Meine Entscheidung

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Meine Entscheidung

Beitragvon Wiese » Fr 28. Jul 2017, 22:24

Ich bin vor längerer Zeit mal mit einem Tesla Roadster gefahren. Ist lange her, aber der positive Eindruck ist geblieben. Dass mein nächstes Auto keinen Verbrennungsmotor mehr hat ist beschlossene Sache, nur meine Frau ist noch etwas kritisch und zieht noch nicht mit. Da ich 2006 einen Hybrid gekauft habe, ist für mich der nächste logische Schritt ein BEV. Der Hybrid ist eine Übergangslösung zur Elektromobilität. Dass es Autohersteller gibt, die 20 Jahre auf den Diesel gesetzt haben, und nicht wie Toyota auf den Hybrid, soll nicht mein Problem sein. Nach 20 Jahren Überganslösung ist das Ziel BEV erreicht. Jeder kann BEVs bauen, es gibt mittlerweile gute Fahrzeuge, und ich werde keine Übergangslösung mehr kaufen. Der Diesel kam für mich noch nie in Frage. Dass die meisten Autobauer jetzt plötzlich Plug-in-Hybride anbieten hat nichts mit Umweltschutz oder dem Umdenken in Richtung E-Mobilität zu tun. Einzig und allein die Vorgaben einen Flotten-CO2-Ausstoß von 95 Gramm zu erreichen, zwingen die Autobauer zum PHEV. Ein SUV mit Dieselmotor schafft das nicht, und der Diesel hat ja im Moment erhebliche Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Der Diesel hat die großen Autos begünstigt, da bei ihm die höhere Masse und der große Luftwiderstand den Verbrauch nicht so stark erhöht wie beim Benziner. Jetzt, wo die Vorgabe mit 95 g CO2 Flottenverbrauch kommt, haben die Autobauer aber trotz Dieselmotor ein Problem, das sie nicht hätten, wenn sie bei der schlanken strömungsoptimierten Limousine beblieben wären. Der Staat unterstützt jetzt mit seinen lächerlichen Messvorgaben den PHEV, denn er ist auch dann eine Elektroauto wenn der Besitzer nur Benzin tankt, und der Strom wird darüber hinaus für die CO2-Messung nicht berücksichtigt. Das führt zu absolut praxisfernen Messergebnissen. Eine ehrlichere Lösung wäre ein REX, niemand würde freiwillig nur mit dem REX den AKKU laden. Man hätte dann ein echtes Elektroauto und bei Bedarf die vom Benziner gewohnte Reichweite und die Möglichkeit in 3 Minuten zu tanken. Die Autoindustrie will aber weiterhin Verbrennungsmotoren und Getriebe verkaufen, weil das ihr Kerngeschäft ist.

