Produktphilosophie und Werbung

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Produktphilosophie und Werbung

Beitragvon Turbothomas » Fr 17. Jun 2016, 07:08

Ausgehend von der Aussage "Ich hab schon beim i3 mit 94Ah kurz nachgedacht, die Zoe zu verkaufen und dafür den i3 zu nehmen. Kann ich also unterschreiben. Renault ist keine Marke, der man die Treue hält, weil es eine tolle Marke ist. Wenn sie nicht kontinuierlich gute Autos bauen, die den Rest drumherum vergessen lassen, wars das mit der Kundenbeziehung."

habe ich meine letzten Automobilentscheidungen hinterfragt und kam zu folgendem Ergebnis:

Die Kernaufgabe (was für ein obszönes abgedroschenes Wort) eines Autos ist der Transport von Personen und Waren von A nach B.
Was gut ist/war und manche Hersteller von anderen unterscheidet sind z.B.
- das fahrerbezogene Armaturenbrett (BMW, Warum wurde das Aufgegeben?),
- der "Ingenieuershebel" von Mercedes (Blinker und Scheibenwischer in einem Hebel links am Lenkrad),
- gute Fahrwerke (bei denen die Autos beim Wedeln nicht umfallen),
- Allradantrieb (quattro war gut Tesla ist besser)
- preisgünstige Unterhaltskosten (ich will nicht entscheiden müssen, tanke ich heute Abend oder kaufe ich mir was zu Essen)
- AC-Ladung in einer Stunde (max, DC ist hier eindeutig zu teuer egal in welcher Ausprägung)
- kein fahrendes Infotainmentsystem dessen einziger Zweck es ist, mich auszuspionieren
- Türen, die sich einzeln öffnen lassen
- kein Stadtauto, dass 9h lädt aber einen 170PS-Motor hat (vollkommen sinnfrei)
- Fahrdarstellungen ala Timm Schrick (Wer driftet schon im Alltagsleben durch jede Kurve, vollkommen sinnfrei, stößt mich eher ab so ein Fahrzeug zu kaufen)
- guter und preiswerter Ersatzteilservice - nach Möglichkeit mit Übernacht-Lieferung von Teilen (auch Karosserie) - und das auch noch nach bis zu 10 Jahren oder darüberhinaus (Vorbild sind MB und Porsche)
- Fortschritt im eigentlichen Sinn (eine Verringerung von Ladeleistung als Fortschritt zu verkaufen geht gar nicht, außer man kann zwei 16,5kW-Ladesystem einbauen lassen)
- keine Aufrüstung von zugekauften Ladesystemen (wenn es im Original möglich ist (MB B-Klasse und Tesla); Stichwort Ladetuning)
- Design folgt der Funktion
- kein unverständliches DEnglisch-Kauderwelsch

Vergleiche ich meine Anforderungen mit den Werbeaussagen der Hersteller, darf ich für mich ernüchternd feststellen, dass meine primäre Lektüre beim Fzg-Kauf immer erst die technischen Daten und die Preisliste sind. Der Rest bleibt im Regal beim Händler liegen.

Das hat Auswirkungen - auch in andere Bereiche. Jedes elektrische Gerät, dass ohne Stromverbrauchsangabe und Energielabel beworben wird, wird gar nicht weiter in Augenschein genommen (egal ob Vor-Ort-Händler oder Internet). Alle Geräte müssen ausnahmslos ohne Internetzugang funktionieren (Wer verkabel schon seine Wohnung mit 230V neu, nur damit die elektrischen Jalousien funktionieren). Produktwerbung mit SM (SocialMedia nicht SadoMaso - obwohl für mich hier der Unterschied nicht ganz klar ist: Prostitution und Selbstgeißelung) ist ebenfalls eher ein Kaufhinderungsgrund.

Werde ich zu alt für diese neue Welt oder regiert hier eher die Vernunft?
Ciao
Thomas
- Standard AC43kW-Normalladung für alle!
- Wer DC-Lader (CCS) kauft unterstützt die Abzocke zukünftiger E-Mobilisten (wie bei Benzin und Diesel)

SMART... = Spionage => zurück zu "Finger weg von meine Daten!"
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Re: Produktphilosophie und Werbung

Beitragvon Michael_Ohl » Fr 17. Jun 2016, 07:59

Spätestens nach Vollendung des 8ten Lebensjahres sollte man gelernt haben, das Werbung nur das Bauchgefühl anspricht, nahezu beliebig austauschbar ist und mit dem beworbenen Produkt nichts zu tun hat und daher nicht relevant ist. In Zeiten guter Verfügbarkeit des Internet gibt es aber inzwischen recht brauchbare Möglichkeiten sich wirklich zu informieren. Werbung ist bestenfalls brauchbar um zu wissen das es ein Produkt gibt und zwischen den Zeilen aus dem was nicht gesagt wird die Nachteile zu erahnen.

mfg
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Re: Produktphilosophie und Werbung

Beitragvon i300 » Fr 17. Jun 2016, 08:03

Es gibt auch nen Stammtisch-Fred :klugs:
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Re: Produktphilosophie und Werbung

Beitragvon Joe-Hotzi » Fr 17. Jun 2016, 09:29

Ist durchaus interessant, was Du hier ansprichst, Ich picke mal ein paar Punkte raus und mache dazu meine Anmerkungen.

