PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

ubit
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Grundsätzlich gilt halt: Je mehr Teile, desto höher die Fehlerwahrscheinlichkeit. Natürlich spielt da auch noch die Komplexität, Qualität und Auslegung der Teile rein. Aber die grundsätzliche Aussage bleibt trotzdem richtig.

Ein PHEV ist IMMER schwerer als ein vergleichbarer Verbrenner. Daher ist auch der Spritverbrauch im Verbrennerbetrieb höher. Dieser "Mehrverbrauch" muss erstmal kompensiert werden bevor sich Vorteile für das PHEV im Bezug auf Abgase/Verbrauch ergäben. Auch die zum Bau nötigen Ressourcen verschlechter ein PHEV erstmal gegenüber einem Verbrenner.

Der Rest hängt von der Nutzung und vom Fahrprofil ab. Zum Glück scheinen immerhin die Zeiten vorbei zu sein in denen PHEVs nur 20 km elektrisch geschafft haben. Ab 50 km fängt es halt für Viele an im Alltag interessant zu werden, denn da liegt man im Bereich der "üblichen täglichen Fahrleistung". Viele Menschen könnten mit solchen Fahrzeugen also im Alltagsbetrieb praktisch vollständig elektrisch fahren. Wenn die Fahrzeuge das denn zulassen würden.

Leider springt bei vielen PHEVs aber der Verbrennungsmotor trotzdem gelegentlich an obwohl genug Strom im Akku wäre. Kälte im Winter. Vollgas auf der Autobahn. Teilweise liegt das an "schlechtem Fahrzeugdesign". Die Autos sind halt für den Kombiantrieb konstruiert worden - nicht für einen vorrangig elektrischen Betrieb. Sieht man bei den meisten Fahrzeugen auch schön an der miesen Ladeleistung.

"Richtig gut" würden PHEVs, wenn sie:
* >80 km Reichweite bieten
* Der Antrieb so auf das Fahrzeug abgestimmt ist dass der Verbrenner zu keiner Zeit "benötigt" wird um Heizung oder Fahrleistung bereitzustellen
* Eine hohe AC-Ladeleistung haben
* schnelladefähig sind

Wenn das erfüllt wäre, dann würden die allermeisten Autofahrer mit solchen Fahrzeugen eine sehr großen Teil ihrer Fahrleistung elektrisch bewältigen können. Durch die hohe Reichweite würde es sich auch "lohnen" häufiger mal zu laden - insbesondere wenn die Preise für Benzin und Strom einen Vorteil in Richtung Strom zeigen. Und auch auf Langstrecken würde es sich dann "lohnen" bei einer Pause zu laden.

Nachteil dieses Konzepts aus technischer Sicht: Bei Vielen würde der Verbrenner praktisch NIE anspringen. Das passt aber nicht zu den aktuell verwendeten Motoren. Die gehen schlicht kaputt, wenn sie nicht einigermaßen regelmäßig in Betrieb genommen werden. Aber das ist ein Problem welches sicherlich lösbar ist. Allerdings nicht wenn man als Hersteller einen Verbrennungsmotor aus dem Regal verwenden möchte.

Ciao, Udo
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

Odanez
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ubit hat geschrieben: "Richtig gut" würden PHEVs, wenn sie:
* >80 km Reichweite bieten
* Der Antrieb so auf das Fahrzeug abgestimmt ist dass der Verbrenner zu keiner Zeit "benötigt" wird um Heizung oder Fahrleistung bereitzustellen
* Eine hohe AC-Ladeleistung haben
* schnelladefähig sind
i3 60Ah REX? ;)
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

ubit
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Odanez hat geschrieben: i3 60Ah REX? ;)
Jo - wenn da noch der REX effizienter und wartungsärmer wäre, dann käme das dem Ideal schon recht nahe.