Nun zum eigentlichen Grund für diesen Bericht:
Der Ioniq entspricht genau meinen Vorstellungen. Der Preis ist mit 30.000 Euro für die mittlere Ausstattungsvariante incl. Förderung noch akzeptabel. Selbst im Vergleich zu meinem sparsamen Honda komme ich nach 10 Jahren auf den gleichen Preis, wenn man alle Kosten aufsummiert. Ich habe ausgerechnet, dass ein Verbrenner für 22.000 Euro nach 10 Jahren die selben Kosten verursacht wie der Ioniq für 30.000 Euro. Das Risiko, nach 10 Jahren einen neuen Akku kaufen zu müssen gehe ich ein, denn niemand garantiert mir, dass ich beim normalen Auto nach 10 Jahren keinen neuen Motor oder ein neues Getriebe brauche. Man kann auch davon ausgehen, dass es in 10 Jahren Firmen gibt, die Akkus austauschen können ohne auf den wahrscheinlich teureren Originalakku zurückgreifen zu müssen. Dass der Ioniq von der Konstruktion her kein reines Elektroauto ist stört mich nicht, ich denke, dass Hyundai klug gehandelt hat, als sie entschieden haben den Ioniq in 3 Varianten anzubieten. Das Risiko einen Elektroautoflopp zu bauen haben sie so minimiert, denn eine der 3 Varianten wird dann schon genügend Käufer finden. Die geforderten 95 Gramm zwingen sie, wie alle anderen auch, zum Handeln.
Warum ich meinen Hybriden also durch ein E-Auto ersetzen werde ist klar, und so will ich das von mir favorisierte Auto auch mal ausgiebig testen. Dass der Alltag kein Problem ist, war mir schon immer klar. Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, und gehe ohnehin bald in Rente, und meine Frau hat nur 25 km am Tag plus einkaufen. Die Enkel wohnen auch nur 25 km entfernt, und somit wäre auch eine Reichweite von 100 km ausreichend. Aber es gibt auch andere Situationen, und die haben wir gerade. Tochter und Enkelin sind nach einer großen OP in der Reha und wir wollen helfen wo wir können, und jetzt im Urlaub auch noch ein paar Dinge erledigen, für die man sonst kaum Zeit hat. So soll der Ioniq mal zeigen wie das klappt, wie er sich fährt und ob er uns zusagt.
Der erste Tag:
Zu Beginn gleich mal ein Tipp an Strominator.de: Beim Abholtermin sollte ausdrücklich dabei stehen, dass es sich um einen Fix-Termin handelt. Ich bin davon ausgegangen, dass da jemand den ganzen Tag in einem Büro sitzt und Kunden bedient, wie es bei Sixt oder ähnlichen Vermietern üblich ist. Der Abholtermin war für mich einfach nur der Arbeitsbeginn des Personals, ab wann das Fzg zur Verfügung steht. Ich habe meine Abfahrt zu Hause so gelegt, dass ich, wenn alles optimal läuft, um 8:30 vor Ort bin. Also von mir nochmal ein SORRY für meine Verspätung.
Ich habe aber auch damit gerechnet, dass der Ioniq an der Steckdose hängt. Ich war schon etwas erschrocken, als er mir nach dem Einsteigen nur 145 km Reichweite angezeigt hat. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich am ersten Tag auf rund 150 km kommen werde.
Nun hatte ich also die Schlüssel übernommen, und es konnte los gehen. Scheibenkleister! Startknopf gedrückt, D gewählt, nichts. Nochmal D gedrückt, nochmal Start und auch feste aufs Bremspedal getreten, Handbremse auf und zu, und nochmal und nochmal ... Display zeigt immer wieder an "Gang bereits eingelegt". Es leuchtet aber kein D oder R, oben neben dem Tacho nur N oder P, wenn ich die Knöpfe drücke. Nach rund 10 Minuten rumprobieren fährt er dann doch los. Abends, beim Studieren der Anleitung stoße ich dann auf das Problem: Wahrscheinlich war das Lenkradschloss verklemmt und ich habe wahrscheinlich auch irgendwann mal das Lenkrad bewegt, als ich versucht hatte los zu fahren. Gut zu wissen: Wenn der Ioniq nicht losfahren will, mal ein bischen an der Lenkung wackeln.
