Mogelpackung statt Klimaschutz?

AntwortenAntworten Options Options Arrow

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

keyfob
  • Beiträge: 1099
  • Registriert: Di 13. Apr 2021, 17:17
  • Hat sich bedankt: 256 Mal
  • Danke erhalten: 212 Mal
read
Weil du einen relevanten Teil dann ausblendest.
Anzeige

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
  • AbRiNgOi
  • Beiträge: 11755
  • Registriert: Do 27. Jun 2013, 17:43
  • Wohnort: Guntramsdorf (bei Wien)
  • Hat sich bedankt: 456 Mal
  • Danke erhalten: 3058 Mal
read
Die Frage ist nicht die Seite der Betrachtung sondern die Systemgrenzen.

Wenn wir 2050 Kilmaneutral in allen Gewerken sein wollen, dann empfiehlt es sich die Systemgrenzen kleiner zu setzen um die 100% Umsetzbarkeit zu garantieren. Sprich, umso kleiner der Betrachtungsraum umso leichter wird es. Und wenn das alle machen müssen, dann ist das Ziel erreichbar.

Wenn ich Stand heute einen Vergleich machen will, was Ökologisch besser ist, muss ich natürlich alle Vorprodukte mit ein beziehen. Das aber ist sehr Komplex und daher im Grunde genommen gar nicht möglich. Es dient aber oft dazu, etwas gesund zu reden oder aber auch etwas schlecht dar zu stellen. Nachvollziehbar ist es nicht. Spätestens wenn der Mitarbeiter mit dem Plastik Kaffeebecher von Starbucks das Büro betritt ist die Klimaneutralität beim Teufel. Dieses Konzept verführt dazu alles schlecht zu reden.

Daher plädiere ich dazu das große Ziel 2050 im Auge zu behalten und da muss jeder seine eigene Hausaufgabe machen. Klimaneutralität in Firmen wird daher nicht umsonst in drei Phasen zerlegt:

1.) CO2 Ausstoß der eigenen Prozesse am eigenen Werksgälente oder zum Transport.
2.) Energie die Eingekauft wird, als Dampf, Strom oder Gas.
3.) Zulieferprodukte und Produktion von Verbrauchsmaterial

Wenn Punkt 1 und 2 erfüllt sind ist Klimaneutralität gegeben. Für die Firma, nicht für das Produkt versteht sich. So aber muss jeder bei seiner Hausaufgabe bleiben und muss sich nicht verzetteln.

Was hat das nun für mich zu Bedeuten?

Klimaneutral bin ich wenn:

Kein CO2 in meinen Anlagen produziert wird (Auto, Heizung)
Wenn ich den Strom aus Erneuerbaren Energien kaufe.

Aber: Wenn ich die Vorkette des Stromes nehme, dann wird es schwierig, weil dann hat:

Atomstrom: 12g CO2/kWh
Bio Masse 230g CO2/kWh
Kohle 820 CO2/kWh
Wind 11g CO2/kWh
PV: 45g CO2/kWh
Wasser: 24g CO2/kWh
Pumpspeicher 281g CO2/kWh
Erdgas 490 g/CO2/kWh
Öl 650 g/CO2/kWh
(Quelle: https://www.electricitymap.org/zone/DE? ... olar=false)

Da nun festgelegt ist, dass alle Ladestationen mit erneuerbarer Energie betrieben werden müssen, und weil wir es zu Hause auch in der Hand haben das zu kaufen, kann unter der Annahme meine eigene Klimaneutralität in den Punkt 1 und 2 der Strom mit 0g CO2/kWh angenommen werden. Für das große Ziel der Klimaneutralität 2050 wenn auch jede PV und jede Windanlage Klimaneutral erzeugt werden muss.

Bis dahin ist es natürlich ein weiter Weg, und es ist daher auch sehr Sinnvoll im hier und jetzt den Strom zu betrachten. Aber man darf auch nicht ausser acht lassen, dass Fahrzeuge die heute produziert werden noch 20 Jahre lang fahren können. Daher bevorzuge ich die Rechnung mit 0g CO2/kWh.

