Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

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Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Jupp78
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tommywp hat geschrieben: Elektromobilität muss man sich einfach leisten können.
Nein, das ist die falsche Schlussfolgerung. Schaut euch die Zahlen an, der Anteil an den Neuzulassungen bzgl. E-Fahrzeugen ist im Osten nicht geringer, als im Westen. Nur werden wesentlich weniger Neufahrzeuge dort zugelassen. Das liegt an der Einkommens- bzw. Vermögensstruktur. Neufahrzeuge muss man sich leisten können.

Die Zusammenhänge sind an sich total simpel. Hier werden aber gerne einmal mehr Ursache und Wirkung verwechselt.
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Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

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Sicherlich ist die Hauptursache die Einkommensverteilung. Das Ruhrgebiet hat seit den 80igern auch mit Strukturwandel zu kämpfen. Mit Zahlen kann ich es nicht belegen. Der Anteil an E-Autos wird im Raum Düsseldorf bestimmt höher sein, als z. B. in Gelsenkirchen.

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Jupp78
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Sicher, genauso wie die Zahl der Neuzulassungen auf 100.000 Einwohner.

Individualmobilität muss man sich halt leisten können. Der Rest sind Folgeerscheinungen.

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Misterdublex
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Es ist definitiv eine Einkommensangelegenheit.

Aus diesem Mobilitätsteufelskreis kommen bestimmte Einkommensgruppen gar nicht hinaus, schon gar nicht über Neuwagen. Es profitieren im überwiegenden Maße diejenigen, die eh schon überdurchschnittlich verdienen.

Beispiele:

Betriebskosten E-Auto:
Unterdurchschnittliche Einkommensbezieher haben üblicherweise kein Eigenheim mit Wallbox
- Die Möglichkeit ein E-Auto zu betreiben und das auch noch günstig, ist oft nicht gegeben,
- Man kauft sich ein Verbrenner und fährt damit zu etwa 10 €/100 km Auto.

Wer das Geld hat sich ein Eigenheim zu leisten, am Besten direkt mit PV-Anlage und Bilanzpunktregler,
- kann sich ein E-Auto kaufen und der fährt dann zu 1-3 €/100 km Auto.

D.h. allein bei den reinen Fahrtkosten sparen überdurchschnittliche Einkommensbezieher um den Faktor 3-10 gegenüber dem unterdurchschnittlichen Einkommensbeziehern. Unter der Annahme, dass beide 15.000 km/a fahren, so gibt der unterdurchschnittliche Verdiener 1.500 €/a aus für Sprit und der überdurchschnittliche Einkommensbezieher, mit einer gut dimensionierten PV-Anlage unter Umständen nur 150 €/a. (Gut, der überdurchschnittliche Einkommensbezieher hatte dafür die Investitionen für seine PV-Anlage, aber bei einem Eigenheim macht die oft nur wenige Prozent an der Gesamtinvestition aus)

Kauf Auto:
Der unterdurchschnittliche Einkommensbezieher kauft dann oft auch noch ältere Fahrzeuge ab 5 Jahre. Dort bricht dann allmählich die Zeit an, ab der ein Verbrenner teuer wird. D.h. er gibt dann vielleicht 7-10.000 € aus, muss die dann aber binnen 5 Jahren komplett abstottern, denn Schulden auf einen 10 Jahre alten Verbrenner sind wie Lotto spielen. Jederzeit könnten wegen Reparaturen 1-3.000 € oben drauf kommen. D.h. der unterdurchschnittliche Einkommensbezieher gibt dann auch monatlich 200 € allein als Rate für den Kauf des Gebrauchtwagens aus.

Der überdurchschnittliche Einkommensbezieher wird monatlich vielleicht genau das selbe zahlen (oft gibt es für Finanzierungen/Leasing gute Angebote) hat aber bei einem E-Auto gar kein so hohes Defekt-Risiko und wird über die gesamte Zeit wesentlich weniger für Inspektionen und Reparaturen ausgeben.

D.h. der unterdurchschnittliche Einkommensbezieher geht, gegenüber dem überdurchschnittlichen Einkommensbezieher ein viel höheres wirtschaftliches Risiko ein.

So zieht sich das an vielen Stellen durch das Leben der unterdurchschnittlichen Einkommensbezieher. Ein weiteres Beispiele ist die Altersversorgung durch Immobilien.


In dem Zuge, in dem sich im Osten weniger Leute ein E-Auto leisten können, als im Westen, können sich die Menschen im Westen, dann schon wieder mehr leisten, da sie durch ihre Investitionen, langfristig sparen und ggf. vorsorgen (siehe Eigenheim).

