E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

Elektrivirus
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Joe-Hotzi hat geschrieben: ...Wieso hatte der Süden "Mangel" ?!?
Ich habe Dir mehrmals versucht zu erklären, zuletzt hier, dass es rein finanzielle Beweggründe waren, das Reserve-KW in Österreich anzuwerfen. Technisch hätten das Gas-KW in Irsching und das Öl-Kraftwerk Ingolstadt mit den Blöcken 3 und 4 den notwendigen Strom liefern können. Die standen still /in Bereitschaft ...
Wo also war Dein "Mangel im Süden" an Erzeugerkapazität in dieser "von mir vorgegebenen Situation"l?!?
Warum ignorierst Du beharrlich die Fakten?
Merkst du das nicht selbst beim Schreiben? Hätte es keinen Mangel gegeben, hätte auch keine Notwendigkeit bestanden, irgendein Reservekraftwerk, egal, ob in Ösiland, oder in Bayern hochzufahren.
Im übrigen habe ich nie bestritten, dass es Stromtrassen von Nord nach Süd geben muss /deren Kapazitäten evtl. auch ausgebaut /optimiert werden müssen. Nur was derzeit geplant wird, dient nicht vorrangig dem EE-Transport. Auch das hatte ich Dir schon erklärt. Von wegen Ausweichversuch und so …
Ja, ich schau eben auf den angestrebten Endzustand, und nicht auf den Übergang jetzt.
In der Situation heute bräuchte es nur geringfügige Erweiterungen der Leitungskapazitäten. Endziel ist doch aber 100% EE, also Wind vorwiegend im Norden (da besonders Küste und Offshore) weil er dort am effektivsten und verlässlichsten ist, und überwiegend Solar im Süden, weil hier einfach der Jahresertrag deutlich höher ist. Wind und Sonne gleichen sich in weiten Teilen aus. Das setzt aber voraus, dass eben große Kapazitäten zwischen Nord und Süd bestehen, damit eben die Sonne des Südens die Flaute des Nordens puffern kann, und damit der Wind des Nordens die südliche Nacht erhellen kann.
Immer dran denken: Ziel ist 100% EE, also nix Kohle (auch nicht als Reserve), nix Atom (na, hoffentlich nix!), eigentlich auch kein Gas, das ist auch fossil.

Und wieder bleibt die Wahl zwischen massiver Leistungskapazität, die einen Großteil des Jahres überdimensioniert ist (aber sie muss für die Maximalleistung ausgelegt sein), oder eine hinreichende Anzahl dezentraler Speicher, verbunden mit nicht so massiver Leitungskapazität.

