Langstrecken mit dem Kona

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folder Sa 15. Dez 2018, 17:38
Nach meiner Fahrt nach Norwegen und zurück (ok, von Hirtshals nach Bergen mit der LNG-Fähre und von Stavanger zurück ebenso), habe ich jetzt reichlich Erfahrungen mit dem Kona auf der Langstrecke sammeln können.
Gestern war die Königsetappe dran: Von Hirtshals nach Regenburg (1250 km) an einem Tag.


Kurzfassung: Es geht ganz gut.


Lange Version: Es kommt drauf an.

Erstmal das spannendste zuerst: Die Ladekurve ändert sich, wenn der Kona warm ist (also so richtig warm, nach dem 2. oder 3. Laden). Dann lädt er nämlich bis 74 % mit 60 kW und nicht nur bis 70 %.
Ich habe auf der Tour (mit wenigen Ausnahmen) immer nur bis 70/74 % geladen. Das spart Zeit - schränkt aber natürlich die Reichweite ein. So habe ich gerade auf den letzten Etappen bei Minusgraden, spürbarem Gegenwind, Bergen und 130 km/h Tacho deutlich gemerkt, dass die Reichweite dann zusammen schmilzt. Ich habe versucht, mit 5-10 % die Ladesäulen anzufahren (bis auf eine Etappe hat das auch gut geklappt). Im Bereich von 10-70 % (also 60 % nutzbare Kapazität = 38 kWh) standen dann bei einem Verbrauch von 21-28 kWh/100 km entsprechend 135-180 nutzbare Kilometer zur Verfügung.
Mehr geht auch - dann muss man eben runter mit der Geschwindigkeit. Das klappt beim Kona sogar noch besser als mit dem IONIQ.
Ich kann relativ problemlos mit 2 (schlechtester Fall) und 3 (normaler Fall) km pro Prozent rechnen. Wenn es eng wird, kann ich auch locker auf 4 km pro Prozent kommen - muss dann aber in den Zoe-Modus wechseln. Das habe ich auf der Fahrt praktisch nicht gebraucht.

Erfreulich: Die Klimatisierung ist mit einem Anteil von ~5 % fast irrelevant.

Was keinen Spass macht: Laden an 50 kW. Das zieht sich gewaltig. Die oben beschriebenen 60 % laufen im Schnitt mit ca. 46 kW. Am Anfang startet es mit ca. 43 kW und endet (je nach Ladesäule) mit 49 kW. D.h. für die 60 % stehe ich 50 Minuten.
Das ist mir zu lang.
An 100 kW komme ich auf eine durschnittlichen Ladeleistung von schätzungsweise 65 kW (muss ich noch genauer ausrechnen) und brauche demnach für den gleichen Vorgang 35 Minuten. Das kann ich akzeptieren.
Leider sind HPC Mangelware und so habe ich etwa die Hälfte der Ladevorgänge an 50 kW durchführen müssen. Auf der Rückfahrt gestern hat mich das locker 45-60 Minuten gekostet.

Trotzdem war die Fahrt mit 16:30 h (total) für mich recht entspannt. Würde ich keine widerliche Erkältung mit mir rumschleppen (die habe ich mir auf der Hinfahrt in Norddänemark eingesammelt), wäre ich topfit angekommen.

Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Die Sitze sind ultrabequem.

Fazit:
Langstrecken mit dem Kona sind überhaupt kein Problem. Die langsamen Ladesäulen sind der größte Störfaktor.
Der Kona würde sehr von einer Ladekurve, wie sie der IONIQ hat, profitieren. Der frühe Absturz der Ladeleistung kostet deutlich Zeit.

(Übrigens glaube ich, dass die eCannonball-Strecke mit der aktuellen Infrastruktur nicht schneller als in 10 Stunden zu fahren ist. Mit HPC-Ladern sollten Zeiten um die 9:30 h möglich sein.)

Ebenfalls eine Erkenntnis: Tesla (Ich bin die Rücktour zusammen mit einem Model X 100 D gefahren) spielt in einer eigenen Liga. Auf der Strecke hätte mir das Model X locker 1-2 Stunden abgenommen. Grund sind hier vor allem die überlegenen Ladeleistungen und das verlässlichen SuperCharger-Netz. Ionity ist ein Witz dagegen. Ein Model 3 wäre wohl noch deutlich schneller gewesen.

Nachtrag:
Mit Bumblebee (IONIQ) hätte ich für die gleiche Strecke vermutlich 30-60 Minuten länger gebraucht (Schätzung), da ich durch den kleineren Akku zu mehr Ladestopps (die Overhead bedeuten) gezwungen wäre und gleichzeitig einiges an Flexibilität eingebüßt hätte, also an einigen Stellen noch weit stärker dem schlechten Ladenetz ausgeliefert gewesen wären.
Ja, der IONIQ hat einen signifikant besseren Verbrauch, gerade beim Gegenwind gestern. Aber mit der üblichen Strategie (10 % Puffer, bis 82 % laden) wären lediglich 20 kWh verfügbar gewesen, die bei einem Verbrauch von etwa 17 bis 23 kWh entsprechend nur für 85-115 km gereicht hätten. Und das wäre bei der Ladeinfrastruktur anstrengender geworden.
Ich weiß, wovon ich rede, da ich vor gut einem Jahr eine sehr ähnliche Tour mit dem IONIQ gemacht habe. Das war ebenfalls kein Problem. Allerdings war die Fahrt mit dem Kona entspannter.

