Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

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Beitragvon DonDonaldi » Do 28. Apr 2016, 08:25

http://insideevs.com/steve-marshs-2011- ... 000-miles/

Ein interessanter Beitrag und ich habe da mal ein paar Fragen. In 4 Jahren ist S. Marsh also 220.000km gefahren. Wenn man von US-typischem Jahresurlaub von 2 Wochen ausgeht war er damit 200 Wochen oder 1000 Tage unterwegs. Wenn man private Strecken am WE mit 20.000km abzieht hat er also einen Gesamtweg zur Arbeit von 100km. Der Leaf wurde also 2000-4000 mal geladen (hängt davon ab wann er mit dem Zwischenladen beginnen musste).
Bei einer herkömmlichen Akku Degradation von 1-2% sollte der Akku nach 4 Jahren ja noch mehr als 90% haben. Inwieweit erklärt sich der deutliche Abfall auf <60% vom Ausgangszustand wenn man dann noch berücksichtigt, dass ja 20% sowieso als Reserve erst mal gar nicht abrufbar sein sollen?
Bei ihm muss die Degradation jährlich ja bei >10% liegen.
Ist das nun eine Gesamtleistung die man feiern kann, oder ist es doch auch ein wenig ernüchternd? Wir fahren 25-30.000km im Jahr und wenn wir das in Relation setzen zu den 50.000km von Herrn Marsh müssten wir auch mit einer Degradation von weit mehr als 5% pro Jahr rechnen. Dann wären wir bei unserem Fahrprofil (wir können und wollen nicht auf dem Weg zur Arbeit nachladen) evt. schon nach 3-4 Jahren am Ende und müssten aktuell 5.000€ investieren, um dann vielleicht 5-6 Jahre später wieder einen neuen Akku kaufen zu müssen.
Es gibt wohl niemanden hier mit ähnlich hohen Reichweiten und Erfahrungen dazu, oder? ;)
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Beitragvon EV Fahrer » Do 28. Apr 2016, 08:48

Ich glaube man sollte berücksichtigen das dieses Auto ein 24KWh Akku hat, je kleiner ums so mehr muss er komplett geladen werden bei solchen Tagesfahrten um so mehr Zyklen so zusagen.
Dann sollte man sehen das er bestimmt nicht mit 3,7KW geladen hat nur sondern auch viel schnell geladen haben wird (vermute ich mal stark)
Auch wissen wir nichts was die Temperaturen so im Großen Zeit im Jahr waren die auf den Akku gewirkt haben im Sommer.
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon DonDonaldi » Do 28. Apr 2016, 08:54

Klar kann es sein das er viel Schnelllader genutzt hat, aber laut Nissan ist das ja kein Problem. 3,7kw würden uns im Dauerbetrieb auch reichen. Aber wenn eine so starke Degradation möglich ist erschreckt uns das schon mit Blick auf einen Akku-Kauf.
Bei 1000 (Werk)Tagen kann er aber nur zu Hause und am Arbeitsplatz geladen haben. Wahrscheinlich auch mit 3,7kw "schonend". Das macht dann 2000 Ladezyklen.
Wir würden in 4 Jahren vielleicht auf 1200-1500 Ladezyklen kommen.
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon Poolcrack » Do 28. Apr 2016, 09:05

Reine Spekulation: Falls Herr Marsh in einem heißen Bundesstaat unterwegs ist, könnte doch gerade bei längeren Strecken die m.W. fehlende Akkukühlung im Leaf ein Problem sein? Wenn ein Lithion-Ion-Akku einmal sein kleines Betriebsfenster verlässt dann treten unumkehrbare Prozesse ein, die im Extremfall zum sofortigen Tod der Zellen (z.B. Kurzschluss) und letztendlich zu einem Brand führen können. Außerdem müssen Alterungsprozesse nicht linear stattfinden, siehe auch hier: http://www.all-electronics.de/ursachen- ... ntersucht/

Aber: Du brauchst Dir keine Sorgen wegen einer Brandgefahr machen, alle größeren Automobilhersteller verhindern das mit hoher Qualität bei der Zell- und Batteriefertigung und mit der BMS. Sie geben sich nicht die Blöße wie es Boeing mit dem Dreamliner gemacht hat.

Wegen den Ladezyklen: Wenn es da wirklich eine verlässliche Angabe eines Herstellers gibt, muss man hinterfragen, ob damit auch wirklich Vollzyklen gemeint sind. Und bekanntlich sind zwei Halbzyklen ein bischen besser als ein Vollzyklus. Je kleiner der Zyklus, desto viel mehr Zyklen verträgt ein LiIon-Akku (also nicht linear), deshalb vertragen LiIon-Akkus Millionen von Mikrozyklen. Sonst müsste man jeden Wechsel von "Strom geben"-"Rekuperieren" zu den Vollzyklen anteilweise aufsummieren.
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon DonDonaldi » Do 28. Apr 2016, 09:29

Aus dem Text geht hervor, dass er im Staat Washington (NW der USA) lebt. In Seattle der Hauptstadt herrschen doch gut Bedingungen für den Leaf. Ganzjährige Tiefstwerte zwischen +2°und +13° bzw, Höchstwerte zwischen +8° und +24° erscheinen mir nicht zu heiß.

Zu den Zyklen bedeutet das konkret lieber 3 mal von 66 auf 99 als einmal von (theoretisch) 0 auf 99?
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon stekueh » Do 28. Apr 2016, 09:41

60% Kapazitätsverlust sind schon enorm - selbst bei 220.000 km.

Ich kann nur von meinem Leaf sprechen. Nach 23 Monaten Nutzung und 40.000 km habe ich einen Kapazitätsverlust von 1,54%.
Ich hatte den Leaf gebraucht gekauft (1 Jahr alt, 1.000 km Tachostand).

