Paper "Neukundengewinnung und Kundenbindung durch die Errichtung von Ladepunkten für Elektrofahrzeuge" (Entwurf)

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Neukundengewinnung und Kundenbindung durch die Errichtung von Ladepunkten für Elektrofahrzeuge

Eine Information und Anregung von Fahrerinnen und Fahrern von Elektroautos aktiv im Forum GoingElectric.de

Status: Entwurf | Stand: 21.02.2014


Elektrisch fahren – aber wohin?

Elektromobilität – das umweltfreundliche Fahren mit Strom – entwächst langsam den Kinderschuhen. Für den Kurz- und Mittelstreckenbereich bieten etliche Hersteller in­zwischen alltagstaugliche und erschwingliche Elektrofahrzeuge an, z.B. Citroën C-Zero, Hyundai Ioniq, Kia Soul EV, Nissan Leaf, Renault Kangoo ZE, Renault ZOE, Smart ED, VW e-Golf, VW e-Up!...

Auch dem gehobenen Kundenkreis bieten sich z.B. mit dem BMW i3 und dem Tesla Model S oder Model X interessante Möglichkeiten.

Die Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf unseren Straßen unterwegs sein. Dies ist ein gewaltiges Potenzial.

E-Autofahrer/innen fahren ihre Fahrzeuge gern. Es macht so viel Spaß, beinahe lautlos und dabei kraftvoll und sparsam und auch noch umweltfreundlich unterwegs zu sein, dass viele die Freude am Fahren wiedergewinnen und praktisch Gelegenheiten suchen, elektrisch unterwegs sein zu können.

Derzeit leidet die elektromobile Kundschaft allerdings noch unter einem Mangel an Lademöglichkeiten unterwegs. Das Netz öffentlicher Ladestationen ist noch sehr grobmaschig und in manchen Gegenden faktisch nicht vorhanden. Dies führt zwangsweise dazu, dass viele Ziele von Elektromobilisten wegen der begrenzten Reichweite ihrer Fahrzeuge nicht angefahren werden können.

Fazit: Wo nicht geladen werden kann, fährt niemand hin.

Elektromobilisten als Kunden

Zwei Aspekte machen Elektromobilisten als Zielgruppe besonders attraktiv:

1. E-Autofahrer/innen sind solvent, ausgabefreudig, engagiert und risikobereit. Das zeigt allein schon die Tatsache, dass sie trotz mangelhafter Lade-Infrastruktur bereits jetzt ihren Traum vom emissionsfreien Fahren verwirklicht haben und dafür die noch erheblichen Mehrkosten bei der Anschaffung ihres Elektroautos auszugeben bereit waren.

2. Ein Ladevorgang dauert relativ lange. Ladestopps zwischen einer halben Stunde und 3 Stunden unterwegs sind normal; viele Fahrzeuge laden über Nacht. Was machen Elektromobilisten in dieser Zeit? Sie kaufen ein, gehen essen oder nutzen Freizeitangebote und übernachten - und geben bei diesen Gelegenheiten vor Ort natürlich Geld aus.

Diesen Kundenkreis können Sie sich mit einer relativ geringen Investition erschließen, indem Sie einen Ladepunkt installieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Das geht schon mit weniger als 2.000,- € Kapitaleinsatz.

Welche Technik ist erforderlich?

Moderne Elektroautos brauchen hohe Stromstärken, um in akzeptabler Zeit geladen wer­den zu können. Deshalb ist es nicht sinnvoll (und vielfach auch gar nicht möglich), sie einfach an einer normalen Schukosteckdose anzustöpseln. Die Industrie hat für E-Fahr­zeuge spezielle Ladeanschlüsse entwickelt – der verbreitetste Standard heißt „Typ 2“.

Sinnvoll ist aus Sicht der Elektromobilisten eine Ladestation dann, wenn sie mindestens einen Typ-2-Anschluss hat, der bei 3phasig 32A eine Leistung von 22kW liefern kann. Alles andere ist nicht mehr zeitgemäß.

