Bericht zur Anmietung eines Jaguar I-Paces bei Sixt Düsseldorf

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Bericht zur Anmietung eines Jaguar I-Paces bei Sixt Düsseldorf

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Um auch weniger kaufkräftigen Personenkreisen das Fahren eines E-Autos zu ermöglichen, bietet sich die Anmietung eines E-Autos über das Wochenende an. Gleiches gilt auch, wer ein E-Auto einfach mal testen möchte.

Da ich Strecken plante mit einem hohen Anteil an Autobahnen und ich Kofferraumvolumen/Fünfsitzer benötigete, fiel meine Wahl auf den Jaguar I-Pace und nicht auf den BMW I3, denn ich sonst häufiger miete. Dann noch überschlagen, ob meine geplanten Strecken mit den Freikilometern übereinstimmen und los ging es.

Reservierung: Über die Hompage von Sixt ist die Reservierung in wenigen Minuten erledigt und der Betrag wird, da ich den günstigen Tarif ohne kostenloses stornieren gebucht hatte, direkt von der Kreditkarte abgebucht. Die Reservierungsbestätigung kommt wenige Augenblicke später per E-Mail.

Abholung: Am Schalter angekommen wurde ich nach meinem Führerschein, Perso und der Kreditkarte gefragt. Der Mietbetrag wurde ja bereits im Voraus bezahlt und darum wird nur die Kaution von 500€ geblockt. Eine kurze Frage, ob ich noch eine Versicherung dazu buchen möchte und schon hatte ich den Schlüssel für das Fahrzeug in der Hand. Im Parkhaus das Fahrzeug auf Vorschäden untersucht und geprüft ob die beiden Kabel vorhanden sind. Alles war in Ordnung und so konnte ich das Parkhaus verlassen, was mit so einem großen Fahrzeug nicht wirklich Spaß macht.

Das Fahren: Das Auto ist eine Wucht. Die Beschleunigung ist der Wahnsinn und ich habe noch nie etwas vergleichbares erlebt. Die 100 Km/h Schwelle überschreitet man bereits in unter 5 Sekunden und es ist ein herrliches Gefühl, dass das Drehmoment immer sofort verfügbar ist, wenn man auf das Gaspedal tritt. Kein Vergleich zu einem Turboloch, welches ich bei einer vorherigen Miete bei einem Audi A4 erleben durfte, wo ich die Spur auf der Autobahn wechselte und erstmal nichts passierte. Da weiß man erst ein E-Auto zu schätzen.
Die Beschleunigung wird so ab 120 Km/h etwas schwächer und je höher die Geschwindigkeit wird, desto weniger merkt man, dass man ein 400 PS Auto fährt. Ab 170 Km/h ist die Beschleunigung gefühlt auf dem Niveau von einem 110 KW Golf TDI. Aber absolut ausreichend. Die Energierückgewinnung funktioniert sehr gut und one Pedal fahren ist ohne Probleme möglich, so dass die Bremsen kaum benutzt wurden. Zum Fahren in Kurven kann ich nicht viel sagen, da ich das Fahrzeug hauptsächlich auf der Autobahn bewegt habe. Bei knapp über 200 Kmh ist der Wagen abgeriegelt und wirklich mehr will ich mit dem auch nicht fahren.