Auf den ersten paar Metern keimt in mir die Hoffnung auf, dass ich mehr als die angezeigten 145 km fahren kann, denn da steht ein Durchschnittsverbrauch von 16,x kWh/100km. Dass das beim Ioniq recht viel ist weiß ich aus dem Forum. Also ruhig Blut, und ja nichts davon der Gattin verraten die noch etwas misstrauisch daneben sitzt. Ihr erster Kommentar war: "Aber in weiß will ich den nicht, und Lederausstattung auch nicht". Ja, beim Leder sind wir uns einig, ich mag auch keine Lederstitze. Sieht zwar schick aus, aber sie sind entweder kalt oder man verbrennt sich den Allerwertesten wenn das Auto in der Sonne stand.
Er fährt sich sehr angenehm, eigentlich ein ganz normales Auto.
Im Prinzip weiß ich über den Ioniq Bescheid, ich hab mir die Sangl-Videos angeschaut. Der, den ich gerade fahre ist auch vom Autohaus Sangl - steht auf der Fußmatte. Wir fahren durch Stuttgart Richtung B 10 Bretten, Bruchsal. Das Navi ist ok, allerdings zeigt es keine Blitzer an. Das muss man wohl irgendwo einstellen. Da ich viel mit Tempomat fahre, ist dieser mein ertses Testobjekt. Ich kann nur sagen: GENIAL! Durch Stuttgart durch Tempomat auf 55 und den Rest macht er alleine. Ich fahre im Öko-Modus, da beschleunigt er sehr angenehm, keine Hektik, kein Ruckeln oder sonst was, einfach nur ruhig und entspannt. Entspanntes Fahren im wirklich dichten Stuttgarter Verkehrschaos rund um den Bahnhof mit den gefühlt 1000 Baustellen, nicht übel. Auch Spurwechsel sind kein Problem, nur wenn es knapp wird meckert er etwas rum. Achso, wenn die Ampel rot wird muss ich dann schon bremsen - alles kann er dann doch nicht alleine. Meine erste halbe Stunde, ein echtes Highlight, ich komme mir vor wie in einem Luxus-Daimler.
Die Verarbeitung im Innenraum ist für mich top. Sieht alles gut aus, wirkt nicht billig und ist für die Mittelklasse schon recht hochwertig. Meine Frau bemängelt die knappe Armauflage an der Tür, den zu hoch angebrachten Haltegriff oben und einen fehlenden Griff in der Tür. In unserem Honda kann Sie den Ellenbogen an der Tür auflegen, und die Hand liegt locker im Haltergriff oben oder im Haltegriff an der Tür. Mein Fahrstil erfordert gelegentliches Festhalten.
Der erste Tag endet mit 123 gefahrenen Kilometern, einem angezeigten Verbrauch von 12,5 kWh und einer Restreichweite von gut 40 km. Ich habe also aus den ursprünglich angezeigten 145 km Reichweite rund 165 km gemacht. Da ich schon immer recht flott und trotzdem sparsam fahre, war es für mich interesant, ob meine Verbrenner-Fahrweise auch zum Elektroauto passt. So fürs Erste sieht das ganz gut aus.
Der 2. Tag beginnt mit einer Enttäuschung. Ich habe einen zusätzlichen digitalen geeichten 3-Phasen-Stromzähler, an dem ich jetzt nur das Verlängerungskabel für den Ioniq angeschlossen habe. Das Kabel ist für den Außeneinsatz in Baustellen und ähnliches gedacht und hat 2,5 mm² Adern. Ich nutze es normalerweise für Arbeiten in Hof und Garten, und es ist direkt am Stromzähler angeglemmt, der natürlich abgesichert ist. Hier sind also keine Verluste zu erwarten, und es gibt nur die eine Steckverbindung zum Ladegerät des Ioniq. Obwohl ich gestern noch 40 km Reichweite im Akku hatte, hat er über Nacht 26 kWh gezogen. Die Ladeleistung lag bei 2650 Watt plus minus 5. Da der Akku beim Abholen nicht voll war, konnte ich jetzt nicht genau sagen was vebraucht wurde. Grob gerechnet kommt man auf rund 15% Verlust wenn man die Rest-Reichweite und die geladenen kWh zusammenrechnet. Das will ich Heute nochmal genauer kontrollieren.
