Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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nr.21
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folder Fr 12. Apr 2019, 23:14
Um Braunkohlekraftwerke stillzulegen, muss man nicht die Kröten fragen.
Gerne wird der Naturschutz auch von Leuten bemüht, die aus anderen Gründen etwas gegen irgendwelche Projekte haben und denen die Kleine Hufeisennase ansonsten schnurzegal ist.
Ansonsten gebe ich Dir Recht: viele Bestimmungen und Regeln sind überzogen und bürokratisch, während an anderer Stelle die Natur rasiert wird (zB der Passus in allen möglichen Gesetzen " mit Ausnahme der ordnungsgemäßen Land-und Forstwirtschaft").
Auf Deutsch: man braucht eine Sondergenehmigung um Insekten zu Bestimmungszwecken kurzzeitig zu fangen, aber der Bauer darf hektarweise Glyphosat ohne jede dringliche Indikation auf seine Felder hauen.
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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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    E-lmo
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folder Sa 13. Apr 2019, 10:39
Die aktuell steigenden Preise für Co2-Emissionsrechte werden den Braunkohlektaftwerken schon zu schaffen machen:
https://www.finanzen.net/rohstoffe/co2-emissionsrechte
Ich frage mich allerdings, ob die stillzulegenden Braunkohle-Kraftwerke ihrerseits nicht wieder den Preisanstieg dämpfen?
Mit den frei werdenden Megen an Co2-Zertifikaten könnten andere Emittenten ihre Produktion hochfahren.
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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Ecano
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folder Sa 13. Apr 2019, 12:34
iOnier hat geschrieben:
Fr 12. Apr 2019, 08:30


Warum? Die Anreize werden falsch gesetzt.

Ich würde folgende Änderungen vorschlagen:

=> Folgekosten der fossilen Stromerzeugung einpreisen, es braucht eine CO2-Steuer (die erhöht natürlich erstmal die Energiekosten, aber ganz umsonst ist die Energiewende nun mal nicht zu haben und wird spare n in Zukunft an Folgekosten)

Es wäre also nicht mal teuer, oder mache ich einen Denkfehler?
Die CO2 Steuer muss ja nicht im Staatssäckel verschwinden, wie in Deutschland leider üblich, sondern könnte CO2 freien Energieträgern oder CO2 reduzierenden Maßnahmen zugute kommen.

Somit muss eine CO2 Steuer nicht unbedingt die Energiekosten erhöhen, sie hat aber eine lenkende Wirkung.
Smart ED 44, bestellt am 18.1.2018, erhalten 19.10.2018

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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folder Sa 13. Apr 2019, 13:03
Ecano hat geschrieben:Die CO2 Steuer muss ja nicht im Staatssäckel verschwinden, wie in Deutschland leider üblich, sondern könnte CO2 freien Energieträgern oder CO2 reduzierenden Maßnahmen zugute kommen.
Steuern dürfen in Deutschland nicht zweckgebunden erhoben werden, das hat wohl auch gute Gründe. Allerdings kann das politisch umgangen werden, indem eine Abgabe eben nicht als Steuer bezeichnet wird, siehe z.B. der Solidaritätszuschlag.
Somit muss eine CO2 Steuer nicht unbedingt die Energiekosten erhöhen, sie hat aber eine lenkende Wirkung.
Diese entfaltet sie ja allein schon durch die höheren Gestehungskosten für den Betreiber. Wenn der auch Strom aus "Erneuerbaren" Quellen oder (brachliegenden) Gaskraftwerken liefern / zukaufen kann, dessen Produktion letztlich nur wenig teurer ist als die Produktion von Kohlestrom jetzt => dann wird er genau das tun.