Nachtrag 2:
Die EWE-Stromtankkarte funktioniert bei Clever. Das macht Dänemark erheblich angenehmer zu fahren, da die nativen Tarife von Clever und E.ON DK keinen Spass machen.
Zuletzt geändert von umrath am Sa 15. Dez 2018, 18:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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    evs65
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folder Sa 15. Dez 2018, 18:30
Danke für diesen für mich sehr informativen Bericht. Ich kriege meinen Kona als mein erstes Elektroauto nächste Woche und bin schon echt neugierig, ob sich meine bisherigen theoretischen Berechnungen auch so einigermaßen in der Realität wiederspiegeln werden.
Ich werde sicher immer wieder längere Strecken (so um die 600km) zurückzulegen haben. Deshalb habe ich auch nicht schon früher beim Ioniq zugeschlagen, aber jetzt beim Kona denke ich, dass die Zeit reif für den Umstieg ist.
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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rsiemens
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folder Sa 15. Dez 2018, 21:37
sehr interessant!

auf meiner Tour vor einer Woche von Lehrte/ Hannover 500km pro Richtung habe ich Probleme gehabt, bei Ionity den LAdevorgang zu starten. Entweder kam sofort "Ladevorgang beendet" oder nach 20-30 Sek. An mehreren Säulen versucht. Nur durch Zwangsfreischaltung von der Hotline ging es schnell bis 71%. Hat meine Begeisterung mächtig gedämpft.

Hattest du ähnliche Probleme?
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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folder Sa 15. Dez 2018, 21:52
Ja, Ionity ist Schrott.

Himmelkron: einer ist inaktiv, einer ist defekt, einer geht (4. weiss ich nicht)
Hohenwarsleben: zwei sind defekt, einer liefert nicht die volle Leistung, einer geht
Aabenraa: einer lässt sich nicht freischalten, einer geht, Rest weiss ich nicht
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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Joeschi
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folder Sa 15. Dez 2018, 22:09
Danke Umrath, schöner Bericht - obwohl ich ne Weile brauchen werde, der Zahlenakrobatik zu folgen. Traurig dass bei Ionity in Himmelkron und Hohenwarsleben nach über 4 Wochen immer noch der "Zustand" anhält.

Re: Langstrecken mit dem Kona

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S_CH
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folder Sa 15. Dez 2018, 22:38
Vielen Dank für den Bericht,

vielleicht etwas OT, aber da du die 50 und 100 kW Säulen erwähnst kennst du dich vielleicht aus. Wie läuft der Ausbau mit 100ern? Da wo ich unterwegs bin gibt es keinerlei 100er.

Re: Langstrecken mit dem Kona

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folder Sa 15. Dez 2018, 22:49
Die >=100 kW-Säulen kommen, langsam aber stetig.
Zuerst werden die großen Achsen versorgt.
Leider ist das größte Problem aber die Zuverlässigkeit.

Ich gehe davon aus, dass wir in 12 Monaten überall 100 kW und mehr haben werden.
Ich hoffe, dass diese auch nutzbar sind und nicht durch die Inkompetenz von E.ON & Co. blockiert werden.
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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cbruening
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folder So 16. Dez 2018, 19:25
Vielen Dank für den Bericht.
Ich bekomme den Kona als erstes 2-Auto und dieser Bericht lässt mich hoffen, daß es die richtige Entscheidung wird.

Re: Langstrecken mit dem Kona

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    morris
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folder So 16. Dez 2018, 21:57
umrath hat geschrieben:...
Aabenraa: einer lässt sich nicht freischalten, einer geht, Rest weiss ich nicht
Dann muß ich in Aabenraa auf Anhieb den funktionierenden erwischt haben :p

p.s. danke für den bericht :)
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Re: Langstrecken mit dem Kona

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    Nélè-Blue
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folder So 30. Dez 2018, 13:45
Welche der Ladestellen in Himmelkron ist das?

Soweit ich weiß gibt es dort Ladestationen

beim McDonalds (Allego)
beim Autohof Euro Rastpark
bei der Autobahnkirche / Hotel Opel (N-Ergie)
hinter der katholischen Kirche (Ladeverbund)
hinter dem Erotic Markt (e.on)
beim Fichtelgebirgshof
hinter dem Rewe
und ich weiß aktuell nicht ob Rewe seine Pläne auch schon umgesetzt hat und dort auch eine eigene Ladestation steht.

Kann natürlich sein, daß neue weitere Ladestellen dazu gekommen sind, oder auch von den aufgeführten acht Stellen schon wieder welche entfernt wurden.

War auch schon etwas länger nicht mehr in Himmelkron. Das Laden ist für uns in Plech besser und fast schneller als die Pippirunde mit unseren Hunden.

Wir sind derzeit ansonsten am planen für die Langstrecke
Bayreuth - Perpignan.

Hat da schon wer Erfahrungen?
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