Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

tm7
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A.Q. hat geschrieben: Es sind ja nicht nur die Autos. Die Dekarbonisierung der Energieversorgung erfordert auch die Umstellung von Heizungen auf Strom.
Ja, der Gedanke kam mir auch. Wärmepumpen z.B. scheinen wohl auch extrem viel Strom zu verbrauchen. Das kann ich nicht abschätzen, deshalb habe ich von einer Betrachtung erst einmal abgesehen, zumal ich ebenso keinerlei Indizien dafür sehe, dass sie ein Problem werden könnten. Ich habe keine Vorstellung davon, wieviele Haushalte auf Wärmepumpen pro Jahr umgestellt werden könnten und wieviel mehr Stromverbrauch sie erzeugen würden. Dass das in ähnlicher oder andere Größenordnungen als die BEVs vorstoßen könnte - dafür sehe ich keine Anzeichen.

Wenn man natürlich direkt mit Strom heizen wollte, wäre das sicherlich eine andere Geschichte. Aber von solchen Tendenzen habe ich bislang noch nichts gehört.
Auf einer nationalen Ebene hast du auch recht - da wird man das alles hinbekommen. Aber es geht vor allem um die unteren Ebenen, die Verteilnetze. In älteren Wohngebieten oder kleinen Dörfern wurden diese Netze oft viel geringer dimensioniert, als es heute üblich ist.

Natürlich kann man die alle ausbauen, aber das kostet Geld, und schlägt sich am Ende in hohen Netzentgelten nieder. Da ist es eben billiger, die wenigen Lastspitzen über eine Steuerbarkeit abzufangen.
Ok, wenn es um "Einzelfälle" geht, sollte man es nicht mit globalen Regeln erschlagen, denke ich. Dann reichen Ausnahmeregeln, die aufgrund von besonderem Situationen wirksam werden.

Darüber hinaus ist es nicht so ungewöhnlich, wenn Netze mal erneuert oder ausgebaut werden müssen. Das ist Alltagsgeschäft. Wenn sich die Bautätigkeiten auf das Doppelte erhöhen müssten, wäre das schon sehr viel, aber immer noch tragbar, denke ich.

Denkbar wäre eine staatlichen Förderung solcher Umstellungen, die eindeutig wegen der staatlichen BEV- und Energiepolitik nötig würden.
28er Ioniq Bj. 5/2017, seit 31.1.2019
https://www.spritmonitor.de/de/detailan ... 09227.html
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ist zwar etwas Off-topic, aber wo liegen die Verbrauchswerte?
Nehme jetzt als Anhaltswert das Haus meiner Eltern.
Jahresverbrauch ca. 2500l Öl
Energieinhalt 10 kWh / l
Jahresarbeitszahl 5 (sicher etwas zu optimistisch)

Strombedarf: 5.000 kWh / a und das vor allem im Winter

Auto:
Jahreskilometer 20.000 km
Verbrauch 20 kWh / 100 km

Strombedarf: 4.000 kWh / a über das Jahr verteilt.

Das Auto braucht somit sogar etwas weniger als das Haus. Jetzt nur die Frage: Wurden mehr Autos oder mehr Wärmepumpen verkauft?

Wieviel Strom brauchen wir jetzt an einem Wintertag zusätzlich?

Beim Auto ist es einfach: es sind ca. 12 kWh, oder im Durchschnitt 500 W Leistung als durchgehende Dauerlast.
Bei der Wärmepumpe hängt es von der Außentemperatur ab: Vereinfacht rechne ich mal, das der Gesamte Verbrauch kontinuierlich innerhalb von 50 Tagen erbracht werden muß.
Damit käme ich auf eine Dauerleistung von etwas mehr als 4 kW.

Das Ergebnis überrascht mich ehrlich. Die Wärmepumpen erfordern bei annähernd gleichem Jahresenergiebedarf eine 8-fach höhere bereitgestellte Netzleistung.

Als Zahl die Leistung von Ohu 2 (1,6 GW) reicht für 400.000 Wärmepumpen oder aber 3.200.000 E-Autos.
Fiat 500e seit 2017, zusätzlich VW eGolf. inzwischen auch ein i3s in der Familie; 115 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
Ladesäule vor der Haustür
#2307 Ladestart um 23:07

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ein Einfamilienhaus mit 2500 Litern / a Heizölverbrauch hat zwischenzeitlich deutliche Defizite bei der Effizienz, vielleicht hätte man dagegen schon längst etwas unternehmen sollen ? Der Luxus des Nichtstuns über Jahrzehnte holt die Leute ja sehr schnell mit den hohen Brennstoffkosten wieder ein, ist auch schon längst passiert.
Zum Vergleich sollte man maximal 1000 Liter Heizöl oder 1000 m³ Gas heranziehen, das verbraucht ein heute neu gebautes Einfamilienhaus im Durchschnitt schon nicht mehr, dann sind wir bei ~ 2500 kWh/a für eine Wp. Da reicht auch eine Stromaufnahme der Wp von maximal 1,5kW aus, die liegt schon deutlich niedriger als beim Laden eines E-Autos .
Ist das nicht gut ?
Ja ! Das ist nicht gut !
Vectrix VX1, 2009; Smart Ft EQ, 2021; BMW i3s, 2022; Tesla M3 LR AWD, 2023

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ich hatte keine anderen Zahlen. Das Haus war auch mal für 2 Familien ausgelegt.

Aber mir fehlen vor Allem die genauen Zahlen zum Leistungsbedarf der Wärmepumpen.
Wie hoch ist die Dauerleistung an einem Tag mit einer Außentemperatur von -5° C?

