Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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Da von diversen Staaten und auch Herstellern ein Ausstieg aus dem Verbrenner geplant wird, möchte ich hier den Status Quo für den Umstieg in der Breite aus meiner Sicht thematisieren.
Die Bewertung erfolgt in Schulnoten und soll von Zeit zu Zeit aktualisiert werden

Alltagstauglichkeit - 2
Schon länger völlig problemlos und sehr angenehm mit den meisten Fahrzeugen, sofern man einen zuverlässigen Ladepunkt hat - etwa bei der Arbeit oder zuhause. Ist dies nicht gegeben, wird es ggf. leider schwierig durch die Infrastruktur und sich ständig ändernde Tarife.
Ausblick: Es wird vermutlich besser mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur

Langstreckentauglichkeit
=> Reichweite - 3

Mehrere akuelle Fahrzeuge bieten eine reelle Autobahnreichweite von 300km aufwärts bei 120km/h. Das dürfte für viele Menschen noch akzeptabel sein, auch wenn es nicht den Möglichkeiten von Verbrennern entspricht.
Ausblick: kurzfristig wird dies nicht deutlich steigen, mittelfristig sind sicher auch 500km denkbar.

=> Ladegeschwindigkeit - 3
Mehrere aktuelle Fahrzeuge bieten Ladeleistungen zum Teil deutlich oberhalb von 100kW und halten die Leistung auch lange in einem hohen Bereich. Das dürfte für viele Menschen noch akzeptabel sein, auch wenn es nicht den Möglichkeiten von Verbrennern entspricht.
Diese Fahrzeuge rangieren preislich jedoch höher.


Kosten bei Neuanschaffung - 3

Durch die aktuellen Förderungen kommen viele Fahrzeuge in einen finanziell zum Verbrenner konkurrenzfähigen Bereich. Die Preise müssen jedoch noch deutlich sinken, damit dies auch nach Auslauf der Förderung gegeben ist.
Für das preissensible Segment sieht es noch nicht so gut aus.

Gebrauchmarkt - 4
Die aktuelleren und attraktiven Modelle sind noch kaum auf dem Gebrauchtmarkt zu Preisen deutlich unter dem Neupreis zu finden.

Fahrzeugauswahl - 5
Die Auswahl ist sehr schlecht, diverse Kategorien werden nur ungenügend oder gar nicht abgedeckt.


Anhängelast
=> Schwere Hänger Langstrecke 6

Selbst die sehr wenigen und teuren Fahrzeuge, die einen großen Wohnwagen ziehen dürfen, bieten dann nur noch eine schlechte Reichweite, die der Zielgruppe in den seltensten Fällen genügen dürfte.

=> Leichte Hänger Kurzstrecke 4

Es gibt mittlerweile einige Fahrzeuge, die leichte Hänger ziehen dürfen.

=> Lastenträger 3
Ein nennenswerter Anteil der Fahrzeuge erlaubt es, einen Fahrrad- oder Lastenträger auf der AHK montieren.
Standard ist dies aber leider noch nicht.


Wartung und Service 4

Werkstätten sind oft noch nicht mit dem Thema vertraut, freie Werkstätten fassen die Fahrzeuge meist erst gar nicht an, einige Ersatzteile sind sehr teuer und haben lange Lieferzeiten.


Langlebigkeit 5

Preise für Akkuersatz sind in der Regel nicht bekannt, sofern diese doch verfügbar sind, sind es öfter Mondpreise. Der Wechsel von Akkus scheint oft einfach gar nicht vorgesehen zu sein. Wenn man in Autohäusern nach dem Thema fragt, raten die oft zum Kauf eines Verbrenners.
Wer das Fahrzeug betreiben will bis es 20 ist, kauft hier aktuell die Katze im Sack und trägt ein hohes Risiko.

Infrastruktur 4
Es ist über die Jahre deutlich besser geworden, jedoch gibt es noch immer Lücken und Tarifwirrwar, insbesondere auch wenn man ins Ausland fährt.


