Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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https://www.energate-messenger.de/news/ ... steht-fest

Der Ausstieg aus der Kohle in den Niederlanden ist vor kurzem per Gesetz festgelegt worden. Nach 2030 darf keine Kohle mehr verbrannt werden.

https://nl.wikipedia.org/wiki/Kerncentrale_Borssele

Die Niederlande haben nur ein AKW, welches etwa 4% der Stromproduktion der Niederlande darstellt. Dieses AKW wird 2033 geschlossen.
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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Die Sprungfunktion in 2030 möcht ich sehen (aus deiner Quelle):

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Gruß SRAM
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Schwarzwald gegen Wind: https://www.youtube.com/watch?v=7jEQii_9yWw
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Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Casamatteo
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SRAM hat geschrieben: Das Beispiel ist völlig untauglich, auch wenn mir der Ansatz Kohle und Nuklearkapazitäten einfach zu erhalten ausnehmend gut gefällt :-)
Von wegen erhalten, die stehen beim Ausstieg aus Atom und Kohle schon längst an der Türschwelle, sind weiter als wir.
Die Niederlande haben nur ein Spielzeug-Kernkraftwerk mit nicht einmal 0,5 GW, Kohle unter 5 GW, Erdgaskraftwerke über 15 GW. Dazu im Vergleich die Gigawatt in Deutschland: 8, über 40, 30. Also bezogen auf die Einwohnerzahl wesentlich weniger KKW und Kohle als hierzulande.

Weil deren heimische Gasförderung Erdbeben verursacht, was nicht lustig ist wenn das Land unter dem Meerespiegel liegt, fahren die Niederländer ihre Gasförderung samt Verbrauch zurück. Und sie setzen dabei auf die Windkraft, die ihnen über Jahrhunderte das Wasser vom Hals geschafft hat.
Smart Fortwo 451 Electric Drive EZ 03/2013 47200 km, zweiter 22-kW-Lader

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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Der Kohleausstieg war in der NEV 2017 noch nicht berücksichtigt.

https://www.pbl.nl/sites/default/files/ ... 9-3508.pdf
(Seite 93)

In der NEV 2019 findet man den Knick nach unten im Jahr 2030.

