Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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SynFuels und H2 machen im PKW keinen Sinn, lassen wir uns das soweit mal festhalten. Der PKW Sektor macht etwa 12-13% der nationalen CO2-Emissionen aus, auch das halten wir mal so fest (ganz egal, ob die Verbräuche seit 1990 stagnierten).

Wo bleiben die großen Batzen? Bei der Energiegewinnung (Öl, Kohle, Gas) und der Industrie, mit 32% Anteil und nochmals 23%, also insgesamt runde 55% (2020: Prä-Covid).

D.h. die größten zu versorgenden Baustellen, sind nicht primär der Verkehr oder spezieller der PKW-Verkehr, sondern die Energietechnik und Industrie. Hierfür müssen wir gewaltige Energiemengen speichern und wieder nutzbar machen. Ob bei PKW 3x mehr Energie benötigt werden würde, für ein FCEV anstelle einem BEV, ist erstmal zweitrangig.

Aber wenn wir es schaffen, Kraft-Wärme-gekoppelte Kraftwerke, mit H2-Speicher, bzw. -Nutzung, hoch effizient zu betreiben (perspektivisch η= 87...95%), mit Hochtemperatur-Brennstoffzelle, Heißdampfturbine und Einspeißung ins Wärmenetz, dann haben wir große Mengen an Energie, mit sehr überschaubaren Verlusten bereitgestellt und sichern uns so Grundlast und Dunkel-Flauten, können Energie dann speichern, wenn sie anfällt, ohne sie wegregeln zu müssen.

Wenn wir es schaffen nur bei einem Stahlwerk, von Koks weg zu grünem H2 zu kommen, sparen wir soviel CO2 ein, wie 25% aller PKW in Deutschland.

Wenn wir dann noch als Substituierung nach und nach SynFuel zu den fossilen Brennstoffen beimischen, deren Nachfrage sinken wird, haben wir zumindest etwas den Kreislauf des anthropogenen CO2-Ausstoßes gebremst.

Hier wird manchmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und zu wenig differenziert, bzw. die wirklich großen CO2-Quellen außen vor gelassen und dem PKW zuviel Bedeutung beigemessen.

KIT Vortrag: Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien in Deutschland

(η-H2-KWK: 40:45 Min.)

Bild
Quelle: https://www.bmu.de/pressemitteilung/tre ... 7-prozent/
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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

hgerhauser
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JoDa hat geschrieben:
*) Unter DAC (Direct air capture) versteht man aufwendige Verfahren zur Gewinnung von Kohlenstoffdioxid (CO2) direkt aus der Umgebungsluft.
Besser ist es Bäume zu pflanzen!
Bin zufällig gerade über einen Artikel mit einer anderen Meinung zu dem Thema gestoßen:

"Natürliche CO₂-Speicher sind zu unsicher"

https://www.klimareporter.de/erdsystem/ ... u-unsicher

Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Danke Adauris, Du sprichst mir fast aus der Seele.

Dieser "tolle" Bericht im "Klimareporter" vergisst eines, dass die Länder der Dritten Welt nicht mitkommen können bei der Geschwindigkeit, in welcher eine Energiewende vollzogen wird, was an sich noch zu langsam sein wird.

Warum Europa auch gerne 120 und mehr Prozent an CO2 "einsparen" kann.
Dies, da diese Länder mit den Folgen der Handlungen der Industrienationen, wo Deutschland an sich wiederum führend ist.
Wie dies gehen soll ?
Z.b. Klimaneutrale Energie zu erzeugen wie diese benötigt wird um diese dann, in Form von z.B. Produkten, an diese Länder "CO² entlastend" zu liefern und vieles andere, bis hin zu einer, heute noch Sinnlosen technischen Einlagerung von CO² mit einer etwaig existierenden Überschussenergie.

Die Industrie zurückfahren wäre das eine, was möglich wäre, jedoch nicht kommen wird.
Wiewohl insbesonders Deutschland RASCH von der Kohle, insbesonders Braunkohle wegkommen muss.
Dies senkt den CO² Fussabdruck enorm.

