Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon LeanderG » Do 28. Sep 2017, 20:02

Der neu eingeweihte Ladepark in Fürholzen West wurde in der Presse als "Raststätte der Zukunft" hoch gelobt. Unter anderem wird das "Wärme- und Stromerzeugungskonzept nach Energie-Plus-Standard" als große Innovation heraus gestellt.
Ich frage mich allerdings warum die Abwärme der Ladesäulen dabei nicht für die Heizung der Gebäude mit einbezogen wurde. Bei einer Planung auf der "grünen Wiese" hatte man alle Freiheiten die man sich wohl vorstellen kann. So hätte man z.B. ein Gebäude bauen können an dessen Aussenhülle die Ladesäulen stehen. Hierdurch wäre eine Übertragung der Abwärme der Ladesäulen in die Heizanlage auf kürzestem Wege möglich gewesen. Der Platz zwischen den einzelnen Ladesäulen hätte für bodentiefe Fenster zur Beleuchtung mit Tageslicht genutzt werden können. Die Überdachung der Ladesäulen wäre mit einem verlängertem Gebäudedach kostengünstig zu realisieren.
Aber vielleicht wird so etwas ähnliches ja in der nächsten neuen Rastanlage realisiert...
Viele Grüße Leander

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Beitragvon Solarstromer » Do 28. Sep 2017, 21:02

Die Anordnung der Ladesäulen berücksichtigt nicht Elektroautos mit Anhänger. Das ist aber auch in den allermeisten anderen DC Lademöglichkeiten so ähnlich. Es gibt also noch Optimierungsbedarf, ...
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon kub0815 » Do 28. Sep 2017, 21:35

Wieviel abwärme liefert den eine ladesäule?
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon ecopowerprofi » Do 28. Sep 2017, 21:48

LeanderG hat geschrieben:
Ich frage mich allerdings warum die Abwärme der Ladesäulen dabei nicht für die Heizung der Gebäude mit einbezogen wurde.

Weil das verschiedene Gewerke sind und kein Planungsbüro wirklich dazu in der Lage ist gewerkübergreifend zu planen. Das merke ich immer wieder, wenn man mich mal bei Neubauprojekten fragt. Das funktioniert dann auch nur, wenn keiner von den Pappenheimer mit am Tisch sitzt. Man muss dabei dann auch mal unkonventionelle Wege gehen und manche Vorschrift über Bord werfen.

kub0815 hat geschrieben:
Wieviel abwärme liefert den eine ladesäule?

Ca. 10% der Ladeleistung. Reicht normalerweise in den Übergangszeiten. Vorausgesetzt die Säulen werden auch benutzt.
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon SaschaG » Fr 29. Sep 2017, 06:13

Solarstromer hat geschrieben:
Die Anordnung der Ladesäulen berücksichtigt nicht Elektroautos mit Anhänger. Das ist aber auch in den allermeisten anderen DC Lademöglichkeiten so ähnlich. Es gibt also noch Optimierungsbedarf, ...


Oh Mann, egal wie man es macht. Es regt sich immer auf. Dass überhaupt noch einer Ladesäulen aufstellt bei dem Genöle, ist ein Wunder.
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon geko » Fr 29. Sep 2017, 06:16

Solarstromer hat geschrieben:
Die Anordnung der Ladesäulen berücksichtigt nicht Elektroautos mit Anhänger. Das ist aber auch in den allermeisten anderen DC Lademöglichkeiten so ähnlich. Es gibt also noch Optimierungsbedarf, ...

Auch wenn ich keinen Anhänger fahre (und wohl auch nie fahren werde), kann ich diesen Einwand gut verstehen. Ich sehe hier aber schnelle Besserung, sobald die E-Mobilität die Masse erreicht. Denn dann werden sukzessive Zapfsäulen an Tankstellen durch Ladesäulen ersetzt, welche dann seitlich angeordnet sind. Mann kann dies in Skandinavien ja bereits sehen.
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon Yorch » Fr 29. Sep 2017, 06:34

...letzte Woche beim Laden stand ich neben der Säule und mir bließ die warme Abluft ins gesicht, da habe ich mir gedacht, man müsste einen Schlauchanschluss haben, der die Luft ins Fahrzeug leitet ;)

Andererseits gibt es ja auch Autos, wo der Schnelladeumrichter integriert ist und die Abwärme schon im Auto anfällt. Leider sind die wenig zu Ende gedacht, dass man diese auch in den Innenraum leiten kann, ich glaube es fehlt ein 5 Euro Ventil im Kühlmittelkreislauf und 1Tag Programmieraufwand.

Weiterhin denke ich, wenn es in Zukunft mehr Ladeparks mit 10 und mehr Säulen gibt, ist es wahrscheinlich einfacher die Leistungselektronik Zentral in einem Betriebsraum des Raststättengebäudes unterzubringen und die Abwärme mittels Wasserkühlung etc. im Gebäude zu verwenden. IGBTs kann man ja noch gut mit 30-40 Grad warmen Wasser kühlen, das reicht für eine Fussbodenheizung, die Drosseln können meist weit über 100 Grad werden, also reicht da Wasser mit 70-90 Grad, da kann dann auch der LKW Fahrer warm duschen :-)
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon ecopowerprofi » Fr 29. Sep 2017, 07:24

geko hat geschrieben:
Mann kann dies in Skandinavien ja bereits sehen.

