Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Mo 10. Apr 2017, 18:30

Lokverführer hat geschrieben:
Deine Aussage war ja, es gäbe lediglich die zwei von dir genannten Möglichkeiten. Dies habe ich widerlegt.

Ah, darauf beziehst Du Dich. Ja richtig, das sollte ich anders formulieren. Es gibt sicherlich noch eine Menge anderer mehr oder weniger exotischer Varianten, die auch ok sind. Ich überlege mir eine bessere Formulierung und ändere das, danke für den Hinweis.

Lokverführer hat geschrieben:
Woraus entnimmst du nun jedoch wieder, dass ich den NRGkick nur zu Hause verwenden möchte?

Weil Du vorgeschlagen hast, den hausseitigen FI Typ A durch einen FI Typ B zu ersetzen. Ich nahm an, dass Du das nur zu Hause machen würdest, aber das hast Du zugegebenermaßen nicht explizit gesagt. Wenn Du immer einen FI Typ B sowie Werkzeug, Zeit und die Zustimmung des Hauseigentümers hast, um an jedem Ort, wo Du laden möchtest, einen evtl. vorhandenen FI Typ A zu ersetzen, bevor Du Deine mobile Ladestation anklemmst, dann gilt diese Einschränkung natürlich nicht.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Mo 10. Apr 2017, 22:12

Zur berechtigten Frage, welche konkreten Normen unseren Messungen zugrunde liegen, habe ich nochmal Rücksprache mit Andreas gehalten. Für das Laden von Elektrofahrzeugen ist DIN VDE 0100-722 maßgeblich.

Abschnitt 722.1 definiert den Anwendungsbereich der Norm:
Die besonderen Anforderungen, die in diesem Teil der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) enthalten sind, sind anzuwenden für:
- Stromkreise, die für die Versorgung von Elektrofahrzeugen für Ladezwecke vorgesehen sind;
- Schutzmaßnahmen bei Rückspeisung von elektrischer Energie vom Elektrofahrzeug zum privaten und zum öffentlichen Netz.


Abschnitt 722.531.3.101 geht auf "Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs)" ein:
[...] Die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung des Anschlusspunktes muss mindestens vom Typ A sein. Wenn die Charakteristik der Last in Bezug auf mögliche Gleichfehlerströme > 6 mA nicht bekannt ist, müssen Maßnahmen zum Schutz beim Auftreten von Gleichfehlerströmen getroffen werden, z.B. durch Verwendung einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B.

Die mir vorliegende Fassung vom Oktober 2012 war bis Oktober 2016 gültig. Die Neufassung aus dem Oktober 2016 enthält in dem zitierten Abschnitt nur eine minimale Änderung, und zwar eine Verschärfung: Die Einschränkung "Wenn die Charakteristik der Last in Bezug auf mögliche Gleichfehlerströme > 6 mA nicht bekannt ist" entfällt, d.h., in allen "Stromkreisen, die für die Versorgung von Elektrofahrzeugen für Ladezwecke vorgesehen sind" müssen künftig "Maßnahmen zum Schutz beim Auftreten von Gleichfehlerströmen getroffen werden".

Abschnitt 722.533.101 befasst sich mit "Einrichtungen zum Schutz bei Überstrom":
Jeder Stromkreis, welcher einen Anschlusspunkt versorgt, muss durch eine eigene Schutzeinrichtung bei Überstrom geschützt sein.

Erläuterungen

  • Die weit gefasste Formulierung "Maßnahmen zum Schutz... " wird von den Herstellern mobiler Ladeboxen so interpretiert, dass Software-RCDs grundsätzlich zulässig sind.
  • Spätestens seit Oktober 2016 ist definitiv klar, dass alle Typ 1/Typ 2-Anschlüsse entweder durch einen Typ B (30 mA) oder durch einen Typ A (30 mA) + DC-Fehlerstromschutz (6 mA) geschützt sein müssen.
  • Die Hoffnung von DiniTech, dass in der Neufassung die Anforderung an den Schutz vor DC-Fehlerströmen > 6 mA entfallen würde, hat sich nicht erfüllt.
  • Abschnitt 722.533.101 hat nicht unmittelbar etwas mit unseren Messungen zu tun, stellt aber die Idee von mobilen Ladeboxen grundsätzlich infrage: Wie lässt sich sicherstellen, dass die Nutzer mobiler Ladeboxen diese nur an Stromkreise anschließen, die durch einen eigenen LS geschützt sind?