Ciao, Udo
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

umali
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Yeap - genau so.
Man braucht nur den Spieß umdrehen und der E-Einheit den mainpart geben. Natürlich den Rex mal auf neuen Stand gebracht.

Das gilt allerdings nicht für Vielfahrer mit hohem BAB-Anteil. Dort wäre in der Tat das klassische PHEV noch am besten aufgehoben. Dass es teurer und komplexer ist, muss jeder selbst entscheiden.

Die Mehrzahl der Leute fährt aber in der Kategorie "Pendler" mit bescheidenen <120km Fahrstrecke / Tag. Das schafft ein echtes BEV (40kWh) + 30...40kW-Rex perfekt.

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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

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ubit hat geschrieben: "Richtig gut" würden PHEVs, wenn sie:
* >80 km Reichweite bieten
* Der Antrieb so auf das Fahrzeug abgestimmt ist dass der Verbrenner zu keiner Zeit "benötigt" wird um Heizung oder Fahrleistung bereitzustellen
* Eine hohe AC-Ladeleistung haben
* schnelladefähig sind
Das ist aber deine Definition von gut! Die Reichweite sollte schon mind. 400km heute sein finde ich. Davon mind. 50km WLTP Eletkrisch.
Passivhaus Premium, 18kWp PV, Sole WP mit Kühlung über BKA, KNX, 530e 3.2l/100km ~50% Elektrisch, Tested X3 xDrive30e, eTron 50, EQC In Testing ID.4, ENYAK, iX3
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

ubit
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Nein, denn ab ca. 80 km elektrischer Reichweite bringt die zusätzliche e-Reichweite kaum noch eine Erhöhung des Anteils elektrischer Fahrten. Wie gesagt: Das gilt nur für die Mehrheit der Autofahrer. Es gibt natürlich auch Fahrprofile bei denen mehr besser ist.

Wenn wir 80 km elektrisch schaffen und einen effizienten Verbrenner für die Langstrecke (oder auch Hängerbetrieb etc.) zusätzlich verbauen, dann reicht das gemäß gängigen Statistiken für die Allermeisten um im Alltag fast nur elektrisch zu fahren.

Größere Akkus bringen halt wieder mehr Kosten, mehr Ressourcenverbrauch und mehr Gewicht ins Auto. Wenn schon PHEV, dann eben möglichst als "idealen Kompromiss". Akku nur so groß wie nötig, Verbrenner so klein und effizient wie möglich, Gesamtgewicht möglichst niedrig. Dann passt das.

Ciao, Udo

P.S.: Wir reden nicht von WLTP-Reichweiten sondern von tatsächlichen 80 km Winterreichweite mit Heizung in hügeligem Gelände bei Wind und Wetter. Also eher 120-150 km WLTP.
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

umali
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Ein neuer Rex:
https://www.obrist-powertrain.com/components/
https://www.obrist-powertrain.com/compo ... generator/
Mal sehen, ob der endlich mal den Weg in die Serie findet.

Von schweren >60kWh-Monsterakkus halte ich (für Normalanwender mit üblicher Pendlerstrecke) wenig bis nichts. Da muss die Energiedichte noch erheblich steigen, bis BEV_only auch für echte Langstrecke taugt. Tesla versucht es mit SuC zu kompensieren, nur akkufreundlich ist Schnellladung leider auch nicht. Die Kosten sind auch untauglich für die Massennutzung.

VG U x I

Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

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ubit hat geschrieben: Nein, denn ab ca. 80 km elektrischer Reichweite bringt die zusätzliche e-Reichweite kaum noch eine Erhöhung des Anteils elektrischer Fahrten. Wie gesagt: Das gilt nur für die Mehrheit der Autofahrer. Es gibt natürlich auch Fahrprofile bei denen mehr besser ist.
60km elektrische würden auch schon den aller aller meisten genügen!
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Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

umali
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kub0815 hat geschrieben: ....
60km elektrische würden auch schon den aller aller meisten genügen!
Nein
Hinzu kommen Einbußen durch:

* Winterbetrieb (Heizung)
* Reservevorhaltung (Umleitung, Stau)
* im Sommer Klimatisierung
* Akkudegradation

Den Akku auf Null auszuquetschen und auf echte 100% zu laden, geht außerdem extrem zu Lasten der Akkulebensdauer. Das wäre keinesfalls nachhaltig.
Die 80km elektrisch unter ALLEN Umständen sind für die meisten deutschen Normalbürger bereits unterstes Limit und passen schon sehr gut.

