Alltags Hypermiling Risiken?

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Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Achenar » Sa 17. Mär 2018, 14:04

Es geht nicht um Rekordversuche oder Wettbewerbe, sondern um möglichst sparsames Alltagsfahren.
Ich weiß auch, dass es viele Gegner eines solchen Fahrstils gibt... :D

Als Nebenthema in einem Thread tauchte die Frage nach Risiken beim truck surfing auf der AB auf (mit z.B. 90 oder 95 km/h). Natürlich sollte man dabei auf der Suche nach Windschatten nicht den Sicherheitsabstand unterschreiten.

In einem Beitrag wurde behauptet, dass LKW einen kürzeren Bremsweg als PKW hätten, aufgrund höherer Masse und dadurch größerer Reibung. Wenn man allerdings entsprechende Werte in einen einschlägigen Rechner eingibt, z.B. hier:
http://www.internetratgeber-recht.de/Ve ... emsweg.htm
ergeben sich für LKW durchweg längere Bremswege.

Das würde bedeuten, dass Risiken eher durch von hinten auffahrende LKW drohen.
Wie sind da eure praktischen Erfahrungen?
Gruß Achenar

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Beitragvon eow » Sa 17. Mär 2018, 14:30

Diejenigen, die "praktische Erfahrungen" mit einem von hinten auffahrenden LKW gemacht haben, sind wahrscheinlich nicht mehr aktiv - weder im Forum noch sonst wo.

Es gibt ja auch LKW mit guten Bremsen aber müden Fahrern. Leider ist man mit vielen aktuellen e-Autos gezwungen, auf der rechten Spur mitzuschwimmen statt in der mittleren. Ich mache das nicht aus sportlichen Gründen (Hypermiling), sondern wenn aufgrund der Entfernung nicht anders geht und behalte den Rückspiegel im Blick. Toll fühlt sich das nicht an. Ich habe aber auch keine Statistik über das Unfallrisiko auf Autobahnen nach Fahrspuren aufgeschlüsselt.
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Helfried » Sa 17. Mär 2018, 14:39

Achenar hat geschrieben:
Risiken eher durch von hinten auffahrende LKW drohen.
Wie sind da eure praktischen Erfahrungen?


Mal ehrlich, diese Leute mit Praxis von LKW von hinten werden hier wohl nicht mehr viel schreiben wollen oder können.
omg :)
Edit: Ups, steht eh schon da, zu langsam...

Windschattenfahren muss stets hinter einem LKW stattfinden, niemals vor einem!
Windschattenfahren würde ich nur mit Autos mit gutem Abstandstempomat machen (Ioniq), denn die geringste Verzögerung, die dieser macht, reißt einem aus etwaigen unaufmerksamen Phasen. Sonst ist es zu gefährlich.
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon iOnier » So 18. Mär 2018, 00:38

Helfried hat geschrieben:
Windschattenfahren muss stets hinter einem LKW stattfinden, niemals vor einem!

Auf der AB gilt: hinter dem LKW ist vor dem LKW!
Gruß
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon DeJay58 » So 18. Mär 2018, 01:01

LKW bremsen ca. gleich gut wie PKW. Da braucht man keinen Rechner, das kann man testen. Aber auf das kommt es nicht an. Ihr vergesst eure Reaktionszeit von rund einer Sekunde oder knapp darunter.
Wenn der LKW mit rund 1g verzögert, dann fällst Du quasi wie im freien Fall auf das tödliche Heck des Lastwagens zu für eine Sekunde. Bis Du zu bremsen beginnst ist bereits ein Geschwindigkeitsunterschied von 30-40 km/h vorhanden. Das kannst Du auch mit einem viel besser bremsenden Auto nicht mehr aufholen, zumal Du jetzt vermutlich ohnehin schon unter dem LKW hängst.
Und genau aus dem Grund wird es sogar mit den 2s Sicherheitsabstand (halber Tacho) schon relativ knapp.
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Achenar » Di 20. Mär 2018, 22:00

DeJay58 hat geschrieben:
LKW bremsen ca. gleich gut wie PKW. ....
Und genau aus dem Grund wird es sogar mit den 2s Sicherheitsabstand (halber Tacho) schon relativ knapp.

Danke für den Kommentar. Tatsächlich halten wir nach Möglichkeit mehr als „halber Tacho“ Abstand (deswegen sagte ich ja: Windschatten kann nicht das Ziel sein.).
Natürlich kann es nicht nur zwischen, sondern auch neben LKW ungemütlich werden, z.B. im Spray bei Regen, oder wenn Blinker gesetzt wird, wenn man gerade selber überholt. Wir haben beim Kolonne fahren auf der rechten Spur bisher noch keine wirklich brenzligen Situationen erleben müssen.
Gruß Achenar

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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Monkeyhead » Do 22. Mär 2018, 08:08

DeJay58 hat geschrieben:
Wenn der LKW mit rund 1g verzögert, dann fällst Du quasi wie im freien Fall auf das tödliche Heck des Lastwagens zu für eine Sekunde. Bis Du zu bremsen beginnst ist bereits ein Geschwindigkeitsunterschied von 30-40 km/h vorhanden. Das kannst Du auch mit einem viel besser bremsenden Auto nicht mehr aufholen, zumal Du jetzt vermutlich ohnehin schon unter dem LKW hängst.
Und genau aus dem Grund wird es sogar mit den 2s Sicherheitsabstand (halber Tacho) schon relativ knapp.