Denn mit Kohle verglichen:
Die Energiemenge entspricht dem Kohlehaufen
Die Leistung dem zugehörigen Kraftwerksblock

Ich vermute in der Prognose ist die Anzahl der benötigten Kraftwerksleistung zu klein dimensioniert.
Fiat 500e seit 2017, zusätzlich VW eGolf. inzwischen auch ein i3s in der Familie; 115 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
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#2307 Ladestart um 23:07

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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bm3 hat geschrieben: Ein Einfamilienhaus mit 2500 Litern / a Heizölverbrauch hat zwischenzeitlich deutliche Defizite bei der Effizienz,
Nein, das kann man so nicht sagen. Wir reden hier ja nicht nur von Neubauten. Für ein freistehendes Haus sind solche Werte durchschnittlich, ungedämmte Häuser verbrauchen noch sehr viel mehr, da kommen oft auch 40 bis 50.000 kWh zustande.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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tm7 hat geschrieben:
A.Q. hat geschrieben: Es sind ja nicht nur die Autos. Die Dekarbonisierung der Energieversorgung erfordert auch die Umstellung von Heizungen auf Strom.
Ja, der Gedanke kam mir auch. Wärmepumpen z.B. scheinen wohl auch extrem viel Strom zu verbrauchen.
Das ist so pauschal Unsinn. Meine WP verbraucht im Jahr nicht mehr als das größere E-Auto. Zusammen verbrauchen die beiden E-Autos ~3900 kWh, die WP nur ~2700 kWh. Und die WP heizt 131 m² auf 21-22° und Warmwasser für 4 Personen.
FIAT 500E Action 24kWh seit 02.03.2023 - KIA e-Soul 64kWh"Vision" seit 15.04.2021

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Das Problem ist nicht die Energiemenge, sondern die (Dauer-) Leistung an einem Wintertag.

Vergleichbar mit einer Straße:
Es sind nicht die Autos, die insgesamt fahren, sondern, die zur Rushhour unterwegs sind.
Fiat 500e seit 2017, zusätzlich VW eGolf. inzwischen auch ein i3s in der Familie; 115 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
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#2307 Ladestart um 23:07

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Nun sind aber selbst die 2700 kWh, die sich auch nur in einem Neubau realisieren lassen, nicht wenig.

Ein normaler 4-Personen-Haushalt benötigt ca. 4000 kWh Strom im Jahr, nun kommen bei euch noch mal 6600 kWh dazu, das sind bereits über 150 % mehr als man bei Auslegung der Netze in einer Zeit ohne WP und E-Autos annahm, und dazu kommt noch, dass der Strom für die WP sich an den besonders kalten Tagen konzentriert. Da kann so eine komplett mit E-Autos und WP ausgestattete Siedlung zu Spitzenzeiten schon mal auf mindestens das vierfache des bisher üblichen Stromverbrauchs kommen - und dann dürfte auch klar werden, warum eine Abregelung zu solchen Spitzenzeiten erforderlich werden kann.

Ob man das nun "extrem" nennt oder nicht, es ist auf jeden Fall eine neue Dimension, die da auf die Netze zukommt.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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A.Q. hat geschrieben:
bm3 hat geschrieben: Ein Einfamilienhaus mit 2500 Litern / a Heizölverbrauch hat zwischenzeitlich deutliche Defizite bei der Effizienz,
Nein, das kann man so nicht sagen. Wir reden hier ja nicht nur von Neubauten. Für ein freistehendes Haus sind solche Werte durchschnittlich, ungedämmte Häuser verbrauchen noch sehr viel mehr, da kommen oft auch 40 bis 50.000 kWh zustande.
Wie ich bereits schrieb hätten die Leute dagegen schon längst innerhalb von Jahrzehnten in denen sie in den Häusern lebten etwas unternehmen können, da gibt es auch viele positive Beispiele. Doch, genau so kann man das sagen. Das Problem sind nicht die Häuser sondern Leute die Jahrzehnte lang nichts tun obwohl sie dann im Endeffekt noch mehr zahlen als für eine energetische Sanierung. Ich bin ja gegen jedwede staatlichen Zwänge, aber es scheint oft nur zu funktionieren wenn der Staat manche Leute zu ihrem eigenen Glück gesetzlich zwingt.
Ist das nicht gut ?
Ja ! Das ist nicht gut !
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Auch bei denen, die etwas dagegen unternommen haben, ist ein 2500 Liter Öl entsprechender Wärmebedarf nichts ungewöhnliches.

Ich habe mein Haus vor ca. 15 Jahren rundum nach damals neuestem Stand wärmegedämmt, einschließlich neuem Dach, und mit neuen Fenstern versehen. Die Gasheizung ist keine 10 Jahre alt und wurde von mir sorgfältig auf minimalen Verbrauch hin ausgelegt (die Heizungsbauer wollten mir alle viel dickere Brenner andrehen). Wir heizen auch nicht besonders viel, im Bad und selten genutzten Räumen gar nicht, und haben zusätzlich noch häufig einen Holzofen im Wohnzimmer an, und ich habe die Heizkurve optimal eingestellt, aber dennoch benötigen wir ca. 22000 kWh Gas im Jahr, also knapp so viel wie es 2500 Liter Heizöl entspricht. Da kann man nicht von "deutlichen Defiziten in der Effizienz" reden. Viel mehr geht einfach nicht, ohne das Haus abzureißen und neu zu bauen.

Vor der Dämmung war der Gasverbrauch übrigens etwa doppelt so hoch.
Zuletzt geändert von A.Q. am Sa 10. Dez 2022, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.
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