Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

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Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

KillerTV
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Aus gegebenem Anlass (Bericht von Teslabjörn über das AC-Ladeverhaltens des M3 https://www.youtube.com/watch?v=Zpp0iQC5xxc ; Bericht von CarManiac zum DC-Ladeverhalten des China-M3 https://www.youtube.com/watch?v=RbjFtZ7aMGM ; Berichte von Nextmove zum Batterie-Heizverhalten des ID.3 https://www.youtube.com/watch?v=Zf-ikz0wrls) muss ich hier mal - vermutlich nicht den ersten - Thread zur Erstwagentauglichkeit von E-Autos im Jahre 2021 aufmachen.

Vorab: Ich bin begeisterter E-Auto-Fahrer (E-Golf) und halte E-Autos in 2021 für uneingeschränkt zweitwagentauglich. Auch preislich sind wir mittlerweile (mit Förderung) in Regionen angelangt, in denen ein e-up oder Twingo electric im Rahmen sind. Einzig einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt (mit entsprechend niedrigen Preisen) gibt es in meinen Augen noch nicht.

Aber: Von Erstwagentauglichkeit für die breite Masse sind wir in meinen Augen doch noch ziemlich weit entfernt. Erstwagentauglich für die breite Masse ist ein Auto in meiner Definition dann, wenn es die täglichen Pendelstrecken zur Arbeit bewältigen kann und nur einmal, max. zweimal die Woche geladen werden muss (der Großteil der Deutschen besitzt kein Eigenheim!). D.h. geladen wird während des Einkaufs. Zwei Urlaubsfahren pro Jahr >400km und ein paar Verwandtenbesuche zu Weihnachten und anderen Anlässen (auch Langstrecke) müssen auch ohne große Umstände und Umstellung vom Verbrenner abzudecken sein.
Und da hapert es noch gewaltig. Weg zur Arbeit / zum Einkaufen mit den VW ID-Modellen im Winter? Derzeit nur mit gigantischem Heizaufwand für den Akku möglich - Softwareupdate wird von Usern zwar eingefordert, ob das kommt ist allerdings fraglich. AC-Laden mit dem Model 3 im Winter? Ladeverlusten von >20% im Sommer stehen dann mal ordentliche ca. 50% im Winter gegenüber (in Verbrenner-Worten: Man steht an der Tanke und kippt die Hälfte des Sprits neben den Stutzen). DC-Laden mit ID-Modellen oder noch besser mit dem China M3 im Winter: Nur mit extrem verlängerten Ladezeiten (erklären Sie mal den Kindern auf der schlecht gedämmten und im Vergleich zu deutschen Autos schlecht gefederten Rücksitzbank, dass der Weg zur Verwandtschaft leider eine Stunde länger dauert, weil es kalt draußen ist...).

Man kann sich das alles Schönreden. Ja, die Effizienz des E-Autos ist besser als beim Verbrenner - auch wenn knapp 50% Ladeverluste auftreten. Das interessiert uns E-Community vielleicht, den "Normaldeutschen" interessiert das nicht die Bohne. Wenn ein E-Auto im Winter plötzlich ab Wallbox das zwei bis dreifache des WLTP-Verbrauchs benötigt (zu den Ladeverlusten kommt ja noch der erhöhte Winterverbrauch) ist Ende Gelände mit E-Begeisterung. Langstrecke, ja, man kann ja auch immer 90 fahren (um Reichweite zu "generieren") und dann die letzten 50km vor dem Ladevorgang volle Pulle mit 150 Sachen über die Autobahn düsen, damit der Akku wohltemperiert die Ladung beginnen kann - Hallo, geht' noch? Und dass auf Kurzstrecke erst mal 500kG Metall erwärmt werden müssen, um die Garantiebedingungen erfüllen zu können, Ja, das ist auch ganz wichtig.

Ich war vor zwei Wochen kurz davor, unseren Erstwagen Passat B7 TDI herzugeben und einen Skoda Enyaq 80 zu bestellen. Wie gesagt, ich bin von E-Autos sehr angetan und verfolge die Entwicklung schon länger. Wenn ich mir das Theater - gerade im Winter - aber so ansehe, bin ich ganz froh, dass mich meine Frau überredet hat, erstmal eine Probefahrt zu machen (nicht vor April). Da kann ich mir das Für-und-Wider nochmal gut überlegen. Für meinen persönlichen Einsatzbereich für einen Erstwagen (täglich 11km zur Arbeit, 11km zurück, gelegentlich 5km zum Baumarkt, 2km zum Einkaufen, Urlaubsfahrt mit Rädern auf der AHK und Dachgepäck 140km/h, Verwandtenbesuche 400km one-way mit 160km/h) sehe ich da, vor allem in dem kühleren Drittel des Jahres, eher Schwarz. Ich bin bereit, Kompromisse einzugehen. Aber irgendwo hört es dann auch auf. Eine halbe Stunde zusätzlich auf 400km Strecke: iO, 50% höherer Verbrauch ab Steckdose im Winter: iO, 140km/h an Stelle von 160km/h: unter großen Schmerzen iO, 20% höhere Tankkosten im Vergleich zum Verbrenner auf Langstrecke wegen DC-Laden: iO. Ich sehe bislang noch kein E-Auto bis 50T EUR Kaufpreis, das diese Bedingungen zu allen Jahreszeiten erfüllen kann. Ich lasse mich von der Community aber gerne eines Besseren belehren.