Noch deutlich besser wäre ein BEV mit echter 150...200km elektrischer Winter-RW (ca. 40kWh) + seriellem Rex für gelegentliche Langstrecken. Das katapultiert den UF in ungeahnte Höhen und schont dabei den Akku, da dieser im täglichen Pendelbetrieb weniger beansprucht wird. Dabei blieben Gewicht, Ressourcenverbrauch und Preis noch im moderaten Rahmen.

VG U x I

Re: PHEV - gut gedacht, scheisse gemacht!

ubit
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Nö - die 80 km "echte Winterreichweite" reichen schon für Otto-Normalfahrer. Da würde der Verbrenner nur noch sehr selten anspringen. Also eher 20 kWh statt 40 kWh. Halbiert halt die Akkukosten, Ressourcen und Gewicht des Akkus. Und für die beliebten "dicken SUVs" dürfen es dann halt 30 kWh sein. Da ist dann genug Reserve und man hat ungefähr das Optimum bei der Kombination. Etwas Spielraum für Degradation des Akkus sollte man auch planen. Die 80 km sollten im Idealfall auch nach 10 Jahren noch erreicht werden.

Mehr Akku macht für die Allermeisten nur noch in Ausnahmesituationen Sinn - und da ist es eher kontraproduktiv im Sinne der Umwelt wenn man diese Einsatzfälle auch noch unbedingt elektrisch abdecken möchte.
Ist halt das Übliche: 90% des Ziels erreicht man mit 10% Aufwand... Das ist hier ähnlich.

Solche Fahrzeuge wären halt eine sehr gute "Übergangslösung" auf dem Weg zu komplett emissionsfreier Mobilität. Die Praxistauglichkeit wäre gegenüber den Verbrennern nicht eingeschränkt. Die Betriebskosten niedrig (etwas "verschlechter" durch erhöhten Wartungsaufwand durch die Komplexität des Gesamtsystems). Und im Alltag wäre man praktisch komplett elektrisch unterwegs. Sowas müsste sich "eigentlich" problemlos unters Volk bringen lassen - selbst an E-Auto-Gegner. Und wenn die dann am Ende des Jahres feststellen dass sie das ganze Jahr mit einer Tankfüllung gefahren sind, dann ist die Tür zum BEV beim nächsten Auto schon mal ganz weit offen...
Aus "Nutzersicht" würden solche Fahrzeuge alle Vorteile vereinen:

* Kraftentfaltung/Fahrgefühl wie beim BEV
* Leise
* "Unbegrenzte" Reichweite mit einfachen Tankstopps an jeder fossilen Tankstelle
* Jederzeit "genug" Reichweite für Spontanfahrten (die in der Praxis dann eh nie vorkommen)
* Kein Streß wenn die geplante Ladesäule mal belegt oder defekt ist
* Niedrige Betriebskosten - nah am reinen BEV
* Ausreichend "Antriebskapazität" auch für Hängerbetrieb und Co. - wenn der Akku nicht reicht hat man halt ein Backup an Bord
* Moderate Kosten - 20 kWh Akku + Verbrenner dürfte billiger sein als 60 kWh Akku - zumindest bei aktuellen Akkupreisen
* Kein Problem falls der Akku doch mal nach 10 Jahren nur noch 50% Kapazität hat - Fahrzeug kann notfalls auch ohne Akkutausch weiter genutzt werden

Ciao, Udo
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