Business Case AC-Ladesäule

Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon EVduck » Mi 18. Jul 2018, 16:29

Ich habe mal wieder die Behauptung in den Raum gestellt, dass eine AC Ladesäule nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.
https://www.goingelectric.de/forum/betreiber-roaming-abrechnung/wie-gehen-betreiber-mit-dem-eichrecht-um-t33269-90.html#p786895
Vielleicht findet sich ja ein Moderator, der die entsprechenden Beiträge umhängen kann?
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon Tho » Mi 18. Jul 2018, 16:38

Problem ist, dass es bisher noch keine wirklich abschließend eichrechtskonforme Ladesäule/Wallbox gibt. Sobald wir wissen, welche es wirklich sind bzw. wie eine eichrechtskonforme Ladesäule aussehen muss können wir auch einen Business case rechnen.
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon MaXx.Grr » Mi 18. Jul 2018, 18:06

Ist die Münchner SWM-Ladesäule nicht konform? Da gibt's ein Fenster auf die eingebauten Zähler die wohl geeicht sind...
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon Tho » Mi 18. Jul 2018, 18:08

Das ist ja nicht alles. Die Übertragung der Daten und die Verarbeitung im Backend darf die Eichbehörde ja auch nicht stören.
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon spark-ed » Mi 18. Jul 2018, 19:14

Tho hat geschrieben:
Problem ist, dass es bisher noch keine wirklich abschließend eichrechtskonforme Ladesäule/Wallbox gibt. Sobald wir wissen, welche es wirklich sind bzw. wie eine eichrechtskonforme Ladesäule aussehen muss können wir auch einen Business case rechnen.

Tho, du bist doch nach allem was ich hier so gelesen habe sehr gut im Thema verankert. Von welchem hyperoptimistischen Szenario willst du bei deiner Annahme für den BusinessCase denn ausgehen?
Alles deutet darauf hin, dass sich die Säulen bereits ohne diesen Eichwahnsinn abgesehen von seltenen "Edgecases" niemals selbsttragend betreiben lassen werden. Sollen die Kosten für Eichgebühren und zertifizierte Softwaresignaturen oder wie das heißt die Lage jetzt verbessern?

AC funktioniert langfristig meiner Meinung nach einzig und alleine als Werbemaßnahme oder in Ladeparks die mit pauschalen Bezahlsystemen ohne sonstige Kostentreiber wie individuelle Planungskosten garniert mit langwieriger Standortakquise und spezieller Ausgestaltung des Ladeplatzes auskommen.
Wenn man diesen Aufriss machen will, dann die Filetgrundstücke sichern, den Invest verdoppeln oder verdreifachen und gleich Schnelllader >=50kW und damit den Umsatz verzehnfachen um überhaupt eine Option auf Kostendeckung zu bekommen.
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon zoppotrump » Mi 18. Jul 2018, 19:18

Dann sammelt doch mal die Kosten.
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon Tho » Mi 18. Jul 2018, 19:22

Wenn ich einen Businesscase für eine 22kW Ladestation um 3.000-4.000€ inkl. Installation, monatlichen Fixkosten von 5 EUR für Backend + Anbindung, elektrischer Überprüfung aller 2 Jahre, Kapitalverzinsung von 2,5% und internen Kosten über eine Abschreibungsdauer von 10 Jahren rechne, bei einem Aufschlag in Höhe von etwa 10cent/kWh gegenüber Einkauf und einer steigenden Rampe von heute 2 Ladevorgängen a 25kWh in der Woche zu 1 Ladevorgang am Tag in 10 Jahren, dann habe ich definitiv einen Gewinn.
Das Excel ist mein Geschäftsgeheimnis, das stelle ich hier nicht rein. Wer mag darf selber rechnen.

Bei einem Schnellladestandort mit konservativ gerechneten 60.000€ kann ich ansetzen was ich möchte, es entsteht kein Gewinn.
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon Naheris » Mi 18. Jul 2018, 20:23

Kalkulation DC Ladesäule:

Investition Säule: 150 k€.
Zinsen: 4% = 6k€/a.
Abschreibung: 6 Jahre = 25k€/a.
Betriebs- und Wartungskosten: 25k€/a (Bodenmiete usw.).

Damit müsste eine DC-Säule 56k€/a verdienen. Mal sehen, ob das geht.

Diese Säule ist ein HPC an einer Autobahnraststätte. Nehmen wir an, am Tag laden nur ganze 20 Autos dort. Nehmen wir eine Auslastung von 5% an, also 1,2h/d oder ca. 5 Autos am Tag. Nehmen wir nun an, es werden je Fahrzeug ca. 60 kWh geladen (ca. 70% von 85 kWh). Das wären dann 300 kWh am Tag bzw. 109.5oo kWh/a. Somit müsste jeder kWh 52 ct Gewinn abwerfen. Preise um die 70 ct/kWh wären dann vermutlich kostendeckend. Das ist jetzt nicht so glorreich.

Verdoppeln wir mal den Verkehr (Auslastung 10%). Dann wären 600 kWh/d, 219 MWh/a und 26 ct/kWh respektive. Hier sind Preise unter 40 ct/kWh machbar.

Vervierfachen wir mal den Verkehr (Auslastung 20%). Dann wären es 1200 kWh/d, 438 MWh/a und 13 ct/kWh respektive. Hier sind Preise unter 30 ct/kWh machbar.