Mein Fazit 03/2021:
Es sind noch viele Hausaufgaben zu machen. Technisch möglich sehe ich das zum größten Teil durchaus (schwere Hänger wird noch ein dickes Brett), aber das ist kein Selbstläufer.
Bei Zweitwagen wären allerdings auch kurzfristig deutlich höhere Anteile möglich.
Vergangenheit - Zoe Q210 2013
Gegenwart - Tesla Model 3 Long Range 2022
Zukunft - Citroën ë-C4 2022
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Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

Gerbs
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Grundsätzlich sind alle Autos ein Kompromis. Auch die einzigen wirklich erstwagentauglichen Familienfahrzeuge auf dem Markt (V-Klasse MarcoPolo 4Matic, California 6.1 Syncro und Tesla X) sind Kompromisse, da Teuer, Trink- bzw. Stromfest und zu groß für viele Parklücken.

Ein Auto ist immer für einen bestimmten Einsatzbereich gedacht. Dieser ist je nach Person verschieden und die bereiche unterschiedlich gewertet, sonst würde ja alle nur die oben genannten drei Modelle kaufen.

Innerhalb dieses einsatzbereiches gibt es Kompromisse - Ein E-Up ist klein und Praktisch für das Pendeln im näheren Umkreis, aber wenn ich damit ans andere Ende der Republik umziehen will ist es ein epischer Klimmzug. Der T6 / Marco Polo frisst mich beim Pendeln und in der Anschaffung arm, dafür fahre ich mit 6 Leuten und Tauchausrüstung problemlos nach Norwegen.

Bei weniger extremen Beispielen ist die Frage, wohin ich meinen Kompromis lege. Mein aktueller Dieselkombi (Ford Ficus Noxschummeldiesel aus dem Sozialen Autokaufprogramm der Bundesregierung (Ex-Geschäftswagen, gebraucht gekauft)) ist ein Kompromiss für den täglichen gebrauch, da zu groß und Kurzstrecken mag er auch nich, aber für das Wochende ist er gerade nicht zu klein. Hätte auch ein Benziner-Polo werden können. Praktischer unter der Woche und der Rest der Tauchausrüstung für zwei Personen passt auch in eine Dachbox. Wenn ich jetzt auf einer Seite einen Vorteil habe, kann ich auf der anderen Seite einen Nachteil akzeptieren. Oder mehr Geld ausgeben. Oder ein altes Auto fahren. Oder andere Hobbies... Es ist halt ein Bereich, der abgedeckt werden muss, und die Kompromisse auf der einen Seite sollten die Vorteile auf der anderen Seite nicht aufessen.

Meine Einschätzung nach sieht die Situation gefühlt wie folgend aus:

Anwendungsfälle, Fahrzeugauswahl, Kosten und Gebrauchtmarkt:
Für 30% besser, weitere 30% Abdeckung ohne Einschränkung, weitere 30% mit Einschränkungen als Kompromis, 10% noch nicht abgedeckt.
Für Anwendungsfälle mit Anhänger sieht es schlechter aus, Abdeckung ist hier ca 20%, weitere 10% mit erheblichen Einschränkungen.

Wartung und Langlebigkeit:
Ist Herstellerabhängig. Ich sehe hier aus Sicht eines Verbennungsmotorenentwicklers Elektrofahrzeuge extrem im Vorteil, besodnders was Kosten für Ersatzakkus im Vergleich zu Tauschmotoren/ Antriebssträngen angeht. Ersatzakkus sind unter Einbeziehung der Rücknahme des defekten Altakkus nicht teurer als AT-Motoren und deutlich langlebiger. Meine Autos halten es bei mir so um die 200 000km aus. Meine Handys halten erfahrungsgemäß bei mir ca 4 Jahre, macht ca 1000 Vollzyklen, also beim Elektroauto bei einer Reichweite 275km pro Vollzyklus 275 000km prognostiziert.

Infrastruktur Lokal: Siehe Statistik zu Graragenparkern. Jede Ladestation auf der Arbeit kommt dann On Top. Die letzten 30% werden hier schwieriger, aber bisher ist der Ausbau schnell genug für die Marktentwicklung.
Langstrecke: Der Ausbau ist schnell genug für die Marktentwicklung.

Beim nächsten Fahrzeugwechsel bei mir wird mit einem neuen e-Berlingo, einem ID3/4/Enyaq oder einem Ioniq5 alles abgedeckt sein, was ich als Anwendungsfall habe. Inklusive Anhänger. Ohne gescheite Lademöglichkeit zuhause.
20-35 tausend km im Jahr, das meiste am Wochenende, viel Zeugs und 1-2 Personen dabei, Lokal kurzstrecken (<60km unter der Woche) und sonst Strecken bis 200km, Tagestouren von 400km, ein bis zwei Ferienfahrten pro Jahr. Laden könnte ich durch Discounterschnorren, beim Tauchpartner oder an einer der örtlichen Säulen. AC-Lademöglichkeit an einem Tauchplatz sogar umsonst, sonst halt öffentliche Säule bzw. doch der Schnellader an der Autobahn.

