Projektstart H2Intradrive

Projektstart H2Intradrive

Beitragvon franmedia » Di 3. Dez 2013, 14:39

Mmh. Hab gerade folgende Pressemitteilung gelesen. Da stell ich mir aber schon ein paar Fragen. Warum sollte man ein E-Auto mit Brennstoffzellenstaplern fertigen statt der lange bewährten E-Stapler? Wenn, wie behauptet, der Wasserstoff CO2-neutral erzeugt wird, kann das ja nur per Elektrolyse mit der geschätzt dreifachen Strommenge geschehen, die man für Batteriestapler bräuchte. Wenn grüner Wasserstoff aber bedeutet, dass er, wie fast der gesamte Industriewasserstoff, aus Erdöl gewonnen wird und dafür Bäume gepflanzt werden o.ä., ist das dann nicht green washing? Seh ich das falsch oder arbeiten bei BMW die Vollgas- und die Nachhaltigkeitsfraktion gerade gegeneinander statt miteinander?

Pressemeldung:
Leipzig. Linde Material Handling übergab dem BMW Werk Leipzig heute eine Flotte von neun wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Flurförderzeugen. Diese werden im Rahmen des bis 2016 laufenden Forschungsprojektes H2Intradrive zur Teileversorgung im BMW i Karosseriebau eingesetzt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) mit einer Summe von 2,9 Millionen Euro gefördert. Neben dem BMW Werk Leipzig und Linde Material Handling beteiligt sich daran auch der Lehrstuhl fml der Technische Universität München. Zu der heute übergebenen Flotte im BMW Werk Leipzig gehören vier Routenzug-Schlepper sowie fünf Gabelstapler, die mit grün zertifiziertem Wasserstoff betankt werden. „Nachhaltigkeit hat bei BMW i oberste Priorität, das gilt für das Produkt genauso wie für die Produktion. Deshalb passen Brennstoffzellen-Stapler und -Schlepper mit grün zertifiziertem Wasserstoff als Energieträger sehr gut zum BMW Werk Leipzig“, sagte Werkleiter Dr. Milan Nedeljkovic bei der Übergabe.

Ziel des Projekts ist es, den umweltfreundlichen und effizienten Wasserstoffantrieb für Flurförderzeuge unter realen Produktionsbedingungen zu erproben und zur Serienreife weiterzuentwickeln. Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit stehen hierbei auch Ladezyklen und Wartung im Vordergrund. Diese verursachen durch den notwendigen Batteriewechsel bei herkömmlicher Bleisäurebatterien in konventionellen Flurförderzeugen relativ hohe Standzeiten. Das Brennstoffzellen-Hybridsystem der Gabelstapler und Schlepper ist dagegen in wenigen Minuten aufgetankt und zudem sehr wartungsarm. Die Fahrzeuge erreichen so eine höhere Verfügbarkeit, insbesondere im Mehrschichtbetrieb.

Im BMW Werk Leipzig entstand im BMW i Karosseriebau dazu die deutschlandweit erste Hallenbetankungsanlage für Wasserstoff. In diesem Projekt stellt Linde Material Handling die Flurförderzeuge mit Brennstoffzellensystem und Wasserstofftank bereit, die für die Teileversorgung in der Produktion vorgesehen sind. Der Lehrstuhl fml übernimmt die wissenschaftliche Begleitung und Bewertung hinsichtlich der ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. BMW schließlich erprobt die Technologie unter Alltagsbedingungen in einem realen Produktionsumfeld und setzt hierbei den CO2-neutral erzeugten Wasserstoff ein.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon green_Phil » Di 3. Dez 2013, 14:49

franmedia hat geschrieben:
Wenn, wie behauptet, der Wasserstoff CO2-neutral erzeugt wird, kann das ja nur per Elektrolyse mit der geschätzt dreifachen Strommenge geschehen, die man für Batteriestapler bräuchte.

Ich denke das ist mit "grünem Wasserstroff" gemeint. Ich finde das ganz in Ordnung so.
Dass bei der Elektrolyse noch kein besonders hoher Wirkungsgrad erreicht wird, ist ein gänzlich anderes Problem. Es "verschwendet" zwar Energie, aber es kommt nicht zum Umweltschaden dadurch. Wo ist also das Problem? Muss Linde eben drei anstatt ein Windrad bauen ^^ Nein nein, ich seh schon, Energieeffizienz ist ganz wichtig. Aber jede neue Technologie fängt mit Schwächen an, die dann nach und nach ausgemerzt werden. Verbrennungsmotoren waren auch nicht immer schon so effizient wie heute. Und Windkrafträder auch nicht. PV-Panele auch nicht. ... Und und und.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon zitic » Di 3. Dez 2013, 14:53

Ggü. Bleistaplern sicherlich eine Verbesserung. Gibt aber ja LiIon/LiFePo4-Stapleransätze die getestet werden. Auch Linde ist da engagiert. Von außen schwer zu beurteilen(meinerseits), ob das Sinn ergibt. Gibt ja auch noch genug Einsatzgebiete, wo Verbrenner eingesetzt werden.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon RegEnFan » Di 3. Dez 2013, 20:25

