Historische Ansprachen zum Thema Elektroauto (mindestens 20 Jahre alt)

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Historische Ansprachen zum Thema Elektroauto (mindestens 20 Jahre alt)

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1997 aus de.soc.umwelt

Ich finde, daß man zwischen den bei "Großversuchen" eingesetzten
Elektroautos, und den Elektromobilen unterscheiden sollte.
Die Elektroautos, zumeist umgebaute und schwere Benzinkutschen
namhafter deutscher Autohersteller, wie die 3er-BMW und Mercedes 190,
sind nach wie vor nicht von Privatpersonen zu kaufen, da sie in
diesem Design niemals ein marktfähiges Elektroauto darstellen
können.

Obwohl der beim Elektroautogroßversuch auf Rügen ebenfalls eingesetzte
VW-Elektro-Golf schon aufgrund des Preises nicht marktfähig sein kann,
kann man nicht pauschal behaupten, daß solche Fahrzeuge in der
Elektroversion mehr Emissionen hätten als mit dem Verbrennungsmotor.
Nimmt man den Stromerzeugungsmix der _alten_ Bundesländer von 1994,
ergeben sich für den VW Golf folgende Emissionswerte:

- Benzin 230 g CO2/km 8,2 l/100 km
- Diesel 165 g CO2/km 5,6 l/100 km
- Erdgas 172 g CO2/km 6,0 m^3/100 km
- Elektro 145 g CO2/km 25 kWh/100 km

Bei der Rügen-Studie wurden die damaligen Emissionen ostdeutscher
Kraftwerke zugrunde gelegt, die trotz teilweiser Fernwärmeauskopplung
noch nicht dem Stand der Technik entsprechen. Mit gleicher Berechtigung
hätte man den Norwegischen Strom heranziehen können, der zu 99% aus
Wasserkraft hergestellt wird und zu sehr niedrigen Emissionen führen
würde.

Da Luftschadstoffe bei den stationären Kraftwerken recht gut gefiltert
werden, und viele erst gar nicht entstehen, belasten die genannten
Elektrofahrzeuge die Luft mit erheblich weniger Schadstoffen als
normale PWK.

Bei dem Rügen-Versuch wurden _keine_ modernen Serienelektroautos
getestet, wie z.B. der damals verfügbare Peugeot 106 Electrique oder
der Citroen Electrique mit einem Verbrauch von unter 15 kWh/100 km.

Erst recht wurden keine ELEKTROMOBILE getestet, die seit einigen
Jahren auf dem Markt sind und in Kleinserien hergestellt werden.
Wegen seiner Verbreitung wäre an erster Stelle das in Unterfranken
hergestellte City-El zu nennen, der Nachfolger des dänischen Mini-Els.

Dem City-El genügen ca. 8 kWh/100 km ab Netz. Der genaue Wert
schwankt mit den Standard-Akkus zwischen 5 kWh/100 km bei Vielfahrern
(> 50 km/Tag) und 10 kWh/100 km bei weniger als 10 km/Tag. Der
Unterschied kommt von den regelmäßig notwendigen Ausgleichsladungen
und der Selbstentladung der preisgünstigen Blei-Säure-Batterien.

Obwohl man dieses dreirädrige Fahrzeug in D als PKW anmelden muß,
erhebt es eigentlich nicht den Anspruch, ein Auto zu sein.
Mit seinem einen Sitzplatz (plus Kindersitz) wäre "Kabinenroller"
wohl die richtige Kategorie -- oder besser Elektroleichtmobil.
Denn die Bezeichnung "Roller" könnte vergessen lassen, daß das
City-El -- wie alle anderen Elektrofahrzeuge -- sehr leise ist,
im Gegensatz zu den m.E. besonders unangenehm lärmenden
Motorrollern.

Das anvisierte Marktsegment des City-Els ist dem Hersteller zufolge
der Ersatz gewöhnlicher Zweitwagen durch diese Fahrzeuge mit ihren
besonders niedrigen Unterhaltskosten. Dies wäre ohne weiteres
möglich, da eine gleichzeitige Benutzung beider Familienautos mit
voller Besetzung praktisch nicht vorkommt. Für 5000 km im Jahr
betragen die Stromkosten aus der normalen Steckdose DM 100,-.
Der Standard-Akkusatz hält max. 20000 km und kostet z.Z. DM 800,-.

Wegen des geringen Energieverbrauchs ist auch eine komplette
Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen mit tragbarem finanziellem
Aufwand möglich.