EE soll schnell erweitert werden (Umkehrschluss: konventionell soll möglichst schnell reduziert werden, nicht nur prozentual, sondern absolut), Trassen erweitern muss man sowieso, wie "breit" man die "Stromautobahn" macht, hat auf die Dauer weniger Einfluss, ermöglicht also eher seinen schnelleren Zubau.
Dezentral Speicher zu errichten dauert länger, und man hat meines Wissens nach noch nicht einmal damit angefangen.
Sorry - aber wenn wir uns das Ziel gestellt haben, dass wir 100% Versorgung aus EE erreichen wollen, dann kann es nicht der EE-Strom sein der "verklappt" wird, so lange wir diese 100% nicht erreicht haben. Dass es bilanziell den EE zugerechnet wird, ist genau der schon mehrmals verlinkten Ausgleichsmechanismusverordnung zu verdanken.
(Halb-)Richtig, wenn wir bei 100% EE sind, dann stimmt deine Aussage. Solange wir aber gegenläufig zum Bedarf Strom produzieren, und auf Teufel komm raus los werden müssen, ist es leider die EE, die sich die Weste des Negativpreises anziehen muss, denn sie ist es, die plötzlich da ist, und sie ist es, die politisch gewollt nicht gedrosselt wird. Sie ist es aber (derzeit) auch, die das "Mitlaufen" der Konventionellen erfordert, eben, weil sie das Risiko beinhaltet, unvermittelt einzubrechen, und derzeit noch keine gescheiten Pufferlösungen bestehen. Das Dumme an den Konventionellen ist nun einmal leider, dass es Großkraftwerke sind, die eben recht träge sind, weshalb man sie nicht zwischendurch abschalten oder beliebig drosseln kann.
Falls Dir diese Sichtweise nicht gefällt, dann nimm den Strommix. Da sind es dann derzeit 40%EE und 60% fossile, die "verklappt" werden. Wenn wir nun die fossilen KWs so drosseln, dass sie nur noch die Residuallast der fluktuierenden Erzeuger decken, haben wir nicht nur schlagartig einen deutlich höheren EE-Stromanteil und niedrigere CO2-Emissionen (weil weniger fossiler Strom gebraucht wird /übrig ist) - sondern verringern auch noch die Gefahr von negativen Börsenpreisen deutlich, da das Angebot verknappt wird.
Dann muss auch nichts mehr "verklappt" werden …
Bei der Residuallast bin ich völlig bei dir. Das ist genau das, was ich immer wieder betone und ausspreche.
Du musst, und das liegt in der Natur der Sache, so viel konventionelle Leistung schnell verfügbar haben, wie gerade Sonne und Wind im Mix sind.
So viel natürlich nicht, das wäre eine lokale Betrachtung auf wenigen qkm, zumal sich Sonne und Wind zumindest teilweise komplimentär verhalten, aber du musst in der Lage sein, kurzfristig (und das meint nicht 30 Minuten Vorwarnzeit, sondern von jetzt auf gleich) auf die Schwankungen reagieren können.
Ein Akkuspeicher, oder auch ein Pumpspeicher können das sehr gut und schnell, nur haben wir davon zu wenig. die GuDs können das auch noch relativ schnell (allerdings im Minutentakt an/aus können die auch nicht). Was bleibt, sind die alten Meiler, und die sind nicht nur allgemein träge (abregeln geht noch relativ schnell, aber hochfahren hat enge Grenzen), sondern können auch nur in einem bestimmten Bereich geregelt werden. Wenn die Kohle einmal brennt, muss die entstehende Energie abgeführt werden, sonst platzt der Kessel, und bei Bedarf ne Schippe Kohle drauflegen, das braucht seine Zeit, eh da die Energie kommt, ist eben kein Küchenofen, und der braucht schon mehrere Minuten um wärmer zu werden, wenn man ne Kohle reintut. Also müssen die Dinger im Teillastbetrieb laufen. Müssen sie ja ohnehin, denn die 60%, die EE nicht abdeckt, müssen sie sowieso abdecken, und sie müssen darüber hinau Reserven vorhalten, um die Schwankungen auszugleichen.
Immer wenn vom Strommix die Rede ist, dann wird so getan, als ob der Anteil der EE ein fixer Wert wäre, der konstant über den Tag anhält. Wenn man das so betrachtet, ja, dann kann man die konventionellen deutlich weiter runter regeln, aber die 40% sind ein Durchschnittswert von unter 20 bis über 80%, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt des Tages man schaut.

Die Tatsache ist, dass PV tagsüber zur Hauptlast Strom erzeugt. Das macht sie jetzt ab ca. 5Ct/kWh per Ausschreibung (ohne EEG) und für ca. 10Ct/kWh bei kleinen Dachanlagen mit EEG-Förderung.
Früher (ohne PV) wurde diese tägliche Spitzenlast meist von Gas-KW übernommen. Billiger war das nicht.
Erstaunliche Zahlen... wo hast du die her?
laut Photovoltaik.org und Solarwirtschaft.de Werden allein für die Gestehungskosten für 2020!!! rund 12 bis 15 ct erwartet, wo kommen deine 5 ct her. Ich glaube, beide Websites sind doch eher massiv pro Solar, also Kohlelobbyaussagen schließe ich da mal aus. Und diese 12 bis 15 ct sind nur die Gestehungskosten, da hat noch keiner dran verdient.