Damit lassen sich moderne E-Autos innerhalb einer Stunde aufladen; somit wird der Ladepunkt nicht unnötig lange blockiert. Ein zusätzlicher Schuko-Anschluss für ältere Fahrzeuge ist wünschenswert und meist auch integriert.

Die Ladebox muss installationsseitig mit einem Schutzschalter Fi Typ B abgesichert sein und sollte nur von erfahrenem Fachpersonal installiert werden.

Eine 22kW-Ladebox muss zudem beim örtlichen Energieversorger angemeldet werden.

Was kostet so ein Ladepunkt?

Ein einfacher Ladepunkt wie z.B. die Wandladestation wallb-e Home 22kW von Petring Energietechnik kostet derzeit 840,- € (inkl. MwSt.). Eine Übersicht über alle erhältlichen Wandladestationen für Elektrofahrzeuge, sogenannte "Wallboxen", finden Sie im Wiki-Artikel Stationäre Lösungen (goingelectric.de/wiki/Station%C3%A4re_L%C3%B6sungen).

Ein allstromsensitiver Fehlerstromschutzschalter FI Typ B, falls nicht bereits in der Hausinstallation verbaut, kostet ca. 450,- €.

Die Installationskosten richten sich nach dem jeweiligen Aufwand vor Ort. Möglicherweise müssen noch Kabel verlegt werden. Unter günstigen Bedingungen bleiben die gesamten Investitionskosten unter 2.000,- €.

Für den Anfang reicht eine einzige Ladebox. Falls regelmäßig mehrere E-Autos bei Ihnen gleichzeitig laden möchten, können Sie immer noch erweitern.

Der Bund fördert die Errichtung von (semi-)öffentlichen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Siehe hierzu den Wiki-Artikel Förderung von Ladeinfrastruktur (goingelectric.de/wiki/F%C3%B6rderung_von_Ladeinfrastruktur).
Fragen Sie ggf. auch die Wirtschaftsförderung in Ihrer Region nach Fördermöglichkeiten.

Wie wird der Ladestrom abgerechnet?

Ladestationen mit integrierter Abrechnungstechnik (RFID/Kartenleser, Online-Anbindung) sind um ein Vielfaches teurer als einfache Ladepunkte ohne Abrechnungstechnik. Dies führt zu der paradox erscheinenden Situation, dass es auf Jahre hinaus die billigste Lösung für Betreiber ist, eine einfache Ladebox zu installieren und den Strom kostenlos abzugeben, statt sich mit Abrechnung aufzuhalten.

Das klingt zunächst etwas verrückt, ist aber kalkulatorisch vernünftig und psychologisch im Hinblick auf potenzielle Kunden sehr wirkungsvoll.

Zudem ist die Abrechnungstechnik erfahrungsgemäß fehleranfällig und wartungsbedürftig. Nicht funktionierende Ladestationen führen zu hoher Frustration bei den betroffenen Fahrerinnen und Fahrern und verfehlen so ihre Wirkung als Kundenbindungsinstrument, kehren diese gar ins Negative.

Die selbst bei täglicher Nutzung anfallenden Stromkosten sind im Vergleich zum Gesamtbedarf Ihres Unternehmens eher gering. Ein Elektroauto verbraucht pro Ladevorgang durchschnittlich nicht mehr als für 3,- € Strom. In der Regel kommt es ja nicht leergefahren an und lädt auch nicht immer ganz voll.

Ein Rechenbeispiel:

Kosten einfacher Ladepunkt: 2.000,- €

Kosten Ladestation mit Abrechnungstechnik: 6.000,- €

Differenz: 4.000,- €

Wenn jeden Tag ein E-Auto für 3,- € lädt, 365 Tage im Jahr, können Sie mit dem ein­fachen Ladepunkt mehr als dreieinhalb Jahre lang den Strom kostenlos abgeben, bevor Sie das Kostenniveau der teureren Ladestation erreicht haben - und haben dabei keiner­lei Aufwand mit Abrechnung.

