Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

Blueskin
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Bingo!
Gerade im Bekanntenkreis erlebt :
Bis vor kurzem noch Auto mit Akku weit von sich gewiesen wegen der armen Kinder im Kongo, dem Lithium-Raubbau usw.
Jetzt hat ihm der Steuerberater ausgerechnet, wieviel günstiger alleine schon ein PHEV-Firmenwagen netto für ihn ist..... und zack, steht ein Diesel ohne den bösen Akku nicht mehr zur Debatte.
(BEV allerdings auch nicht, da Langstrecken-Fahrer)
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Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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Ich bin sehr für die eMobilität, weil ich es langfristig als die bessere Lösung ansehe. Aber(!) es gibt durchaus Kritik, der man sich in der aktuellen Ausprägung stellen muss.

Die Fahrzeuggröße und -masse ist ein Aspekt, der auf Dauer nicht zielführend sein kann. SUV/CUV erzeugen mit großerer Stirnfläche mehr Widerstand und einen tendenziell höheren Energieverbrauch: nicht gut, ganz egal welcher Antrieb. eAutos haben (bis auf wenige Ausnahmen, u.a. Model 3 SR) einen 350...500+kg Nachteil: jedes Kilogramm führt zu höherem Verbrauch, zu höherem Energieaufwand bei der Rohstoffgewinnung, bis über die Produktion hinweg: nicht gut.
Wir können schlicht nicht vor der Entropie fließen, es gibt nur eine Möglichkeit: weniger verbrauchen, weniger verbauen, weniger bewegen.

Je höher die Energiedichte der Zellen wird, desto weniger Zellen brauchen wir, desto weniger Material muss gefördert werden, desto weniger Energie wird verbraucht, desto leichter wird die Konstruktion, die Fahrwiderstande - usw. diese Spirale kann man "ewig" weitertanzen.

Kommen wir zum CO2 der Fahrenergie. Ich wähle als Beispiel eine Zoe und ihre Markenschwester Clio (Artikel nach dem französischen Original) als Benziner und Hybrid. Jeder der nicht auf eine eigene PV- oder Windkraft-Anlage zurückgreifen kann, fährt automatisch mit dem Strom-Mix, selbst wenn virtuell Öko-Strom bezogen wird, real betrachtet hängen immer die Kohle- und Gaskraftwerke mit am Netz.

___ Zoe 50:
LG Chem/Korea: 55kWh brutto @ 125kg CO2/kWh* = 6.875kg CO2
Verbrauch fahrend: 15,0kWh/100km (@ Strom-Mix; 401g CO2/kWh 2019)
Verbrauch inkl. Ladeverluste: 15,0kWh/100km +18% = 17,7kWh/100km (WLTP)
CO2-Emission fahrend: 71,0g/km

___ Clio TCe100
Verbrauch fahrend: 5,2l/100km (WLTP @ 2,34kg CO2/l)
Verbrauch inkl. Erzeugung: 2,34kg CO2/l +15% = 2,69kg CO2/l
CO2-Emission fahrend: 139,9g/km

> CO2-Break-even: 99.872km
> Fahrleistung/Jahr: 7,4 Jahre (KBA: ø13,5tkm)

___ Clio Hybrid
LG Chem/Korea: 1,2kWh brutto @ 125kg CO2/kWh* = 150kg CO2
Verbrauch fahrend: 3,8l/100km (WLTP @ 2,34kg CO2/l)
Verbrauch inkl. Erzeugung: 2,34kg CO2/l +15% = 2,69kg CO2/l
CO2-Emission fahrend: 102,2g/km

> CO2-Break-even: 216.350km
> Fahrleistung/Jahr: 16 Jahre (KBA: ø13,5tkm)

Also wie wir sehen, ist es nicht ganz einfach eine "glasklare" Aussage zu machen, was nun wirklich besser ist oder nicht. Es spielen viele Aspekte mit rein, fahre ich das BEV sparsam, ist der Akku und seine Rohstoffe mit CO2-armen Energien produziert worden, fahre ich den Benziner sportlich und treibe den Verbrauch in die Höhe oder bin ich auch hier sparsam und dafür verbraucht das BEV mehr - analog verhält es sich mit dem Hybriden, wird dieser seinem Verbrauch gerecht, kann er ihn unterbieten oder ist es Augenwischerei?

Alles was wir heute tun, geschieht mit dem starken Fokus, etwas für "die Zukunft" zu tun, sind aktuell die eMobilität die einzige Möglichkeit effektiv CO2 zu sparen - es kommt drauf an! Lokal emissionsfrei und geräuscharm zu fahren, liegt offensichtlich auf der Hand aber es ist noch ein längerer Weg, um aus dem Stand heraus schon "besser wegzukommen", weniger fahrdynamisch als eher klimatechnisch.