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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graefe hat geschrieben: Das wird für Pool und Heizstab und Fußbodenheizung und Elektroauto genutzt. :D
Und in echt? Wenn der meiste Strom kommt, willst Du gar nichts heizen und das E-Auto ist meist nicht da oder schon voll.
Auf die Einspeisung kannst Du sinnvoll nur bei einer absoluten Minianlage verzichten. Aber die kannste dann auch gleich knicken, weil da nicht nennenswert was raus kommt. Erst recht nicht wenn Du die Energie brauchst.
graefe hat geschrieben: Diese Betrachtungsweise ist praxisfern. Ich habe die Faustformel im Kopf: pro 100km Stromleitung 1% Verlust. Der Verbraucher sollte möglichst nah an der Stromproduktion liegen. Insofern ist die Konstellation Offshore-Produktion in der Nordsee und verbrauchende Industrie in Süddeutschland schon fragwürdig.
Siehe dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Hochspann ... bertragung
Die bei großen Entfernungen wesentlichen Leitungsverluste ohne Konverterverluste betragen bei realisierten Anlagen wie der NorNed (zwischen Norwegen und den Niederlanden) bei einer übertragenen Leistung von 600 MW (85 % der Nennleistung) und einer Leitungslänge von 580 km rund 3,7 %, was etwa 6,4 % relative Verluste auf 1000 km Leitungslänge entspricht.[10] Bei erwogenen und bisher nicht realisierten Projekten wie Desertec oder dem Europäischen Supergrid wird bei einer 5000 km langen HGÜ-Leitung mit 800 kV von Leitungsverlusten um 14 % ausgegangen.[11] Dies entspricht rund 2,8 % relativen Leitungsverlusten auf 1000 km.
Natürlich sind das Verluste - aber die Alternative heißt Speicherung mit wesentlich höheren Kosten und auch die ist nicht verlustfrei.
graefe hat geschrieben: Stromimporte wurden im Rahmen der Abschaltung von Philippsburg bereits fest angekündigt. Man stelle sich mal vor: wir schalten alles zu Hause ab und kaufen den Strom teuer im Ausland ein. Dass das kein EE-Strom ist, den wir da einkaufen, ist wohl jedem klar
Hast Du eine Alternative?
EE Strom Importe sollten vor allem mit Wasserkraft (Skandinavien), Windkraft (Nordsee, Ostsee) und PV/Solarthermie (Südeuropa, Afrika) interessant sein.
graefe hat geschrieben: Bis dato scheint das alles ziemlich ineffizient zu sein (nicht zuletzt bez. Flächenbedarf) bzw. im Rahmen feuchter Träume zu liegen. Aber ich bin für neue Technologien immer offen.
Ich sehe da gerade nicht so richtig Alternativen. Uns fehlen einfach massiv Speicher und wir werden hier auch nicht genug EE erzeugen können. Siehe die abgewürgte Windernergie.... und zwar vor dem Hintergrund, dass wir inkl. Wärmewende, Stahlproduktion und Substitution von Erdölprodukten für die chemische Industrie bei den EE nicht um den Faktor 3, sondern eher um den Faktor 50 ausbauen müssen.
Damit wird die Erzeugung dann aber auch dermaßen schwanken, dass wir einfach viele Puffer brauchen.
graefe hat geschrieben: Ich frage mich nur: Wenn der Kohleausstieg bez. CO2-Problematik schon unumgänglich ist, warum sich auch noch die überstürzte Abschaltung bestehender AKW antun?
Sehe ich auch so. Ich wäre erst aus der Kohle ausgestiegen und hätte danach den Ausstieg aus der Kernkraft eingeleitet. So langsam wie nötig, so schnell wie möglich.
graefe hat geschrieben: Und diese ganze Smartmeter- und Lastabwurf-Geschichte bedeutet doch im Prinzip nichts anderes als der Einstieg in die Rationierung von Strom.
Steuerbare Verbraucher sind schon ein richtiger Ansatz, wir müssen künftig flexibler sein. Das ist auch nicht gänzlich neu.
Aber man muss sich da auch keine Illusionen machen - wenn mir hier einer ein Smartmeter einbaut, kann das erstmal genau dem Netzbetreiber den Zählerstand mitteilen - und mehr nicht. Weder Wärmepumpe noch E-Auto oder irgendetwas anderes würden bei mir dadurch ab- oder eingeschaltet werden.
hgerhauser hat geschrieben: Weil Biomasse so begrenzt vorhanden ist, lehne ich Erdgasautos scharf ab.
Die fahren doch in erster Linie mit fossilem Gas und sind eine umweltfreundlichere Alternative zu Benzin und Gas. Insofern halt etwas weniger schlecht, aber nichts für die langfristige Zukunft.
hgerhauser hat geschrieben: Glücklicherweise muss Biomasse den Ausgleich nicht alleine schaffen. Den größten Teil der Aufgabe kann Wind übernehmen.
Ist das safe? Ist da die Wärmewende bedacht worden? 3 Wochen wenig Wind bei trübem Wetter im Winter im ganzen Norden... da hab ich schon genug Phantasie für.
hgerhauser hat geschrieben: Ich sehe also Biomasse bei etwa einem Viertel der saisonalen Speicheraufgabe.
Haben wir dafür genug? Mir scheint da PV mit Power to X auf die Flächen bezogen effizienter als Monokulturen auf den Äckern.
Zoe Q210, keine fossilen Energieträger mehr im Haus

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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http://en.people.cn/n3/2018/0622/c90000-9474097.html

Bei der vor kurzem in Betrieb gegangenen 12 GW 3324 km 1100 kV Leitung vom Nordwesten Chinas nach Shanghai (Kosten 40 Milliarden Yuan, um die 6 Milliarden Euro) sollen die Verluste bei 1,5% pro 1000 km liegen.

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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Karlsson hat geschrieben:
und zwar vor dem Hintergrund, dass wir inkl. Wärmewende, Stahlproduktion und Substitution von Erdölprodukten für die chemische Industrie bei den EE nicht um den Faktor 3, sondern eher um den Faktor 50 ausbauen müssen.
Rechnen wir das mal nach unter der Annahme, dass Öl und Gas komplett durch Power to X Benzin, Heizöl und Erdgas ersetzt werden, und man sonst nichts ändert.

