Miev.
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon dibu » So 27. Apr 2014, 18:16

@TeeKay: danke für deine Beiträge, in denen ich mich gut wiederfinde.

Als ich meine 22-kW-Wallbox installieren wollte, haben meine Stadtwerke ohne Bedenken zugestimmt und nur gemeint, "wenn jetzt in jedem Haus in ihrer Straße so was installiert wird, müssen wir das neu überdenken". Ich bin jederzeit bereit, diese Installation durch aktuellere Hard- und Software auszutauschen, wenn das für ein Netzmanagement notwendig ist. Aber ich sehe diese Notwendigkeit frühestens in 5 bis 10 Jahren (siehe TeeKays Argument der Gleichzeitigkeit). Zur Zeit lade ich nachts zwischen 2 und 3 Uhr und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Netz überlastet würde, auch wenn hier noch 10 weitere E-Autos gleichzeitig laden würden (die im übrigen auch von 23 bis 24 Uhr, von 24 bis 1 Uhr, usw. laden könnten, dann macht's nämlich gar nichts).

Für lange Strecken bin ich auf Schnellladung angewiesen - ich habe nur dieses eine Auto und kann nicht mal eben den Verbrenner nehmen. Ich bin froh, dass endlich Projekte angegangen werden, die flächendeckend Schnelllader installieren wollen (aber bitte nicht nur CCS und bitte alle Anschlüsse über 40 kW).
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon Goingi3 » So 27. Apr 2014, 19:35

Liebe Freunde der Elektromobilität!

Durch das, was ich jetzt hier schreibe, habe ich keines Falls die Absicht, irgendjemanden von Euch zu kränken oder zu beleidigen. Das steht mir auch nicht zu. Deshalb schließe ich mich gleich selbst in die Kritik mit ein, da auch ich mit vollen Zügen die neue Mobilität durch ein elektrisch betriebenes Fahrzeug mit relativ hoher Motorleistung nutze. Bitte berücksichtigt das bei Eurer Kritik.

Je mehr ich über den unbändigen Wunsch vieler Elektromobilisten nach Schnellladung der Akkus zum Zwecke möglichst uneingeschränkter Mobilität nachdenke, desto mehr muss ich erkennen, dass wir eigentlich schon wieder auf dem falschen Weg sind.

Wir sind zurzeit offensichtlich gerade dabei, Fahrzeuge zu entwickeln, die ernsthaft dazu taugen, die seit ca. 150 Jahren existierenden mit Erdöl betriebenen Verbrennungsmaschinen, die aufgrund Ihrer Anzahl auf der Welt immer mehr beginnen, unsere Gesundheit und unseren Fortbestand zu gefährden, in absehbarer Zeit abzulösen. Damals, als es die ersten Autos mit Verbrennungsmotor gab, hatte es diese Technik zunächst gar nicht leicht, weil sie anfällig war und stinkende Abgase von sich gab. Parallel dazu gab es schon Elektroantriebe, die zunächst sehr beliebt waren, dann aber aufgrund nur geringer Reichweite den Kampf gegen den Verbrennungsantrieb verloren.

Die Verbrennungsmaschinen wurden weiterentwickelt und man erkannte bald, dass diese nicht nur als Beförderungsmittel für weite Strecken, sondern mit steigenden Leistungen auch dazu zu gebrauchen sind, den persönlichen Komfort und vor allem den Fahrspaß zu befriedigen. Stärker, schneller und protziger war die Devise. Abgase und Gestank interessierten lange Zeit niemanden.

Heute fährt man meist alleine ein modernst ausgestattetes Fortbewegungsmittel für fünf Personen, mit dessen Motorleistung ein ganzes Dorf mit Energie versorgt werden könnte und genießt bei Musikuntermalung und Klimatisierung Fahrtstrecken mit mehr als 1000 km am Stück bei Geschwindigkeiten jenseits von 200 km/h. Luxus pur und reinster Frevel an der Umwelt, wenn man einmal genau darüber nachdenkt.