Ich will hier nicht für eine riskante Fahrweise plädieren, aber das was du schreibst ist nicht korrekt:

Ja, der frühere Bremseinsatz des LKW führt zu einer während des gesamten Bremsvorgangs vorherrschenden Geschwindigkeitsdifferenz von 1 s * 10 m/s² (wie von dir beschrieben). Das heißt aber nicht, dass ich den LKW dann schon eingeholt habe. Vielmehr "falle" ich auf den LKW für 1 s zu und reduziere dann meine Geschwindigkeit ebenfalls mit 10 m/s². Ich bewege mich also ab dann mit einer konstanten Geschwindigkeit auf den LKW zu. Irgendwann kommt dieser zum stehen und ich bremse noch 1 s herunter. In diesem Intervall ist auch die Geschwindigkeitsdifferenz wieder ein klassischer Bremsvorgang.

Der Abstand ist dann das Integral über der Relativgeschwindigkeit: Es geht mit dem vorher gefahrenen Sicherheitsabstand bei irgendeiner Geschwindigkeit los, also im schlechtesten Fall eine Sekunde: s_0=1 s * 25 m/s = 25 m.

In der ersten Phase reduziert sich dieser Abstand durch "freien Fall" um s = 1/2 * a * t² = 1/2 * 10 m/s² * (1 s)² = 5 m
In der zweiten Phase beträgt Fahre ich mit 10 m/s auf den LKW zu bis dieser steht, also s = v * t = 10 m/s * (15 m/s / 10 m/s²) = 15 m.
In der letzten Phase kann wieder die einfache Beschleunigung angenommen werden, da wir auf 0 bremsen: s = 1/2 * a * t² = 1/2 * 10 m/s² * (1 s)² = 5 m

Insgesamt sind wir bei dem vorher angenommenen Abstand von 25 Metern und der Abstand ist eine monoton fallende Funktion. Wir "überholen" den LKW also zu keinem Zeitpunkt und crashen also nicht in ihn hinein. Ich betone noch einmal, dass es mir hier um die reine Rechnung ging und nicht um die Praxis, in der natürlich nicht garantiert werden kann, dass innerhalb einer Sekunde reagiert wird und die Bremsbeschleunigung gleichwertig ist. Aber das was DeJay58 geschrieben hat ist so nicht richtig.
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon DeJay58 » Do 22. Mär 2018, 08:16

Ja, Du hast vollkommen recht! Wollte es nicht zu kompliziert schreiben.
In der Praxis kommen halt noch andre Dinge dazu wie dass viele keine optimale Vollbremsung machen etc.
Von Versuchen kenne ich es halt, dass die meisten es nicht schaffen mit ihrem gefahrenen Abstand rechtzeitig anzuhalten. Jedenfalls hinter PKW. Mit LKW kenn ich den Versuch nicht.
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Alex1 » Do 22. Mär 2018, 14:38

So ist es, Monkeyhead!

Gleiche Bremsverzögerung vorausgesetzt hast Du den gleichen Bremsweg wie der Laster vor Dir. Der Sicherheitsabstand ist also nur da, um die Reaktionszeit auszugleichen. In einem Simulator, wenn man also vorbereitet ist, kommt man auf 0,2 Sekunden Reaktionszeit, unvorbereitet etwa auf eine Sekunde. Die Verdoppelung, also die weitere Sekunde, ist dann der Zuschlag für die Unaufmerksamkeit (Radio, Navi, Handy...).

Das alles natürlich nur bei gleicher Bremsverzögerung. Die optimale Bremsverzögerung lernt man in einem Sicherheitstraining, das Jedem absolut anzuraten ist. Erst recht uns Erfahrenen, die wir ja - hoffentlich - seit Jahrzehnten keine Risikoerlebnisse mit Schleudern oder so erleben mussten. Berufsgenossenschaften zahlen verschieden hohe Zuschüsse, auch Krankenkassen, Versicherungen etc. Alle natürlich aus rein egoistischen Gründen: Ein Unfall kann teurer kommen als 1.000 Sicherheitstrainings :D

Windschatten mit 2 sec Abstand bringt immerhin 5-10% Ersparnis. Haben die Mythbusters herausgefunden.

Und noch was zum Realitätscheck: Schaut Euch die Abstände auf den linken Spuren an. Da sind 2 sec die Ausnahme. Selbst 1 sec ist nicht unüblich. 0,2 sec ist auch oft zu beobachten (5 m).

Fazit: Immer damit rechnen, dass der Vordermann vollbremst. Und wenn hintendran ein Lkw droht, immer die Exitstrategie bereit haben (rechts oder links vorbei). Und das gilt erst recht auf den linken Spuren. Die Autos sind zwar leichter, aber mehr als dopptelt so schnell wie die Laster. Energie geht ja bekanntlich mit der Geschiwindigkeit im Quadrat.
Herzliche Grüße
Alex
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Re: Alltags Hypermiling Risiken?

Beitragvon Tho » Do 22. Mär 2018, 14:46

Die größte Gefahr, dass ein LKW auffährt droht sowieso bei Stau. :roll:
Renault Zoe Zen Q210 + Intens R90, S-Pedelec Grace MX,Tesla Model ≡ reserviert
PV, Speicher zu Hause + Bürger Energie Drebach eG http://www.buerger-energie-drebach.de
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