Ausstattung: Bis auf das Head Up Display, welches mir bei einer vorherigen Miete sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, und die Sitzkühlung war alles an Bord, was möglich war. Automatisches Einparken, Rückfahrkamera, ACC, Spurhalteass., Lenkradheizung, 360 Grad Kamera etc.
Ich muss jedoch sagen, dass ich von der Zuverlässigkeit/Verbarbeitung entäuscht bin. Ich hatte in den Wochen zuvor einen Audi A4 und einen Renault Clio und dort gefielen mir die Assis. deutlich besser. Der Jaguar verfügt auch über eine Frontkamera, aber leider springt diese nicht automatisch um, wenn man vom Rückwärtsgang, wo man das Bild hinten angezeigt bekommt, in den Vordergang schaltet, was etwas schade ist. Das hat Renault im Clio besser gelöst.
Die 360 Grad Kamera ist toll und ermöglicht auch nah am Bordstein zu parken.
Ähnliches gilt für den Spurhalteassi. Dieser arbeitet deutlich ruckiger, als beim Audi A4 und fällt auch häufiger einfach mal aus, was beim Audi deutlich seltner der Fall ist. Bei höheren Geschwindigkeiten, ab 170 Km/h, fällt dieser ganz aus, was Audi deutlich besser gelöst hat. Da funktioniert der deutlich "weicher" und auch bei Geschwindigkeiten über 200 KM/h noch einwandfrei. Gefährlich wird es auf einer Allee, wo es keine Fahrspurbegrenzungen gibt, sondern nur auf beiden Seiten der Straße welche, so dass der Jaguar denkt, dass wäre eine Spur und dementsprechend auf der Mitte der Straße fahren will, was unweigerlich zu einem Unfall führen würde, so dass man diesen sehr schnell deaktivieren muss. Bei Audi besteht auf der gleichen Strecke das Problem nicht.
Die restliche Ausstatung funktioniert wie bei anderen Fahrzeugen auch, aber ich bin mir nicht sicher, ob ein E-Auto wirklich eine Frontscheibenheizung benötigt. Ob im Innenraum zu viel Plastik verarbeitet wurde, ist für mich nicht von Belang.

Ladefähigkeit: An einem 100 KW-Lader flossen auch 100 KW und auch an einem 50 KW-Lader wurde auch die Leistung abgerufen, die möglich war. Am Hausstrom dauert die Ladung 48h, so dass mein Plan nicht ganz auf ging, dass Fahrzeug über Nacht auf 100% zu laden. Enttäuscht haben mich hier zwei Punkte. Selbst an einer 50 KW Ladestation dauert die Ladung bis auf 80% über eine Stunde, was die Langstreckentauglichkeit doch deutlich reduziert, aber vermutlich ändert sich das mit dem Ausbau der 100 KW Ladestationen an Autobahnen. Die wirkliche Enttäuschung war aber, dass mir dieser Neuwagen, er hatte bei der Übergabe keine 1000 KM runter, dass er mir eine Fehlermeldung anzeigte, dass das Hybrid System und A/C vorübergehend nicht verfügbar wären. Nach einer Stunde und einem Gespräch an der Hotline von Jaguar, die mir auch nicht weiterhelfen konnte, funktionierte das Laden wieder. Aber mein Vertrauen in dieses Modell ist dadurch erschüttert worden und ich wäre nicht so entspannt gewesen, wenn ich das Auto gekauft hätte. So war es für mich ein Abenteuer.

Reichweite/Verbrauch: Ich habe das Fahrzeug zwischen 18,3 kwh pro 100 KM bei 85 Km/h auf der Autobahn hinter LKWs und knapp 48 Kwh bei Vollgas auf der Autobahn und wo es ging Höchstgeschwindigkeit.
Am Ende stand ein Verbrauch von über 30 kwh im Bordcomputer, was ich sehr schlecht einschätzen kann, da ich doch recht schnell gefahren bin, aber die Bedinungen auch ideal waren. Keine Heizung und wenig weiteres Gewicht an Bord. Mich würde der Verbrauch bei den gleichen Strecken im Winter interessieren.

Preis. Der Basislistenpreis beträgt über 92000€ und ich habe pro Kilometer etwas über 0,2€ pro Kilometer bezahlt, aber ich habe die Fahrten auch mit Einkäufen bei Kaufland und IKEA verbunden, so dass ich eher nur selten kostenpflichtige Ladestationen nutzen musste. Dazu konnte ich bei Sixt die Versicherung abwählen, da diese über meine Kreditkarte läuft und ich habe die Freikilometer fast komplett ausgeschöpft, was den Preis pro Kilometer ebenfalls gesenkt hat. Dazu war der Anmietungspreis geringer, als er jetzt ist, da die Auslastung auf der Sommerferien gerade deutlich höher ist.

Rückgabe: Die Rückgabe erfolgte ohne Probleme. Der Mitarbeiter von Sixt ging einmal um das Auto und das war es dann auch. Die Erstellung der Rechnung dauerte etwas.