Die ladenden E-Fahrer/innen werden während der Ladezeit bei Ihnen vermutlich ein Vielfaches der Ladekosten ausgeben. Das ist eine deutlich bessere Rendite, als Sie sie mit konventioneller Werbung erzielen könnten.

Wenn Sie die laufenden Stromverbrauchskosten doch direkt kompensieren möchten, können Sie z.B. eine Pauschale erheben (Parkgebühr oder Nutzungsgebühr ähnlich WLAN) oder Sie stellen eine Spendenbox auf. Wir sind sicher, dass diese nicht ignoriert werden wird. Elektromobilisten freuen sich über jede Lademöglichkeit und sind selbstverständlich gern bereit, den Ladestrom zu bezahlen. Nur ist das für den Betreiber oft kompliziert und lohnt schlicht den Aufwand nicht.

Kontaktieren Sie auch Ihren Steuerberater und lassen Sie sich von ihm über die Möglichkeiten, die Investition und die laufenden Kosten abzusetzen, beraten.

Gastronomen, die Ladepunkte errichteten und den Strom verschenken, sind begeistert. Sie haben sich zu zentralen Anlaufstellen für Elektroautofahrer entwickelt und werden deutschlandweit in den Medien erwähnt.

Der Ladepunkt ist installiert – und was nun?

Erst einmal: Vielen Dank für Ihr Engagement! Sie haben eine Situation geschaffen, von der alle Seiten profitieren werden. Und nun:

1. Ganz wichtig: Machen Sie Ihren Ladepunkt publik!

Wenn niemand weiß, dass man bei Ihnen laden kann, wird auch niemand kommen. Es gibt im Internet einige Ladestellenverzeichnisse, die die meisten Elektromobilisten kennen und mit deren Hilfe sie ihre Routen planen und Ziele auswählen.

Tragen Sie Ihren Ladepunkt dort kostenlos ein!

Hier die wichtigsten Verzeichnisse:

www.goingelectric.de/stromtankstellen/

www.lemnet.org

www.e-tankstellen-finder.com

www.plugfinder.de

Denken Sie auch daran, Ihren Ladepunkt als Service auf Ihrer eigenen Website prominent herauszustellen. Das hebt Sie von Ihren Marktbegleitern ab.

2. Kennzeichnen Sie Ihren Ladepunkt.

Erleichtern Sie Ihren elektromobilen Gästen die Orientierung, indem Sie durch entsprechende Beschilderung den Ladepunkt auf Ihrem Gelände gut auffindbar machen.

Sorgen Sie nach Möglichkeit auch dafür, dass der Ladepunkt nicht von anderen Fahrzeugen zugeparkt wird. Dies ist ein häufig vorkommendes Ärgernis, das immer wieder für Verdruss sorgt.

3. Laden Sie die Presse ein.

Die Eröffnung Ihres Ladepunktes sollten Sie werbewirksam inszenieren, das sorgt für Aufmerksamkeit und stellt Ihr Engagement für die Umwelt heraus, was Ihrem Image zuträglich ist.

Organisieren Sie beispielsweise eine Ladeparty für Elektromobilisten. Wenn Sie keine persönlich kennen, geben Sie uns Bescheid - wir kommen gern und stellen unsere Fahrzeuge und uns selbst zum Fachsimpeln zur Verfügung.

Sie haben noch Fragen?

Gern stehen Ihnen Ansprechpartner/innen aus der elektromobilen Gemeinde zur Verfügung, die mit Erfahrungen aus der Praxis aufwarten und Sie bei der Planung und Durchführung Ihres Ladepunkt-Projekts unterstützen können.

Bitte kontaktieren Sie:

[Kontaktdaten hier]