Wenn man aber einen PHEV nimmt, der nie und nimmer Klima-neutral unterwegs sein kann (ausser man startet den ICE nie, aber wozu hat man den dann noch dabei?) ist dieser ein Zwischen Produkt im Hier und jetzt um die Reduzierung der Klimagase voran zu treiben ohne den Anspruch zu haben Klima-neutral zu sein. Ob es dann Sinn macht die 0g CO2/kWh an zu stzen kann hinter fragt werden, weil die Bedrachtung 1 und 2 auf Klimaneutralität zielen und nicht auf Reduzierung der Klimagase im Hier und Jetzt.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 130.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
read
fahrtinsblaue hat geschrieben: Ja ist denn Strom z. B. erzeugt durch eine Photovoltaikanlage nicht CO2 frei ? ;)
"Aus dem gleichen Grund, warum ein PHEV eine ist oder eben auch nicht." Verstehe ich nicht so ganz... bitte erklären.
Natürlich kann man CO2-freien Strom unterstellen, aber warum sollte man unter dieser Voraussetzung noch Schönrechnerei beim PHEV unterstellen? Wenn der seinen elektrischen Teil mit CO2-freiem Strom macht, dann passen die Zahlen und sind keine Schönrechnerei.

Unterstellt man aber z.B. den Strommix, dann wird es ein Stück weit Schönrechnerei. Genau das gilt für den BEV aber in noch größeren Ausmaß.

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
  • AbRiNgOi
  • Beiträge: 11755
  • Registriert: Do 27. Jun 2013, 17:43
  • Wohnort: Guntramsdorf (bei Wien)
  • Hat sich bedankt: 456 Mal
  • Danke erhalten: 3058 Mal
read
Jupp78 hat geschrieben: Unterstellt man aber z.B. den Strommix, dann wird es ein Stück weit Schönrechnerei. Genau das gilt für den BEV aber in noch größeren Ausmaß.
Diese Aussage ist so etwas von 2017.. (Stichwort Schwedenstudie). Gewöhne dich daran, die Welt dreht sich weiter :)
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 130.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

fahrtinsblaue
  • Beiträge: 62
  • Registriert: Mo 26. Jul 2021, 18:11
  • Hat sich bedankt: 9 Mal
  • Danke erhalten: 3 Mal
read
"Weil du einen relevanten Teil dann ausblendest."
Welchen relevanten Teil blende ich dann aus ?

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
  • AbRiNgOi
  • Beiträge: 11755
  • Registriert: Do 27. Jun 2013, 17:43
  • Wohnort: Guntramsdorf (bei Wien)
  • Hat sich bedankt: 456 Mal
  • Danke erhalten: 3058 Mal
read
Wenn man Stand 2013 den Energiebedarf der Produktion des Fahrzeuges und die Umweltbelastung des erzeugten Stromes ausser Acht gelassen hat, dann hat man damals wohl nicht so genau gewusst, hat man nun real mehr oder weniger CO2 pro Kilometer in die Atmosphäre gebracht wenn man Diesel, Hybtrid oder Elektro fährt.
Die Schwedenstudie hat diese Zaheln 2018 noch einmal aufgewärmt, war aber damals schon aus der Zeit gefallen.

Den relevanten Teil von dem hier gesprochen wird, ist eben die der Klimabelastung durch den Stromverbrauch selber und ist daher bei einem Hybriden immer ein Thema. Weil der Anspruch des Hybriden ist schnell und mit geringsten Aufwand CO2 ein zu sparen um das kontinuierliche Ziel jedes Jahr weniger CO2 in die Atmosphäre zu bringen zu erfüllen. "Die niedrig hängenden Früchte" also die wenn sofort umgesetzt am meisten bringen, ohne aber das Ziel der Klimaneutralität zu erfüllen. Einfach nur weniger im hier und jetzt, und daher zählt der Klimaeinfluss der Stromerzeugung des hier und jetzt. Also bei PV genau 45g CO2/kWh.

Der BEV hat aber zwei Ziele: Das Verringern der Klimabelastung im hier und jetzt und da muss man genauso den Strom mit einbeziehen, man will ja jetzt sparen und nicht irgendwann. Aber das geht sich seit 2013 sehr gut aus, wie die Richtigstellung der Schwedenstudie genau aufgezeigt hat.
Aber beim BEV kommt etwas dazu: Die Klimaneutralität wenn die Lieferkette davor auch Klimaneutral sein wird, also alle in der Lieferkette der Kraftwerke ihre Hausaufgaben gemacht haben. Und nur für dieses 2050 Szenario kann man die 0g CO2/kWh ansetzen, also heute schon im Sinne 2050 Klimaneutral. Etwas was der Hybride niemals sein kann und daher kann man diesen "relevanten" Teil beim Hybriden nicht vernachlässigen.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 130.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

hgerhauser
  • Beiträge: 2209
  • Registriert: So 4. Jun 2017, 21:53
  • Hat sich bedankt: 120 Mal
  • Danke erhalten: 420 Mal
read
Ich sehe das so ähnlich wie @AbRiNgOi

Zur Zeit erscheint es nicht realistisch, dass 2045-2050 flüssige Kraftstoffe im Überfluss zur Verfügung stehen, also muss man überlegen, wie man sie am besten einsetzt.