Die Versuche mit dem H² Stahlwerk sind schon im laufen,und es scheint, erfolgreich, nur, dass Stahl halt in jedem Fahrzeug verbaut ist, was die CO² Fussabdrücke dieser Augenblicklich auch nicht gerade senkt.

Ja, der Verkehr ist ein kleinerer Teil, davon jedoch der Transport, und nicht der Individualverkehr wiederum der Hauptverursacher.

Ich "Danke" Brüssel für diesen Beschluss, nehme jedoch an, dass es derart viele Ausnahmen geben wird, dass das alles wieder, "Europalike" aufgeweicht werden wird.
Man nehme nur einnmal Polen und die abschaltung deren Kohlekraftwerke...

Es wird ein langer, harter, und unangenehmer Weg.

Nur, wer als erster beginnt ist vorne dabei und, als erster am Ziel, womit sich dieser dann auf andere Ddinge konzentrieren kann.
Das ist, was wichtig ist, dass Europa wenn andere zu Strafen verdonnert werden, vielleicht sogar bei den Umverteilungs- Nutzniessern sein wird.
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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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adauris hat geschrieben: Hier wird manchmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und zu wenig differenziert, bzw. die wirklich großen CO2-Quellen außen vor gelassen und dem PKW zuviel Bedeutung beigemessen.
Wer tut das denn? Der Energiesektor ist der Sektor mit den mit Abstand höchsten Einsparungszielen sowohl absolut als auch prozentual, und die Industrie muss genau so viel einsparen wie der Verkehr: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/ ... sionen.pdf

Dieses "Sektor XY ist ja nicht so wichtig" wird überall vorgebracht. Beim Flugverkehr, bei den Pkw, im Gebäudesektor, Schiffsverkehr usw., jeder verweist darauf, dass er ja nur einen ziemlich kleinen Teil zum Klimawandel beiträgt und man doch bitte bitte woanders ansetzen möge. Bis hin zu dem unfassbar dämlichen Argument, dass wir in Deutschland ja sowieso nur 2 % der weltweiten Emissionen hätten und es deswegen auch egal wäre, was wir tun.

Es hat keinen Sinn, die Sektoren gegeneinander auszuspielen und darüber zu debattieren, welcher wichtiger ist. Wir müssen ALLE Sektoren angehen, und zwar so schnell wie möglich. Und deswegen ist es überhaupt nicht "zweitrangig", ob ein Pkw nun den dreifachen Energiebedarf hat. Es gibt auch keinen Grund für eine "Rangfolge", denn die Energiewende in der Industrie behindert nicht die im Verkehr, es gibt keinen Grund in einem Sektor zu warten oder zu schludern.

Die Überpräsenz des Pkws (wie auch des Flugverkehrs) in den Medien und privaten wie öffentlichen Diskussionen liegt daran, dass das nun mal die Mehrheit der Deutschen und ihre Entscheidungen direkt betrifft. Aber das heißt nicht, dass anderswo nicht genau so viel passiert. In der Industrie rauchen schon die Köpfe, wie man angesichts drohender explodierender Zertifikatspreise die Prozesse umstellen kann. Das passiert nur hinter verschlossenen Türen und wird in der Presse nicht so breit getreten.

Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Nicht falsch verstehen, es geht mir hier nicht darum, etwas gegeneinander auszuspielen, sondern um eine Pareto-Analyse: wo sie die "wenigen"/"hauptsächlichen" Punkte, mit deren Lösung wir die größten Einsparungen erreichen? Lösen wir die Energieerzeugung haben wir 33% eingespart, lösen wir die Industrie, sind es schon über 55%. Daher macht auch der Verbrenner-Ausstieg vor dem Kohleausstieg keinen Sinn.

Es geht nicht darum, dass es nicht nötig wäre (beides) aber sinnbildlich geht es in die Richtung, sparsamere Reifen auf ein Auto zu ziehen aber nicht zu erkennen, dass es weit mehr brächte, nicht 160km/h zu fahren, sondern 110km/h - und am Ende ist es immer ein "das eine tun, ohne das andere zu lassen", also die große Frage "was konsumiere/verbrauche ich als Individuum?".