Kaum aber hat der Entwicklungsprozess für die große echte Alternative in Form des elektrischen Antriebes begonnen, schon sind wir wieder emsig daran, unseren unersättlichen Energiehunger durch eine möglichst komfortabel anwendbare, jederzeit sofort zur Verfügung stehende Energiequelle in Form der Schnellladung zu stillen.

Wir maßen uns an, für eine sofortige und möglichst rasche Aufladung eines einzigen Fahrzeuges, nämlich des eigenen, sehr kurzfristig eine enorme Energiemenge in der Höhe von z.B. 50 kW nur für uns allein zu beanspruchen ohne darüber nachzudenken, wie diese Energie hergestellt wird und wie sie bis in unseren Akku kommt.

Wenn man einmal sehr selbstkritisch darüber nachdenkt, dann hat dieser Anspruch auf eine möglichst schnelle Aufladung seines eigenen Vehikels fast schon einen gewissen egoistischen Anstrich. Es interessiert uns überhaupt nicht, wo diese große Energiemenge herkommt, Hauptsache man kann damit möglichst rasch, komfortabel und unkompliziert bis zur nächsten Schnellladestation fahren, um seinen Akku dort gleich wieder mit 50 kW vollzupumpen.

50 kW unmittelbar verfügbare Energie und das für eine Person und ihren fahrbaren Untersatz alleine. Dieser Gedanke macht mir wirklich Kopfzerbrechen. Wo bleibt da der ursprüngliche ökologische Gedanke, mit hohem Wirkungsgrad und möglichst geringer Umweltbelastung möglichst sparsam unterwegs zu sein, wenn ich jederzeit und überall meine verbrauchte Energie durch Schnellladung wieder nachtanken kann?

Der elektrische Antrieb hat im Grunde einen ausgesprochen erzieherischen Effekt, nämlich mit der zur Verfügung stehenden Energie möglichst sparsam umzugehen, man will ja schließlich möglichst weite Strecken zurücklegen. Dieser erzieherische Effekt geht mit der Schnellladung verloren.

Und wir begehen auch schon wieder gleich den nächsten Fehler. Wir wollen möglichst viel Leistung unter unserem Gesäß spüren. Hohes Drehmoment, in kürzester Zeit auf 100 km/h und nach Möglichkeit gleich wieder mit 200 km/h auf der Autobahn dahinbrettern.

Die Entwicklung von Elektrofahrzeugen wie z.B. der Tesla, der Mercedes SLS, der BMW i8 und noch andere, aber auch der BMW i3, mit ihren hohen Leistungen zeigen, dass es dem Menschen nicht nur darum geht, möglichst Umweltschonend von A nach B zu kommen, sondern wiederum möglichst schnell und mit möglichst viel Spaß. Wo die Energie dafür herkommt, die wir immer sofort und in ausreichender Menge verlangen, für uns alleine beanspruchen und auch bezahlen können, ist Nebensache und interessiert niemanden. Man erwartet einfach, dass die E-Werke diese Energie liefern.

Wann lernen wir endlich mit Energien sparsam umzugehen. Mit unserem Energiehunger zerstören wir unsere Umwelt immer weiter. Diesmal nicht durch giftige Abgase, sondern durch die Notwendigkeit neuer Kraftwerke. Energie bleibt Energie. Sie muss erzeugt werden. Auch Windparks und Solaranlagen mit teurem Ökostrom beanspruchen große Flächen, die verloren gehen. Von Kernkraftwerken rede ich gar nicht.

Auch ich gehöre leider in gewissem Maße zu den Egoisten, die mit möglichst viel Komfort herumfahren wollen. Nur eines habe ich wenigstens erkannt. Um meinen Akku schnell laden zu können, braucht es unverhältnismäßig viel Energie in sehr kurzer Zeit. Wenn künftig hunderte, tausende und Millionen von Fahrzeugbenützern ihr Auto durch Schnellladung vollpumpen wollen, braucht es nicht nur ein neues Kraftwerk, sondern viele davon. Und auch jede Menge neuer Leitungen und Maste, um diese Energien zu befördern.

Hat sich das schon einmal jemand überlegt?