Mac Doof ist ja auch gleich nebenan. Fahrzeug abstellen und in Ruhe einen Big Mac verzehren. Der Aufstellort ist nicht zu ende gedacht. Wenn da zwei E-KFZ laden ist die Benzin-Säule nur noch bedingt nutzbar. Ladesäulen gehören an Parkplätze. Alles andere ist eine Totgeburt. In Münster steht zwar auch eine Ladesäule an einer Tankstelle aber dort an einem Parkplatz, sodass man auch mal eine halbe Stunde oder mehr stehen bleiben kann.
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon geko » Fr 29. Sep 2017, 07:33

Ich versuche einige Jahre nach vorne zu denken, in Szenarien.

Beispiel:
Im Jahr 202X haben wir einen E-Auto Anteil von 25%. Ein Viertel der Kundschaft kann also mit Tankstellen nichts mehr anfangen, die Erlöse gehen signifikant nach unten, weil Shop-Kunden der Tankstellen wegfallen. Shell, BP und JET werden reagieren - sie werden anfangen Zapfsäulen nach und nach gegen Ladesäulen auszutauschen. Dies ist die günstigste Variante, da kaum bauliche Veränderungen an der Tankstelle selbst notwendig sind. Zeitgleich steigt die Ladeleistung der Ladesäulen weiter signifikant an in Richtung 350 kW. Ein Standard-Ladevorgang dauert im Mittel etwa 5 Minuten, die Zahlung findet (wg. des Shop-Besuches!) nicht an der Ladesäule, sondern an der Kasse statt, nach 8 Minuten ist die Säule frei. Das sind nur 1-2 Minuten mehr als beim Benzin/Diesel heute.

Aktuell ist nichts beim Thema E-Mobilität zu Ende gedacht, da das Ende unbekannt ist. Wir befinden uns inmitten der Periode sehr schneller Entwicklungssprünge. Wie werden sich Akku-Kapazitäten und Ladeleistungen entwickeln? Wird induktives Laden doch eine Variante werden? Wird ein Akku-Tausch das eigentlich Laden ersetzen? Wir wissen es nicht, wir haben lediglich Vermutungen.

Deshalb sieht Fürholzen West auch so aus wie der aktuelle Status quo in den Köpfen der Planer: Es gibt viele Verbrenner, daher viele Zapfsäulen. Die Verbrenner haben Anhänger, daher weiterhin seitliche Anordnung der Zapfsäulen. Der Tankdeckel ist mal links, mal rechts, daher sind die Schläuche lang. Und bzgl. E-Autos? Keiner der Planer fährt ein E-Auto, kenn sie nur aus Erzählungen oder kurzen Probefahrten/Schnuppertagen. Am Ende kommt ein Laderondell heraus, welches sich schon in 5 Jahren als unpraktisch erweisen und abgerissen werden wird.

"Ladesäulen gehören an Parkplätze" - ich kann das so pauschal nicht unterschreiben. AC-Destination Charger gehören an Parkplätze, für mich Haken dran. Aber ein 175 kW DC-Lader wie in Fürholzen West gehört nicht an einen Parkplatz, sondern an einen durchfahrbaren Ladeplatz - weitgehend analog zu Zapfsäulen für Benzin/Diesel.

Die erwähnte Ladesäule in Münster hat mit der in Jönköping nur gemeinsam, dass sie Strom liefert. Aber der Rest ist einmal eine Birne, einmal ein Apfel. Oder: AC-Destination vs. DC-Travel Charger.
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Re: Ladepark Fürholzen West wirklich vorbildlich?

Beitragvon kub0815 » Fr 29. Sep 2017, 07:48

geko hat geschrieben:
Ich versuche einige Jahre nach vorne zu denken, in Szenarien.

Beispiel:
Im Jahr 202X haben wir einen E-Auto Anteil von 25%. Ein Viertel der Kundschaft kann also mit Tankstellen nichts mehr anfangen, die Erlöse gehen signifikant nach unten, weil Shop-Kunden der Tankstellen wegfallen. Shell, BP und JET werden reagieren - sie werden anfangen Zapfsäulen nach und nach gegen Ladesäulen auszutauschen. Dies ist die günstigste Variante, da kaum bauliche Veränderungen an der Tankstelle selbst notwendig sind. Zeitgleich steigt die Ladeleistung der Ladesäulen weiter signifikant an in Richtung 350 kW. Ein Standard-Ladevorgang dauert im Mittel etwa 5 Minuten, die Zahlung findet (wg. des Shop-Besuches!) nicht an der Ladesäule, sondern an der Kasse statt, nach 8 Minuten ist die Säule frei. Das sind nur 1-2 Minuten mehr als beim Benzin/Diesel heute.


Ich glaube kaum das man das so machen wird....neben einer Zapfsäule eine Elektroladestation machen ist keine gute Idee. Die Säulen bleiben und wenn die Tankstelle unrentabel ist kommt die komplett weg. Eine Zapfsäule rückbauen wird keiner machen.
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