BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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Da mich das Thema "Sinnhaftigkeit einer Standheizung für flüssiger Energieträger im BEV" die letzten Tage beschäftigt, würde ich gerne mit euch über den Sinn/Unsinn einer solchen im BEV debattieren.

An anderer Stelle wurde heute ein toller Link geteilt, der zu einem Rechner für Treibhausgasemission verschiedener Energieträger inkl. Vorkette führt. Die Emission für Strom bezieht sich auf Österreich, weshalb man für Deutschland wohl ungefähr Faktor 2 bis 2,5 wählen müsste. Ich bin mir nicht sicher ob es sich um einen monatlichen oder jährlichen Schnitt handelt (ich glaube letzteres, weshalb der Strom im Winter mehr THG emittieren würde), bitte das im Hinterkopf zu behalten da es durchaus relevant wäre, sofern es so sein sollte.

https://secure.umweltbundesamt.at/co2mon/co2mon.html

Ich frage mich ob es nicht durchaus eine sinnvolle Option wäre, statt oder neben der Wärmepumpe eine Standheizung zu verbauen. Mein I3 (ohne Wärmepumpe) verbraucht in der kalten Jahreszeit rund 6kWh mehr als im Sommer (Pendelstrecke Einfach 14km). Das drückt nicht nur die Reichweite und somit Akzeptanz von BEVs mit moderater Akkugröße, sondern hebt auch die THG Emission. Basierend auf den verlinkten Rechner wäre es ökologischer, die (in meinem Fall) 20kWh elektrische Energie durch 14kWh + 1L Bioethanol zu ersetzen (Ethanol THG Emission liegt lt. Rechner und unter Berücksichtigung von 5,9kWh/L Heizwert bei 88g/kWh). Für Deutschland scheint unter Berücksichtigung des aktuellen Strommix eine Wärmepumpe daher keinen oder nur geringe Vorteile zu bringen, in Österreich abhängig vom COP durchaus. Die Kosten per L BioEthanol liegen in Kleingebinden (viel Verpackung und wenig Inhalt = nicht ökologisch) bei rund 4eur/L, im 1000L IBC bei 2,30eur/L. Das entspricht einem Preis von 0,39-0,68eur per kWh. Deutlich niedrigere Kosten ermöglicht Biodiesel, der lt. Link mit MwSt auf rund 2,2eur/L kommt, was bei 9,1kWh/L Heizwert 0,24eur/kWh entspricht (118g CO2/kWh). Mit einem COP von 2-3 wird eine Wärmepumpe sehr wahrscheinlich ökonomischer sein, als eine mit BIO Kraftstoff betriebene Standheizung. Ohne Wärmepumpe ist es tendenziell umgekehrt). Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass bei Nutzung fossiler Kraftstoffe die Kosten bei Benzin und Diesel ~ bei 0,17eur/kWh liegen, die THG Emission bei 315-325g/kWh (Annahme Benzin 1,5eur/L, 8,7kWh/L; Diesel 1,7eur/L, 9,7kWh/L).

https://www.bauhaus.at/reiniger-entfern ... &pla_stco=
https://www.richter-chemie.de/bioethano ... _217_1015/
https://www.ufop.de/biodiesel-und-co/biodiesel-preis/

Wie ist eure Meinung dazu?
BMW I3(s) 120ah REX, BJ2014, 210000km, REX Anteil 10,0% - Akkutausch 1.2022 von 15,5kWh auf 39,2kWh. Ab 2022 Michelin ePrimacy
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Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

Markus_go
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Keine Antwort bisher?
Ich finde es sinnvoll, bei Fahrzeugen mit kleinem Akku, und eventuell im Alter schwindender Kapazität zuzuheizen.
Die Kosten sind hoch, allerdings relativiert sich das übers Jahr - denn den Joker wird man nur bei größeren Strecken in der kälteren Jahreszeit "ziehen".
Wenn man dann noch die Kosten für den Einbau umlegt muss man NOCHMAL nachrechnen.
Aber genau dann, wenn das Fahrzeug älter wird, wirds interessant!
Edit:
Eberspächer hat so was wohl für die Postautos entwickelt.