Der Strom wird bei uns, wie auch global zunehmend sauberer, das geschieht leider nicht ad hoc und muss sich entwickeln.

Hinzukommt: Was die Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz der Rohstoffförderung betrifft, gibt es aktuell (meines Wissens nach) kein kontrollierter und zertifizierter Nachweis, unter dem bestimmte Mindeststandards eingehalten werden. Daher können wir bislang keine Auskunft erhalten, wie "gut" oder "schlecht" die Bestandteile der Zelle gewonnen wurden. Es ist ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Es passierte und passiert genug Mist bei der Ölgewinnung, ohne Zweifel, aber das entschuldigt "uns" nicht, dass die andern "schlimmer" wären - es muss in unserer Verantwortung liegen, dass es so gut ist, wie es sein soll. Ein Negativ-Vergleich (da drüben ists schmutziger!) lasse ich als ethisch-überlegenere Begründung nicht gelten.

Wer eine gute Antwort auf die Fragen hat, bitte, die wäre mehr als wichtig - andernfalls müssen wir auch mal eine Spur Bescheidenheit zeigen und auch mal offen und ehrlich zugeben, dass wir nicht alle Themen "besser" handhaben oder über alles Auskunft geben können, was noch ungeklärt ist.

Quellen:
* https://edison.media/erklaeren/diese-em ... 54274.html
Der Widerwille jemanden zuzuhören, berut auf der Angst, die eigene Meinung zu ändern.
(c) Carl Rogers

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

roberto
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Ungeachtet der verwendeten Daten, die sicher auch diskussionswürdig wären, zeigt Dein Vergleich eigentlich ein ziemlich eindeutiges Ergebnis: Das BEV ist der klare Sieger punkto CO2-Emissionen und der Hybrid ist eben nur eine "halbe Lösung". Abgesehen davon gibt es auch noch andere Kriterien, die auch für das BEV sprechen, also sollte der Zweifel mittlerweile bei halbwegs intelligenten Menschen ausgeräumt sein...

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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Die letzten Zweifel sind spätestens dann ausgeräumt, wenn man längere Zeit versucht hat einen PHEV rein elektrisch zu bewegen. Immer knapp, häufiger reicht es nicht und so oft es geht (zwischen-)laden.
Dagegen ist das jetzige BEV ein Traum und muss nur alle 2-3 Tage an die Leitung.
ID.3 Pro Performance

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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Zumal die Betrachtung von @auderis sich rein auf CO2 fixiert. Die ganzen anderen leckeren Sachen, die hinten bei einem Knallvortriebling aus dem Auspuff kommen von Stickoxiden und diversen Benzol-Derivaten sowie einigen hundert anderen Giftstoffen, die man ganz bestimmt nicht in den Städten haben will, fallen da freundlich unter den Tisch. Wie bei so vielen Unterhaltungen über eMobilität.

SüdSchwabe.
--
Kona 64kWh Premium Facelift Acid Yellow GSD - bestellt am 09.September 2019 - abgeholt am 5.Juni 2020
Škoda Enyaq iv80X Sportline - bestellt am 20.Dezember '21

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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env20040 hat geschrieben: Die Bedenken sind doch imemr die gleichen und, bis auf die Möglichkeit des "Gassenladens" eher mau.
Die Reichweite...
Ich frage dann immer wieviel man mit einem Tank, oder am Tag fährt.
Meistens würde 1 x in der Woche anstecken für dei Mega-Reichweitenanforderung ausreichen.
Aber wenn wir in Urlaub fahren... Na ja, das soll Entspannt vor sich gehen. und, wie oft ist das lautet die Gegenfrage von mir?
Bist Du schon einmal 600 km am Stück durchgefahren, in den Urlaub, mit Frau, Kindern und dem Toilettenangebot am Wegesrand?
Mit einem Diesel/Benziner hat man sich auf einer längeren fahrt ins Ausland nur damit beschäftigt wo der Sprit günstiger ist.

Und nicht damit wo man alle 200km neuen Saft herbekommt zu sportlichen preisen.

Das es nur noch 59% sind sollt man eher als Erfolg sehen vor 2jahren waren es bestimmt 90%
Passivhaus Premium, 18kWp PV, Sole WP mit Kühlung über BKA, KNX, 530e 3.2l/100km ~50% Elektrisch, Tested X3 xDrive30e, eTron 50, EQC In Testing ID.4, ENYAK, iX3
Mitglied bei Electrify-BW e.V. https://electrify-bw.de/

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

Xochipilli
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Jeder der nicht auf eine eigene PV- oder Windkraft-Anlage zurückgreifen kann, fährt automatisch mit dem Strom-Mix, selbst wenn virtuell Öko-Strom bezogen wird, real betrachtet hängen immer die Kohle- und Gaskraftwerke mit am Netz.
Helft mir mal bitte! Was sagt ihr zu obiger Aussage??

