Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Analog zum Verbrauchsvergleich Sommerreifen/ Ganzjahresreifen bei unserem eGolf habe ich heute bei unserem Smart ED die Räder getauscht und gleichfalls eine kleine Q&D Messreihe gefahren.

Leider unterscheiden sich Felgen etwas, aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten ist der Einfluss aber wohl zu vernachlässigen.
Felgenvergleich.jpg
Felgenvergleich.jpg (21.64 KiB) 952 mal betrachtet
Ansonsten erfolgte der Test unter gleichen Bedingungen am selben Tag. Luftdruck wurde vor Testbeginn bei auf Umgebung temperierten Reifen auf 2,3bar vorne bzw 2,7bar hinten justiert
Das Auto wurde vor den jeweils beiden Runden vorklimatisiert, bei der Erprobung selber waren Heizung, als auch Sitzheizung permanent aus.

Beginnend mit den Sereinreifen:
Bridgstone Turanza T005 vorne 155//60R15 74T (DOT04/19) hinten 175/55R15 77T (DOT06/19)
Laufleistung ca. 20.000km, Restprofiltiefe von ca. 5,5mm

Die Witterung war heute morgen trocken und etwas windig aus Süd bei 6 - 7°C, die Strasse war durchgehend trocken.

Die Teststrecke ist eine typische Überlandrunde mit sehr flachem Höhenprofil (<10m), insgesamt ca.11km lang mit Ortsdurchfahrten und Landstrasse.
Die Geschwindigkeit war maximal 80km/h um Aerodynamikeinflüsse nicht zu groß werden zu lassen und den Rollwiderstand im Vordergrund zu behalten

Es herrschte kaum Verkehr, so konnte ich alle Runden ohne Einsatz der Bremse fahren, habe immer möglichst gleich (sanft) beschleunigt und verzögert sowie die 80km/h (Tacho) immer über die gleichen Strecken gefahren.
Beschleunigungs und Rekuperationsbeginn jeweils an den selben Punkten (Ortsschild etc), Beschleunigung immer möglichst konstant mit Powermeteranzeige 50

Entgegen dem eGolf Ganzjahresreifentest, bin ich eine leicht andere Strecke und dafür nur jeweils 2x gefahren

Danach habe ich die Räder getauscht, nun mit der Bereifung Kumho Wintercraft WP51 in den selben Dimensionen und Traglastklasse
Laufleistung ca. 10.000km, Herstelldatum ist KW36/19 und Restprofiltiefe ca. 7,5 mm

Also beide Reifensätze auch hier nicht zu alt und gut eingefahren

Die Ergebnisse kann man am besten aus den Bordcomputerdaten exakt am Ende der jeweiligen Runde protokolliert ablesen:
BC Werte Smart Sommer-Winter.jpg
Der Verbrauchsmittelwert bei den Bridgestone Turanzas liegt bei 14,4kWh/100km
Der Verbrauchsmittelwert bei den Kumhos dagegen bei 14,7kWh/100km
Das entspricht einer mittleren Differenz von 2%
Vergleich Label.jpg
Bildquelle Reifendirekt.de

Diese Effizienzlabel kann man bei der Entscheidungsfindung scheinbar getrost vernachlässigen.
Auch die Geräuschentwicklung ist bei den Kumhos scheinbar geringer (habe jeweils an einem 80km/h Streckenabschnitt ein Soundfile mit einem externen Mikro am Beifahrersitz dazu aufgenommen, weiß aber nicht, wie man das hier hochladen kann)

Natürlich kann man bemängeln, dass die Testreihen niemlas neutral gefahren sein können und 2 relativ kurze Testrunden für eine Mittelung nur ungenau und nicht repräsentativ sind.
Trotzdem bin ich überrascht, wie eng die Messergebnisse zusammen liegen und wie gering der Unterschied ausgefallen ist. Aus meinen subjektiven Erfahrungen hätte ich schon einen deutlich spürbaren Mehrverbrauch erwartet.
Dieser Eindruck entstammt wohl tatsächlich meist daher, dass man eh erst bei fallenden Temperaturen mit einhergehendem Verbrauchsanstieg wechselt. Auch habe ich in einem kalten Auto weniger Lust zu bummeln und fahre eher etwas schärfer.
SmartED - einfach, wie für mich gemacht
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Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

Solarmobil Verein
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Bei nur 11km Strecke wirst du auch nix großartig merken.
Die Reifen bleiben da kalt.
Wenn du längere Strecken fährst, wird sich der Winterreifen bei trockener Straße mehr erwärmen als ein Sommerreifen. Erst dann wird es interessant ...