Ich habe daher auf die Schnellladung verzichtet, da ich vorher schon darüber nachgedacht habe. Ich lade meinen i3 voll und versuche, möglichst sparsam möglichst weit mit einer Akkuladung zu kommen. Dabei verzichte ich teilweise sogar auf Heizung und Kühlung, soweit einigermaßen verträglich. Mehr kann ich nicht tun, außer vielleicht mit dem Rad zu fahren oder zu Fuß zu gehen. In absehbarer Zeit werden die Akkus 500 oder mehr km hergeben. Dann wird Schnelladung ohnehin nur noch punktuell notwendig sein, wenn jemand größere Strecken durchgehend zurücklegen will.

Nun höre ich auf, Euch zu langweilen. Wer weiterhin auf Schnellladung beharrt, braucht deshalb jetzt kein schlechtes Gewissen zu haben. Er ist ja wenigstens einer der wichtigen Pioniere, die die Elektromobilität fördern. Immer noch besser, als weiter Ruß und Stickoxyde in unsere Atemluft zu blasen.

Auf meinen ersten Beitrag hin zu diesem Thema, in welchem ich die Schnellladung einen „Blödsinn“ genannt habe, habe ich mich nun etwas genauer erklärt und ausgedrückt. Ich stehe für einen möglichst schonenden Umgang mit der Energie ein. Schnellladung ist davon weit entfernt.

Alle die die Elektromobilität als Chance für einen Energiewandel sehen, werden meine Ausführungen vielleicht ein wenig verstehen, alle anderen können mich jetzt von mir aus steinigen. Ich halte das aus.
Ich hoffe aber doch, dass ich nicht zu viele Emotionen geweckt habe. Wenn sich jemand dadurch persönlich angegriffen fühlt, möge er mir das bitte verzeihen.

Ich hoffe, ich kann damit die Diskussion noch ein wenig mehr ankurbeln.

Bis auf Weiteres …
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon ATLAN » So 27. Apr 2014, 19:40

Mir leuchtet nicht ganz ein, wieso immer alle Kritiker der schnelleren Ladungen der Meinung sind, das jeder der ein AC-Schnelladefähiges Fahrzeug hat automatisch auch immer gleich mit 43 oder 22 kW laden wird wenn das Auto ohnehin jetzt dann 8 Stunden steht zB. über Nacht. Ein aufladen in 0,5-1 Std an der Raststation würde ich auch nicht als ein Hetzen von Säule zu Säule sehen, eher als ein gerade noch akzeptables vorwärtskommen, da ist der zwang zur de-facto Übernachtung alle 150km bei max. 3,7kW schon weit störender und eigentlich auch bei gutem Willen fast nicht darstellbar.
Auch scheinbar schnelle 22kW können bei einem leerem 80kWh-Akku gute 4 Std. dauern, soviel zu "22kW-Schnelladung", das wird eher die Standardladung in Zukunft werden, 11kW die Notladung und nach 3,7kW werden sich maximal mehr Elektrorollerfahrer umsehen, sowas wird dann zur "Erhaltungsladung" zB im Flughafenparkhaus degradiert.

Das man sowas nicht so einfach auf die Netze loslassen kann ist auch klar, seit Jahrzehnten gibt's bereits ein Lastmangement der EVUs, genannt "Schwachlasttarif oder Nachtstrom", gesteuert wird über einen Rundsteuerempfänger. Schwachlasttarif 2.0 wäre dann ein Smartgrid mit direkter Kommunikation mit der Ladestation, und es gibt eigentlich keine Probleme. Sonst hätten schon die ganzen Nachtspeicherheizungen vor 30 Jahren das Netz gekillt.
Übrigens: so gut wie alle derzeitigen Ladestationen (Wallboxen) können bereits so was, sobald sie einen Eingang für eine "externe Freigabe" haben. Diesen einfach vom Rundsteuerempfänger ansteuern lassen und fertig ist das "Smartgrid v0.9" :mrgreen:

MfG Rudolf
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon steuerzahler » So 27. Apr 2014, 20:16

Hallo
Meiner Meinung nach wäre der richtige Ansatz, dass Verbrenner für den Arbeitsweg nicht mehr steuerlich absetzbar wären.
Gruss
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Re: Schnellladung notwendig?