Fazit: Mir hat das Wochenende mit der Raubkatze enorm viel Spaß gemacht, aber es wird wohl noch etwas dauern bis ich diese wieder mieten werde, da mir der Preis zu hoch ist und mein Fahrprofil auch wirklich passen muss. Dazu kommt noch die deutlich geringere Alltagstauglichkeit, als z.B. beim BMW I3. Mir ist auch nicht klar, wer genau die Zielgruppe dieses Fahrzeuges sein soll, da es nicht die Leistung über die Reichweite halten kann, die es verspricht. Wer die 300 KM Reichweite erreichen möchte, der muss 120 Km/h fahren, aber dafür brauche ich keine 400 PS. Aus meiner Sicht sind die Assisysteme dem Anspruch und dem Preis nicht angemessen. Zur ökologischen Betrachtung und benötigten Fläche schreibe ich nichts, da dies am Ende jeder selber wissen muss, aber für mich wäre das Fahrzeug eindeutig zu groß.

Ausblick: Ich werde in den nächsten Wochen mal auch einen Bericht über eine BMW I3 Miete schreiben und ich hoffe, dass Sixt auch weitere E-Fahrzeuge einflottet. Plug-Ins habe ich schon gesehen, genau so wie den Audi E-Tron, den ich gerne mal mieten würde, aber auf Grund des höheren Listenpreises müsste ich noch die Versicherung dazu buchen, was den Preis deutlich nach oben treiben würde. Ich hoffe, dass Sixt bald den VW ID3 einflottet, die Renault Zoe oder auch einen der Drillinge.

Empfehlungen: Ich kann die Station am Düsseldorfer Hauptbahnhof nur empfehlen und jedem der vor hat ein E-Auto zu kaufen/leasen auch nur raten, dass Fahrzeug für ein Wochenende zu mieten um zu testen, ob es wirklich zu einem passt. Das gilt auch für einen Verbrenner.

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Re: Bericht zur Anmietung eines Jaguar I-Paces bei Sixt Düsseldorf

Jeggo
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Du hast es schon auf den Punkt gebracht.
Die Assistenzsystem im Jaguar sind leider ziemlich unausgereift und unzuverlässig.
Das kann man sicher nicht bis ins Letzte an einem Wochenende testen. Die tägliche Zuverlässigkeit lässt auch zu wünschen übrig.
Ist allerdings in den letzten 18 Monaten etwas besser geworden.
Das scheint Jaguar wohl mittlerweile auch erkannt zu haben und bessert im kommenden Modelljahr kräftig nach (neues Entertainment System und LTE Anbindung ab Werk).

Das Headup Display ist wirklich gut und Stand der Technik.
Die 360 Grad Kamera ist zwar nicht so schlecht, aber da gibt es auch deutlich bessere Systeme.

Am meisten ärgert mich im Alltag die sehr unzuverlässige Verkehrszeichenerkennung. Den Großteil der angezeigten Werte kommt aus dem Kartenmaterial. Wenn man überwiegend in Gegenden mit dynamischer Verkehrsführung unterwegs ist, fällt dies besonders auf (Zeichen werden erkannt und wenig später vom Kartenwert überschrieben).

Ich bin in den letzten Jahren mehrere Mercedes Fahrzeuge mit fast allen Assistenzsystemen gefahren. Das funktioniert sehr zuverlässig.

Bis bald

Jens

Re: Bericht zur Anmietung eines Jaguar I-Paces bei Sixt Düsseldorf

Elektroautomieter
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@Jeggo natürlich nach einem Wochenende bekommt man keinen Kompletteindruck von dem Fahrzeug, aber doch einen etwas besseren, als nach nur 2h Probesfahrt.
Stimmt die Verkehrszeichenerkennung habe ich vergessen und die ist wirklich schlecht. Gerade im Vergleich zu Audi, Mercedes Fahrzeuge bin ich seit 2 Jahren nicht mehr gefahren, zeigt der Jaguar auch mal gerne auf der Autobahn eine 30 Km/h Beschränkung an. Premium ist das nicht. Ich hatte zum ersten mal den Jaguar im 03/2019 und ich kann keinen wirklichen Únterschied feststellen. Weder positiv noch negativ. Bin da mal gespannt, was da als Update kommt.
Eine 360 Grad Kamera hatte ich bis jetzt nur im Clio und im Opel Insignia und die waren vergleichbar mit der desI-Pace.
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