Subjektiver Bericht: e-NV200 als Familienauto?

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Ökodad
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Moin,

Fahrberichte zum Evalia gibt es im Netz zwar genügend, aber ich hatte bislang noch nichts gefunden von Eltern mit mehreren Kindern. Insofern hole ich das hier mal nach für Kaufinteressenten mit Nachwuchs.

Wer mehr als zwei Kinder hat und den Kauf eines Elektroautos erwägt, landet vermutlich so wie wir recht schnell bei Nissans e-NV200. Und zwar schlicht deshalb, weil es eigentlich keinen anderen Siebensitzer mit E-Motor gibt (Ausnahmen sind m.W. Teslas Model X und der Renault Kangoo mit recht kleinem Akku). Das wird sich ändern, insbesondere wenn VW endlich mal mit der Elektrifizierung seiner Modelle vorankommt. Nur: Wann werden die Fahrzeuge tatsächlich lieferbar sein? Wir jedenfalls wollten nicht länger warten und sind von einem VW Sharan umgestiegen. Zuvor hatte ich mich recht gründlich über den e-NV200 informiert; im Wesentlichen sind die Vor- und Nachteile, wie sie im Internet so nachlesbar sind, zutreffend. Es ist damit individuelle Abwägung, ob man die Nachteile in Kauf nehmen möchte und die Vorteile überwiegen oder eben nicht.
Das Folgende möchte ich daher aus der Perspektive eines durch und durch zufriedenen Neuwagenkäufers ergänzen für alle, die noch nicht wissen, ob das Fahrzeug zu ihren Vorstellungen passt.

Unser Profil:
- Wir haben drei kleine Kinder, 2, 5 und 7 Jahre alt.
- Wir nutzen das Fahrzeug NICHT, um zur Arbeit zu kommen.
- Wir nutzen den Nissan für Einkäufe (klasse insbesondere für Baumärkte, Gartencenter etc.) und Freizeit, insbesondere weil der ÖPNV hier schlecht ausgebaut ist und Carsharing so gut wie nicht existent.
- Ausflugsziele sind in den meisten Fällen deutlich <100 KM entfernt.
- Wir laden unseren Wagen meist zuhause, bei gutem Wetter sogar ausschließlich mit PV-Strom vom Dach.

1. FAHREN

Der Evalia ist eine Schrankwand. Manche finden ihn sogar schön, ich persönlich finde ihn optisch allenfalls okay. Dafür fährt er sich klasse. Obwohl er aussieht wie ein lahmer Van, beschleunigt er typisch elektrisch sehr, sehr flott. Macht Spaß und ist für Überholmanöver sehr angenehm.
Die Straßenübersicht ist aufgrund der hohen Sitzhöhe sehr gut. Das war für uns ebenfalls ein Kaufkriterium. Seit wir mal einen Toyota Pro Ace Verso als Mietwagen hatten, finden wir Transporter einfach großartig. Die Kinder lieben das Auto ebenfalls wegen der Sitzhöhe und des großen Raumvolumens (auch wenn sie es anders ausdrücken würden).
Die Geschwindigkeit ist für eine Familienkutsche genau richtig. Während ich im Sharan auf Autobahnen z.T. sehr schnell (ergo als verantwortungsbewusster Vater zu schnell) unterwegs war, ist hier bei 120 KM/h Schluss, mehr macht der Evalia nicht. Wir hatten aber nie das Gefühl, dadurch beschränkt zu sein, die im Vergleich niedrigere Geschwindigkeit war eher für alle Familienmitglieder angenehm.
Für Fahrten mit Kindern empfiehlt sich übrigens der sparsamere ECO-Modus. Wir haben ein Kind, dem beim Autofahren leider öfters schlecht wird. Das war im ECO-Modus nicht der Fall, sehr wohl aber beim „normalen“ elektrischen Fahren. Auch die Ehefrau empfindet das Mitfahren im ECO-Modus als angenehmer.