Bei meiner ersten Ladung konnte ich 20,99 kWh in den Akku pumpen. Nun gehen noch 20,67 kWh rein (jeweils gemessen am Wechselstromzähler, hochgerechnet anhand der %-Anzeige im Armaturenbrett).

Ich parke im Schatten, komme selten unter 19% Akkufüllstand und wenn ich volladen muss time ich das so, dass ich nach der Volladung möglichst bald losfahre. Ich denke durch entsprechendes Verhalten kann man die Nutzungsdauer des Akkus schon sehr beeinflussen ;)
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon Schrauber601 » Do 28. Apr 2016, 09:45

Ich empfinde den Bericht doch recht optimistisch: Es wurden 141.000 Meilen mit dem Fahrzeug gefahren und innerhalb der 4 Jahre sind nur 2 Sätze Reifen und ein paar Kleinigkeiten fällig gewesen. Nicht man die Bremsen sind erneuert worden!

Da rechnet sich auch ein Akku-Tausch - der ja durch Nissans Preispolitik recht günstig ausfällt. Auch wurde ja der 24kWh Akku mehrfach intern verbessert.

Ach ja: Die Akku Degeneration wird mit Sicherheit nicht linear (kalendarisch / Zyklen) ablaufen sondern sie wird grob exponentiell erfolgen: Jede Mikro-Schädigung im Akku (durch z.B. metallisches Lithium) führt dazu, das sich dort lokal der Schaden im Betrieb vergrößert. Die nutzbare Kapazität wird immer schneller weniger.

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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon DonDonaldi » Do 28. Apr 2016, 09:46

@stehkueh
Der Verlust beziffert sich aber "nur" auf etwas mehr als 40%. Die Restkapazität liegt bei aktuell <60%.
Darf ich fragen wie viel Du für Deinen Leaf bezahlt hast? Gerne auch per PN.

Unser Fahrprofil ist Deinem ja rel. ähnlich und mit einem Kapazitätsverlust von 1,54% in zwei Jahren kann man bei 40.000km sehr, sehr gut leben. 30.000km per annum sind bei Renault 1700€ Akkumiete fällig. Nach drei Jahren ist das aktuell ein neuer Leaf Akku.

Lädst Du mit max. 3,x Kw? Unser würde im Carport stehen, für die Garage/Werkstatt ist er leider etwas zu wuchtig. Passen würde, aber dann verlieren wir unten viel Stauraum.

Und wie kommen die 90%SOH bei nur 1,54% Verlust zustande, oder verwechsle ich jetzt was als Laie?

@Schrauber
Aber bei Schäden würde da nicht die Garantie greifen (im Gegensatz zur normalen Degradation)? Stand im Text, dass er 220.000km mit einem Satz Bremsen gefahren ist?
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon Heavendenied » Do 28. Apr 2016, 09:57

Also ich sage mal so: Ich finde das sind Werte die zu erwarten waren. Wie einige schon schrieben sind die Akkus seitdem auch schon wieder mehrfach verbessert worden. Mit den aktuellen Akkus, gerade jetzt mit denen im 30er Leaf wird die Degradation mit Sicherheit schon wieder deutlich niedriger ausfallen.
Wenn man das nun mit nem Verbrenner vergleicht sind das ja auch Laufleistungen, wo man auch teilweise schon wieder nen Austauschmotor, Getriebe oder sonstwas an größeren Ausgaben hatte/hat...
Wenn ich mal von uns ausgehe ist das eine Laufleistung, die wir in über 10 Jahren nicht erreichen würden.
Interessant wäre für mich eher gewesen, wann bei Ihm die 80% erreicht waren, die ja oft als Referenzwert für die Anzahl der Volladezyklen angegeben werden...
Gruß,
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Re: Nach 220.000km <60% Batteriekapazität

Beitragvon Poolcrack » Do 28. Apr 2016, 10:02

DonDonaldi hat geschrieben:
Aus dem Text geht hervor, dass er im Staat Washington (NW der USA) lebt. In Seattle der Hauptstadt herrschen doch gut Bedingungen für den Leaf. Ganzjährige Tiefstwerte zwischen +2°und +13° bzw, Höchstwerte zwischen +8° und +24° erscheinen mir nicht zu heiß.

Ah, Washington, ok, war schon selber dort. Dort gibt es sogar kalte Regenwälder. Sorry, ich hatte den Text nur überflogen. Das mit dem heißen Bundesstaat nehme ich natürlich zurück. Es sei denn, er hat auf einem der zahlreichen Vulkanen kurz vor dem Ausbruch geparkt. :lol:

DonDonaldi hat geschrieben:
Zu den Zyklen bedeutet das konkret lieber 3 mal von 66 auf 99 als einmal von (theoretisch) 0 auf 99?

Ja, aber eine längere Lagerung bei Volladung ist auch nicht günstig. Normalerweise wird für die Lagerung ein mittlerer SoC-Wert und eine tiefe Temperatur empfohlen. Bei der Be- und Entladung sind wärmere Temperaturen besser. Allerdings: es gibt auch Zellchemien, die auch bei mittleren SoC-Werten schneller altern, z-B. LiIon-Zellen mit höherem Mangan-Anteil (erkennbar wenn bei der Zellchemie-Angabe ein "Mn" vorkommt), wie auch im i3. Und weil ich wegen dieser Aussage oder den anderen zuvor gleich etwas auf den Kopf kriege: diese Aussagen kommen von Herrn Thomas Timke vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie). Er ist Experte für elektrische Speicher und hat auch jede Menge Praxiserfahrung. Hier ein kleiner Umriss seiner bisherigen Tätigkeit: http://www.photovoltaik.eu/photovoltaik ... dFPTE.html
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