Passt.

Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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Gerbs hat geschrieben: Grundsätzlich sind alle Autos ein Kompromis. Auch die einzigen wirklich erstwagentauglichen Familienfahrzeuge auf dem Markt (V-Klasse MarcoPolo 4Matic, California 6.1 Syncro und Tesla X) sind Kompromisse, da Teuer, Trink- bzw. Stromfest und zu groß für viele Parklücken.
Das ist richtig, aber es hat auch mit dem Thema nichts zu tun.

Gerbs hat geschrieben: Wartung und Langlebigkeit:
Ist Herstellerabhängig. Ich sehe hier aus Sicht eines Verbennungsmotorenentwicklers Elektrofahrzeuge extrem im Vorteil, besodnders was Kosten für Ersatzakkus im Vergleich zu Tauschmotoren/ Antriebssträngen angeht. Ersatzakkus sind unter Einbeziehung der Rücknahme des defekten Altakkus nicht teurer als AT-Motoren und deutlich langlebiger. Meine Autos halten es bei mir so um die 200 000km aus. Meine Handys halten erfahrungsgemäß bei mir ca 4 Jahre, macht ca 1000 Vollzyklen, also beim Elektroauto bei einer Reichweite 275km pro Vollzyklus 275 000km prognostiziert.
Die Praxis sieht leider anders aus, die Preise sind normalerweise nicht bekannt, es wird nur auf die Garantie verwiesen.
Beim Leaf waren die Preise dann doch mal bekannt, Du kannst hier im Forum aber die Dramen nachlesen, wo Kunden versucht haben, einen neuen Akku zu bekommen. Nissan blockiert einfach.
In einem anderen Thread hatte gerade Jemand den Preis für einen Zoe Akku genannt - 20.000€ + 2.000€ Einbau. Dass der Aufpreis Kaufakku statt Mietakku mal früher 8.000€ betrug, interessiert keinen.
Mein Zoe Akku ist nach jetzt 8 Jahren ziemlich platt (allerdings gemietet). Sicher ist auch kalendarische Alterung ein Thema, weswegen ist von sicherlich einem Austausch im Fahrzeugleben ausgehe.

Das durchschnittliche Fahrzeug auf Deutschlands Straßen ist über 9 Jahre alt, Tendenz steigend.
Wenn die BEV nun nicht nur teurer sind, sondern auch noch kürzer halten, macht das Autofahren an der Stelle einfach teurer. Und bei jüngeren Fahrzeugen war beim Verbrenner auch bislang schon der Wertverlust der höheste Einzelposten.
Deswegen sehe ich die höhere Preise langfristig nur als vertretbar an wenn die Fahrzeuge auch länger genutzt werden. Oder zumindest gleich lang, aber nicht deutlich kürzer. Das heißt eine Lebensdauer von 15-20 Jahren sollte in der Regel drin sein.
Da man einen einfacheren Aufbau hat, sollte das ja auch grundsätzlich kein Problem sein.

Das Thema Akkutausch wird aber derzeit von den Herstellern und auch hier im Forum totgeschwiegen und Leute, die danach fragen werden sogar noch als Petrolheads diffamiert.
Ich sehe das anders - wem Elektromobilität am Herzen liegt, dem sollte auch daran gelegen sein, dass hier alle Felder mittelfristig grün werden, sonst wird es nichts mit dem Durchbruch in der Breite.
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Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

holobro
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Naja es gibt ja die entsprechenden Themen an denen du dich auch beteiligen könntest.
Z.B. viewtopic.php?f=12&t=57651&start=10

Da ist Teilweise von - 1 % pro Jahr bzw - 2 % pro 50.000 km die Rede.
Ich hab manchmal auch das Gefühl, dass man da etwas die Katze im Sack kauft derzeit.