Beitragvon energieingenieur » So 27. Apr 2014, 20:42

Goingi3, ich finde deine Schreibweise drückt auf sehr sachliche Weise deine Meinung aus. Völlig in Ordnung :-)

Goingi3 hat geschrieben:
Kaum aber hat der Entwicklungsprozess für die große echte Alternative in Form des elektrischen Antriebes begonnen, schon sind wir wieder emsig daran, unseren unersättlichen Energiehunger durch eine möglichst komfortabel anwendbare, jederzeit sofort zur Verfügung stehende Energiequelle in Form der Schnellladung zu stillen.

Ich brauche nicht mehr Energie, weil ich Schnellladung nutze. Ich brauche nur eine höhere Leistung. Mein Laderegler hat bei höherer Leistung sogar weniger Verluste, als bei niedriger.

Goingi3 hat geschrieben:
Wir maßen uns an, für eine sofortige und möglichst rasche Aufladung eines einzigen Fahrzeuges, nämlich des eigenen, sehr kurzfristig eine enorme Energiemenge in der Höhe von z.B. 50 kW nur für uns allein zu beanspruchen ohne darüber nachzudenken, wie diese Energie hergestellt wird und wie sie bis in unseren Akku kommt.

Eine Netzbelastung von 22kW oder 50kW mag für den Privatmann viel erscheinen, aber wenn wir das Gesamtnetz betrachten, wird relativ schnell klar, dass diese Lasten derzeit mehr als im Grundrauschen untergehen. Der deutsche Strombedarf 2013 lag beit 596 TWh. Wenn man das gleichmäßig auf 8760h/a aufteilt ergibt das eine durchschnittliche Dauerlast von 68 GW. Nämen wir das absolute worst-case-Szenario an, dass alle 13.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland 22kW verarbeiten könnten und ALLE GLEICHZEITIG mit 22kW laden würden... dann wäre das eine Last von 0,29 GW. Das sind 0,4% von der durchschnittlichen Gesamtlast. Wir wissen aber alle, dass das NIEMALS vorkommen wird.

Goingi3 hat geschrieben:
Wenn man einmal sehr selbstkritisch darüber nachdenkt, dann hat dieser Anspruch auf eine möglichst schnelle Aufladung seines eigenen Vehikels fast schon einen gewissen egoistischen Anstrich. Es interessiert uns überhaupt nicht, wo diese große Energiemenge herkommt,...

Hat Individualverkehr nicht immer einen gewissen egoistischen Anspruch?
Es interessiert mich sehr wohl, woher die Energie kommt. Mein Nickname verrät dies vll. auch. Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren intensiv mit dem Thema der Energieerzeugung, Verteilung und Verbrauchsminderung. Viele hier im Forum arbeiten an Ladesteuerungen ihrer Fahrzeuge anhand regenerativer Überschüsse. Einige haben das bereits realisiert und nutzen es täglich. Aber auch das wiederum funktioniert mit Schnellladefähigen Ladereglern besser. Wenn meine PV-Anlage, die wochentags unseren Handwerksbetrieb versorgt (und mit der ich ca. 80% Eigenverbrauchsquote erreiche) am Wochenende plötzlich 15kW übrig hat (weil ich die Standbyverluste in der Firma absolut minimiert habe...), kann ich die - dank Schnelllader - ins Fahrzeug bringen. Schnarchlader könnten die 15kW nicht abnehmen.

Goingi3 hat geschrieben:
Der elektrische Antrieb hat im Grunde einen ausgesprochen erzieherischen Effekt, nämlich mit der zur Verfügung stehenden Energie möglichst sparsam umzugehen, man will ja schließlich möglichst weite Strecken zurücklegen. Dieser erzieherische Effekt geht mit der Schnellladung verloren.