2. LADEN

Wie unser Profil zeigt, ist uns die relativ geringe Ladeleistung des Typ1-Steckers (6,6 kW) ziemlich egal. Der Wagen ist immer einsatzbereit für unsere Pläne.
Die Diskussionen um den Chademo-Schnelladestecker kann ich ebenfalls nicht ganz nachvollziehen. Wir haben hier im Ort zwei Chademo-Schnellader, zwei weitere werden von den hiesigen Stadtwerken in diesem Jahr gebaut (hatte mal vor Wagenkauf nachgefragt aus Interesse). Auch bei unseren bisherigen Touren waren überall genügend Chademos vorhanden. Unser jüngster Ausflug an die Ostsee etwa hat gezeigt: Die Ladeinfrastruktur ist gut.
Bei den normalen Ladesäulen fühlten wir privilegiert, weil wir überall freie Parkplätze für E-Autos vorfanden, während die Verbrennerplätze alle belegt waren. Dieser Luxus dürfte sich alsbald mit weiter stark steigenden Zulassungszahlen der E-Autos ändern. Trotzdem: Wir sind sehr komfortabel unterwegs, laden hier und da ein paar Kilowattstunden, während wir am Strand sind, auf Spielplätzen oder bei Freunden, und fahren schließlich entspannt heim.
Im Gegensatz zu diesem Destination Charging geht es beim Laden während der Reise natürlich darum, möglichst schnell weiter zu kommen. Im Vorwege berechnete Routen mit Lade-Pausen auf einschlägigen Apps waren erstaunlich präzise. Pausen am Chademo-Schnellader von 30-45 Minuten nehmen wir gern in Kauf. Was den Berufsfahrer nervt, spielt bei unserer Familie keine Rolle. Die Kids finde solche Pausen aber ohnehin angenehmer, als möglichst schnell am Ziel anzukommen. Für den geplanten Sommerurlaub in Skandinavien sieht es ebenfalls gut aus. Der nächste Chademo-Charger ist laut App 20 Minuten entfernt vom Ferienhaus.

3. UMWELT

Da sich noch immer hartnäckig Behauptungen halten, Elektroautos seien nicht wirklich umweltfreundlicher als Verbrenner, habe ich mich etwas genauer mit der Ökobilanz des Evalia befasst. Über das Thema Rohstoffe lasse ich mich hier nicht aus, das ist an anderer Stelle gewürdigt worden und wer nicht ideologisch verblendet ist kann sich darüber freuen, dass sich das Thema recht positiv entwickelt hat (Wasserverbrauch etc.). Ich beschränke mich hier auf den Strom, da dies der maßgebliche Faktor bei der Nachhaltigkeit von Akkus von E-Autos ist.
Nissan veröffentlicht Sustainability Reports, die leider nicht so präzise Auskunft geben wie man es sich wünschen könnte. Immerhin verfügt das Werk in Sunderberg (UK), in dem die Batterien für Lead und Evalia produziert werden, über eigene regenerative Wind- und PV-Anlagen, um einen Teil des hohen Strombedarfs zu decken. Für das Gros ist der Strommix Großbritanniens zugrunde zu legen. Hierzulande von vielen unbemerkt haben die Briten binnen weniger Jahre ihren Strommix drastisch umgestellt, der Kohleanteil ist inzwischen nur noch marginal, Gas spielt eine dominierende Rolle. Dazu kommt der Ausbau der Erneuerbaren.
Produziert wird der Evalia (vermutlich nur noch bis Jahresende, Nissan will das Werk krisenbedingt schließen) in Barcelona; der spanische Strommix ist unter Klima-/Umweltgesichtspunkten ebenfalls ganz ordentlich.
Ich konnte leider keine CO2-Bilanz für die Akkuherstellung berechnen. Aufgrund des hier angerissenen Sachverhalts dürfte diese allerdings deutlich positiver ausfallen als man dies noch vor einigen Jahren gemeinhin annehmen konnte.
Während der Lebensdauer der Batterie werden wir sie weitgehend nur mit Ökostrom laden, da wir fast immer zuhause laden und der Strom dann entweder vom Öko-Anbieter kommt oder von unserer PV-Anlage auf dem Dach.