In Zahlen ausgedruckt, sparen wir in meinem Beispiel mit Fokus auf die ersten beiden Sektoren, von 810 Mio t CO2 (2019), 445 Mio t ein, wenn wir zuerst den PKW erneuerbar (nächster Punkt) elektrisch umsetzen, wären es idealer Weise nur 97 Mio t CO2 - da aber im Fahrstrom überwiegend Strom-Mix herrscht, halbiert sich der Wert eher und wir liegen realistischer bei sagen wir 50-60 Mio t CO2-Einsparung. Es sei denn jemand läd direkt aus der PV vom Dach.
Wir sprechen hier vom Faktor 4,5 (Best-Case 100% EE für alle BEV) bis 9 (Worst-Case, alle BEV am Netz) im Einfluss.

Darum ist der Fokus auf den PKW, wie er medial und politisch als Hauptthema gehandelt wird, nicht zielführend.

Vergleicht man den Anteil der EE am Strommix in diesem Jahr (Fraunhofer Energy Charts), fehlen uns aktuell zum Vorjahr 10% Anteil (Juli 2020: 53%, Juli 2021: 43%), bedingt durch das mäßige Wetter in Zentraleuropa. Die letztjährigen 340g CO2/kWh werden wir in diesem Jahr nicht halten können und werden wieder auf einen Wert vglb. mit 2019 zurückfallen, mit ca. 400g CO2/kWh.

Der Flugverkehr muss da Federn lassen, wo Flüge unsinnig sind, wie bspw. Stuttgart-Zürich, was ab 80 Eur One-Way angeboten wird. Ein Flug von München nach Hamburg wäre tendenziell sogar sinnvoller, als mit dem Auto zu reisen. Realität ist aber auch, dass wir die Luftfahrt nicht an den Boden zwingen können und die Anwendung einen Umstieg auf Batterien oder H2 selbst auf mittelfristige Sicht nicht möglich ist. Darum sind SynFuels hier eine Option.

Deswegen Prio 1: Energieversorgung dekabonisieren. Dann den nächst größeren Sektor usw. wenn man es als eine Art Stufenplan sehen wollte.

Darum brauchen wir dingenst(!) grünen Wasserstoff, so viel wie möglich, um damit wiederum die Hauptbereiche zu versorgen - das kann nur dann funktionieren, wenn wir Anlagen dazu entwickeln und aufstellen, die grüne Energie erzeugen, diese verwerten, Energiespeicher und Energienutzer haben.

Setzen wir dies um, folgt zwangsläufig alles andere.

Haben wir dies, wollen es alle anderen auch.

Wollen dies alle anderen, haben wir eine florierende Wirtschaft.

Der Klimaschutz entscheidet sich nur nicht am BEV, noch am ICE, da müssen wir die Relationen im Auge behalten.


https://energy-charts.info/charts/energ ... &year=2021
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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Das sinnvollste Verkehrsmittel Hamburg-München ist noch immer der Zug.
Im Gegensatz zum Flug ist man dann gleich im Stadtzentrum.
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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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adauris hat geschrieben:Hier wird manchmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und zu wenig differenziert, bzw. die wirklich großen CO2-Quellen außen vor gelassen und dem PKW zuviel Bedeutung beigemessen.
1.: Du weißt schon, in was für einem Forum Du Dich hier bewegst? Hier ist Elektromobilität das Thema von Bedeutung ... :-D

2.: um die (notwendige) Energiewende im (wenn überhaupt noch) zur Verfügung stehenden Zeitfenster bewältigen zu können, müssen alle Sektoren parallel an der Konversion arbeiten. Was würde es nützen, wenn in gut 20 Jahren die Stromerzeugung (und andere Sektoren) komplett decarbonisiert, aber die Autos noch zu 90% Verbrenner wären? Nun, nutzen würde es schon, etwas - aber es wäre nicht genug. Bis dahin müssen wir mit allen Sektoren "durch" sein. Das schafft man nur, wenn man jetzt daran arbeitet - die Lebensdauer eines Autos ist einfach zu lang.
Gruß
Werner
Peugeot iOn Produktionsdatum 09/15 seit 01/16
Hyundai ioniq 5 RWD LR seit 11/21

Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

Odanez
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Ich muss mal zu dieser Grafik hervorheben, dass wenn man schon CO2 betrachetet, dies global und nicht nur auf Deutschland bezogen sehen soll, also das was die Industrie und vor allem Landwirtschaft importiert, und den dazu anfallenden CO2 Anteil in anderen Ländern.

Die Balken für Energiewirtschaft sind davon kaum betroffen, da fast alles in D hergestellt wird, es werden nur wenige Rohstoffe für die Energiewirtschaft importiert
Wieviel bei dem Balken für Industrie dazukommt, wenn man die Materialimporte dauzrechnet plus ihre Herstellung, keine Ahnung
Beim Balken Gebäude dürfte sich nichts ändern vermute ich
Beim Balken Verkehr höchstens noch der Anteil des CO2s was die Förderung und den Transport der Kraftstoffe nach D ausmacht
Der Balken Landwirtschaft dürfte aber um ein Vielfaches größer sein, denn 1. Der größte Anteil des CO2-Ausstoßes hier kommt von der Herstellung von Lebens- und Futtermitteln, und 2. da wird nunmal der allergrößte Teil importiert, sehr viel auch aus ökologisch schlechten Gebieten, wo früher kostbarer Regenwald stand und gerodet wurde. Es ist ja bekannt, dass Deutschland aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und relativ hohen Fleischkonsum sich nicht selber versorgen kann, dazu reicht die Agrarfläche nicht aus. Den Balken für die Landwirtschaft also so klein darzustellen ist ein einfaches sich selbst in die Tasche lügen, auch wenn es auf Deutschland alleine betrachtet schon rechnerisch stimmt.
2017-2020: 2013 Nissan Leaf Acenta 24kWh
Seit 2021: Kia e-Niro Spirit 64kWh

Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Allerdings, ist die Landwirtschaft nicht so gut wie der einzige Bereich, welcher erneuerbare Stoffe produziert und konsumiert?
Nicht dass die Rinder Wirtschaft nicht Mengen an Methan produziert, dies ist jedoch kein CO2.

Gerste, Hafer, Weizen und insbesondere der Mais, auch als Silage ist am Ende erneuerbare Energie wenn man dies gesamtenergetisch sieht.
Dass wir heute den Klärschlamm Verbrennen ist hier eigentlich der falsche Weg, da dies Dünger, und der Kreislauf geschlossen wäre.

Hier ist es diffizil CO2 und andere Klima, und Umweltbelastung zu differenzieren.

Und, auch wenn ein Traktor 100 Liter/Std. Verbrauchen sollte,Bewirtschaftet er darum bereits zig Hektar an Ertragsfläche.

Wird das Erntegut Industrialisierung, wo rechne ich es dann hinzu?
Als Cornflakes der Industrie, oder weiterhin der Landwirtschaft?
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Re: Wieviel Strom braucht Sprit wirklich?

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Nicht dass die Rinder Wirtschaft nicht Mengen an Methan produziert, dies ist jedoch kein CO2.
Es geht ja auch nicht nur um CO2, sondern um Treibhausgase - siehe Grafik. Die anderen Treibhausgase werden in CO2-Äquivalente umgerechnet. Ein Nur ein kleiner Teil davon werden in der Landwirtschaft als echtes CO2 freigesetzt, das meiste ist Methan und Lachgas. Das meiste kommt davon aus der Haltung von Rindern und Schweinen. Deswegen ist Fleischessen ja auch so umweltschädlich.

Ich würde gerne noch einiges andere oben kommentieren, aber halte es für besser, wenn wir wieder zu Thema zurückkommen.
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