Wenn ich 200km weit fahren muss, dann brauche ich dafür eine bestimmte Menge Energie. Die wird nicht mehr oder weniger, weil das Fahrzeug mit 3,7kW oder mit 22kW geladen wird. Auf meinen Langstrecken (mit Schnellladung) verbrauche ich tendenziell sogar weniger elektrische Energie pro Strecke, weil ich deutlich sparsamer fahre, um möglichst spät Schnellladen zu müssen. Auf meinen Strecken im normalen Aktionsradius verbrauche ich mehr, weil ich ja gleich zu Hause wieder langsamladen kann. Da mache ich mir weniger Gedanken, ob ich jetzt mit 13kWh/100km oder mit 15kWh/100km unterwegs bin. Zudem sollte man sich im klaren sein, dass die Produktion eines KFZ einen sehr hohen Anteil am Gesamt-Lebens-Energie-Verbrauch eines KFZ hat. Es dann nur so wenig wie möglich zu nutzen und bloß keine Langstrecken zu fahren ist vll. nicht der beste Ansatz. Dann sollte man sich überlegen, ob man vll. mit CarSharing besser auskommt.

Goingi3 hat geschrieben:
Die Entwicklung von Elektrofahrzeugen wie z.B. der Tesla, der Mercedes SLS, der BMW i8 und noch andere, aber auch der BMW i3, mit ihren hohen Leistungen zeigen, dass es dem Menschen nicht nur darum geht, möglichst Umweltschonend von A nach B zu kommen, sondern wiederum möglichst schnell und mit möglichst viel Spaß.

Die technische Weiterentwicklung ist nur mit ausreichend finanziellen Mitteln möglich. Und die lassen sich leider mit der Marge von Kleinwagen nicht erreichen. Die Hersteller machen das schon richtig, dass sie erst solche Prestigeobjekte auf die Straße bringen, um die Weiterentwicklung und Integration moderner/effizienter Technik auch in Kleinwagen zu verbauen und der breiten Masse zur Verfügung zu stellen. Zudem möchte ich mir ein bißchen Spaß auch nicht nehmen lassen. Eine energetisch sinnvoll lebensweise heißt nicht zwangsläufig auf (Fahr)spaß verzichten zu müssen. Ich gehöre nicht zu denen, die jeden Abend 3x simnnlos durch die Stadt zu McD zu fahren, aber manchmal fahre ich mit anderen Elektroautofahrern 400km am Wochenende - aus Spaß. Natürlich braucht das Energie, aber es hebt sehr meine Lebensfreude. Und auch wenn ich es mir zum Hobby gemacht habe, jede kWh zu zählen und einzusparen - auf solche Erlebnisse möchte ich nicht verzichten. Sie bereichern mich geistig und ich knüpfe neue Kontakte.

Goingi3 hat geschrieben:
Auch Windparks und Solaranlagen mit teurem Ökostrom beanspruchen große Flächen, die verloren gehen.

Warum gehen die Flächen verloren? Für was hättest du sie sonst nutzen wollen? Geht eine Fläche auch verloren, wenn ich ein Wohnhaus baue? Die Flächen für Windkraftanlagen, etc. finde ich sehr sinnvoll genutzt. Sie können bei Bedar sogar sehr schnell renaturiert werden.

Goingi3 hat geschrieben:
Wenn künftig hunderte, tausende und Millionen von Fahrzeugbenützern ihr Auto durch Schnellladung vollpumpen wollen, braucht es nicht nur ein neues Kraftwerk, sondern viele davon. Und auch jede Menge neuer Leitungen und Maste, um diese Energien zu befördern.

Ich habe die Berechnung bereits 1-2 Mal im Forum gemacht, darum hier nur das Ergebnis: 1Mio Elektrofahrzeuge benötigen 0,2% mehr elektrische Energie, als der jetzige Strombedarf der gesamten Bundesrepublik. 42Mio PKW (der gesamte PKW-Bestand der Bundesrepublik) benötigt 15% mehr Strombedarf. Und diese Entwicklung passiert nicht von heute auf morgen. Und man darf bitte nicht vergessen, was an Mineralölbedarf (der teilweise um den halben Globus zu uns transportiert wird) zur gleichen Zeit entfällt!
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