Ganz ohne Mehrkosten kann es aber nicht abgehen, solange die "erneuerbare" Stromerzeugung eben noch (etwas) teurer ist als die "konventionelle".
Gruß
Werner
Peugeot iOn Produktionsdatum 09/2015

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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folder Mo 15. Apr 2019, 22:19
Schaut euch das an: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/d ... 9-100.html
Da bleibt einem, trotz aller Komik und toll gespielter Szenen, das Lachen im Halse stecken. Es ist zum Weinen!
Es gibt noch eine Sendung mit dem ersten Scheuermann und Newton. Darin wird der "kleine Rechenfehler des Lungenexperten" von Newton genial zerpflückt. In der Mediathek oder auf YT zu finden.
Viele Grüße vom Eifel-Thomas. Kona Style 39kWh, Zoe Z40 Life, Zoe Q210 Intens. Nie mehr Verbrenner!

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Die Anstalt ist das Sprachrohr der Wahrheit. Alles immer hervorragend recherchiert und unterhaltsam auf den Punkt gebracht.
≡ | Zoe Q90 (2017-) | Brammo Empulse (2014-) | Zoe Q210 (2016-17) | Nissan Leaf (2013-16) | Flyer X S-Pedelec | 9,5 kWp PV

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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folder Mi 17. Apr 2019, 20:13
Enappsys haben eine Zusammenstellung der Stromerzeugung in Europa erstellt:
https://docs.wixstatic.com/ugd/42d1d7_9 ... 99d49c.pdf
Q1 2015 Kohle 159,6 TWh
Q1 2019 Kohle 110,9 TWh (16%)

Q1 2015 Gas 61,6 TWh
Q1 2019 Gas 117 TWh (17%)

Q1 2019 Wind 105,4 TWh (15%), PV 27,9 TWh (4%), Wasser 104,7 TWh (15%)

Wind + PV verdoppeln => Kohle weg
Wind + PV verdreifachen => Auch noch Gas weg

https://www.mygridgb.co.uk/last-28-days/

Jetzt nur GB, Kohle noch 1,7% in den letzten 28 Tagen, nachts regelmäßig 0 (bei der Graphik für den Tagesverlauf der letzten 28 Tage kann man die anderen Kategorien wegdrücken, dann sieht man, dass an manchen Tagen Kohle 0 ist, aber vor allem mal praktisch jede Nacht).

Imports 5,8%. Also, selbst wenn man die Importe rein als Kohlesubstitution sehen will, sind es immer noch nur 7,5%.

Im Jahr 2012 war Kohle 43% der britischen Stromerzeugung!

Das ist unglaublich beeindruckend, wie schnell man Kohle kaputt machen kann, wenn der politische Wille da ist.

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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folder Mi 17. Apr 2019, 21:43
Eifel-Thomas hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 22:19
Schaut euch das an: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/d ... 9-100.html
Da bleibt einem, trotz aller Komik und toll gespielter Szenen, das Lachen im Halse stecken. Es ist zum Weinen!
Es gibt noch eine Sendung mit dem ersten Scheuermann und Newton. Darin wird der "kleine Rechenfehler des Lungenexperten" von Newton genial zerpflückt. In der Mediathek oder auf YT zu finden.
Die Sendung war der Hammer. Leider habe ich sie noch nirgendwo in voller Länge zum Teilen gefunden.
Meine Erfahrungen mit der E-Mobilität auf Kennzeichen E

In the year 5555
Your arms hanging limp at your sides
Your legs got nothing to do
Some machine’s doing that for you

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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folder Fr 3. Mai 2019, 18:24
Coaltracker:
https://www.mygridgb.co.uk/last-28-days/

In den letzten zwei Wochen auch regelmäßig tagsüber 0% Kohle im UK Mix (so wenig Kohle im Mix, da muss man alles andere wegclicken, um die paar Stunden mit ein paar hundert MW überhaupt noch sehen zu können in der Graphik, viele Tage ganz ohne).