Wie „gut“ oder schlecht der Evalia wirklich für die Umwelt ist, hängt also ab von
a) dem exakten Ressourcenverbrauch bei seiner Herstellung
b) dem produktionsbedingten CO2-Ausstoß
c) dem CO2-Ausstoß des Ladestroms, in unserem Fall der nicht per Ökostrom geladenen Kilowattstunden (Hierzu möge jeder eigene Berechnungen oder Schätzungen vornehmen. Wenn ich öffentliche Diskussionen verfolge, die davon ausgehen, dass E-Autos nach ca. 30.000 – 40.000 Kilometern besser sind für die Umwelt als Verbrenner, gehe ich aufgrund unseres Profils davon aus, dass wir deutlich schneller dieses Ziel erreichen)
d) seiner Langlebigkeit.

4. KOSTEN

Ebenfalls ein sehr individueller Punkt, bereits bei den Verhandlungen beim Händler (wir haben hier deutlich mehr Geld gespart als zuvor vermutet) als auch bei den Betriebskosten. Da wir nicht sonderlich viel fahren, schneidet das Fahrzeug mit Sicherheit ggü. einem Verbrenner schlechter ab. Über den voraussichtlichen Vorteil geringerer Reparaturkosten kann ich naturgemäß noch nichts sagen. Maßgeblich dürfte die reale Langlebigkeit sein. Die Batterie-Garantie auf 8 Jahre bzw. 160.000 KM Laufleistung (auch für den Fall, dass die Kapazität unter 9 von 12 Kapazitätsbalken absinkt) ist schön, realistischerweise dürften die Akkus in jedem Fall nach max. 12 Jahren ausgetauscht werden müssen. Niemand kann sagen, wie der Markt dann aussieht. Nissan hat voriges Jahr in Japan angefangen, Batterien für 2.000 Euro wiederaufzuarbeiten. Ich gehe davon aus, dass in 12 Jahren Batterien wiederaufgearbeitet weitergenutzt werden können und/oder neue Batterien preislich erheblich günstiger sein werden als derzeit. Unter dieser Prämisse könnte es tatsächlich sein, dass der Wagen deutlich länger als 20 Jahre gefahren werden kann. Dann hätte sich seine Anschaffung auch für uns ökonomisch gelohnt, und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wäre das auch eine sehr gute Sache.

5. FAZIT

Eltern reisen elektrisch tatsächlich deutlich entspannter mit ihren Kindern als mit einem herkömmlichen Auto. Der Fahrspaß ist deutlich höher, der Komfort beim Evalia ausreichend bis gut (zwei Schiebetüren, reichlich Stauraum usw.). Das angejährte Navi kann man benutzen oder verlässt sich halt aufs Handy.
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Re: Subjektiver Bericht: e-NV200 als Familienauto?

Abbadon
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Zum Thema Akku und Kosten: https://muxsan.com/products.html#nissan ... y-extender


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Re: Subjektiver Bericht: e-NV200 als Familienauto?

Michael_Ohl
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Den Kangoo ZE gibt es nicht als 7 Sitzer, die einzige mir bekannte Alternative dürfte der Mercedes EQV sein (oder werden). Da ich keine Kinder habe sind meine Kangoo 2 Sitzer und auf diesen beiden Sitzen fand ich es etwas besser in Kangoo, der ist aber dank der aktuellen 33kWh und fehlendem Schnellader aus jedem Rennen. Mal sehen ob von PSA die 50und 75kWh Transporter auch mit Sitzen zu haben sein werden.

Deine Einschätzung, das aufgrund der niedrigen Fahrleistung bei euch die Wirtschaftlichkeit leidet, Teile ich nicht. Die Steuerfreiheit bringt Dich hier ebenso nach vorn wie die nicht immer so teuren Wartungen, denn die fallen beim Verbrenner jedes Jahr an selbst wenn der nur in der Garage steht. Meine Kangoo kommen nicht mehr in die Werkstatt zur Wartung, den Filter wechsele ich selbst, die Bremsflüssigkeit auch.


MfG
Michael

Re: Subjektiver Bericht: e-NV200 als Familienauto?

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Re: Subjektiver Bericht: e-NV200 als Familienauto?

Ökodad
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Winterpaket ja, den Kickdown-Hinweis verstehe ich nicht...
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