Für viele Privatkäufer ist derzeit die mangelnde Auswahl an Gebrauchtwagen wahrscheinlich der größte Hinderungsgrund.
Bei einem EV Anteil an den Neuzulassungen von ca. 1 % bis vor 1,5 Jahren, ist das auch nicht überraschend.
Wenn wir aber jetzt seid dem Herbst 2020 konstant bei ca. 10 % liegen, entschärft sich das Problem hoffentlich in 1 bis 2 Jahren.

Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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@holobro
Genau, der Gebrauchtmarkt sollte deutlich kommen in den nächsten Jahren. Auch weil zur Zeit viele leasen, weil sie die Entwicklung gerade nicht abschätzen können. Fragt sich nur, ob die Nachfrage nicht auch so stark steigt, dass sich das auch wieder die Waage hält.
Ich hab das Gefühl, dass bei den begehrten Modellen erstmal wenig geht. ID.4, Enyaq zB.

Für die Gebrauchtkäufer wird das Thema Akku dann aber halt auch interessanter wenn die auch noch 25.000€ bezahlen und nur noch 5 Jahre Garantie haben.

Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass da mittelfristig nichts entsteht (zB auch vom Fremdanbieter). Aber wenn man nun zB eines der ersten MEB Fahrzeuge, wird man auch einer der ersten sein, für die das Thema relevant wird und da könnte es noch blöd aussehen.
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Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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Karlsson hat geschrieben: Das ist richtig, aber es hat auch mit dem Thema nichts zu tun.
Doch, es hat was mit dem Thema zu tun. Der Kompromiss ist einfach der individuelle Bestandteil. Was ist wichtig und was spielt hinein. Beispiel: Die eigene Lademöglichkeit zu Hause. Schon verschieben sich die Themen Alltagstauglichkeit und Ladegeschwindigkeit.

Hingegen weniger mit dem Thema hat das Thema Tauschakku zu tun.
Insgesamt bin ich bei dir, dafür wird es einen Zweitmarkt geben. Ich habe von jemand gelesen, der seinen PHEV-Akku gepimpt hat, also einfach im Kofferraum weitere Module parallel angeschlossen hat. Hat problemlos funktioniert (bis auf die Reichweitenanzeige ;)). Das ist kei Hexenwerk.
Und an deine Preise von deutlichen fünfstelligen Beträgen glaube ich nicht.
Frag dazu mal bei @umberto nach, der hat bei seiner Zoe den Akku pimpen lassen. Keine Ahnung was das gekostet hat, aber 20.000€ kann ich mir nicht vorstellen, dass er das ausgegeben hat.

Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

WgoingD
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Gerbs hat geschrieben: Wartung und Langlebigkeit:
Ist Herstellerabhängig. Ich sehe hier aus Sicht eines Verbennungsmotorenentwicklers Elektrofahrzeuge extrem im Vorteil, besodnders was Kosten für Ersatzakkus im Vergleich zu Tauschmotoren/ Antriebssträngen angeht. Ersatzakkus sind unter Einbeziehung der Rücknahme des defekten Altakkus nicht teurer als AT-Motoren und deutlich langlebiger. Meine Autos halten es bei mir so um die 200 000km aus. Meine Handys halten erfahrungsgemäß bei mir ca 4 Jahre, macht ca 1000 Vollzyklen, also beim Elektroauto bei einer Reichweite 275km pro Vollzyklus 275 000km prognostiziert.
Das muss sich erst noch zeigen. Dass ein Tausch-Akku günstiger ist als ein Tauschmotor glaube ich noch nicht... Entscheidend ist ja nicht was das Ding kostet sondern wie viel Du dafür bezahlen musst;-) Das sitzt noch der Hersteller mit seiner Aftermarket-Marge dazwischen...
Ich fürchte spätestens ab einem Alter von 10 oder 12 Jahren (vielleicht auch deutlich eher) ist der Punkt erreicht wo Reparaturen am Antrieb (Akku/Triebstrang) schnell im technischen Totalschaden enden und niemand mehr bereit ist das zu investieren. Wie sich die Komponenten hinsichtlich Lebensdauer wirklich verhalten ist aktuell noch weitgehend unbekannnt. Beschleunigt sich die Degradation bei den Akkus irgendwann oder geht das linear weiter runter? Gibt es bei den Motoren bzw. der Leistungselektronik im hohen Alter plötzlich gehäuft Ausfälle? Es mit diesen Komponenten im PKW Bereich keine breite Erfahrung und jeder Hersteller wird versuchen das Optimum zu finden. Ich fürchte der Weg dorthin ist mit Lehrgeld zu bezahlen -- innerhalb der Garantiezeit vom Hersteller, danach vom Endkunden;-)
Mit Glück kannst Du eventuell 300 000 km zurücklegen mit geringen Wartungskosten und ohne nennenswerte Reparaturen. Mit Pech hast Du nach 100 000 oder 150 000 km Schaden hohen vierstelligen oder fünfstelligen Euro-Bereich und das wars dann.

Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

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Jupp78 hat geschrieben: Doch, es hat was mit dem Thema zu tun. Der Kompromiss ist einfach der individuelle Bestandteil. Was ist wichtig und was spielt hinein. Beispiel: Die eigene Lademöglichkeit zu Hause
Darum ging es hier doch gar nicht, sondern er hat ausgeführt, dass es kein one-fits-all Auto geben kann hinsichtlich verschiedener Formen und Größen. Und darum geht es hier nicht, sondern darum, dass es für alle Usecases eine Auswahl an BEV Angeboten gibt, die auch für die Massen taugen. Also kein Fail bei Kosten, Service, Langlebigkeit, Modellvielfalt.... etc.
Die eierlegende Wollmilchsau soll hier nicht das Thema sein.

Jupp78 hat geschrieben: Hingegen weniger mit dem Thema hat das Thema Tauschakku zu tun.
Unter dem Aspekt Langlebigkeit sehr wohl, solange Akkus nicht üblicherweise 20 Jahre durchhalten.
Jupp78 hat geschrieben: Insgesamt bin ich bei dir, dafür wird es einen Zweitmarkt geben.
Darauf setzen wohl einige Hersteller und die haben IMHO ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Oder es muss sich sowas erst entwickeln, das hieße für die Masse aber eigentlich erst mal Finger weg vom Elektrozeug, solange das Verhalten im Alter eine absolute Wundertüte ist.
Jupp78 hat geschrieben: Frag dazu mal bei @umberto nach, der hat bei seiner Zoe den Akku pimpen lassen. Keine Ahnung was das gekostet hat, aber 20.000€ kann ich mir nicht vorstellen, dass er das ausgegeben hat.
Umberto hat einen 2013er Zoe und er hat den 22er Akku gegen einen 41er tauschen lassen, wie auch einige andere hier. Das war kein Schnäppchen und vor allem war es auch nichts von einem Drittanbieter, sondern Renault hat das getan und der Akku bleibt dabei weiterhin Eigentum der Renault Bank.
WgoingD hat geschrieben: Wie sich die Komponenten hinsichtlich Lebensdauer wirklich verhalten ist aktuell noch weitgehend unbekannnt. Beschleunigt sich die Degradation bei den Akkus irgendwann oder geht das linear weiter runter?
Mein Akku ging im 8. Jahr deutlich runter, vorher weniger.
WgoingD hat geschrieben: Mit Glück kannst Du eventuell 300 000 km zurücklegen
Ich hatte 71% SOH bei rund 87tkm nach 7,75 Jahren. 8 Monate vorher waren es noch 96%.
WgoingD hat geschrieben: Das muss sich erst noch zeigen. Dass ein Tausch-Akku günstiger ist als ein Tauschmotor glaube ich noch nicht...
Beim Golf 3 hat ein überholter Rumpfmotor damals gut 3.000€ gekostet. Der Turbolader und die Kupplung kamen aber später noch dazu.
Bei der Akkuerneuerung würde ich in 10 Jahren von 50-100€/kWh ausgehen wenn man dafür seinen alten, noch als Stationärspeicher taugenden Akku in Zahlung gibt.
der sagen wir besser das ist das Modell, das ich mir wünschen würde.
Weil ich gewiss nicht bereit bin, ein Auto für 25.000-50.000€ nach 10 Jahren zum Teilespender zu machen. Wenn Elektromobilität so aussieht, bin ich erstmal wieder raus bis sich das ändert.
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Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

hgerhauser
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Inzwischen habe ich eine (ohne Einheiten auf den Achsen) Graphik gefunden, die zu Karlsson's Vorstellungen zur Batteriedegradation passt:

https://www.geotab.com/blog/ev-battery-health/

Zur Zoe und dem Thema BMS und Puffer gibt es hier einige Posts.

So weit wie ich das verstehe: die chemische Degradation ist irreversibel.