Hier hab ich sogar 2,9 ct gefunden, und das bereits 2016 … leider galt diese Zahl für Chile :( Im Selben Artikel wird von 9 bis 10 ct für DE gesprochen …. irgendwie viel mehr als 5, aber was weiß ich schon, ist ja auch schon 3 Jahre her, bestimmt billiger inzwischen.
Warum Du PV in großem Rahmen einspeichern willst, wird wohl Dein Geheimnis bleiben. PV ist dezentrale Erzeugung bei dezentralem Verbrauch. Die meiste Energie aus PV verläßt nicht einmal das Verteilnetz. Mittlerwweile nehme ich allerdings an, dass Du dies sehr gut weißt.
Eigentlich gibst du dir doch die Antwort auf das Warum selbst.
Es ist kein Geheimnis, dass PV nachts nix liefert, und es ist kein Geheimnis, dass PV um die Mittagszeit am meisten liefert.
Allgemein üblich ist die Erwartungshaltung, das auch Nachts Strom da ist.
Entweder, und das klappt nur bis zu einem gewissen Prozentsatz, ich verbrauche allen PV in dem Moment, wo er anfällt (was um die Mittagszeit schon heute eng wird), oder ich hebe einen Anteil vom Mittag für später auf.
Wenn ich alles gleich verbrauche, dann muss ich nachts die gesamte PV Leistung, die ich tagsüber habe, aus dem Netz holen. Wenn ich einspeichere, dann brauche ich zwar mehr Peakleistung, aber ich muss das Netz nicht so in Anspruch nehmen.
2. Vorteil der Einspicherung (und ich rede nicht vom Bedarf für Wochen, sondern eher von dem für eine Nacht): kurzfristige Schwankungen wegen Bewölkung muss dann das Netz nicht mehr ausgleichen, das tut dann der Speicher. Und das wäre dann eine echte und belastbare Grundlage, um konventionelle dauerhaft zu reduzieren, einfach, weil der Spitzenbedarf an Netzinterner Regelleistung zurück geht, wenn jede Anlage ihren eigenen Puffer hat.

Zumindest muss er sich mit den Alternativen vergleichen lassen und da taugt das Konzept FCEV-PKW entgegen dem Medienrummel gegenüber dem BEV nichts.
Für den Durchschnittsfahrer bin ich bei dir, soweit sind die BEV inzwischen. Für Menschen, die eben häufiger Strecken über 500 km fahren, sehe ich das anders, ein Tesla MS P100 liegt preislich deutlich über FCEV.
Energieeinsatz, ja, selbst Kosten pro km sind nicht das Maß für dieses Klientel, ob das sinnhaft ist, oder nicht, wer soll das beurteilen? Das wird jeder von seinem Standpunkt aus tun und das endet dann nur in Streit.
Elektrivirus hat geschrieben: Wenn der Strom aber zu 60% dreckig ist, dann ist das nicht so schlimm?
Doch. Ist schlimm und muss schnellstens verbessert werden.

Aber 40% EE ist die derzeit Beste / die am wenigsten dreckige Alternative gegenüber >90% Fossil und ich setze mich sehr dafür ein, den fossilen Stromanteil weiter zu verringern und den Anteil der EE auszubauen. Du lehnst dies dagegen ab, willst aber trotzdem "dreckigen" Wasserstoff nutzen.
Leg mir mal nichts unter die Schreibfeder. Ich lehne keinesfalls EE oder deren Ausbau ab, ich will lediglich, dass dies mit Verstand anstelle von Ideologie gemacht wird. Niemandem ist geholfen, wenn man noch ein paar Jahre die bisherigen Fehler weiter macht, bis sich nicht mehr verleugnen lässt, dass es Fehler sind, anstatt sie heute mit vergleichsweise geringerem Aufwand zu korrigieren. Wenn ich hätte H² nutzen wollen, dann würde ich Mirai fahren, und nicht I3 ...reimt sich sogar, eine H² Quelle hätte ich in der Nähe gehabt. Ich finde H² immernoch interessant und verfolgenswert, aber momentan noch nicht reif für die Masse. Ob es irgendwann so weit kommt, das wissen die Götter.