Der Endenergieverbrauch liegt in der Größenordnung 3000 TWh. Davon sind 20% Strom und der Rest Kohlenwasserstoffe, die wir mit 50% Wirkungsgrad aus Strom herstellen. Dann brauchen wir 600 + 2* 2400 = 5400 TWh.

2019 wurden 46 TWh PV Strom und 126 TWh Windstrom erzeugt.

Wenn man mehr PV wichtet, dann passt also Dein Faktor 50 als grober Indikator.

Wie kann ich dann auf einen Faktor 2 bei onshore Wind, Faktor 4 bei Wind insgesamt und Faktor 8 bei PV kommen?
(100 GW onshore Wind, 100 GW offshore Wind, 400 GW PV, in einem 100% Erneuerbare Szenario für 2050 komplett ohne Nettoimporte)

Antwort: Energieeffizienz

Beim Auto z.B. fällt der 50% Verlust in der Herstellung von Power to X und der Umwandlungsverlust im Motor größtenteils weg, man kommt pro kWh etwa 7 mal so weit

Bei der Heizung fällt auch wieder der 50% Verlust bei der Herstellung von Power to X weg und mit Wärmepumpe hat man eine Arbeitszahl 4, wenn man dann noch den Hausbestand so weit besser isoliert, dass man auch nur noch die Hälfte der Wärme braucht, kann man pro kWh Strom dann 16 mal so viele Quadratmeter beheizen.
Karlsson hat geschrieben:
hgerhauser hat geschrieben: Glücklicherweise muss Biomasse den Ausgleich nicht alleine schaffen. Den größten Teil der Aufgabe kann Wind übernehmen.
Ist das safe? Ist da die Wärmewende bedacht worden? 3 Wochen wenig Wind bei trübem Wetter im Winter im ganzen Norden... da hab ich schon genug Phantasie für.
Dieser Winter ist fast durchgehend mild und windig. Glücklicherweise haben wir sehr große Speicher für Erdgas, die genauso für Bioerdgas einsetzbar wären. Kommt dann mal ein Extremwinter mit 3 Wochen windstiller, trüber Kälte, kann man auf die Vorräte aus anderen Jahren zurückgreifen.

Ich trenn die Wärmewende mal in drei Sub tasks auf: Neubau Einfamilienhaus ohne Fernwärme, Altbau Land, Fernwärme

Beim Neubau sackt der Wärmebedarf dermaßen weg, dass man da ruhig in der Dunkelflaute die Wärmepumpe durchlaufen lassen kann.

Beim Altbau macht eine Kombination aus Wärmepumpe und bestehender Gasheizung Sinn, die dann in der Dunkelflaute und bei sehr kalter Witterung läuft.

Bei der Fernwärme kann man (in Klammern Anteil an der Jahreswärmeproduktion im langjährigen Schnitt) Großwärmepumpe (90%) + Wärmespeicher + Biomasse KWK (5%) + Power to Heat (5%) einsetzen. In einem Jahr wie dem jetzigen wäre der Anteil Biomasse KWK Null in so einem Fernwärmenetz und in einem Extremwinter auch mal 20%.

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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https://spotrenewables.com/index.php?page=freeresources

Unter Filter/subarea kann man hier auch offshore North Sea und offshore Baltic Sea einstellen. Es sind etwa 6 Gw in der Nordsee und 1 Gw in der Ostsee.

Die nächsten Tage sind schon außergewöhnlich windig mit offshore Kapazitätsfaktoren über 90% (97% von Montag bis Mittwoch für offshore Baltic).

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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Odanez
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Hier eine interessante Diskussion Windkraft vs Artenschutz: https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 7b79b569a5
Sollte den Wind aus allen "Vogelschredder" Argumenten nehmen.
2013 Euroleaf Acenta, 24kWh. SoH 84%, 77.000km

Re: Kohleausstieg bis spätestens 2038

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hgerhauser
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https://www.smard.de/home

Gerade wird angezeigt (ist immer mit ein paar Stunden Verzögerung, Stand 10:00 heute morgen) :

Verbrauch 53 GW
Erneuerbare Erzeugung 55 GW
Konventionelle Erzeugung 16 GW

Nicht explizit angegeben, Export: 18 GW
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