Quote von Karlsson:
"Mein Zoe Akku hatte nach 4 Jahren noch 89% und hat dann ein BMS Update bekommen und lag wieder bei 98%. Nach 7 Jahren waren es noch 96%. Im 8. Jahr ging es dann rapide auf 71% runter."

Der Sprung von 89% and 98% macht am ehesten Sinn, wenn da ungenutzte Puffer freigegeben worden sind.

Der Nachteil der Sache: Sowohl die Zyklendegradation ist viel schlimmer beim Laden von 0 auf 100% als auch die kalendarische Alterung, wenn man das Fahrzeug bei 100% rumstehen lässt.

Die Zoe soll eine Bruttokapazität von 25,9 kWh haben.

https://www.goingelectric.de/wiki/Renault-ZOE/

Wenn nur 22 kWh freigegeben sind bei der 43 kW Zoe, lädt man am Anfang also nur auf "echte" 22/25,9=85%.

Durch freigeben lässt sich die Degradation verbergen, bis man unter den 85% angegekommen ist. Dann sieht es so aus, als hätte man bis zu diesem Zeitpunkt (fast) keine Degradation gehabt.

Die kalendarische Alterung ist eigentlich sogar deutlich besser als linear, sie wird mit der Zeit langsamer, konkret in Zahlen, wenn in den ersten 4 Jahren 2,5% weggehen, braucht man weitere 16 Jahre bis weitere 5% weg sind, nicht wie man linear erwarten würde nur 8 Jahre.

20 Jahre ist ohne weiteres machbar, bei einer 22 kWh Netto Zoe aber deswegen schwierig, weil man nicht nur bei 22 kWh pro 100 km schon nach 100000 km 1000 Zyklen durch hat, sondern auch die meisten Nutzer regelmäßig auf 100% (bzw. am Anfang echte 85%) laden werden, weil die Reichweite sonst ja noch beschissener ist.

Hat man 100 kWh an Batterie und 20 kWh Verbrauch hat man schon 500000 km bevor die Batterie 1000 Zyklen hat, und außerdem kann man leicht aufs Laden auf 100% verzichten, Halbzyklen verdoppeln den möglichen Durchsatz, wer also von 25% auf 75% lädt, schafft mit der gleichen 100 kWh Batterie dann eine Million Kilometer für die gleiche Zyklendegradation, bei der die 22 kWh Zoe mit 22 kWh Verbrauch nach nur 100 Tausend Kilometer ist.

Angeblich sollen einige neuere Batterien sowieso zyklenfester sein und 3000 Vollzyklen schaffen. Wenn dann wieder das gleiche für Halbzyklen gilt, käme man bei 20 kWh Verbrauch und einer 100 kWh Batterie auf 3 Millionen Kilometer (für Robotaxis interessant).

Re: Checkliste Status Quo Elektromobilität für die Massen

Helfried
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WgoingD hat geschrieben: Beschleunigt sich die Degradation bei den Akkus irgendwann oder geht das linear weiter runter?
Gegen Schluss hin beschleunigt sich die Degradation dramatisch. Es ist wie bei einem menschlichen Raucher, 90% der Probleme zeigen sich im letzten Jahr.

Ein Akku, der noch ganz gut mit 75% SOH dahinwurstelt, wird dann bald knapp unter 70% sein Leben aushauchen. Langsam abfallende SOH-Werte von 60-50-40-30-20-10 % sind unrealistisch. Generell gehe ich von einer Auto-Lebensdauer von 9 Jahren aus, dabei ist dann beim Lebensende nur in 50% der Fälle der Akku schuld. Die anderen 50% sind irreparable Elektrikfehler. Autos mit dem R zeigen es in Zeitraffer, es ist niemals der Rost schuld.

Damit müssen Early Adopter wohl leben. Es ist dabei gut, wenn man sein Auto auch ein bisschen als ein Hobby sieht (oder alternativ die Wege als das Ziel sieht). Wenn man sich weder für Auto noch die Wege interessiert, sondern nur für die Ziele (z.B. Pendeln in die Arbeit), könnte ein alter Diesel für die Massen derzeit noch billiger sein.

Ohne Förderung und Regulierung der Nachhaltigkeit durch die EU mittels gesetzlicher Maßnahmen (erzwungene Tauschbarkeit von Kompomenten etc.) dürfte es ein zäher Weg werden, bis die Autos wirklich preiswert werden.
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