Klingt nach etwas Frust? Ist es leider auch. Weil die Autohersteller mal wieder mehr versprechen, als sie liefern können. Schade eigentlich.
Tags: Enyaq Tesla-Model-3 VW-ID-3
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Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

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Jetzt warte den Enyaq erst einmal ab, lass den ein paar Jahre im Feld laufen und dann entscheide an Hand der Erfahrungen der Nutzer der ersten Stunde. Du hast schon einen EV und wirst sicher selber erkennen, was der schon kann und was nicht. Und wenn man dann sieht, wie die Kilometerleistung am "Zweitwagen" nach oben geht, muss man sich schon die Frage stellen, ob nicht der EV der Erstwagen ist der für manche Fälle einen Zweitwagen als Verbrenner benötigt.
Wenn du dann genau siehst was Deine Verbrenner noch können muss, und wenn dann die Ehrlichen Erfahrungen und Frusterlebnisse mit dem Enyaq auf dem Tisch liegen, erst dann kann man entscheiden. Ich habe auch schon einen EV (Erstfahrzeug, aber für mich geht sich das halt aus, weil ich zu Hause laden kann und mit der Bahn zur Arbeit fahre), daher habe ich überhaupt keinen Stress den Enyaq als erster zu fahren. Mal sehen was der im Winter so schafft, ob der alle Probleme des Id,3 erbt oder nicht. Wer hier unbedingt der Erste sein will, ok. Wer aber skeptisch ist sollte warten. Vielleicht ist der El-Born besser, oder ein tesla Y, oder ein Ariya... man wird sehen.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 100.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

Helfried
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KillerTV hat geschrieben: Und dass auf Kurzstrecke erst mal 500kG (sic) Metall erwärmt werden müssen, um die Garantiebedingungen erfüllen zu können
Diese aus meiner Sicht etwas anfängermäßige Idee hat vor allem Volkswagen. Ich glaube, dass sie nicht zuletzt aus der weltweiten Ressourcenknappheit bezüglich Rohstoffen und Akkuzellen entspringt. Das Problem dürfte sich in ein paar Jahren lösen. Mit Kobalt ginge es natürlich auch eleganter. Bessere Akkus wurden schließlich schon vor zehn Jahren erfunden.

Außerdem sollte man eine Garage mieten als Elektroautofahrer, das lohnt sich meiner Meinung nach für alle Formen von Elektroautos. Dann sehe ich keine weiteren Probleme für elektrische Erstwagen, eine gewisse geistige Flexibilität freilich vorausgesetzt.


Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

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Nach der Definition im Start-Post ist der Hyundai Ioniq bereits seit 2016 voll erstwagentauglich.
06/2018 Hyundai IONIQ Elektro Premium weiß
06/2020 Renault ZOE Z.E. 50 INTENS R135 blueberry

IONIQ 5 "Projekt45" reserviert (Atlas White / Full Black) - Sangl #59
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Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

Cerebro
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Also meine beiden e-Golf sind schon seit 2017 erstwagentauglich. Erstwagen definiert sich bei mir über die hauptsächliche Nutzung des Fahrzeuges und nicht über die 2,3 oder 4x Langstrecke pro Jahr. Da miete ich mir lieber ein größeres und komfortableres Fahrzeug.
Ich kauf mir doch auch kein Transporter um 2x im Jahr im Möbelhaus einkaufen zu können.