UK ist von der Größe vergleichbar mit Deutschland und auch von der Bedeutung der Kohle (D jetzt, UK 2012). Absolut beeindruckend wie da die Kohle innerhalb von wenig mehr als einem halben Jahrzehnt platt gemacht worden ist.

https://www.theccc.org.uk/

https://www.bbc.com/news/uk-politics-48126677

"UK Parliament declares climate change emergency"

Schöner Bericht vom Committee on Climate Change. Interessant auch, dass Deutschland nur noch als Vorbild bei der PV Förderung auftaucht (teuer, aber wichtiger Beitrag für die Technologieentwicklung).

Es wird empfohlen, schon 2030 nur noch Zero Emission Autos zuzulassen (statt 2040, dem jetzigen Ausstiegsdatum).

Greenhouse gas emissions sollen schon 2050 um 100% reduziert werden, geschätzte Kosten 1-2% des BIP.

Schön auch, wie klar der Wert von Technologieentwicklung gesehen wird, und dass es eben nicht richtig ist, nur auf die Kosten pro Tonne CO2 Einsparung im hier und jetzt zu gucken.

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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motion
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folder Di 7. Mai 2019, 13:33
Guten Appetit! Zu der Radioaktivität kommen wir später, denn die ist auch enthalten.

"Kohlekraftwerke sind lautlose Killer"

Asthma, Herzinfarkte, Lungenkrebs: Kohlekraftwerke in Deutschland schadeten mit ihren Giftausstößen der Gesundheit und seien für Tausende Todesfälle verantwortlich, warnt die Umweltorganisation Greenpeace - und fordert den Ausstieg.

...

Die Schornsteine der Kohlekraftwerke in Deutschland und in Europa stoßen Zehntausende Kilogramm toxische Metalle wie Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium aus - und können so Asthma, Herzinfarkte, Lungenkrebs und Entwicklungsstörungen bei Kindern auslösen, heißt es in der Untersuchung, die Greenpeace bei der Universität Stuttgart in Auftrag gegeben hat.

"Kohlekraftwerke sind lautlose Killer", schreiben die Forscher plakativ. Die unterschiedlichen Emissionen aus Schwefeldioxid, Stickoxid und Feinstaub verschmutzten die Luft. Die Partikel seien so klein, dass sie tief in die Lunge eindringen würden. Lösliche Feinstaubpartikel würden in den Blutkreislauf aufgenommen und könnten dadurch Herz und Blutgefäße schädigen. Die nicht-löslichen Partikel wiederum blieben in der Lunge hängen und würden dort das Gewebe zerstören. Auch toxische Metalle könnten das Gehirn und weitere Organe schädigen.

.....
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.1639086

Nervengift aus dem Schornstein

Fünf Tonnen Quecksilber pusten deutsche Kohlemeiler pro Jahr in die Luft, berichten die Forscher. Das sind zwei Drittel des gesamten deutschen Ausstoßes - und diese Zahl ist seit Jahren nahezu unverändert. Das Schwermetall ist in Spuren in der gesamten Erdkruste enthalten und kommt deshalb auch in Pflanzen und daraus entstandener Kohle vor.

Wegen der großen Mengen Kohle, die in Deutschland trotz Energiewende weiterhin verbrannt werden, gelangen Tausende Kilogramm Quecksilber in anorganischer Form in die Atmosphäre. Nach und nach sinkt es zu Boden und landet in Gewässern - Mikroorganismen wandeln das Element dann in das gesundheitlich besonders gefährliche Methylquecksilber um.

Deutsche Kohlekraftwerke stoßen rund 21-mal mehr Quecksilber aus als ihre US-Pendants, schreiben die Autoren. Das ist kaum verwunderlich, denn in den USA gelten strenge Grenzwerte - ganz anders als hierzulande. US-Kraftwerke nutzen unter anderem Bromidsalze und Aktivkohle, um Quecksilberverbindungen aus den Abgasen zu holen.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/nat ... 68537.html


Deutsche Kohlekraftwerke belasten Luft mit Quecksilber

Würden hierzulande US-Grenzwerte für Quecksilber angewendet, müssten alle Braunkohlekraftwerke vom Netz. Nirgendwo in Europa wird mehr davon emittiert als in Deutschland.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/ ... kraftwerke
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