Rentabilität von Ladesäulen

Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon Solarmobil Verein » Do 8. Feb 2018, 15:41

EVduck hat geschrieben:
Überschuss -1.742,54 EUR/Jahr
Das wirklich Interessant bei der Sache ist jetzt, daß viele dieser Säulen sogar kostenlos sind und hier und da auch mit Straßenbemalung bzw. Beschilderung. Z.B. Altendorf, Buttenheim, Frankentherme Hirschaid, Scheßlitz Hauptstraße.

Nachdem manch eine Kommune ja schon wegen 50 Euro Zuschuß für ein xyz-Fest herumzickt, frage ich mich:
Wie machen die das? Schreiben die angesichts der Geldknappheit wirklich Jahr für Jahr rund 2000 Euro Stromkosten pro Ladestation ab?

Deine Rechnung ist schon nachvollziehbar aufgestellt, nur der Stromverkauf/Jahr mit 12.264 kWh halte ich an vielen Stellen für zu hoch angesetzt.
Z.B. Forchheim/Haidfeldstraße: Ich schätze, daß 99% des dort geladenen Stroms in die stadtwerkeeigenen Fahrzeuge rein geht. Fremdlader sieht man dort praktisch nie (ist eigentlich immer was frei).
Oder Erlangen/Rathaus, ja, hin und wieder steht da einer, so einmal pro Woche.
Manch einer dieser Standorte wird sich auch in 100 Jahren nicht rechnen. Dabei ist der resultierende kWh-Preis im Kundentarif sogar noch recht moderat. Trotzdem lädt dort nur dort jemand, der wirklich laden muß. Wenn du jetzt den Preis für eine vermeintlich schnellere Amortisation erhöhst, weißt du genau, was passiert.

Was wurde mir gesagt?
"Jetzt haben wir hier in Forchheim Ladestationen aufgestellt. Nutzt sie doch auch."
Ja, aber ich habe ein eigenes Haus mit inzwischen einer PV drauf in Forchheim, warum sollte ich dann für grob den 1.5fachen Betrag auswärts laden?
Denjenigen, die aus den umliegenden Ortschaften kommen, denen reicht es in aller Regel auch wieder nach Hause.
Und die, die von Ganzweitweg kommen und laden müssen (wenn sie nicht auf der AB am noch kostenlosen Schnelllader etwas mitnehmen), haben den Fremdtarif, dessen Kosten einem die Tränen in die Augen treiben. Da fällt man dann als Tourist sicher auch dankbar auf die Knie. Oder ihm war schlicht schwindelig ...

Aber da steht jetzt die Säule für 10000 Euronen schlüsselfertig und 2000 Euro Fixkosten im Jahr herum ... hm ...
Ich halte das komplette Konzept bei AC-Destination-Ladern für völlig verfehlt. Man will zuviel mit teurer Technik erreichen (Dinge, die gar nicht notwendig sind) und wundert sich, warum es kaum angenommen wird.
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon TRNSLP » Do 8. Feb 2018, 15:48

Hallo zusammen,
ich finde diesen Thread sehr interessant und informativ. Was ich mich nur direkt frage: Wie kommt man an einen Stromeinkauf von 0,17 €/kWh und ist dieser Wert netto?

Vielen Dank für eine kurze Rückmeldung.
Viele Grüße
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon Tho » Do 8. Feb 2018, 15:52

Wenn man entsprechend große Strommengen abnimmt bekommt man Rabatte.
Wir zahlen als Genossenschaft bei unseren Säulen im Einkauf 28-29cent (inkl. Netz, EEG usw.).
Um halbwegs wirtschaftlich zu sein bei einer fiktiven Nutzung von 2 Ladungen / Tag, preiswert errichten NewMotion Lolos, Ehrenamtlicher Geschäftsführung und der Annahme von Servicebedarf nahezu 0 brauchen wir 10-15cent über Einkauf um etwas Rendite zu haben (einstellig).
Zuletzt geändert von Tho am Do 8. Feb 2018, 15:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon EVduck » Do 8. Feb 2018, 15:53

Das schöne bei den Ladesäulen ist ja, dass in der Regel die Stadtwerke das Ganze betreiben. Die buchen das gedanklich unter Imagewerbung ab, das das keine Rendite bringt ist denen auch irgendwann klar. Wenn mich das Thema nicht wirklich interessieren würde, würde das hier niemand merken, solange bis jemand dahin schaut, der der eMobilität negativ gegenüber steht.
Mich nervt einfach das ewige Gejammer über die 'Wucherpreise' und die 'Abzocke'. Das Gegenteil ist der Fall!
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon TRNSLP » Do 8. Feb 2018, 15:55