D.h. unterdurchschnittliche Einkommensbezieher können, weil ihnen die finanzielle Basis fehlt, die Investitionen gar nicht tätigen.
Und gebrauchte E-Autos aus der Zeit um 2015, die dann vielleicht finanziell erschwinglich wären, gibt es 1) gar nicht so viele, wie Bedarf wäre, da sie halt die Nachteile haben, weshalb es Mitte der 2010er nur wenige E-Autos gab und 2) erfüllen sie technisch wahrscheinlich gar nicht den Bedarf.
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Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Meinereiner
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Was viele halt nicht kapieren:
Wärmepumpen, E-Autos und PV-Anlagen sind keine grünen Spielereien, sondern senken laufende Kosten langfristig. Was effektiv das Einkommen erhöht. Beispiel: Bei mir entfallen 100% der Spritkosten, die Stromrechnung ist trotz E-Auto und steigenden Preisen wegen der PV gesunken, und dank Einspeisevergütung und THG-Quote kommen 600€/Jahr herein.
Das macht einen merklichen Prozentsatz des Einkommens für andere Dinge frei.

Natürlich muss man das Geld auch organisieren können, aber wo kein Wille ist, ist auch kein Weg, und Ausreden finden ist immer einfach. Ein guter Teil der Jammerer und AFD-Wähler könnte, will aber nicht. Und AFD-Wähler gibt es im Osten eben mehr.
Ein AFD-Wähler zieht auch oft die Verwandtschaft mit: Wenn man täglich das Gemecker über die "bösen" E-Autos und die üblichen "Kohbolt"-Argumente gebetsmühlenartig wiederholt, hat das natürlich einen Effekt.

"das E-Auto ist zu teuer" ist schlicht falsch. Man muss das über die Lebensdauer des Fahrzeugs inklusive Energiekosten rechnen, und dann sieht die Sache komplett anders aus. Die Leute, die mir das immer erzählen, fahren meistens relativ teure Kiste, oft geleast und mit hohem Verbrauch. Den rechnet nämlich niemand wirklich mit.

Natürlich gibt es Leute, die wirklich zu wenig Geld haben, oder die wenig fahren. Aber die paar spielen keine Rolle, und bei 3000km/Jahr ist es ohnehin relativ egal was man fährt.

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Helfried
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Das Einkommen ist meines Erachtens nicht der Hauptgrund für die geringe E-Auto-Quote in Ostdeutschland. Denn auch andere technische Sachen, die aber vergleichsweise ganz oder fast kostenlos sind, wie Geocaching oder Internet, haben sich seinerzeit im Osten wesentlich langsamer verbreitet als im restlichen D-A-CH-Raum. Der Fortschrittsgedanke liegt nicht nur am Geld.

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

TB-Q90
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Mit dem verfügbaren Einkommen steht und fällt die Entscheidung für teure Investitionen....dazu reicht ein Blick in die Statistik.
Einfach mal die Verteilung von E-Autos über die Einkommensstatistik legen.....

Und den Vergleich einer Anschaffung eines E-Autos mit der Verbreitung von Geocaching und dem Internet zu ziehen und das Ganze dann noch auf den Willen der Bewohner in Ostdeutschland zum Fortschrittsgedanken zu übertragen ist Stammtischpolemik vom Feinsten aus der untersten Schublade.

Internetverteilung? Warum sind die fünf neuen Bundesländer auch hier ganz hinten? Richtig Helfried, einzig der fehlende Fortschrittsgedanke...... und die Erde ist eine Scheibe.
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Zoe Q90 07/2017

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

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Möglicherweise gibt es mehr AFD-Wähler im Osten, weil es dort mehr Braunkohletagebau gibt.
Im Ruhrgebiet sehe ich Parallelen zum Osten. Geringeres Einkommen, Strukturschwache Region, weniger E-Autos.
Kann man Gesamtdeutsch folgern, der Osten ist Strukturschwächer als der Westen.
https://www1.wdr.de/nachrichten/nrw/ele ... l-100.html

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

TB-Q90
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Schattenparker: "Möglicherweise gibt es mehr AFD-Wähler im Osten, weil es dort mehr Braunkohletagebau gibt."

Und das Braun der Kohle soll auf die politische Sichtweise und Wahlentscheidungen abfärben ?
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Zoe Q90 07/2017

Re: Die Elektroauto-Mauer durch Deutschland

Helfried
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@TB-Q90 , anstatt dich über Thesen anderer User lustig zu machen, könntest du gerne deine eigene Meinung schreiben oder Argumente bringen.
Natürlich wählen Bergbauarbeiter andere Parteien als Berlin-Hipster.
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