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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  • spark-ed
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Das sehe ich anders. Erwärmung wird bei diesen Bedingungen (Durchschnitt 50km/h) wohl auch nach mehreren 100km keine Rolle spielen. Bei den aktuellem (winterreifentypischen) Temperaturen machen die vielleicht 5 Kelvin über Aussentemperatur nach denen die Eigenerwärmung durch Abkühlung ins Gleichgewicht geht sicher keinen messbaren Unterschied im Walkverhalten.

Die Erwärmung mag bei höheren Außentemperaturen und zügiger (Autobahnfahrt) jenseits der spezifizierten Betriebstemperaturen enden und einen negativen Einfluss auf den Rollwiderstand haben, dann widerum spielt der Luftwiderstand eh die größere Rolle.

Immerhin hatte der Winterreifen noch 2mm mehr Profil als der Sommerreifen, was die Walkarbeit in Verbindung mit den Lamellen ungünstig beeinflussen sollte. In der Praxis wirkt sich das aber scheinbar nur sehr gering aus.
SmartED - einfach, wie für mich gemacht

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Oft sind Winterreifen ja schmaler und da kann es dann durchaus sein, dass der Verbrauch sinkt.
Der wichtigste Faktor ist der Druck.
Zoe Q210, keine fossilen Energieträger mehr im Haus

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

Michael_Ohl
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Ich habe vor 10 Tagen die alten Winterreifen - billigste Runderneuerte King Mailer gegen Dunlop Winter Contact 2 getauscht. Durchschnitt ist von 18,5 kWh / 100 km auf sagenhaft 14,7 kWh laut Anzeige gesunken - Alles Stadtverkehr. Das ist sogar weniger als die ebenfalls sehr Energieeffizienten Sommerreifen die so bei 15,6 kWh im Schnitt liegen. Nun komme ich mit dem Kangoo ZE maxi mit deutlich weniger Energie aus als meine Frau im E-UP braucht, der ebenfalls seit einer Woche mit den Dunlop Reifen fährt und nicht unter 17,5 kWh zu bekommen ist. Beide Autos mit Popoheizung und 22 Grad Innentemperatur, ist die Mogelpackung die Eberspächer hinter der Vorderachse des Kangoo ZE.

MfG
Michael
Kangoo ZE maxi seit 2015 116000km, Kangoo ZE Postkutsche seit 2018 87000km, E-UP seit 2020, 2000km, C180TD seit 2019 23000km , max G30d seit 2020 240km, Sunlight Caravan seit 2012 und Humbauer 1300kg. Seit 2013

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Ich finde das sehr gut das sich jemand die Mühe macht diese Mythen, die man von allen Seiten im Brustton der Überzeugung immer wieder hört, endlich mal in der Praxis zu überprüfen. Und dann eben oft als Mythen zu entlarven.

Das gleiche gilt für den Mythos das die Verluste beim Laden mit dem Ladeziegel signifikant höher sind als bei Ladung mit einer Wallbox. Auch da gibt es einen Thread hier im Forum der auf einen gemessenen Unterschied von 2-3% kommt. Also ebenfalls ziemlich vernachlässigbar.
SKODA CITOGOe iV "Style" bestellt 7.10.2019 -> Bauwoche KW 8 -> 6.3.2020 KW 10 beim Händler -> Fr. 13.03.2020 abgeholt! :-)