Turbothomas hat geschrieben:
- AC-Ladung in einer Stunde

Das entspräche einer durchschnittlichen (anfangs also sogar höher) Belastung von 1C für den Akku und ist zwar technisch (siehe ältere Renault Zoe), aber spätestens mit Akkugrößen > 40kWh nicht mehr wirtschaftlich realisierbar, denn lt. älteren Studien liegt der Schnittpunkt der Wirtschaftlichkeit AC onBoard gegenüber DC Lader in der Säule (in Europa mit seinem Drehstromnetz) bei oberhalb etwa 50kW. Die derzeitigen DC-Lader sind (Tesla SC ausgenommen) also unterstes wirtschaftliches Minimium - in der Praxis ist durch die geringen Stückzahlen noch nicht einmal dies belegbar.

Für mich ist es wichtig, an AC in der Fläche mit vielen verfügbaren Ladepunkten mindestens so schnell laden zu können, wie man die Energie verfährt. Denn erst dann verliert der e-mobile Spruch aus der Anfangszeit "Wer schneller fährt kommt später an" auf Langstrecke seine Berechtigung. Das DC-Schnellladenetz mit hoher Ladeleistung ist an Autobahnen sicher sehr sinnvoll. In die Fläche gehören AC 43kW als kommerzielle Ladesäulen und "Schnarchlader" mit 3,6-11kW" in großer Zahl an allen Anhaltepunkten wie Supermärkten, Parkhäusern, Restaurantparkplätzen, ...

Turbothomas hat geschrieben:
- kein fahrendes Infotainmentsystem dessen einziger Zweck es ist, mich auszuspionieren

Volle Zustimmung!
Bei den heutigen Speichergrößen und Preisen kann ich Musik für Wochen offline mitführen ohne die Notwendigkeit von "Streaming" und Online-Spionage. Was hier als Fortschritt beworben wird, dient einzig dem Anbieter - nicht dem Kunden.

Turbothomas hat geschrieben:
- Fortschritt im eigentlichen Sinn (eine Verringerung von Ladeleistung als Fortschritt zu verkaufen geht gar nicht, außer man kann zwei 16,5kW-Ladesystem einbauen lassen)

Volle Zustimmung!
Hier handelt Tesla - ohne Notwendigkeit - eindeutig gegen die Kundeninteressen! Denn es ist nicht nur die Ladedauer, die sich verlängert. Bei zeitbezogener Abrechnung steigen die Kosten, da man die angebotenen 22kW nicht mehr voll nutzen kann - aber bezahlen muss. Außerdem sind 22kW wohl etwa der Durchschnittsverbauch beim Tesla - siehe oben ...

Turbothomas hat geschrieben:
- keine Aufrüstung von zugekauften Ladesystemen (wenn es im Original möglich ist (MB B-Klasse und Tesla); Stichwort Ladetuning)

??? :?

Ich hielte sowohl eine Möglichkeit der Freischaltung der SC-Nutzung für die Tesla-MB-B-Class electric für sehr sinnvoll, ebenso Umbaumöglichkeiten ala Kreisel. Wobei es natürlich sinnvoller (und preiswerter /wirtschaftlicher) wäre, 11kW /22kW Drehstromlader AC onBoard (zumindest ab einer Akkugröße etwa 20kWh) als Standard gesetzlich vorzuschreiben. Wird durch die notwendigen Stückzahlen deutlich preiswerter und entlastet duch kürzere Ladezeiten ja auch die notwendige kommerzielle Ladeinfrastruktur ...

Turbothomas hat geschrieben:
Vergleiche ich meine Anforderungen mit den Werbeaussagen der Hersteller, darf ich für mich ernüchternd feststellen, dass meine primäre Lektüre beim Fzg-Kauf immer erst die technischen Daten und die Preisliste sind. ... Jedes elektrische Gerät, dass ohne Stromverbrauchsangabe und Energielabel beworben wird, wird gar nicht weiter in Augenschein genommen (egal ob Vor-Ort-Händler oder Internet). Alle Geräte müssen ausnahmslos ohne Internetzugang funktionieren ...

Auch ich bewerte diese Punkte ähnlich. Für mich bspw. ein wichtiger Entscheidungsgrund, statt gebrauchtem "Drilling" (3,3kW AC) meinen Stromos mit 10kW Drehstromlader zu kaufen ...

Ich habe nichts gegen online-Anbindung. Aber sie sollte optional, abschaltbar und keinesfalls für die Funktion des Produktes notwendig sein. Denn dies schafft unnötige Abhängigkeit und ein problemlos herstellerseitig beeinflussbares Verfallsdatum für das Produkt ...
Hotzenblitz fahren macht Spaß!
Stromos aber auch!
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Re: Produktphilosophie und Werbung

Beitragvon eDEVIL » Fr 17. Jun 2016, 11:05

Bei Röno habe ich den Eindruck, dass die nur aus Versehen so ein brauchabres Produkt zusammen gebastelt haben.

43KW AC hatte in DE lange das Potential zum echten Alleinstellungsmerkmal mit großem Vorsprung zur Konkurrenz zu werde.

Ein 43KW LAdenetz mit 300 Stationen in DE hätte man für 1-2 Mio EUR aufbauen können.

Das impliziert natülrich, das man nicht primär Green Washing betreibt, sondern ernsthaft voran gehen möchte. :o :roll:

Das Tesla nur 16,5KW anbietet finde ich auch sehr schade. Beim Model III ist das allerdings entscheidender als beim Model S, da der Fahrzeugpreis beim TCO da nicht mehr die so eine große Rolle spielt.

33KW doppellader wäre nett, aber sofern das SUC Netz auch für Model III Kunden nicht nach Nutzung abgerechent wird, spileen die Alekosten nicht so die Rolle.
Zu hause reichen 16,5KW ja locker.
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"Online" heißt nicht, das ich gerade hier im Forum aktiv bin.

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