Zudem sinken die Zinsen ja jedes Jahr um 1000€, umgelegt also der Preis um fast 1 ct/kWh.

Sobald die Säule abgeschrieben ist werden die Gesamtkosten zudem massiv geringer.

Zudem sind nach sechs Jahren die Nachfolgeinvestitionen geringer, weil die Leitungen schon liegen und die Säulen günstiger sind.

Ich kann hier schon einen Business Case sehen. Es zeigt sich auch schön, dass letztendlich die Profitabilität von der Auslastung und auch der Ladeleistung abhängt: mehr ist gut, weil die Säule besser genutzt werden kann.

Eine AC-Ladesäulen-Kalkulation liefere ich vielleicht nach - wenn ich mich mit den Baukosten genauer beschäftigt haben sollte. Das steht aber erst in den nächsten Wochen an...
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon TeeKay » Mi 18. Jul 2018, 21:42

Du hast die kWh pro Ladevorgang über- und die Betriebskosten unterschätzt. Bei Tesla werden pro Ladevorgang etwa 35kWh geladen. Tesla hatte in Hawthorne mal ein großes Display mit Statistiken zu den weltweiten Superchargern aufgestellt. Da standen immer um die 30-35kWh pro Vorgang drauf. Der bestgenutzte Standort Fremont hatte 2014 3500kWh pro Tag, Hawthorne schon nur noch 2361 und auf Platz 10 stand Solli in Norwegen mit 894kWh.

2016 waren es dann schon nur noch 30kWh pro Ladevorgang. Der bestgenutzte Supercharger Mountain View stieg auf 6400kWh am Tag, auf Platz 10 stand Shenzhen mit 3630kWh. So ein Standort kostet dann aber nicht mehr 150.000. Mountain View hat 12 Stalls, Kosten eher Richtung 500.000, was Tesla mal nannte. Im Netz der EnBW hätte so ein Standort Netznutzungskosten von 88.300 Euro pro Jahr bei einer Benutzungsdauer von 2500h/a - was bei einem so gut besuchten Supercharger anzunehmen ist.

Richtig ist aber: Je mehr Autos kommen und je mehr Energie die pro Ladevorgang laden, desto eher ist Kostendeckung zu erzielen.
Autor wurde von Tesla Aufsichtsratsmitglied Antonio J. Gracias bei Twitter blockiert
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Re: Business Case AC-Ladesäule

Beitragvon spark-ed » Mi 18. Jul 2018, 21:45

Tho hat geschrieben:
Wenn ich einen Businesscase für eine 22kW Ladestation um 3.000-4.000€ inkl. Installation...

Mag sein, dass du solche Kosten mit viel nicht monetär einkalkuliertem persönlichem Engagement und Zeiteinsatz realisieren kannst. Ich würde im realen Leben aber mal eher mindestens von dem 3fachen Wert ausgehen.
Eine Standardsäule von Mennekes kostet bereits über €5000,- netto, mit etwas Ausstattung werden es auch gerne mal €8000,-
Dafür bekommst du einen Karton mit der verpackten Ladesäule vor die Tür gestellt aber...
...das Ding ist noch nicht fundamentiert und angepflastert am eingemessenen und durch alle möglichen Gremien/ Grundstückseigentümern/ Fachausschüssen festgelegten und abgesegneten Aufstellplatz
Davon ist noch keine normgerechte Beschilderung erfolgt
Davon ist noch keine verkehrsflächentaugliche Bodenmarkierungen oder farbliche Kennzeinung angebracht
Es ist noch kein Meter Kabel verlegt und die Oberflächen nach Tiefbau wieder hergestellt.

Dann kommt am besten noch das Eichamt, fordert zertifizierte kWh Abrechnung und schon lockst du stolze E-Kennzeichenbesitzer an, die dort gerne von 08:00 bis 17:30Uhr während der Arbeit ihren PHEV abstellen.

Naheris hat geschrieben:
Investition Säule: 150 k€.
Zinsen: 4% = 6k€/a.
Abschreibung: 6 Jahre = 25k€/a.
Betriebs- und Wartungskosten: 25k€/a (Bodenmiete usw.).

Ich bin ja auch kein Freund von Selbstbetrug durch zu blumige Annahmen, aber
Betriebs- und Wartungskosten 25k€/Jahr und 5% Auslastung an einer HPC Ladestation sind aber schon etwas pessimistisch oder gibt es da Analysen zu?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man ein HPC Standort recht gut mit einer Tankstelle vergleichen kann.
Wenn der Standort nach einer Analyse nur 5% Auslastung hergibt, würde dort einfach niemand bauen.
Ich könnte mir bei guter (zukünftiger) Durchmischung so 10-25% Gesamtauslastung vorstellen.
Da der Stromeinkauf im Verhältnis zu Kraftstoff einen geringeren Anteil am Erlös haben wird, kann man auch über ausgeprägte tageszeit- und saisonabhängige Tarife die Auslastung etwas breiter verteilen
Z.B. zur Ferienhauptreisezeit 20% teurer, Werktags ab 21Uhr 20% Rabatt (Die Menschen fahren ja jetzt schon extra Umwege zum tanken, wenn der Sprit irgendwo 2ct billiger ist)

Und jeder mit ausreichend mathematischen Grundkenntnissen sollte ohnehin verstehen, dass eine nicht subventionierte Kilowattstunde an einer öffentlichen Ladesäule betriebswirtschaftlich gesehen nicht für deutlich weniger als 50cent abgegeben werden kann.
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