Elektrivirus hat geschrieben: Entweder, man ist zu sich selbst ehrlich, oder eben nicht. Genau das ist der Vorwurf der echten BEV Gegner: Einige BEV Fahrer tun erhaben, als ob sie heute schon 100% öko unterwegs wären.
Das habe ich nie behauptet, sondern immer mit dem Strommix argumentiert. Nur muss dies dann fairerweise auch für H2 gelten …
Wenn ich DICH gemeint hätte, dann hätte ich DICH auch direkt angesprochen, anstatt von "einige" zu schreiben. Und ja, leider gibt es eben einige, die sich so verhalten, und ja, leider überstrahlen deren Aussagen die Aussagen vernünftig argumentierender um ein Vielfaches, wahrgenommen werden die Schreihälse, und deren Geschrei wird auf die anderen übertragen.
Natürlich muss das auch für H² gelten. Also, langer Rede kurzer Sinn: da beide (noch) nicht sauber sind, müssen beide noch ihre Hausaufgaben machen, abe keinem von beiden kann man schon den "klinischen Tod" attestieren.
Die Möglichkeit, sein BEV heute schon mit (fast) 100% EE-Strom zu betreiben, ist dabei durchaus gegeben. Ich habe bspw. neben einer EEG-PVA noch eine Insel-PVA mit Akku für die Eigenversorgung, außerhalb des EEG . Mit Wasserstoff ist dies weder heute, noch in absehbarer Zukunft für die Allgemeinheit möglich.
Auch die Erträge deiner Inselanlage werden in den Strommix eingerechnet, obwohl sie physisch nie im Netz landen.
Wer so argumentiert, argumentiert nicht anders, als jemand, der eine Elektrolyse mit "Ökostromvertrag" betreibt, und dann sagt, sein H² wäre 100% sauber.
Elektrivirus hat geschrieben: Für beide Konzepte gilt: sie könnten 100% sauber sein, aber derzeit sind sie es beide nicht.
Wieder eine Aussage, der ich einzeln so voll zustimme.
...Alle Wasserstoff-Fans müssten also vehemment für den Ausbau der EE eintreten ...
.
Müssen … müssen tun alle nur aufs Klo, …. und irgendwann sterben, der Rest besteht aus sollten, müssten ;)
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Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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Elektrivirus hat geschrieben: Dezentral Speicher zu errichten dauert länger, und man hat meines Wissens nach noch nicht einmal damit angefangen.
Falsch. Es gibt sie schon zu Tausenden. Und täglich kommen mehr dazu. Und auch die Zahl der täglich dazu Kommenden wächst täglich.
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Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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das ist gut, weiter so. Du meinst Speicher, die mit heimischen PV gekoppelt sind? … auch gut und hilfreich, ich meine Puffer z.B. in jeder Trafostation, oder an jedem Hausanschluss, alternativ an jedem Kraftwerk, dann aber größer ;)

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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Auch davon gibt es schon jede Menge. Und erst recht Notstromaggregate, die im Notfall(!) angeworfen werden können. Natürlich mit Priorität für das Krankenhaus etc...
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Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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Elektrivirus hat geschrieben: Wenn ich das dann so betrachte, dann könnte DE Stand heute sich nicht mehr sicher und zuverlässig mit der benötigten Leistung versorgen.
Wenn ich dann über die Ursachen nachdenke, dann bin ich nicht der Meinung, dass läge an zuviel EE, sondern entweder an zu wenig schneller Reservekapazität (also GuD), was die schlechtest mögliche Lösung wäre, oder zu geringen Speicherkapazitäten (hätte man die, würden zwar die Exporte niedriger ausfallen, aber man wäre nicht auf Importe angewiesen)
Ich empfehle mal einen Trip nach Vorarlberg. Wenn ich es richtig im Kopf habe, dann werden alleine im Montafon vier Pumpspeicherkraftwerke betrieben, die quasi direkt in Abstimmung mit BaWü und Bayern betrieben werden. Seit Jahrzehnten. Es ist ja auch durchaus sinnvoll, solche Anlagen zuerst dort zu bauen, wo sie geografisch relativ einfach umsetzbar sind. Nationalismus ist an der Stelle halt auch ein schlechter Ratgeber, Verbundnetze sind keine neue Erfindung und funktionieren ja offensichtlich recht einwandfrei. Am Ende des Tages zählt dann der Saldo, um eben den Auf- und Abbau solcher Puffer wegzubügeln.

Wasserstoff als Speicher ist erstmal eine ziemlich bescheidene Idee - weil man dabei drei viertel der Energie verliert. Als letztes Mittel kann man sich darüber Gedanken machen, das Problem ist, dass viele Speichertechnologien wie Pumpspeicher, Batterien, mechanische und sogar thermische Speicher deutlich effizienter für die kurz- bis mittelfristige Speicherung sind, für die langfristige Speicherung ist Wasserstoff selbst leider zu flüchtig. Da kann man dann auf P2G gehen.
Der P2G-Zug für Verbrenner scheint aber abgefahren. Man muss sich nur mal die Zulassungszahlen von Gasfahrzeugen ansehen: https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-08/ ... arktzahlen
Bei CNG ist die Zahl seit langem konstant, BEVs haben den Bestand mittlerweile überholt. LPG ist quasi im freien Fall, das kauft offensichtlich kaum noch wer.

