Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Alles zum Energiespeicher eines Elektroautos

Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon dkt » Do 29. Mai 2014, 07:11

Guy hat geschrieben:
Sobald ich nun irgendwo Kolibri lese, muss ich an die missglückte Aktion denken. Ich vermute, den meisten geht es ähnlich. Eigentlich schade, ein wenig Batteriekompetenz täte Deutschland ganz gut.


Das ist der Punkt. Damals hat Brüderle sicherlich den jungen Erfinder angestiftet und auch sicherlich finanziert (als Bundesminister), eine solche publikumswirksame Rekordfahrt zu konstruieren. Der Notar, der eigentlich mitfahren sollte, hatte auf Anfragen damals nachvollziehbare Gründe genannt, warum er nicht konnte. Die begleitende Presse, hat das Auto auch nur für ganz kurze Zeiten aus dem Auge verloren. Das war zu wenig um heimlich nachzuladen. Zu guter letzt war Hannemann allein im Auto (wahrscheinlich wegen des großen Batteriegewichts) und fuhr eine niedrige Geschwindigkeit. Wenn ich es richtig aus dem Kopf hole, dann war es auf der Autobahn nie mehr als 80 km/h.

Nachdem Brüderle seinen politischen Gewinn (demonstrative Rundfahrt mit Hannemanns A2 in Berlin) abgeerntet hatte, war die Sache für ihn erledigt.

Hannemann hat damals mehr durch vielsagendes "nichts sagen" als durch starke Worte, den Eindruck erweckt, es handle sich um eine Supererfindung. Das ging voll daneben.

Für mich steht so ziemlich fest, dass den Bastlern um ihn herum (20 an der Zahl) gelungen ist, eine Feststoffchemie zusammenzubasteln, die sehr temperaturbeständig und langlebig ist. Weiter hat man an einem BMS gebastelt, das diese Chemie gut bediente. Nachteil war immer schon das Gewicht. Man hat damals über Jahre keine Silbe darüber verloren.

Mit Papstar als Logistikunteernehmen wurde die Batterie eingesetzt. Papstar schwört auf die Qualität und sagte, dass sie den Preis rechtfertigt.

Katar ist insofern interessant, da hier mörderische Betriebstemperaturen in der Umwelt herrschen. Bis +55 Grad Celsius. Hier kann die Batterie ihren Betriebstemperaturkorridor von -20 bis +60 Grad voll einbringen. Und das ohne Klimatisierung.

Weiter spricht die Schnellladefähigkeit für einen Einsatz bzw. die geringe Selbstentladung. Gegen den Einsatz im E-Auto sprechen die Kosten und das Gewicht. Selbst wenn das Gewicht optimiert würde, wäre die Fertigung in Berlin, so meine ich, nicht in der Lage, nennenswerte Mengen für die Autoindustrie, herzustellen.

Für die Technik im allgemeinen spricht, dass es scheinbar auch in Deutschland noch möglich ist Batterietechnik zu optimieren. Kolibri muss nun starke Investoren finden, um eine vollautomatische Produktion aufzubauen (Kostensenkung), um das Gewichtsproblem, ohne größere Abstriche bei den Eckdaten (Haltbarkeit, Selbstentladung und Betriebstemperaturfenster), in den Griff zu bekommen.

Wenn das gelingt, dann gebe ich der Batterie eine gute Chance für das Elektroauto.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon eDEVIL » Do 29. Mai 2014, 08:22

Entscheidend ist vor allem die Kostenseite. Der Winaico-Home-Speicher ist ja selbst mit optimal dargestellten nutzbaren KWh preislich kaum von Interesse. Gewicht ist da fast egal.

Wieviel km/h legt denn so ein Elektro-Gepäckwagen zurück? Die Dinger stehen doch die meiste zeit zu Be- und entladen.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon dkt » Do 29. Mai 2014, 08:41

eDEVIL hat geschrieben:
Wieviel km/h legt denn so ein Elektro-Gepäckwagen zurück? Die Dinger stehen doch die meiste zeit zu Be- und entladen.