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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Mein Heizung hält bei täglich fahren im Norddeutschen Winter zwischen 10 und 14Tage durch bis ich die 12 Liter Diesel nachtanken muß. Der Kangoo ZE in Langversion ohne feste Trennwand ist elektrisch nicht warm zu bekommen auf der Stecke von 15km zur Firma.
MfG
Michael
Kangoo ZE maxi 131.000km, Kangoo ZE 102.000km, E-UP 29.000km, C180TD 49.000km , max G30d 1100km, Sunlight Caravan, Humbauer 1300kg, E-Expert 75kWh 48.000km, Prophete Pedelek 560km, Zündapp Pedelec 80km, F20D 60km

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

Tom7
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Ich sehe da keine echte Chance, einfach weil es auch zusätzliches Geld kostet. Auf den Kurzstrecken gibt es kein Reichweitenproblem und auf Langstrecke löst man so etwas besser, wenn man es denn braucht, mit einem REX oder einem Plug-In Konzept, welches natürlich auch die Abwärme des Verbrenners nutzen kann.

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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Tom7 hat geschrieben: Ich sehe da keine echte Chance, einfach weil es auch zusätzliches Geld kostet.
So sehe ich das auch. Der technische Aufwand steht nicht in einem sinnvollen Zusammenhang zum Nutzen.
Auf den Kurzstrecken gibt es kein Reichweitenproblem und auf Langstrecke löst man so etwas besser, wenn man es denn braucht, mit einem REX oder einem Plug-In Konzept, welches natürlich auch die Abwärme des Verbrenners nutzen kann.
Auch auf der Langstrecke gibt es kein Reichweitenproblem. Eine elektrische Heizung verbraucht wirklich viel nur beim Starten und erstmaligen Aufheizen, was bei der Langstrecke kaum eine Rolle spielt. Insbesondere mit Wärmepumpe ist der Verbrauch auf der Strecke einfach zu wenig, um die Reichweiten wirklich signifikant zu reduzieren.

Anders sieht dies bei Bussen aus. Daher gibt es auch elektrische Linienbusse mit fossiler Heizung. Durch den extrem großen Innenraum und das ständige Öffnen der Türen und viele Standzeiten ist der Heizbedarf ein ganz anderer im Vergleich zum Fahrstrom, der im Stadtverkehr vergleichsweise gering ist.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

Tom7
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"Auch auf der Langstrecke gibt es kein Reichweitenproblem."
Vermutlich nur unglücklich ausgedrückt deinerseits, aber ein Reichweitenproblem gibt es bei BEVs quasi nur auf der Langstrecke. Aber das ist nicht groß durch die Heizung bedingt. Daher ist selbst die Wärmepumpe mit einem gewissen Fragezeichen zu versehen, denn auch die kostet zusätzliches Geld.
Deutlich erhöhte Verbräuche sehe ich im Winter auch ohne Heizung. Ein eiskalter Akku ist halt noch schlimmer als ein eiskalter Diesel.

P.S.: Die in den Raum geworfenen Biotreibstoffe sind nicht fossil.

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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Wenn das Auto morgens an der Steckdose vortemperieren kann erfolgt das meist inkl. Accuvorwärmung.

Da der Arbeitstag meist 8 Std. lang ist, kühlt der Accu gar nicht mehr komplett aus.

Somit ist dies eine Überlegung welche einmal in erster Linie "Gassenparker" betrifft.
Dann sollte man überlegen, ob man eine Luft, oder eine Wasserheizung einbaut.
Wasser hätte den Vorteil die Batterie effitiziener auf Temp. zu bringen nur:

Man bewegt sich so um die 1.000-1.600€.

Sagen wir mal 1.200€.
diese /0,43€ /U kWh=2.790 kWh.
2790kWh/ 3 kWh für den Aufheizvorgang, 3 kW für die Warmhaltung des Fahrzeuges als, mal angenommener Wert.
Also 2.790/6 sind 465 Tage.
Wie lang hat man deisen hohen Bedarf?
4 Monate, 120 Tage im Jahr ?

Erreicht man den Break even in etwa 4 Jahren,
davon abgesehen, dass man die Elektronik im Auto ansprechen kann, etc.
Zuhauselader
Leasingkutschen
Mietwagen
Firmenlader
fallen mal raus aus dem Bedarf.

Bleiben eigentlich nur die Gassenparker.
Heute noch eher eine Minderheit.
Zukünftig auch immer mehr an Ladesäulen über Nacht.