Hinter dem letzten Wasserstoff-Hype steckt wieder der latente Nationalismus - man hat bei den BEVs trotz lautester Ansage geschlafen, jetzt braucht man unbedingt eine "deutsche Alternative" - und offensichtlich gibt es genug Leute, die sich noch an die Mercedes-Versprechungen der 90er erinnern und das toll finden. Auf Golem.de und bei AMS gibt es Fahrberichte zu Wasserstoff-Autos, nach denen die Reichweite auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht sinken soll. Ich frage mich, wie man solchen Stuss von sich geben kann, denn der Verbrauch steigt ja am Ende ja durch den Elektromotor ebenfalls an und die Brennstoffzelle wird mit höherer Last nicht effizienter. Und dann gibt man noch den obligatorischen Mist von sich im Stile "wenn eine der 50 Tankstellen in der nähe ist, habe ich keine Reichweitenangst". Ach. Wie viele Ladesäulen gibt es in D aktuell? Nach GE gibt es aktuell ~1700 Schnelllade-Standorte, davon ~200 als HPC. Dazu noch einige tausend Typ2-Stationen. Wer da noch Reichweitenangst hat, dem ist echt nicht zu helfen. Dazu kommen so Geschichten ... wenn man damit in Urlaub fahren will - wo kann man denn hinfahren? Camping in Lido de Jesolo oder sonst an der Adria? Tja, vielleicht kommt man hin - aber zurück nur auf dem Anhänger des Abschleppdiensts. Urlaub in Schweden? Nope. Südfrankreich? Nope. An den Atlantik? Nope. Kroatien? Nope. Balaton? Nope. Spanien? Nope. Und das schlimme ist: Tankstellen dahin sind ja noch nicht mal geplant ...
BMW i3s 120Ah (seit 1/2019) || Tesla Model 3 LR AWD (12/2019-8/2021) || AUDI e-Tron 55 || VW ID.4 (ab irgendwann)

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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Elektrivirus hat geschrieben: Hätte es keinen Mangel gegeben, hätte auch keine Notwendigkeit bestanden, irgendein Reservekraftwerk, egal, ob in Ösiland, oder in Bayern hochzufahren.
Wenn Du den unplanmäßigen Ausfall des AKW als "Mangel" :lol: bezeichnest, dann hast Du natürlich Recht.
Allerdings macht es eben einen Unterschied, ob ich dies (wie geschehen) den EE anlaste, ein österreichiches Reserve-KW anfordere und die Kosten auf die Endkunden umlege, oder ob ich meine eigenen KW-Reseven nutze und die Kosten des AKW-Ausfalls als Betreiber selbst tragen muss.

Weder für die Versorgungssicherheit in D, noch für die Lieferverpflichtungen nach Italien bestand ein Mangel an eigener Erzeugungs-Kapazität in Deutschland.

Elektrivirus hat geschrieben: Immer wenn vom Strommix die Rede ist, dann wird so getan, als ob der Anteil der EE ein fixer Wert wäre, der konstant über den Tag anhält.
Immer, wenn von fluktuierenden EE die Rede ist, dann wird so getan, als ob der Verbrauch ein fixer Wert wäre, der konstant über den Tag anhält.

Elektrivirus hat geschrieben:
Die Tatsache ist, dass PV tagsüber zur Hauptlast Strom erzeugt. Das macht sie jetzt ab ca. 5Ct/kWh per Ausschreibung (ohne EEG) und für ca. 10Ct/kWh bei kleinen Dachanlagen mit EEG-Förderung.
Früher (ohne PV) wurde diese tägliche Spitzenlast meist von Gas-KW übernommen. Billiger war das nicht.
Erstaunliche Zahlen... wo hast du die her?
Sicher nicht aus einer Quelle von 2010. :lol:

2017 sah das dann bspw. so aus: Niedrigster Zuschlagswert bei 4,29 Cent pro Kilowattstunde - Der Durchschnittspreis bei einer Ausschreibung für Photovoltaik-Anlagen ab 750 Kilowatt in Deutschland ist erstmals unter die Marke von 5,00 Cent pro Kilowattstunde gesunken.
Die Anbieter müssen damit ja wohl auch noch eine Rendite realisieren ...

2018 liest sich das so:
Die Photovoltaik ist im Mittel in Deutschland die kostengünstigste Technologie unter allen Kraftwerkstypen, wie es in der Studie heißt. Aktuell würden Photovoltaik-Anlagen je nach Anlagentyp und Globalstrahlung Stromgestehungskosten zwischen 3,71 und 11,54 Eurocent pro Kilowattstunde erreichen.

