Hat sich BMW mit Carbon-Schiene voll verschätzt?

Re: Hat sich BMW mit Carbon-Schiene voll verschätzt?

Beitragvon umali » Sa 12. Jan 2019, 16:27

BMWi hat geschrieben:
...
"Wirken Anstoßkräfte auf das Life Modul, wirkt der Klebstoff zwischen den einzelnen Bauteilen dämpfend. Dies hat zur Folge, dass im Gegensatz zu konventionellen Karosserien in Schalenbauweise nur Bauteile im direkt belasteten Bereich beschädigt werden."
...
"Durch die Konstruktion und die verwendeten Materialien treten Beschädigungen an Carbon nur in direkt belasteten Bereichen auf. Diese sind mit geeigneten Werkzeugen unter Beachtung der Herstellervorgaben gut instandsetzbar."
quelle:KTI

Erzähle mit nichts vom KIT - die kochen dort auch nur mit Wasser und berufen sich gleich mal auf die Herstellervorgaben.
Ich habe selten so einen Mist gelesen.
Das Life- und das Drive-Modul werden übrigens zusätzlich mit Schrauben mechanisch gesichert. Wo bleibt da die genannte Duktilität?

Wer definiert, wann und bis zu welcher Grenze das CfK-Teil beschädigt ist?
Sicher nicht der günstige Karosseriebauer um die Ecke, der das bei jeder Blechkiste anhand des plastischen Verformungsgrades leicht selbst ermitteln kann.
Die fehlende Fließfähigkeit des CfK sehe ich als entscheidenden Nachteil. Weshalb wandern wohl F1-Chassis auch nach kleineren Touchierungen in den Schredder?
Weil keiner die haftung für innere, nicht oder nur aufwendig erkennbare Matrixschädigungen übernehmen kann.

Ist die elastische Tragfähigkeit der CfK-Matrix erst einmal durch zu hohe Kräfte überschritten (Sonderlast: Unfall), wird's im Gegensatz zu Stahl problematisch und vor allem teuer. Identifikation der geschädigten Fasern, Entnahme und Wiedereinbau der CfK-Ersatzteile samt aufwendigem Kleben (inkl. Vorbereitung) bedingen hochqualifizierte Manufakturarbeit, weshalb das nicht mal in einer normalen BMW-Werkstatt durchgeführt werden kann.

CfK hat vielleicht mal dann eine Berechtigung, wenn autonome Systeme dafür sorgen, dass es keinen Unfall mehr gibt. Aber wer sagt dann dem umstürzenden Baum, dass er nicht den i3 treffen darf? Gut - wenn dass der i3 erkennt, kann er ausweichen, bremsen oder beschleunigen - machbar ist alles.

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Beitragvon BrummBrumm » So 13. Jan 2019, 01:17

umali hat geschrieben:
Ich habe das allein anhand des Produktionsaufwandes gewertet. Wenn man sieht, wie lange die (teuren) Robotis für das Reinigen (+ Padwechseln) und nachfolgendes Auftragen der vielen Klebestellen benötigen, wird klar, dass diese Technik nicht als Massenproduktion taugt.

[snip]

Hier geht's aber um mehr, nämlch um die CARBONNUTZUNG an sich. Die wird auf absehbare Zeit nicht viel billiger werden, so dass BMW richtigerweise umschwenken musste.


Also wenn das Roboter machen sehe ich eigentlich kein Problem - weil die lassen sich (in den Augen der Hersteller) leichter skalieren als menschliche Mitarbeiter. Klar ist es teurer wenn man pro Roboter weniger Durchsatz hat, aber die werden ja als KUKA "made in China" wohl auch bald billiger :?
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Re: Hat sich BMW mit Carbon-Schiene voll verschätzt?

Beitragvon treehacker » So 13. Jan 2019, 08:38

umali hat geschrieben:
Die fehlende Fließfähigkeit des CfK sehe ich als entscheidenden Nachteil. Weshalb wandern wohl F1-Chassis auch nach kleineren Touchierungen in den Schredder?
Weil keiner die haftung für innere, nicht oder nur aufwendig erkennbare Matrixschädigungen übernehmen kann.


In der F1 werden sie chasis immer komplett getauscht weil es monocoques sind. Da lässt sicht nicht an bestimmten Punkten einfach ein Teil austauschen.
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Re: Hat sich BMW mit Carbon-Schiene voll verschätzt?

Beitragvon Norbert W » So 13. Jan 2019, 08:48

Ganz einstampfen wird BMW die Carbonschiene nicht.
Allein schon, weil bei den teureren Volumenmodellen immer mehr Carbon zum Einsatz kommt, auch bei den BMW-Motorrädern ist das so.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es künftig keinen ca. 40 000 EUR teuren BMW gibt, bei dem das Chassis aus Carbon gefertigt ist. Aber bei den teuren Modellen kann das auch anders sein.

Der i3 war und ist ein Entwicklungsträger, bei (für BMW) überschaubarer Stückzahl.
Bei den Volumenmodellen werden sie vermutlich nie Chassis aus Carbon bauen, das sehe ich auch so.

Ich freue mich, dass es den i3 so gibt wie er ist und ich noch einen kaufen kann :D
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