Vielleicht handelt es sich ja um "echten Biowasserstoff" http://www.bio-wasserstoff.de/index.html ;-)
Ich suche noch immer nach dem Haken in dem dort beschriebenen System.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon green_Phil » Mi 4. Dez 2013, 10:40

RegEnFan hat geschrieben:
http://www.bio-wasserstoff.de/index.html

Voll interessant, danke! Auch wenn ich noch nicht so ganz durchblicke, was die Wirkungsgradangaben angeht, die sind immer wieder anders. Ich habe wohl noch nicht alles verstanden. :lol:
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon franmedia » Mi 4. Dez 2013, 10:43

RegEnFan hat geschrieben:
Vielleicht handelt es sich ja um "echten Biowasserstoff" http://www.bio-wasserstoff.de/index.html ;-)
Ich suche noch immer nach dem Haken in dem dort beschriebenen System.

Interessanter Link. Ich versteh das so, dass Wasserstoff als Hauptenergieträger verwendet werden soll, weil das recht praktisch ist. Erzeugt werden soll der wohl aus Biomasse, also nicht per Elektrolyse aus Wasser.

Das wir mit Wasserstoff als Energieträger viele schöne Sachen machen können, bezweifle ich auch gar nicht. Ich denk halt nur, wir sollten kein Öl (wegen der Nachhaltigkeit/Umwelt) und keine Biomasse (wegen des Kampfes zwischen Tank und Teller) dafür verwenden. Bliebe noch Strom aus Wind, Sonne und Wasserkraft. 2012 waren wir laut BMWi (;-)) http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energietraeger/erneuerbare-energien,did=20918.html in D bei knapp 23% erneuerbaren Stroms. Jetzt ist es wohl noch mehr.

Wenn wir mal an mehr als nur an wenigen Tagen im Jahr deutlich mehr erneuerbaren Strom erzeugen als wir insgesamt verbrauchen, dann ist sicherlich die großtechnische Elektrolyse eine Möglichkeit den überschüssigen Strom zu puffern und damit quasi ein Regelkraftwerk zu erzeugen. Dafür müssten aber schon noch ein paar mehr Menschen Solarzellen auf ihre Hausdächer packen als heute. Ich hätte ja nix dagegen. Die mögliche neue Regierung möchte ja eher den Ausbau begrenzen als fördern. Naja, das ist ein anderes Thema.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon green_Phil » Mi 4. Dez 2013, 12:25

Ich habe eine Krux gefunden. Hat mit der Biomasse zu tun, die zur H2-Gewinnung genutzt werden soll. Interessant ist jedoch, dass dort an 2 verschiedenen Stellen gesagt wird, dass es finanziell egal ist, ob die Primärenergie aus Biomasse oder aus (anderen) regenerativen Stromquellen (Sonne, Wind, Wasser).

Und hier das böse Zitat:
"Die Biomasse-Potenziale müssen also erst für 2050 zur Verfügung stehen. Glücklicherweise nehmen die Ernteerträge für Lebensmittel schneller zu als die Weltbevölkerung. Es werden also immer mehr flächen für die produktion von Energie frei. Darum wird es 2050 sowohl genug zu essen als auch einen ausreichenden Energiekomfort geben."

Man erkennt meinen Kritikpunkt oder? Intensive Landwirtschaft, künstliche Überdüngung, Monokulturen... Das sind die Gründe für diesen rapiden Anstieg der Produktion. Und das sind keine erstrebenswerten Entwicklungen. Finde ich zumindest.
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon zitic » Mi 4. Dez 2013, 13:12

http://www.bio-wasserstoff.de/html/effizienz.html
Schaut man sich die Rechnung an, fällt sofort auf, dass ein wichtiger Faktor außen vor gelassen wird.
Mit welchem Flächenwirkungsgrad geht die Produktion der Biomasse ein und mit welchem die Produktion des Stroms?
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon green_Phil » Mi 4. Dez 2013, 13:32

Ich finde die Heizwertangabe von 107 % bewundernswert. Kann mir jemand erklären, wie das kommt? Ich stecke 100% Energie rein, führe 8% Verluste beim Vergase ab und nutze diese. Also kein echter Verlust. Schön gerechnet, aber ok. Bleiben 82% im Wasserstoff. Diesen verstrome ich und gewinne dabei 99% der Ausgangsenergie der Biomasse. Kapier ich nicht. Liegt das am Begriff "Heizwert"?
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Re: Projektstart H2Intradrive

Beitragvon green_Phil » Mi 4. Dez 2013, 13:33

zitic hat geschrieben:
http://www.bio-wasserstoff.de/html/effizienz.html
Schaut man sich die Rechnung an, fällt sofort auf, dass ein wichtiger Faktor außen vor gelassen wird.
Mit welchem Flächenwirkungsgrad geht die Produktion der Biomasse ein und mit welchem die Produktion des Stroms?

Entschuldigung, aber was ist ein Flächenwirkungsgrad? Wie effizient eine Acker- oder Waldfläche genutzt wird? Was ist da der Grundwert für 100%?
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