Mit einer einmaligen Investition von DM 5000,- für eine kleine (4qm)
Photovoltaikanlage auf dem Hausdach, welche die Energie in das
Stromnetz einspeist, läßt sich im Jahr etwa 400 kWh ernten,
was einer Fahrtstrecke von 5000 km mit dem City-El entspricht.

Finanziell noch günstiger wäre die Beteiligung an einem Windkraftwerk.
Setzt man nur die Anlagekosten an, ohne den Rückfluß durch die
Stromeinspeisungsvergütung abzurechnen, würde bereits eine
Beteiligung von ca. DM 250,- energetisch für jährliche 5000 km mit
dem City-El ausreichen.

Schon durch den Austausch einer 100W-Glühbirne mit durchschnittlicher
Nutzungsdauer durch eine Energiesparlampe von 20W wird im Jahr soviel
Strom eingespart, um damit 1000 km weit fahren zu können.

Selbst ohne den Einsatz regenerativer Energien kommt man beim
durchschnittlichen Kraftwerks-Wirkungsgrad von 33% auf einen
Primärenergieverbrauch von 2,5 Litern Öläqivalent auf 100 km,
aufgrund des Stromerzeugungsmix' werden 47 g CO2/km emittiert.
In den letzten Jahren zum Einsatz gekommene Gas-und-Dampfturbinen-
Kraftwerke weisen übrigens einen elektrischen Wirkungsgrad von 56%
auf, so daß der Primärenergieverbrauch des City-Els in Zukunft mit
konventionellen Wärmekraftwerken bis auf 1,5 l/100 km sinken kann.

Beim Einsatz von Kraft-Wärmekopplung, sei es durch Fernwärmeauskopplung
von Großkraftwerken oder mit einem eigenen Blockheizkraftwerk im Keller,
läßt sich der Gesamtwirkungsgrad auf 80% bis 90% steigern. Mit einem
Liter Öl kann man so ca. 4 kWh Strom und 5 kWh Wärme erzeugen.
Für 100 km mit dem City-El benötigt man also 2 Liter Öl, spart
gleichzeitig jedoch 1 Liter Öl der Raumheizung ein. Der gesamte
Primärenergieverbrauch beträgt dann 1,0 l/100 km.

Um den Preis des City-Els relativ niedrig halten zu können, wurde
bisher auf die Verwendung extrem effizienter Ladegeräte und
Elektromotoren verzichtet. Am Beispiel des ebenfalls in Serie
hergestellten Zweisitzers Twike kann man sehen, daß man -- bei einem
fast dreifachem Anschaffungspreis -- den Strombedarf ab Netz sogar
weit unter den des jetzigen City-Els drücken kann. Ein City-El mit
ähnlichen Komponenten ausgerüstet, und der Strom mittels
Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, hat so einen Primärenergiebedarf von
unter 0,7 l/100 km. Und einen Verbrennungsmotor, den ich in das
City-El einbauen könnte der genausowenig verbraucht, kenne ich nicht.
Vom Lärm und von der nur mit den bekannten Nachteilen möglichen
regenerativen Versorgung mit Biotreibstoffen mal ganz abgesehen.
Schon 12 Jahre lang Kfz-Steuer für meine E-Autos gezahlt - seit 28 Jahren mit eigenem PV-Strom elektromobil unterwegs (CityEL mit 1.8 kWh-Akku, seit '13 Smart ED3). Fahrrad & U-Bahn für die Stadt, Fernreisen mit der Bahn.
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Re: Historische Ansprachen zum Thema Elektroauto (mindestens 20 Jahre alt)

Casamatteo
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mweisEl hat geschrieben: 1997 aus de.soc.umwelt
Da ist eine reichlich unvollständige Angabe der Quelle.
Smart Fortwo 451 Electric Drive EZ 03/2013 47200 km, zweiter 22-kW-Lader
Die Herstellung von 6 Liter Diesel erfordert keine 42 kWh Strom sondern nur ca. 1,2 Liter Mehrverbrauch. Der Herr A. B. hat offenbar US-Gallonen und Liter verwechselt.

Re: Historische Ansprachen zum Thema Elektroauto (mindestens 20 Jahre alt)

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mweisEl hat geschrieben: 1997 aus de.soc.umwelt

Obwohl man dieses dreirädrige Fahrzeug in D als PKW anmelden muß,
erhebt es eigentlich nicht den Anspruch, ein Auto zu sein.
Mmh, ich weiß nicht, wie es damals war...aber heutzutage werden diese Fahrzeuge in der Klasse L5e angemeldet.
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