Leider mussten wir für Heute unsere Planung umstellen. Wir wollten Heute 2 Dinge erledigen. Erste Fahrt 50 km, zweite Fahrt 100 km, und dann vielleicht noch ne Kleinigkeit ums Dorf rum. Meine Tochter ist mit ihrer Kleinen, also unserer Enkelin, in eine Rehaklinik. Für sie sollten wir nun etwas tun, was unsere Planung durcheinanderbrachte. Um das zu erledigen müssten wir zusätzliche 90 km fahren. Bei bereits 150 geplanten km mit nur etwa 2 Stunden in der Garage war das nicht zu schaffen. Die erste Fahrt mit 50 km betraf die anderen beiden Enkel, und konnten nicht verschoben werden. Wir lassen also die geplante 100 km Fahrt weg und fahren stattdessen in die Reha-Klinik. In den 3 Stunden die wir zu Hause waren habe ich gut 7 kWh nachgeladen - sicher ist sicher.
Insgesamt haben wir am Ende des 2. Tages bei Dauerregen 167 km auf dem Tacho. Etwa 70 km davon hat mein Sohn gefahren, der natürlich auch mal den Sportgang getestet hat, so dass am Ende des Tages 13,5 kWh Verbrauch pro 100 km angezeigt wurden. Insgesamt fast alles Landstraße, und etwas Autobahn mit 90 bei Starkregen. Wir hatten sogar die Heizung an, denn es hatte nur 13 bis 15 Grad.
Am dritten Tag kommt nun die ernüchternde Abrechnung. Wieder hat der Ioniq, incl. der 7 kWh die ich gestern tagsüber nachgeladen habe, 26 kWh verbraucht. Dass das nun an 2 Tagen genau der gleiche Wert ist, muss Zufall sein. Verbrauchsanzeige 13,5 kWh mal den 167 km macht Summa Sumarum 22,545 kWh. Das sind also 3,5 kWh oder je nachdem was man als 100% nimmt 14,3 oder 15,3 % Ladeverluste. Er verbraucht also nicht 13,5 kWh sondern 15,5 kWh/100 km. Puhhh, das ist schon deftig! 10% habe ich erwartet, und die 15% von denen ich schon gelesen habe eher als übertrieben erachtet. Glauben tu ich ja immer nur das, was ich selbst ermittelt, berechnet oder sonst wie durch eigene Erfahrung herausgefunden habe.
Dann rechne ich mal meine Situation nach:
Mein jetziges Auto verbraucht pro 100 km 5,5 Liter Benzin. Wobei er in den letzten 2 Jahren eher zu 5,7 Litern tendiert, er wird halt älter. 5,5 Liter, 15.000 km im Jahr, 1,35 Euro/Liter macht 1100 Euro im Jahr. Meiner Einschätzung nach sollten wir mit dem Ioniq mit 15 kWh am Zähler plus Winterbetrieb, sagen wir mal mit 16 kWh hinkommen. 16 kWh, 15000 km und 28 Cent (Naturstrom) ergibt 670 Euro Stromkosten. Immerhin, gute 400 Euro gespart, der Punkt geht an den Ioniq trotz der für mich zuächst erschreckenden Ladeverluste.
Gestern habe wir dann noch überlegt, wie wir die 100 km unterbringen, die wir weg lassen mussten. Wir müssen den Ioniq wieder abgeben, und dafür brauchen wir 90 km Reichweite. Ich habe bei einem Telefongespräch, etwa 2 Wochen vor der Vermietung erfahren, dass Ladekarten im Auto sind. Leider ist das nicht so. Ich rufe dort an. Nein, Ladekarten gibt es keine, ich könne es aber an einer EnBW-Säule mit der Kreditkarte versuchen. Toll! und was mache ich, wenn das nicht geht? Das mit den Ladekarten war wohl ein Missverständnis, Ladekarte und Ladekabel hört sich ja ähnlich an. Ich soll, darum wurde ich gebeten, aber nicht mit leerem Akku zur Abgabe kommen.
Wir stehen also am dritten Tag früh auf, spulen unsere 100 km Fahrt ab, und haben dann noch 4 Stunden Zeit um den Akku nachzuladen. So kann ich das Auto mit mindestens 50 km Reichweite abgeben, und auf der Autobahn Karlsruhe Stuttgart noch mal ein bischen Gas geben um zu sehen, wie er die Steigungen und Gefälle meistert.
Die Fahrt am frühen Vormittag geht nach Frankreich, dort kaufen wir gelegentlich ein. Der Ioniq muss jetzt 240 kg Wasser transportieren. Das Gewicht spürt man am Fahrverhalten, das etwas schwammig wird, aber beim Beschleunigen und elektrisch abbremsen merkt man davon nichts. Der Stromverbrauch steigt unter dem höheren Gewicht auch nicht an. Der Kofferraum ist mit den umgelegten Rücksitzlehnen nicht optimal, weil nicht flach, aber für uns vollkommend ausreichend. Unser Honda hat nur einen normalen Kofferraum, und da ist der Ioniq echter Luxus. Es fällt mir aber auch auf, dass der Kofferraumboden recht hoch ist, und so die Höhe des Laderaums etwas mager ausfällt. Da der Ioniq nicht als Kombi angeboten wird ist hier eine echte Kritik nicht angebracht.