Somit ist auch der Vorschlag von Lokverführer zumindest fragwürdig, jedenfalls wenn man streng nach der Norm geht: Wenn er seinen Typ A in der Hausinstallation gegen einen Typ B tauscht, hat er zwar 722.531.3.101 erfüllt, würde aber mit dem Anschluss seiner mobilen Ladebox höchstwahrscheinlich 722.533.101 verletzen.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon ensor » Mo 10. Apr 2017, 23:07

Hey Volker,

Danke für die Tests, sehr interessant. Könntet ihr nicht auch noch den Tesla Wall Connector testen? Hier gibt es ständig widersprüchliche Aussagen, ob ein FI Typ B oder A EV nötig sei oder nicht. Angeblich hat der Wall Connector ja keine DC Fehlerstromerkennung aber es gab auch bereits vom Tesla Service andere Meinungen. Würde mich sehr über den Test freuen, auch weil die Box doch vergleichsweise super-günstig ist. DC sensitiver FI wäre dann das Sahnehäubchen :D
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Di 11. Apr 2017, 09:48

Hallo ensor, ich kann Dein Interesse natürlich gut verstehen. Wir hätten gern auch noch mehr getestet, insbesondere hätte uns eine crOhmbox -- gewissermaßen die Mutter aller mobilen Ladeboxen -- sehr interessiert. Ich hatte auch schon verabredet, dass ich eine ausleihen könnte, aber das hat dann in letzter Minute leider doch nicht geklappt.

Da wir -- beide Familienväter -- für den Test einen freien Samstag geopfert haben, haben wir den Versuchsaufbau und die Auswahl der Kandidaten natürlich streng nach unseren eigenen Interessen durchgeführt. Und nach dem, was möglich war: Einen NRGkick und einen Juice Booster 2 konnte ich mir leicht ausleihen, und diese beiden interessierten mich besonders, da sie hier im Forum bereits Gegenstand ausgiebiger Diskussionen (und Spekulationen) waren. Für den Tesla UMC interessiere ich mich natürlich, weil ich ihn selbst (wenn auch selten) nutze, und ich hatte ihn ja sowieso dabei.

Wir werden den Test sicher nicht so bald mit anderen Kandidaten wiederholen, dafür ist der Aufwand einfach zu groß und wir haben beide zu viele andere Verpflichtungen. Es ist aber auch nicht ganz ausgeschlossen, dass wir uns irgendwann nochmal Zeit dafür nehmen. Für diesen Fall merke ich den Tesla Wall Connector gerne vor, allerdings müsste ich dann auch jemanden finden, der bereit ist, ihn mir für diesen Zweck auszuleihen -- möglichst ohne dass man ihn quer durch die Republik schicken muss. Oder es findet sich jemand anders, der Lust und die Möglichkeiten hat, mal den Tesla Wall Connector zu testen. Das ist ja das Schöne in so einem Forum, dass jeder etwas beitragen kann! :)
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Saftwerk » Di 11. Apr 2017, 12:32

Wie habt ihr denn das Gossen Metrawatt PROFITEST MXTRA mit Typ2 verbunden?
Da müssen doch die Pins PP CP erst kommunizieren, damit die Ladebox einschaltet.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Volker.Berlin » Di 11. Apr 2017, 13:49

Ja, das stimmt. Der Aufbau war wie folgt:

  1. Netz
  2. Prüftafel (FI Typ A überbrückt, weil wir ja die Auslösung der Prüflinge messen wollten)
  3. CEE400/32
  4. Prüfling
  5. Typ 2 Prüfbox, simuliert E-Fahrzeug (Kommunikation, keine Last)
  6. Schuko-Dose in der Prüfbox (schleift L1, N, PE durch)
  7. Gossen Metrawatt Prüfgerät

Wir haben immer erst alles verbunden und "die Ladung gestartet". Erst dann haben wir Fehlerströme erzeugt und die Reaktion gemessen. Wir haben auch Fotos gemacht, die aber leider nicht so richtig toll geworden sind. Ich schaue heute Abend nochmal, ob ich davon was hier rein stellen kann.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Twizyflu » Fr 14. Apr 2017, 09:48

Unser Techniker hat mir heute die Norm (die aktuelle Fassung vom 01.04.2017 DIN EN 62752) gezeigt, in der schon auf der ersten Seite deutlich drin steht, dass die 6mA Grenze mit einer Übergangsfrist erst ab 01.01.2018 integriert sein muss.
Daran arbeiten gerade alle OEM’s, bzw. deren Hersteller der ICCPD, da es eigentlich so gut wie keine am Markt gibt, die diese 6mA Grenze bereits integriert hat.
Die meisten verfügen sogar nicht einmal über eine Gleichfehlerstromerkennung.
Da frage ich mich, wer hier wirklich dahinter steckt oder warum dieser augenscheinlich fachlich kompetent wirkende Beitrag hier so gegen NRGkick geschrieben wird?