Plug-in Hybride könnte man systemrelevant einsetzen, also in der Dunkelflaute fährt man mit flüssigem Kraftstoff und im Sommer fährt man mit Strom.

Plug-in Hybride sind aber auf individuelle Peaks im Bedarf ausgelegt, sprich die 1000 km Urlaubsfahrt und diese individuellen Peaks korrespondieren leider überhaupt nicht mit dem Systembedarf.

Hybridheizungen dagegen kann man sehr wohl so einsetzen, dass sie gezielt in der Dunkelflaute laufen und den ganzen Sommer über keinen flüssigen/gasförmigen Treibstoff brauchen.

Elektoautos mit großer Batterie kann man gezielt für Überschüsse nutzen, ich lade jetzt gerade fleißig zum Beispiel, weil der Großhandelspreis gerade bei Null liegt. Die Batterie im Plug-in Hybrid kann auch etwas Ausgleich machen (man lädt einmal nachts zu Hause und einmal tagsüber auf der Arbeit), aber für einmal die Woche (diese Woche ist das gerade jetzt, heute ist viel Wind) passt das nicht und damit kommt man auch nicht durch eine Dunkelflaute von ein paar Tagen, um dann Sonntag morgens zwischen 1 und 5 mit Windstrom zu laden.

Ich sehe Plug-in Hybride nicht als Mogelpackung, aber in einer Gesamtsystembetrachtung und mit Blick auf 2045-2050 denke ich nicht, dass sie gefördert werden sollten. Und dazu gehört auch die Art und Weise, wie sie zum Flottenverbrauch beitragen. Von daher würde ich da zumindest Realmessungen des Treibstoffverbrauchs von Plug-in Hybriden ansetzen. Also

für z.B. Volkswagen wird der reale Anteil im Jahr 2022 an stromgefahrenen Kilometern aller Plug-in Hybride der Marke gemessen und dementsprechend der WLTP Verbrauch korrigiert und dann hat ein im Jahr 2022 abgesetzter Plug-in Hybrid von VW eben nicht 40 g / 100 in der Flottenrechnung, sondern eher 100 und kann damit kaum zum Flottenziel beitragen.
Zuletzt geändert von hgerhauser am Do 29. Jul 2021, 14:10, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
read
AbRiNgOi hat geschrieben:
Jupp78 hat geschrieben: Unterstellt man aber z.B. den Strommix, dann wird es ein Stück weit Schönrechnerei. Genau das gilt für den BEV aber in noch größeren Ausmaß.
Diese Aussage ist so etwas von 2017.. (Stichwort Schwedenstudie). Gewöhne dich daran, die Welt dreht sich weiter :)
Was soll daran 2017 sein?
Ist mir entgangen, dass in 2021 der Strommix bei 0g CO2/kWh liegt? Also der Wert, mit dem bei Fahrzeugen gerechnet wird.

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

USER_AVATAR
  • AbRiNgOi
  • Beiträge: 11755
  • Registriert: Do 27. Jun 2013, 17:43
  • Wohnort: Guntramsdorf (bei Wien)
  • Hat sich bedankt: 456 Mal
  • Danke erhalten: 3058 Mal
read
ich habe die 0 genau erklärt und auch ausgeführt in welchen Fall es Sinn macht mit 0g CO2/kWh zu rechnen, ansonsten aber auf deine Worte bezogen: dass es bei BEV ein "größeres" Ausmaß ist, das ist so etwas von 2013.
ZOE Live Q210 6/2013 * AHK legal Typisiert 18.07.2017 * 40kWh Batterie 12.03.2019
Aktuell: 130.000 km

Niemand ist bei mir auf der Ignor-Liste!

Re: Mogelpackung statt Klimaschutz?

fahrtinsblaue
  • Beiträge: 62
  • Registriert: Mo 26. Jul 2021, 18:11
  • Hat sich bedankt: 9 Mal
  • Danke erhalten: 3 Mal
read
"Unterstellt man aber z.B. den Strommix, dann wird es ein Stück weit Schönrechnerei. Genau das gilt für den BEV aber in noch größeren Ausmaß."
Habe ich das jetzt richtig verstanden ? Der Flottenrechner müsste gerechterweise mit dem Strommix rechnen und den Strom nicht nullen ?
Anzeige
AntwortenAntworten

Zurück zu „Allgemeines zu Plug-In Hybriden“

Gehe zu Profile