Auf der Landstraße mit vielen LKW nervt mich allerdings Heute der Tempomat. Die Fahrzeugschlange fährt sehr gleichmäßig mit 70 bis 80 km/h, der Abstandregler des Ioniq reagiert aber etwas nervös. Man sieht es nicht am Tacho, aber man spürt, dass er sehr oft leicht beschleunigt und gleich wieder leicht verzögert. Er nimmt es wohl mit dem Abstand halten etwas zu genau, und ich stelle den Tempomaten neu ein. Mit etwas mehr Abstand und einen Kilometer langsamer als die Fahrzeuge vor mir klappt es dann besser. Ich nutze also den Tempomaten so, wie an meinem jetzigen Auto indem ich selbst etwas nachregle. Wenn der Abstand zu groß wird tippe ich ein oder 2 km/h hoch, das Gas weg nehmen übernimmt dann der Ioniq wenn die Schlange vor mir langsamer wird. Ich muss zwar jetzt selbst gelegentlich eingreifen, aber dafür fährt das Auto gleichmäßiger und verändert nicht ständig die Leistung. Trotzdem, das sind Feinheiten die nicht jeden stören, und die man mit ein bischen Softwarepflege auch noch verbessern kann. Auch mit dem Spuhalteassistenten bin ich nicht so glücklich. Er drückt auf der Landstraße ständig gegen das Lenkrad und will weiter links fahren, aber ich halte mich gerne rechts und nicht an der Mittellinie. Den Spurhalteassistent würde ich nur in der mittleren Stufe als Warner nutzen, aber nicht aktiv um die Spur zu halten. Trotzdem ist er hilfreich, wenn mal mal ein bischen unaufmerksam ist.
Der Sound der Anlage ist ok, aber ich bin besseres gewohnt. Hier fehlt der Kofferraum, der den den hinteren Lautsprechern ein schönes Volumen verleiht. Der Klang ist ok, aber nicht berauschend. Auf Berauschendes soll man ja beim Fahren ohnehin verzichten.
Am frühen Nachmittag fahren wir dann mit 3/4 vollem Akku nach Stuttgart um ihn abzugeben. Bis Pforzheim sind nur 120 erlaubt und es herrscht dichter Verkehr. Dann ein 7 km langer Stau. Auch hier ist der Tempomat wieder Gold wert. Wir tuckern mit 5 bis 20 km/h und ich muss nur lenken. Ich kann mich unterhalten ohne ständig auf den Vordermann zu glotzen, und genieße die Freiheit rechts und links Landschaft und außergewöhnliche Autos zu beobachten. Ganz besonders schön ist es bergab, wo man sonst ständig auf der Bremse rumlatscht, macht die Rekuperation alles ganz alleine. Endlich dann wieder freie Fahrt, und ich kann mit dem Daimler vor mir, der jetzt Gas gibt locker mithalten.Ich frage mich, was der Passatfahrer hinter mir denkt, als ich mit über 160 durchziehe, und an einem Gefälle sogar auf 180 (nach Tacho) komme. Dass ich ein Elektroauto fahre kann man wegen der Werbung ja nicht übersehen. In Stuttgart angekommen liegt der Verbrauch dann bei 14 kWh/100 km. Für diese Strecke ein wirklich guter Wert, und ich habe keine Rücksicht auf den Verbrauch genommen.
Der Abschied vom Ioniq nach 3 Tagen fällt mir schwer, aber ich habe meine Frau überzeugt. "Das wird unser nächstes Auto" sagt sie, "nur ein bischen mehr Reichweite sollte er noch haben."
Alles in Allem:
Ich bin Mittelklasseautos gewöhnt, fahre zügig aber im Rahmen dessen sparsam, weil ich weiß wie man Verbrennermotoren behandeln muss. Seit 11 Jahren fahre ich einen Honda Civic Hybrid, in der Firma gelegentlich Geschäftsautos von Daimler, Audi, VW, Landrover oder unseren kleinen Clio. In der Familie gibt es noch Toyota, Kia und Seat. SUVs kann ich perönlich gar nicht leiden, ich finde sie schrecklich. Wenn schon Power, dann in einem sportlichen Auto und nicht in einer LKW ähnlichen Schaukelkiste. Der Ioniq ist für mich ein tolles Auto. Er hat Spielzeuge wie den Spurhalteassistenten oder den Abstandsregeltempomat die man nicht undedingt braucht, die aber gut zu gebrauchen sind. Er ist dem Kia Ceed meines Sohnes sehr ähnlich. Bedienung und Fahrverhalten sind fast identisch, da merkt man, dass es der gleiche Konzern ist. Aber Autos werden sich ohnehin immer ähnlicher.
Die Geräuschkulisse ist eine Andere, aber da ich ohnehin schon Hybrid fahre ist der Ioniq bei gediegener Fahrweise nicht wirklich leiser. Im Vergleich zu einem Diesel dieser Fahrzeugklasse aber wesentlich angenehmer. Die Reifenabrollgeräusche sind recht laut, für diese Fahrzeugklasse aber normal. Die Beschleunigung ist genial! Mit nur 88 kW liegt er wohl so im unteren Durchschnitt der Mittelklasse, aber die haben keine Chance. Ich bin meistens im ÖKO-Modus gefahren, und das reicht locker um zügig voran zu kommen. Der Sport-Modus war mir sogar zu aggresiv, da wird man ja ständig zum Rasen animiert. Was besonders auffällt, ist die extrem spontane Reaktion auf das Fahrpedal. Keine Verzögerung durch Runterschalten wie beim Automatik-Verbrenner, keine Wartezeit beim Anfahren bis die Rußkiste da voren auf Drehzahl ist. Der Wechsel von Vorwärts nach Rückwärts und umgekehrt, geht so schnell, dass man zuerst mal einen Schreck bekommt, ich hab noch nie so schnell gewendet.
Die Paddels für die Reku haben mir gut gefallen, ich hatte aber ein Problem: Wenn man sie beim Abbiegen benutzt sind sie nicht mehr erreichbar, fest stehend an der Lenksäule wären sie mir lieber. Mir würde auch ein Paddel besser gefallen. Ziehen = mehr bremsen, drücken = weniger bremsen. Ich hab nämlich selten 2 Hände am Lenkrad. Und, was mich besonders gestört hat, sie sollten auch den Tempomaten abschalten. Kurz am Paddel ziehen, und der Tempomat geht aus und die Reku an, oder er rollt.
Mit dem segeln ohne Reku hatte ich Probleme. So weit vorausschauend zu fahren ist man nicht gewohnt. Bergab wird er dann ja noch schneller! Dafür müsste ich wohl einige Zeit E-Auto fahren. Genau so schwierig ist es mit Reku Stufe 3 zu fahren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und ich gehe automatisch ganz vom Gas, wenn ich auf eine Kreuzung oder eine Linksabbiegespur zu fahre. Also auch das ist dann Übungssache!
Zum Schluss werden sich jetzt einige Fragen, wie ich mich jetzt auf dieses Auto festlegen kann, wo es doch auch noch Golf, Zoe, BMW, Modell 3 und Leaf gibt, die in einer ähnlichen Preisliga spielen. Ich will eine klassische Limousine, das ist halt leider Geschmacksache, darüber kann man nicht diskutieren. Wenn ich mir ein neues Auto kaufe, sollte es meinem Geschmack und meinen Anforderungen genügen. Ich fahre mit dem Auto mindestens 10 Jahre, eher länger, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die alle 3 Jahre was neues brauchen und ich gebe mein Geld ungern fürs Auto aus. Ein neues Auto muss also passen, sonst kann ich den Alten behalten und reparieren bis ans Ende aller Tage. Einen Tesla kann und will ich mir beim besten Willen nicht leisten, wobei das Model S durchaus meinen Vorstellungen entsprechen würde. Und ob Modell 3 was wäre, kann ich erst entscheiden wenn ich drin gesessen bin. Ob das aber in 2 oder 3 Jahren für 30.000 Euro zu haben sein wird bezweifle ich. Alle Anderen entspechen also nicht meinem Geschmack, wobei der neue Leaf ja noch in mein Beuteschema passen könnte, je nachdem wie er dann aussieht. Ein VW, auch wenn der Golf einer klassischen Limousine recht nahe kommt, kann gar nicht so gut sein, dass ich mir einen kaufe! VW ist für mich gestorben.