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Ambi Valent hat geschrieben: as gleiche gilt für den Mythos das die Verluste beim Laden mit dem Ladeziegel signifikant höher sind als bei Ladung mit einer Wallbox. Auch da gibt es einen Thread hier im Forum der auf einen gemessenen Unterschied von 2-3% kommt. Also ebenfalls ziemlich vernachlässigbar.
Bitte nicht den nächsten Mythos schaffen. Solche Werte gelten für dieses Modell, sind aber nicht verallgemeinerbar. Beim Zoe mit 43kW 3P Lader sieht das völlig anders aus. Auch sagt "Wallbox" nicht viel aus. Ist das 1P 16A oder 3P 63A? Geht beides. Die Verluste entstehen auch nicht nur im Lader, sondern auch weil das Fahrzeug evtl während der Ladung aktiv ist und einen Grundverbrauch hat.
Zoe Q210, keine fossilen Energieträger mehr im Haus

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Moin!
Um das Thema vollständig zu beleuchten, sollte man den Versuch bei unterschiedlichen Temperaturen mal beleuchten. Könnte mir vorstellen, daß der weichere Wintergummi gerade im Sommer zu Mehrverbrauch führen könnte. Auch werden die Lamellen mehr arbeiten und hier den Verschleiß der Oberfläche erhöhen.
Dem Sommerreifen dürfte der Winter egal sein, nur die Haftung ist saublöd durch den vergleichsweise harten Gummi.
Gruß Ingo

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

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Da spielt so viel mit, auch ist der Energiewert eines Reifen eine Range und kein fester Wert, so kann der Label C Sommerreichen 9 kg/t haben, der Label E 9,1 kg/t. Dann wäre der Unterschied gerade mal 1% vom Rollwiderstand.

Siehe dazu:
02-3-Label-Kraftstoff-Tabelle.png
nehmen wir also einen EV mit 1,8 Tonnen her wären dass um die 16,2kg oder 158,8 N die dich bremsen, Nicht viel. Umgerechnet auf einen Verbrauch (ohne Wirkungsgrad) wären dass 4,4 kWh nur für den Rollwiderstand. Der Unterschied zwischen Label C oberstes Toleranzband Reifen und Label E unterstes Toleranzband Reifen gerade mal 0,044 kWh/100km. (Ein Prozent davon als Unterschied.) Und das einmal nur aus reiner Mathematik.

Umrechnung Fahrzeug Gewicht auf Bremsgewicht: 1.8t * 9kg/t = 16,2 kg
Umrechnung kg -> N mit Division durch 0,102. 16,2 kg / 0,102 = 158,8 N
Umrechnung N in kWh/100km: Kraft mal weg: Kraft mal 100.000m / 3.600 (Sekunden pro Stunde) mal 1000 (das Kilo aus kWh/100km, also genau Dividiert durch 36 weil die vielen Nullen sich rauskürzen...

Wenn man aber wie Serien EV sehr oft einen Label A Reifen drauf haben kann dieser bei 6 liegen, ergibt dann bei 1,8 Tonnen eben nur 10,8kg oder 105,88N oder eben unter 3 kWh für den Rollwiderstand!

Wenn man dann einen schlechten Winterreifen hat, also mit zum Beispiel einen mit 9 kg/t sind das schon 4,4 kWh/100km (Rechenweg oben) wogegen ein sehr guter EV Reifen Label A mit 6 kg/t nur auf 2,94 kWh/100km kommt. Und von einmal stimmt der Mythos mit 1,5 kWh/100km Mehrverbrauch Winterreifen zu Sommerreifen wieder.

Wir sehen, je nach Reifen kommt man auf 1,5 kWh bis hin zu 0,044 kWh/100km Unterschied. Und weil du zwei Reifen ausgewählt hast die im Toleranzband nebeneinander liegen (es gibt keinen Label D) ist das Ergebnis vom Zufall abhängig wie weit Deine Reifen von der magischen Grenze von 9 kg/t entfernt sind.

Wer wirklich Strom sparen will muss einen Label A Reifen als Sommerreifen und eine Label C als Winterreifen nehmen, dann wird der Unterschied auch deutlich.

PS: habe mich kurz in der LKW Spalte verirrt, jetzt stimmen die Zahlen aber.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 100.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Mythos Mehrverbrauch durch Winterreifen?

stelen
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Warum keinen Label B WR, um Strom zu sparen?
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Meine Website rund um PHEV und E-Mobilität allgemein: v60-hybrid.de
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