Erfahrungsbericht: 358km Pendeln mit dem i3

Erfahrungsbericht: 358km Pendeln mit dem i3

Beitragvon phonehoppy » Do 22. Feb 2018, 18:29

Hallo!

Mir ist aufgefallen, dass es hier im Forum immer mehr Interessierte gibt, die überlegen, sich ein Elektroauto zum Pendeln über eher längere Strecken anzuschaffen. Meistens ist dann die Frage: "Schaffe ich meine Pendlerstrecke unter allen möglichen Bedingungen hin und zurück."

So etwas lässt sich ja leider nicht allgemein beantworten. Daher ist mein Ansatz - in der Hoffnung dass es vielleicht irgendjemandem nützt - einfach mal meine persönliche Erfahrung kundzutun.

Ich bin selbstständig, wohne in Bonn, und habe einen Kunden in Frankfurt am Main, den ich durchschnittlich zweimal die Woche besuche und dann dort vor Ort ca. 7 Stunden arbeite. Mein Auto ist ein i3 94Ah ohne REX, EZ 10/2016.
Meistens fahre ich diese Strecke mit dem ICE, da haben wir ja seit einiger Zeit eine Schnellfahrstrecke, und die Zugfahrt an sich dauert auch nur 1:10min, wenn alles glatt läuft. Von Tür zu Tür muss ich aber auch mit dem schnellen ICE ca. 2h rechnen. Nicht nur deshalb, sondern auch aus Spaß, weil es billiger ist, und wenn die DB mal wieder nicht funktioniert, fahre ich jedoch ab- und zu mit dem i3. Das sind dann 179km eine Strecke. Inzwischen habe ich so ziemlich alle Wetterverhältnisse durch, die man sich vorstellen kann.

Um es gleich zu sagen: Ich schaffe die 179km nicht unter ALLEN Bedingungen ohne Zwischenladung. Jedoch wäre es theoretisch immer möglich, so zu fahren, dass man ohne Zwischenladung durchkommt. Wenn einen aber der Gasfuß juckt und man es im Winter richtig schön gemütlich warm haben will, muss man eine 5-10min Pause auf einer Raststätte einplanen. Bei über 10 Grad und trockener Fahrbahn kann ich auch durchgehend 130 fahren, teilweise auch schneller, und es reicht durch.

In Frankfurt parke ich in einem Parkhaus in der Nähe meines Kunden, von dem ich weiß, dass es dort Ladestationen gibt, die ich als "Destination Charger" benutzen kann. So kann ich dort reinfahren, einstecken, arbeiten, am Abend wiederkommen, und das Auto ist voll. Gelobt sei hier die Fähigkeit des i3, mit Drehstrom zu laden, denn die Ladestationen haben dreiphasig 11kW, und ein einphasiges Auto (z.B. der IONIQ, so toll ich den ansonsten auch finde) würde also maximal 3,7kW heraus bekommen - zu wenig, um in 7 Stunden meinen komplett leeren Akku wieder vollständig für die Heimfahrt aufzuladen.

Auf den Autobahnfahrten hat sich herausgestellt, dass es eventuell sogar mit Ladestopp schneller geht, als wenn man bei schlechten Wetterverhältnissen betont langsam fährt, damit es mit einer Ladung durch reicht. Oft muss ich sowieso mal auf Toilette oder ich trinke einen Kaffee, und es reichen ja in jedem Fall wenige Minuten Ladezeit.

Ärgerlich war (Stand Dienstag vorige Woche), dass in der Richtung Bonn-Frankfurt zur Zeit einige Ladestationen (momentan die von E.ON-betriebenen Bad Camberg West und Medenbach West) außer Betrieb sind. Es gibt jedoch eine ganze Anzahl andere, sowohl direkt auf den Raststätten, als auch auf Autohöfen, so dass man keine Sorge haben muss, liegenzubleiben.

Und ja, ein anderes Ärgernis ist das hohe Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke und die fehlenden Alternativrouten. Gerade Dienstag letzte Woche gab es einen Riesenstau wegen eines Unfalls mit Komplettsperrung der Autobahn, und ganze Landstriche in Westerwald und Taunus waren mit Autos verstopft. Mit dem i3 fährt es sich aber im Stop&Go-Betrieb viel entspannter als mit einem Verbrenner.

Grundsätzlich würde ich sagen, die Fahrt dauert auf dieser Strecke nicht länger als mit einem gut motorisierten Verbrenner, sofern man alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält, und in Anbetracht des üblichen Verkehrsaufkommens. Wenn man natürlich bei Nacht und freier Autobahn mit 250km/h durchrasen will, ist der i3 sicher nicht das richtige Auto, schon weil die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h begrenzt ist, und mit Bleifuß würde man auch im Sommer die 179 km nicht ohne Zwischenladung schaffen. Aber das ist sowieso nicht so empfehlenswert, denn außer dem berühmt-berüchtigten "Elser Berg" gibt es nun auch an mehreren anderen Stellen Geschwindigkeitskontrollen...
BMW i3 94Ah seit 10/2016. Powered by Lichtblick.
Stoppt Kohle jetzt!
Benutzeravatar
phonehoppy
 
Beiträge: 884
Registriert: Sa 29. Okt 2016, 21:07

Anzeige

Re: Erfahrungsbericht: 358km Pendeln mit dem i3

Beitragvon TomTomZoe » Di 27. Feb 2018, 08:23

Danke für Deinen tollen Bericht. :-)
Ja, meine tägliche einfache 83km Pendlerstrecke empfinde ich mit dem eAuto auch viel entspannter wie früher mit dem Verbrenner. Den Autobahnanteil fahre ich seitdem auch nur noch mit energetisch idealen 110km/h anstatt wie früher 160+km/h, und benötige trotzdem vergleichsweise nur 5 Minuten mehr Zeit. :o
Die Möglichkeit beim Arbeitgeber zu laden ermöglichte mir vor eineinhalb Jahren den Umstieg zum rein elektrischen Fahren trotz des nicht so übermäßig großen 23kWh Akkus. Aufgrund des aktuell wesentlich größeren Akkus funktioniert das tägliche Pendeln auch bei aktuellen Minustemperaturen trotz nur Einphasenladung natürlich weiterhin.
AMP+-ERA-e seit 02/2018
Bild (gemäß OBD-II LastCharge) 18 tkm
Zoe Q210 08/2016 - 02/2018 mit Klima- (0803-0810) und Batterieupdate (0852/0853)
Bild (ab Ladeanschluß) 54 tkm
(Diesel 07/2017 verkauft)
Benutzeravatar
TomTomZoe
 
Beiträge: 2294
Registriert: Do 25. Aug 2016, 13:22


Zurück zu i3 - Allgemeine Themen

  • Ähnliche Artikel im Blog

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: bm3, i3michel und 7 Gäste