Die aktuellen EEG-Vergütungssätze (2019) für PV-Kleinanlagen liegen derzeit zwischen 10,48 und 8,01Ct/kWh.

Elektrivirus hat geschrieben: Für den Durchschnittsfahrer bin ich bei dir, soweit sind die BEV inzwischen. Für Menschen, die eben häufiger Strecken über 500 km fahren, sehe ich das anders, ein Tesla MS P100 liegt preislich deutlich über FCEV.
Was für ein FCEV liegt denn auf dem Niveau eines Tesla MS P100? So mit Fahrdynamik, Raumökonomie und Komfort?

Ich kenne in Deutschland nur den Toyota Mirai als kaufbare Limousine und die ist eher mit dem Tesla M3 vergleichbar. Da aktuelle Angaben zum neuen Toyota Mirai ja noch nicht verfügbar sind, bleibt nur der Vergleich mit dem aktuellen Modell Toyota Mirai:
- ab ca. 79.000,- Euro
- 4 sitzig, Kofferraum 340 Liter, Rücksitzbank nicht umlegbar! (Brennstoffzellenantrieb und die Wasserstoff – Speicher benötigen halt viel Platz)
- geringe Zuladung 320 kg
- Testverbrauch: 1,0 kg H2 /100km (9,50€), max. 500km Reichweite
- 9,6s auf 100 km/h, max. 178km/h
- Leergewicht 1850kg, keine AHK möglich

Tesla Model3, mit Daten vom ADAC:
- ab 44.400,-€, bzw. 52.400€ in der vergleichbaren Version "LongRange"
- 5-sitzig, 2 Kofferräume (hinten 385l + 58l, vorn: 56l), Rükbank geteilt umlegbar (dann 720l + 58l)
- Zuladung 418kg
- Testverbrauch: 16kWh/100km (ca. 6€ inkl. Ladeverluste), 425km Reichweite
- 4,6s auf 100 km/h, max. 233km/h
- Leergewicht 1846kg (mit Allradantrieb), AHK (900kg) seit 2019 verfügbar

Wobei die ADAC Angaben nicht (mehr) ganz stimmen. Denn bspw. "schlüsselloses Zugangssystem" ist von Beginn an Serie und eine AHK (900kg) mittlerweile im Angebot. Auch der Preis wurde gesenkt (ADAC:noch 56.800€).

Einen Vergleich des Toyota mit dem Tesla ModelS gab es schon 2015:
Manager-Magazin: "Der weite Weg zum Wasserstoff"
http://www.manager-magazin.de/unternehm ... 60277.html
Einen Vorteil auf der Langstrecke kann ich da nicht erkennen. Den gibt es selbst zum Diesel vor allem in den Köpfen:
https://www.youtube.com/watch?v=JEjgydzv1_g#t=13m05s

Und mal ganz ehrlich:
"Für Menschen, die eben häufiger Strecken über 500 km fahren," (also <10% aller PKW-Nutzer)
willst Du eine komplett neue Infrastruktur etablieren?!? Ohne einen echten Vorteil?!?

Elektrivirus hat geschrieben: ...eine H² Quelle hätte ich in der Nähe gehabt.
:ironie: Ein echtes Naturwunder - nicht nur wegen der hochgestellten 2 ... ;)

Elektrivirus hat geschrieben: Auch die Erträge deiner Inselanlage werden in den Strommix eingerechnet, obwohl sie physisch nie im Netz landen.
Klar doch. ;)
Aber nur, wenn ebenso jede Einsparung an el. Energie durch einen moderneren Kühlschrank oder bessere Heizungspumpen in den StromMix eingerechnet wird.

Oder die solaren, akkugestützten Garten- /Hausbeleuchtungen. Deren "Erträge" kennt niemand. Das ist nichts anderes als eine Bezugsverminderung aus dem öff. Netz durch eine private, vom Stromnetz getrennte Insel-PV. Wie willst Du dies in den Strommix einrechnen?

Elektrivirus hat geschrieben: ... ich meine Puffer z.B. in jeder Trafostation, oder an jedem Hausanschluss, alternativ an jedem Kraftwerk, dann aber größer ;)
Auf so eine Idee :roll: ist glücklicherweise noch keiner der Energiewendeverhinderer gekommen.
Hotzenblitz fahren macht Spaß!
Stromos aber auch!