Gruß
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon SL4E » Fr 28. Jul 2017, 23:30

Also ich bin bei der Hälfte des Textes ausgestiegen ... Du solltest ein Buch schreiben :shock:
Lieber jetzt elektrisch fahren, als noch länger warten!
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon Karlsson » Fr 28. Jul 2017, 23:53

Also ein Ioniq soll es dann wohl werden per Ausschlußprinzip. Klingt soweit schlüssig, wenn auch mehr ergründet als Liebesheirat. Ich hab den Eindruck, dass Du Dich ein bisschen sehr mit Fahrzeugdetails beschäftigst...einfach den Wagen nehmen wie er ist, das meiste ist doch Gewöhnungssache und man kann sich damit arrangieren.
Für einen richtig guten Kauf kam für mich in dem Text die Enttäuschung über die Reichweite etwas oft vor. Aber das musst Du ja selbst bewerten, ob Dir das so langt. Ist sicher kein schlechtes Auto.
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon corwin42 » Sa 29. Jul 2017, 06:58

Sehr schöner Bericht, wenn auch etwas lang.

Vielleicht kann jemand, der einen Ioniq schon hat etwas zu den Ladeverlusten sagen. Du hast ja vermutlich über Schuko geladen. Sind die Ladeverluste über eine Wallbox mit 3,7kW evtl. geringer?

Da Du schon bei Naturstrom bist, gäbe es noch eine Kostenreduzierungsmöglichkeit. Bei Naturstrom kann man Werbeaufkleber anfordern, durch die man bis zu 150€ pro Jahr an Stromkosten sparen kann. Ich habe lange überlegt, ob ich das machen will und habe mich dafür entschieden, dass ich das mal probieren werde. Ich finde es durchaus OK, zu zeigen, dass man ein eAuto fährt. Ist natürlich nicht jedermann Sache mit so einer Werbung rumzufahren.

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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon Wiese » Sa 29. Jul 2017, 08:03

SL4E hat geschrieben:
Also ich bin bei der Hälfte des Textes ausgestiegen ... Du solltest ein Buch schreiben :shock:


Das ist ein Problem unserer kurzlebigen Zeit. Was nicht auf einen Smartphone-Bildschirm passt ist zu viel.
Schade, wenn man sich seine Informationen, die ja auch der Meinungsbildung dienen, nur im Bildzeitungsformat einverleibt.

Gruß
Peter
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon wp-qwertz » Sa 29. Jul 2017, 08:09

Wiese hat geschrieben:
Das ist ein Problem unserer kurzlebigen Zeit. Was nicht auf einen Smartphone-Bildschirm passt ist zu viel.
...
Gruß
Peter


ja, damit hast du sicherlich recht :!:
auch ich bin nach einem drittel ausgestiegen. liegt nicht nur an der länge, sondern auch an den zu vielen, kleinen details und an der form des textes, finde ich. zu viel ohne absätze und luft :D

aber völlig unabhängig davon habe ich deine quntessenz gelesen und will dir/ euch mitteilen: :hurra: :tanzen: :clap: :applaus:
werde naturstrom.de kunde: http://links.naturstrom.de/lm4j und tu gutes: die "Andheri-Hilfe Bonn e.V." bekommt den wechselbonus.
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon Wiese » Sa 29. Jul 2017, 08:11

Karlsson hat geschrieben:
...
Für einen richtig guten Kauf kam für mich in dem Text die Enttäuschung über die Reichweite etwas oft vor. Aber das musst Du ja selbst bewerten, ob Dir das so langt. Ist sicher kein schlechtes Auto.


Ja, die Reichweite ist ein Problem. Ich hoffe, dass das nächste Modell ab 2018 300 km Alltagsreichweite hat. Für mich ist das aber ein Kompromiss, den ich akzeptiere.

Und ja, ein Autokauf verbindet bei mir wenig mit Emotionen. Hier geht es mehr um das sauer verdiente Geld, das ich dafür ausgeben muss.Ich kauf mir auch kein Müsli das mir nicht schmeckt.