Von der Typisiererei, dem Bus-Einbindungen mal abgesehen.
Bei unseren autoßs hat keiner einen Bedarf.
Jener, der nur ne elektr. Accuheizung, irgendwo bei -5°C startend hat, behilft sich ebenso mit einer Morgenladung, das wärmt den Accu ebenso vor, ( wir können über den Temperaturhub diskutieren, da aber seitdem der Verbrauch um über 3 kWh/100 km sank) wohl keine schlechte Lösung.
Diverse E Fahrzeuge von 18 bis 90 Kwh.

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

Meinereiner
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Markus_go hat geschrieben: Keine Antwort bisher?
Ich finde es sinnvoll, bei Fahrzeugen mit kleinem Akku, und eventuell im Alter schwindender Kapazität zuzuheizen.
Bei meinem Leaf (mit Wärmepumpe) fällt der Mehrverbrauch in 99% aller Situationen so marginal klein aus, dass ich ihn nicht einmal beziffern kann. Merklich wird der Verbrauch erst bei tieferen Minusbereich, die wir hier die letzten 3 Jahre nicht allzu oft hatten. Wir hatten 2021 ein einzelnes mal -15°, und da war der Verbrauch tatsächlich für die Reichweite sehr relevant. Aber alles was über -5° ist, ist eigentlich akzeptabel.
Ich wohne in einem Alpental, keiner Weinbaugegend, und der Leaf ist kein Akkuwunder.

Sonst braucht der Leaf zur Heizung bit z.B. 0° so ca. 1kW. Das Auto kann das auch (grob) anzeigen. Bei den üblichen Deutschen Wintertemperaturen reden wir von deutlich weniger.
D.h. pro Stunde sind das im Schnitt vielleicht 2% Akku aus.

Meiner Vermutung nach hat der Mehrverbrauch im Winter andere Gründe:
Winterreifen, nasse Straßen, Luftdichte *1), Temperaturen Antriebsstrang/Akku (der Leaf har ja kein thermisches Management).
Ich habe das auch tatsächlich verglichen, indem ich die mir vom Verbrauch her sehr gut bekannte Strecke in die Arbeit genutzt habe. Mit Heizung, nur mit Sitzheizung, ganz ohne Heizung.

Der Winter-Mehrverbrauch ist auch ohne Heizung da. Frieren lohnt sich nicht, anders Heizen auch nicht.

*1) die ist Temperaturabhängig:
https://de.wikipedia.org/wiki/Luftdichte

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

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Tom7 hat geschrieben: "Auch auf der Langstrecke gibt es kein Reichweitenproblem."
Vermutlich nur unglücklich ausgedrückt deinerseits,
Ja, natürlich ist das auf die Nutzung der Fahrgastraumheizung bezogen.
P.S.: Die in den Raum geworfenen Biotreibstoffe sind nicht fossil.
Die Busse, auf die sich das bezog, verwenden Dieselheizungen. Die Betreiber erwähnen keinen Biodiesel, daher vermute ich, dass sie den gleichen normalen Diesel aus derselben Zapfstelle tanken wie die anderen Busse.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: BioEthanol/BioDiesel Standheizung im BEV

Tom7
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Meinereiner hat geschrieben: Ich habe das auch tatsächlich verglichen, indem ich die mir vom Verbrauch her sehr gut bekannte Strecke in die Arbeit genutzt habe. Mit Heizung, nur mit Sitzheizung, ganz ohne Heizung.
Ich auch, allerdings ist 1kW Heizleistung auch echt schwach, auch bei 0°C. So eine Heizung müsste bei bei min. 3kW einsteigen, klar abfallen bei Zieltemperatur von z.B. 22°C in der Luft auf vielleicht 1,5kW und nach und nach weiter fallen, weil der Innenraum sich aufwärmt.
Dass der Leaf hier nicht viel verbraucht liegt wohl nur daran, dass er schlicht kaum heizt. Das ist bei e-Golf übrigens sehr ähnlich. Bei Fahrzeugen mit großen Akkus gibt es aber eben gerne eine brauchbare Heizung. Wenn ich eine halbe Stunde fahre bei 0°C (15km), dann heizt meiner so, dass anfangs über 2kW verbraucht werden und hinten raus etwas weniger. Am Ende ist rund eine kWh verbraucht. Das macht auf 100km 6-7kWh mehr als ohne Heizung. Das alles macht schön warm, was ich übrigens auch nicht so praktiziere in der Regel. Ansonsten braucht es im Winter natürlich auch ohne Heizung bereits mehr.
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