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

hgerhauser
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Elektrivirus hat geschrieben:
Und wieder bleibt die Wahl zwischen massiver Leistungskapazität, die einen Großteil des Jahres überdimensioniert ist (aber sie muss für die Maximalleistung ausgelegt sein), oder eine hinreichende Anzahl dezentraler Speicher, verbunden mit nicht so massiver Leitungskapazität.
Richtig, wir haben eine Wahl zwischen Netzausbau und vielen dezentralen Speichern, und da sehe ich viele sehr gute Gründe für mehr dezentrale Speicher.

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

GrauerMausling
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Elektrivirus hat geschrieben: Auch die Erträge deiner Inselanlage werden in den Strommix eingerechnet, obwohl sie physisch nie im Netz landen.
Wer so argumentiert, argumentiert nicht anders, als jemand, der eine Elektrolyse mit "Ökostromvertrag" betreibt, und dann sagt, sein H² wäre 100% sauber.
Das ist doch Blödsinn wie soll das denn passieren? Was ich bei meiner Anlage selber verbrauche kennt GENAU ein Mensch, und das bin ich, sonst NIEMAND. OK meine Frau guckt ab und zu auch mal rein, interessiert sich aber eigentlich nur für die Autarkiequote und wie viel kWh wir zukaufen mussten - was erfreulich wenige sind. Da kann also gar nichts rein gerechnet werden! Was mein Netzbetreiber kennt ist meine Einspeisung da ich die abrechne und damit natürlich auch berichte, aber mein Eigenverbrauch und damit auch die Menge an Strom die vom Dach kommt kenne nur ich, da kann also gar nichts in irgendeiner Statistik auftauchen.....
Also bin ich im Sommer zu 95% mit eigenem Strom unterwegs (Haus und Auto) den keine Statistik kennt! Auch kann ich mit der Batterie und dem Eigenverbrauch die unsägliche 70% Regelung umgehen und da kommen dann doch ein paar kWh im Jahr zusammen die es sonst nie und nimmer gegeben hätte.

Ja ich weiß jetzt kommt wieder das Argument das der Strom den ich selber verbrauche ja nicht von anderen verbraucht werden kann und dann müssen die armen Leute Braunkohlestrom nehmen - mir geht es hier aber um zwei Sachen: mein(!) Eigenverbrauch taucht in keiner Statistik auf da er von mir nirgendwo hin berichtet wird, daher kann das auch überhaupt keinen Einfluss auf die Berechnung des Strommix haben, und mit der Batterie kann ich Strom verwenden der niemals erzeugt worden wäre da die 70% Regelung zugeschlagen hätte.

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

kaip-rinha
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Außer man schließt sich mit dem Finanzamt kurz, dem du deinen Eigenverbrauch zumindest wenn du umsatzsteuerpflichtig bist melden musst. Unterliegt du der Kleinunternehmer-Regelung, dann entfällt dieser Passus nach meinem Kenntnisstand, und dann stimmt deine Aussage wieder.

Re: E-Autos haben gegen über Wasserstoff schlechte Karten

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kaip-rinha hat geschrieben: Außer man schließt sich mit dem Finanzamt kurz, dem du deinen Eigenverbrauch zumindest wenn du umsatzsteuerpflichtig bist melden musst. Unterliegt du der Kleinunternehmer-Regelung, dann entfällt dieser Passus nach meinem Kenntnisstand, ...
Ich würde meinen, Du wirfst hier zwei Dinge durcheinander:

- Bei EEG-Anlagen (Vergütung /Gewinnerzielung) mit Eigenverbrauch muss dieser als "geldwerter Vorteil" versteuert werden. Egal ob mit Vorsteuerabzug oder KUR. Mit KUR sparst Du Dir nur das Aufrechnen der Vorsteuer /Umsatzsteuer (Umsatzsteuererklärung) und packst alles in die EÜR.

- Die selbst errichtete Insel-PV außerhalb des EEG interessiert das FA so wenig wie Dein neuer, stromsparender Kühlschrank oder die PV-gestützte Hofbeleuchtung. Du verringerst Deinen Bezug - das ist alles.

Aber irgendwie sind wir abgeglitten. Vermutlich /m.M.n., weil (mobiles) H2 im PKW /Kfz bis auf Nischen keine Chance auf breite Umsetzung hat.
Hotzenblitz fahren macht Spaß!
Stromos aber auch!
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