Danke für die schnelle Antwort. Über welche Strommengen spricht man denn, ab denen man Rabatte erhält, die in Richtung der 0,20 €/kWh gehen?
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon EVduck » Do 8. Feb 2018, 15:56

Die 17ct sind der Einkaufspreis plus Abgaben der Stadtwerke netto. Den bekommst du als Privatmann nicht.
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon Tho » Do 8. Feb 2018, 15:57

über 10.000kwh Jahr kann ich dir gewerblich z.B. 22,18 Cent Netto anbieten. (Netzgebiet Erzgebirge, Quelle: https://www.buerger-energie-drebach.de/ ... t-wechseln)
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon zitic » Do 8. Feb 2018, 16:04

Wenn man als Stromanbieter heute Strom aus der Steckdose verkauft, kommt man auf ~30 Cent + Gebühren. Mit ziemlich sicherer Abnahme pro Kunde(Dimensionen) und fast keinem Verwaltungsaufwand. Da hat der Anbieter noch viel größere Rabatte im Einkauf. Entsprechend brauchen wir diese Rabattgeschichte bei bloßer Betrachtung der eigenen Stromrechnung gar nicht anfangen. Das ist eher ein Denkfehler. Für die Kostenaufstellung ist das aber natürlich relevant sein.

Gegenüber dem Haustarif muss man aber Wartung, Verwaltung, Miete etc. für Stromsäulen noch drauf rechnen. So was ist nun mal von Haus aus relativ viel anfälliger. Wenn du keine Ladesäulenanzahl wie in Hamburg oder ähnlich regional gebündelt hast, wird das mit der Wartung einfach unverhältnismäßig teuer allein durch Anfahrt, Auslastung, Bereitschaft etc..

Selbst wenn man das gut im Griff haben sollte(und kein Vandalismusproblem hat), rufen da viel mehr Leute an, weil dann doch irgendwas hakt mit der Karte etc.. Dann ruft der Ottonormalverbraucher bei seinem Stromanbieter mal an? Die meisten wissen nicht mal was sie im Jahr so verbrauchen oder gar was sie genau zahlen. Da guckt man als E-Autofahrer wesentlich genauer hin und kontaktiert dann auch entsprechend viel öfter. Dann hast du noch den Mist(aus Sicht der Betreibers) mit dem Roaming, der den Aufwand nicht verkleinert. Und was kommt dann da am Ende pro Kunde raus? Erste Anlaufstelle ist zurecht die heimische Steckdose. Unterwegs läd man dann mal ab und an wenn man wirklich muss. Von gesicherten kWh pro Kunde kann man da auch ordentlicher Höhe eigentlich nie ausgehen. Und ja, es gibt halt primär Typ2-Schnarchlader, damit muss man irgendwie kalkulieren. Aber schön ist es für den Betreiber auch nicht, wenn der ewig die Säule belegt. Eine 3,6 kW-Säule ist vielleicht einen Tick günstiger in der Anschaffung, aber auch nicht so extrem. Der geringe Umsatz pro Zeit macht die Installation auch nicht attraktiv. Usw. usf....

Wenn man zu hause für 30 Cent läd sind 40 Cent natürlich schon ein Batzen. Aber ob man da wutbürgerisch gleich von Mondpreisen sprechen muss, weiß ich nicht. Ich sehe nicht, wie sich die Betreiber da die Taschen voll machen. Und mit niedrigeren Preisen kommen vielleicht auch mehr, aber das heißt auch nicht, dass das irgendwas ausgleicht. Entsprechend sind die meisten günstigen Ladesäule primär grüner Good Will des Betreibers.
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon zitic » Do 8. Feb 2018, 16:09

Tho hat geschrieben:
über 10.000kwh Jahr kann ich dir gewerblich z.B. 22,18 Cent Netto anbieten. (Netzgebiet Erzgebirge, Quelle: https://www.buerger-energie-drebach.de/ ... t-wechseln)

Weil ich ja weiß wie solche Aussagen dann weitergetragen werden, hier noch mal die Details:
Arbeitspreis 22,18cent/kWh Netto (26,39 cent/kWh Brutto)
Grundgebühr monatlich 7,48 EUR Netto (8,90 EUR Brutto)
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Re: Rentabilität von Ladesäulen

Beitragvon Tho » Do 8. Feb 2018, 16:21

Die gleichen Konditionen erhalten Privatkunden über 10.000kWh übrigens auch.
Es ging mir aber hier nicht darum für den Tarif zu werben, sondern mal den Gewerbestrompreis <1000.000kWh mit einer validen Quelle zu belegen. ;) Der Strombezug ist für Ladesäulenbetreiber nicht so billig, wie viele annehmen. Von mir aus kann der Link auch wieder weg.
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