Es ist klar, dass die Elektronen, die das Windkraftrad oder die Wasserkraftturbine in die Leitung pressen, nicht bei mir aus der Steckdose tropfen. (Was bekanntlich bei Wechselstrom sowieso Unfug ist.) Nur mal so bildlich gesprochen.

Aber: Ich beziehe Naturstrom und ich bezahle Naturstrom. Das kommt aus regenerativen Quellen (Wind, Wasser, Photoelektrik). Ich kann doch als Stromkunde heute auswählen, welcher Stromerzeuger mein Geld bekommt. Und mein Geld bekommt nun mal "Naturstrom", beim Laden zu Hause oder auch wenn ich mit der Naturstromladekarte an der Ladewsäule Energie beziehe.
Da kann man doch nicht einfach behaupten, ich würde immer einen Mix aus Öko- und Fossil-Strom beziehen!? Ich kann doch auch nichts dafür, dass in der Leitung noch Elektronen aus Kohlekraftwerken kreisen.

Es ist schon eine ein wenig kindliche Vorstellung von den kreisenden Elektronen. Das ist schon klar. Es geht mir nicht um die blanke Physik, sondern soll der Veranschaulichung dienen.
Aber wie seht ihr das? Kann ich nun Naturstrom laden oder bin ich da trotzdem immer noch beteiligt an der CO2-Produktion der Kohlekraftwerke?
Zoe50 mit AHK,
e-Smart als Dienstauto,
private Wallbox,

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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Ist eine schon häufiger diskutierte Frage, auf die mit verschiedenen, allesamt nicht ganz falschen Standpunkten eingegangen wird.
Naturstrom ist zumindest kein Bilanztrickser, die sorgen durch Reinvestition für immer neue EEG im Netz.
Es schadet aber trotzdem nichts, zu Zeiten in denen kein Wind und PV im Netz ist, den Ladevorgang vielleicht auf den nächsten Tag zu verschieben, wenn möglich. Denn zaubern kann auch Naturstrom nicht und die dann vielleicht in Norwegen eingekaufte Wasserkraft hätte auch ohne deinen Ladevorgang seinen Abnehmer gefunden.
SmartED - einfach, wie für mich gemacht

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

nr.21
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die Betrachtung von @adauris ist eine Momentaufnahme. Der CO2-Rucksack der Batterie wird in Zukunft nochmal drastisch kleiner, der CO2-Ausstoß der Stromproduktion ebenfalls. Hingegen wird die CO2-Emission bei der Förderung fossiler Rohstoffe immer größer, bedingt durch die aufwendigere Ausbeutung ( bis zu 30% der gewonnenen Primärenergie gehen bei der Ölschiefergewinnung drauf)
Und die Rohstoffe der Batterie landen nicht in der Atmosphäre, sondern im Recycling. Über 90% sind erreichbar.
Viel von der Skepsis gegen BEVs rührt einfach daher, dass die Leute den Jetzt-Zustand in die Zukunft verlängern ( Studienlage zu CO2-Rucksäcken hinkt ohnehin meist der Realität hinterher)
Nicht zu vergessen die teilweise bewusst verfälschende Interpretation von Studienergebnissen in der Öffentlichkeit (Schwedenstudie etc)

Re: Studie: Mehrheit hat noch Zweifel an Elektroautos

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@Xochipilli: ok, ich helfe Dir! ;)

Du hast selbstverständlich Recht mit der Aussage, daß Du unter den gegebenen Voraussetzungen so gut wie kein CO2 im Fahrbetrieb emittierst - wie übrigens auch jeder E-Fahrer, der nur öffentlich (= ausschliesslich EE-Strom!) lädt.
Das wurde hier im Forum auch schon mehrmals ausdiskutiert, und trotzdem finden sich immer wieder Leute, die diese falsche Sau durchs Dorf treiben....
Ich werde mich an dieser CO2-Diskussion auch nicht mehr weiter beteiligen, es ist mir schön langsam einfach zu blöd! :roll:
Seit 11/2015 Leaf Tekna 24kWh (EZ 03/2015), 176t gefahrene km
seit 07/2020 Leaf Tekna 40kWh (EZ 10/2019), 24t gef. km
von 08/2018 bis 01/2022 Leaf Acenta 30kWh (EZ 07/2016), 42t gef. km - fährt jetzt in Budapest!
In der Pipeline: Sono Sion 8-)
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