Du meinst sicherlich die Wagen selbst, die stehen oft. Die Zugmaschinen für die Wagenkolonnen sind eigentlich pausenlos im Einsatz. Die km-Leistung dabei ist schwer zu schätzen, da das von Flughafen zu Flughafen sicherlich sehr unterschiedlich ist.

Standzeiten haben die Zugmaschinen dann eigentlich nur zum Laden oder aber auch während der Nacht. Wobei ich im Falle Katar einmal annehme, dass es kein Nachtflugverbot gibt. Also möglich wäre da auch dann DC Schnelladen mit c 4.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon zitic » Do 29. Mai 2014, 10:47

Eingesetzt werden ja wohl diese Blöcke:
http://welcome.kolibri-ag.com/produkte/ ... r-traction
Da steht was von ≤ 25,2 KWh. Ganz andere Dimensionen sind das nicht(ist aber natürlich schon eine Gewisse Differenz zu den Pressezahlen, auch wenn "kleiner" viel Spielraum lässt). Zwei Blöcke wären wohl eher unrealistisch.
Hier mal ein "konventionelle" E-Modell: http://www.mulag.de/fileadmin/content/d ... 11_440.pdf
Von der Leistungsfähigkeit dürfte das passen. Da ist der Akku doppelt so groß. Ich gehe mal davon aus, dass das aber auch Blei ist(kann nirgends eine Angabe finden), sodass sich das relativiert. Und da schleppt das Wägelchen deutlich mehr Eigengewicht mit. In der Pressemitteilung steht ja auch ein Vergleich von 61 Runden, die man schafft. Nun ist nicht ganz ersichtlich wie die sich zusammensetzen. Solche Gefährte haben 25-30 km/h max. Geschwindigkeit. Da kommt man dann in 8h beim Durchfahren auf max. 200km. Vergleicht man das mit den normalen Wagen hier, die nicht nur mit max. 30 km/h rumeiern(gut dafür auch nicht bis zu 13 t ziehen muss), klingt das alles nicht völlig unrealistisch.

Doha hatte 2012 155.672 Flugbewegungen bei 21 Mio. Passagieren. Der neue Airport soll mal bis zu 50 Mio. Passagiere abfertigen. Wenn man das auch mal mit anderen Flughäfen vergleicht, scheint es nicht unbedingt knapp bemessen, wenn man von einer Verdreifachung der Flugbewegungen ausgeht ggü. dem alten Airport ausgeht. Dann verteilt man das aus Tage und die 70 Schlepper. Dann relativiert sich das auch ein wenig.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon dkt » Do 29. Mai 2014, 14:10

Bei dieser Kolibri Tractionsbatterie bin ich auf eine Besonderheit gestoßen.

Die Nennspannung ist 80 Volt
Der maximale Entladestrom ist 500 Ampere
Der maximale Ladestrom ist 160 Ampere

D.h. für mich, dieser Block ist eher für eine Reihenschaltung aus mehreren Blöcken gedacht. Nehmen wir z. Bsp. 4 Blöcke in Reihe. Spannung ist dann 320 Volt, das wäre bei einem Entladestrom von 500 A schon mal 160 kW Leistung. Laden lässt sich dann diese Reihe mit 160 A also 51,2 kW, d.h. dann nur in etwa 2 Stunden.

Warum ist man beim Ladestrom so vorsichtig? Ist es wegen der fehlenden Klimatisierung? Da eigentlich eine Feststoffbatterie einen höheren Widerstand haben müsste, könnte das die Erklärung sein. Oder mache ich einen Denkfehler?
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon molab » Fr 30. Mai 2014, 08:29