Gruß
Peter
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon Wiese » Sa 29. Jul 2017, 08:15

corwin42 hat geschrieben:
Sehr schöner Bericht, wenn auch etwas lang.

Da Du schon bei Naturstrom bist, gäbe es noch eine Kostenreduzierungsmöglichkeit. Bei Naturstrom kann man Werbeaufkleber anfordern, durch die man bis zu 150€ pro Jahr an Stromkosten sparen kann.

Gesendet von meinem Nexus 5 mit Tapatalk


Eine gute Idee, danke für den Tipp. Für Naturstrom mach ich auch nen Aufkleber aufs Auto.
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon mlie » Sa 29. Jul 2017, 10:46

Vielen Dank für den Bericht. Endlich mal was lesenswertes, vernünftiger Text, Groß/Kleinschreibung, mehr als 4 Wörter pro Satz... Die meisten Texte heutzutage sind ja offensichtlich nur für Leute geschrieben, die nur noch 3 Sätze hintereinander geistig fassen können. Die erkennt man daran, dass nach mehr als 3 Sätzen TLDR geschrieben wird. Zu langen Text gibt es nicht, nur Leute, die nicht mehr lesen können.
Gut, ein paar Absätze hättest du gerne noch einfügen können. Aber ansonsten endlich mal weg von dem hier immer mehr Einzug erhaltenenden Kiddiechatniveau mit Dauerkleinschreibung, 1Satz-Beiträgen und Leuten, die zu faul zum Suchen sind und lieber zum 100. Mal dieselbe Frage stellen und das Forum als persönliche Suchmaschine missbrauchen.

Es ist doch schön, dass ihr grundsätzlich Zufrieden seit, wenn es dann das Ionic Upgrade mit praxistauglicher Reichweite als Einzigfahrzeug gibt, dann habt ihr doch einen guten Wurf gemacht und hoffentlich die nächsten 10 Jahre mindestens Ruhe.
Die Akkus haben sich in letzter Zeit ja eher als unkaputtbar erwiesen, das wird bei Hyundai nicht schlechter sein. Jedenfalls ist der gern genommene Einwand, dass man alle 4 Jahre einen neuen Akku braucht, von wenigen Problemfällen, z.B. Fluence oder den Leaf1 abgesehen, ja recht haltlos. Leaf2 und env200 haben neue Zellchemie, da gibt es keine großen Probleme und die Hauptprobleme kamen wohl beim Leaf1 von zu großer Hitze.
Wenn man das weiß, kann man ja ein wenig Gegenlenken und das Auto nicht unbedingt ohne Not in der Mittagssonne parken. Denn auch Hyundai kann nicht zaubern.

Was deine Ladeverluste angeht, so kommt wohl ein guter Anteil vom Balancing, wenn du eine Ladeschaltung zu Hause nimmst, die bei weniger als 70% Ladeleistung bezogen auf den Anfangswert die Ladung beendet, dürfte deutlich weniger Energie durch die Leitung gehen. Oder eben tagsüber an PV laden, da ist der Zusatzbedarf egal.

Du solltest dann auf jeden Fall einen Blog eröffnen, da hast du dann auch Platz für längere Texte und vernünftig platzierte Bilder.
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Bevor man den 200. Tröt zu einem längst ausdiskutierten Sachverhalt aufmacht, IMMER erstmal die Suche benutzen. Es gibt in diesem Forum KEIN Elektroautothema, welches nicht schon längst abschliessend diskutiert wurde!
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Re: Meine Entscheidung

Beitragvon acurus » Sa 29. Jul 2017, 10:57

mlie hat geschrieben:
Du solltest dann auf jeden Fall einen Blog eröffnen, da hast du dann auch Platz für längere Texte und vernünftig platzierte Bilder.


...und wenn einem das zu viel Aufwand ist würde ich solche Texte auch bei mir ins Blog aufnehmen, als Beitrag von einem Gastautor :)
Eine andere Meinung ist kein persönlicher Angriff, und kein Fahrzeug ist das einzig wahre und optimale Fahrzeug!

Unser Blog zur Elektromobilität im Allgemeinen und zum e-Golf im Besonderen: https://1.21-gigawatt.net
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