NRGkick ist aber eine der extrem wenigen ICCPD`s, die Wechsel- und Gleichfehlerströme detektieren können und somit einen wesentlichen Vorteil gegenüber der meisten anderen ICCPDs mit sich bringen.

Zudem sind die wirklich sicherheitsrelevanten Abschaltgrenzen beim hier positiv hervorgehobenen Gerät nicht mal abgeprüft worden.
Laut der Norm relevant sind die Grenzen bei DC von 30mA < 300ms, 60mA <300ms und 300mA <40ms. Was hier wirklich wichtig ist, ist die Abschaltzeit bei diesen gefährlichen Fehlerströmen (z.B: 300mA in nur 40ms).
Die 6mA Grenze, die eine träge Grenze ist, muss laut Norm erst nach Sekunden eine Abschaltung bewirken. Sogar in der Bedienungsanleitung vom NRGkick wurde vermerkt, dass die 6mA Grenze laut der angeführten Norm nicht integriert ist.
Trotzdem wird hier genau das Thema in ein extrem schlechtes Bild gedreht.

Zum Thema höhere DC-Ströme: Mir ist nicht klar, wieso gerade diese Tests beim hier positiv hervorgehobenen Gerät einfach ausgelassen worden sind. Es ist nicht richtig zu glauben, dass wenn es eine 6mA Grenze gibt, dass die darüber liegenden Abschaltgrenzen, die im wirklich gefährlichen Bereich liegen und dadurch auch eine sehr verkürzte Abschaltzeit benötigen, gar nicht durchgeführt werden müssen. Diese sind maßgeblich relevant für die Sicherheit bei Auftreten von
DC-Fehlerströmen!

Es wäre für mich persönlich viel interessanter, wenn hier auch weitere Fabrikate dargestellt werden würden. Es gibt einige gängige Geräte, eines aus Frankreich, eines aus Italien – vor kurzem habe ich auch eines aus Spanien gesehen – die größtenteils gar keine FI Schutzvorrichtung integriert haben.
Aber NRGkick, der eine der extrem wenigen ICCPDs am Markt ist, die Wechsel- und Gleichfehlerströme detektieren können, wird dargestellt als ob die Betriebssicherheit völlig mangelhaft wäre. Beim Auslösen des FI muss der NRGkick vom Netz getrennt und neu angesteckt werden.
Warum das in dem Bericht als Problem herausgehoben wird, ist für mich sehr fraglich.
Ladestationen (mobil/stationär) & Ladekabel: https://www.nic-e.shop

Aktuelles E-Fahrzeug: seit 04/17: Hyundai IONIQ Elektro Style
Soon: Hyundai KONA Elektro 64 kWh Premium by Sangl
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon villus » Fr 14. Apr 2017, 10:13

@Twizyflu
wenn es dich interresiert, könte ich zum Vergleich eine Bettermann 3200, nachgerüstet mit Döpke A-EV
mit einem Metrel vermessen. Die Werte sind aber nicht wirklich vergleichbar, das Metrel misst ganz anders.
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon Zoelibat » Fr 14. Apr 2017, 10:19

Es kommt immer darauf an, wer es testet und was er damit bezwecken will.

VolkerBerlin, der ja ein Gegner vom NrgKick ist, wird es anders darstellen als Twizyflu, der ein Mitarbeiter bei NrgKick ist.

Man sollte nicht immer blind alles glauben, was im Internet steht oder was im Fernsehen gezeigt wird. Sondern immer hinterfragen.


Es kommt auch darauf an, wie man es darstellt. Man kann die eine Seite der Münze als die beste darstellen, oder die andere.

Jetzt lehne ich mich entspannt zurück, hole mir Popcorn und genieße die Show, die gleich kommen wird.
120-Euro Gutschein für Renault-Neukäufer und Vorführwagen-Käufer!
Näheres hier: https://www.goingelectric.de/forum/renault-zoe-allgemeines/renault-aktion-bring-your-friends-t4960-160.html#p817052
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Re: Messwerte NRGkick, Juice Booster 2, Tesla UMC

Beitragvon UliZE40 » Fr 14. Apr 2017, 12:03

Bemerkenswert find ich vor allem welchen Parametern hier diskutiert bzw. geworben wird die für meinen unvoreingenommenen Kauf eines der Produkte völlig belanglos waren.

Ich hab nur nach diesen Parametern geschaut:
- Robustheit/Praktikabilität
- Preis (incl. für mich relevanten CEE16->CEE32-Adapter - 15 EUR)
- Kabellänge
- Integrierter Energiezähler
- Zuverlässigkeit
- Keine Bevormundung

Und was ich bestimmt nicht wollte war ein Gerät was ständig beim Laden meiner ZOE noch irgendwas zusätzlich übereifrig prüft und somit die Ladung unterbricht. Das macht die Kleine schon selber ausführlich genug.
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