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

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KillerTV hat geschrieben: [...]
Erstwagentauglich für die breite Masse ist ein Auto in meiner Definition dann, wenn es die täglichen Pendelstrecken zur Arbeit bewältigen kann und nur einmal, max. zweimal die Woche geladen werden muss (der Großteil der Deutschen besitzt kein Eigenheim!). D.h. geladen wird während des Einkaufs. Zwei Urlaubsfahren pro Jahr >400km und ein paar Verwandtenbesuche zu Weihnachten und anderen Anlässen (auch Langstrecke) müssen auch ohne große Umstände und Umstellung vom Verbrenner abzudecken sein.
[...]
Ich finde deine Definition interessant; deckt sich meiner Erfahrung nach mit vielen, die im Gegensatz zu dir noch nie E-Auto gefahren sind geschweige denn einen (als Zweitwagen) haben.
Im Kern frage ich mich dabei nämlich vor allem, ob in Zukunft "ohne große Umstellung" einmal da sein wird. Mögliche Varianten gibt es da viele, denke ich. 800 Volt Systeme und entsprechend extrem hohe Ladegeschwindigkeiten? Induktiv am Rastplatz?
Ich denke, ich verstehe deinen Ansatz richtig, wenn ich annehme, dass du im Wesentlichen vom Komfort- und Zeit- und Reichweitenaspekt sprichst. Es müssten dann entweder bei (beispielhaft ...) 130km/h schon unter schlechten Bedingungen um 600km machbar sein, damit auch mäßige Ladegeschwindigkeiten zum Nachladen reichen oder eben extrem hohe Ladeleistungen anliegen. Dazu kommt natürlich eine Art Plug and Play ohne 100 Ladekarten (ich weiß, auch heute reicht in der Regel eine mit einer Notfalllösung) und mit zuverlässigen Stationen.
Wie realistisch ist das? Und wie realistisch ist das in 5, 10 oder 20 Jahren?
Extrem spannend, finde ich.
Für mich und uns funktioniert es schon seit Jahren als Erstwagen und inzwischen haben wir nicht einmal mehr einen Verbrenner.
Wäre ich nicht da, würde meine Frau das nie von sich aus wagen. Und das kann ich gut verstehen.
Mit freundlichen Grüßen
Tobi

Bild Kona 64kWh 05/20 mit S.K. AHK und 1.300kg eingetragen
R135 ZE50 Intens 11/20
JuiceBooster 2, NRG Kick
Stevens E-CAYOLLE Human-Hybrid; SoFlow SO6

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

andi_hb
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Hyundai Kona und Kia E-Niro sollten das geforderte Profil doch bereits erfüllen (64KWh Modell).

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

KillerTV
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Tatsächlich sehe ich für bestimmte Nutzergruppen und -profile auch heute schon die Erstwagentauglichkeit von E-Autos. Keine Frage. Einige Nutzer hier im Forum (und sogar im Thread) sind ja dafür gute Beispiele (gut von mir wirklich in der Form als "Vorbild" gemeint).

Für die große Masse der Bevölkerung - und da zähle ich mich mit meinen Anforderungen an ein E-Auto auch dazu - ist der status quo aber noch nicht ausreichend. Es sind einfach noch zu viele Kompromisse nötig.

Die Koreaner (allen voran Hyundai) sind da schon auf gutem Weg. Aber die Ladegeschwindigkeit auf Langstrecke ist für mich noch das Ausschlusskriterium.

E-Golf habe ich meine eigenen Erfahrungen. Der ist für 99% der Bevölkerung (mich eingeschlossen) nicht langstreckentauglich. Mit dem brauche ich für den 400km Verwandtenbesuch im Besten von ABRP errechneten Fall 1,5h mehr als mit meinem Verbrenner - no go für mich (und vor allem die Kids).

Von Tesla Model 3 habe ich mir einiges versprochen, werde aber durch die derzeitigen Berichte in meinen Erwartungen stark eingebremst.

ID-Familie inkl. Derivate von Skoda und Seat: Hier verspreche ich mir eigentlich am Meisten, gerade auch bei Preis/Leistung. Da hapert es aber derzeit noch so gewaltig an der Software (First Mover Bugs; meine Erfahrungen mit WeConnect vom E-Golf sind auch unterirdisch) und dem Batteriemanagement (Thermomanagement auf Kurzstrecke), dass ich da mittlerweile auch eher eine mittelfristige Perspektive sehe.

Auf Sicht von ca. 5 Jahren sehe ich aber, dass viele der Probleme gelöst sein werden. Nur eben leider noch nicht heute. Das finde ich schade, weil es für mich persönlich bedeutet, dass ich weitere fünf Jahre mit meinem Verbrenner überbrücken muss. Ein Neukauf eines Verbrenners kommt für mich übrigens nicht in Frage.

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

andi_hb
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Es kommt ja jetzt auch der Mercedes EQA 250 auf den Markt, das könnte ein sehr interessantes Auto sein.
Der hat 66KWh Akku und auch über 400km Reichweite.
Ladeleistung soll 100KW DC sein.
Preis soll bei 47000 liegen.


https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/a ... 540%20Euro.

Re: Erstwagentauglichkeit von E-Autos in 2021

troyan
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Ein kalter Verbrenner benötigt maximal 1km ebenfalls mehr als 10L/100km. Damit ist man nicht besser als ein ID.3, der die Batterie aufheizt. der liegt dann irgendwo bei 50kwh/100km.
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