Ich halte das nach wie vor für eine Blase heißer Luft, jedenfalls was Traktionsbatterien angeht.
Um nicht immer nur Infos aus dem Presseportal der Firma selbst hier zu zitieren, hier ein Link auf einen nicht mehr ganz frischen Artikel, der aber die Geschichte bis zur Neugründung ganz nett wiedergibt - einschließlich des brennenden Gabelstaplers http://www.brandeins.de/archiv/2012/loyalitaet/kurzschluss.html. Und hier geht's weiter mit den Winaico etc Speichern http://wp.ujf.biz/?p=23375. Aus dem aktuelleren Beitrag zum Winaico Datenblatt mal ein kleines Zitat zur Plausibilität des angeblichen Leistungsgewichts, es gibt dort ja verschiedene Größen:
Bei der kleineren Gehäuseversion ist das Missverhältnis noch absurder: Winaico bietet den Solarstrom-Speicher mit sechs und neun Kilowattstunden in einem 80 Zentimeter hohen Kompaktgehäuse an. Die zusätzlichen 50 Prozent Energie der stärkeren Ausführung erhöhen das Gesamtgewicht aber nur um fünf (von 220 auf 225) Kilo. Die Differenz deutet unzweifelhaft darauf hin, dass bei ausgebauten Akkus der 9-kWh-Speicher leichter sein muss als der scheinbar baugleiche 6-kWh-Speicher. Fünf Kilo für drei Kilowattstunden würden nämlich bedeuten, dass man 600 Wattstunden aus einem Kilo Akkus holen könnte – ein Ding der Unmöglichkeit.

Davon und von den weiteren "Entwicklungen" mag jeder halten, was er will. Ich persönlich glaube es, wenn ich neutrale Tests sehe, in denen es nicht nur um Materialbeschaffenheit oder "Bestätigung" dann tatsächlich aber viel schlechterer Leistungswerte geht (Dekra-Test, der nicht annähernd die beworbene Leistung brachte - angeblich billigere Batterie getestet - bla bla bla).
BildSmart ED3 Cabrio, Rekupaddel, SHZ, TFL, etc.; Lader: RTP Bettermann + HausBus
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon dkt » Fr 30. Mai 2014, 15:09

molab hat geschrieben:
Ich halte das nach wie vor für eine Blase heißer Luft, jedenfalls was Traktionsbatterien angeht.


Deine beiden Quellen reflektieren die Ereignisse um Hannemann sehr gut. Soweit ich es damals verfolgt habe, stimmen meine Beobachtungen mit den Fakten beider Quellen überein.

Allein die Beurteilung ist etwas unterschiedlich. Ich kann nicht ausschließen, dass die Leistungsdaten der Zellen nicht Realität sind. Doch wie kommt es, dass der Flughafen in Katar auf "gefälschte Daten" reingefallen wäre? Es sei denn "Katar" als Bestellung, wäre auch eine PR Ente. Doch, so glaube ich, hätte das die Presse schon herausgefunden. Also mein Fazit in der Sache ist:

Viele Fragen offen, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass die Kolibribatterie Fortschritte gemacht hat. Aber wie gesagt - ich bin mir nicht mehr sicher.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon zitic » Sa 31. Mai 2014, 13:40

Kannst bitte noch mal darlegen, was dieses Katar-Projekt beweisen soll? Die Akkus wurden gegen Blei getestet. Dass sie da deutlich besser abschneiden, wundert kaum. Bei solchen Fahrzeugen und 15-20 km/h in der Praxis kommt es auch nicht allzu sehr auf das Gewicht an. Anscheinend gibt es ja schon "gewöhnliche" E-Gepäckwagen mit jeder Menge schwerem Blei.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon dkt » So 1. Jun 2014, 05:11

zitic hat geschrieben:
Kannst bitte noch mal darlegen, was dieses Katar-Projekt beweisen soll? Die Akkus wurden gegen Blei getestet.


Nur gegen Blei?

Gib mir bitte die Quelle, damit ich mitlesen kann. Das würde auch für meine Beurteilung ggf. die Sachlage verändern.
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Re: Kolibrispeicher vor dem Durchbruch

Beitragvon zitic » So 1. Jun 2014, 15:14

Vergleiche gegen Blei wurden genannt. Andere nirgends. Dass man da zig Li-Hersteller getestet hat, kann natürlich ganz, ganz theoretisch sein....(in D gibt es ja z.B. auch entsprechende von Akasol, die Bombardier für sein Primove nutzt). Deine Mutmaßungen unterstützt aber so auch noch nichts. Aber wie ich oben schrieb ist auch das nicht relevant. Wenn man schon mit Blei einigermaßen arbeiten kann, dann scheint das Gewicht nicht so sehr ausschlaggebend. Ähnlich wie bei Gabelstablern.
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