Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Xentres
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@hghildeb

Nein, dynamische Arbeitspreise sind bei der Problematik, die mit den neuen Regelungen (verlinkte Festlegungen) adressiert werden soll, gerade eben kontraproduktiv.

Wenn für alle um 18 Uhr in der Lindenstraße der Strom billig ist, dann stecken alle um 18 Uhr ihre Verbraucher an, laden das Auto und so weiter.

Dann wird der zu kleine Ortsnetztrafo erst recht gegrillt.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

GregorLeaf
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GregorLeaf hat geschrieben:
01011001 hat geschrieben: Im Falle einer Drosselung haben dann Mehrfamilienhäuser oder Garagenhöfe das Nachsehen, während die EFHs jeweils mit 4,2kw laden dürfen darf im Garagenhof noch ein Auto von vielleicht 30 laden.
Du hast nur die Überschriften gelesen und unterstellst dabei automatisch den für dich schlechtmöglichsten Fall?

Ich empfehle das Studium der oben verlinkten Dokumente, für deine Befürchtungen z.B. "Zugehöriger Beschluss mit Erläuterungen zu den Festlegungen". Auf Seite 37ff steht dort unter "4.5.4. Konkrete Ermittlung der Mindestleistung", wie die Mindestleistung ermittelt wird, wenn sich mehrere steuerbare Verbrauchseinrichtungen einen Netzanschluss teilen.

Kurzfassung:
Die Mindestleistung wird aus der Anzahl der steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und einem bundesweit einheitlich vorgegebenen, gestaffelten Gleichzeitigkeitsfaktor berechnet. Dein Garagenhof mit 30 Wallboxen wird also eine deutlich höhere Mindestleistung als 4,2 kW zugeteilt bekommen.
Der Vollständigkeit halber:

Bei 30 Wallboxen liegt der Gleichzeitigkeitsfaktor bei 0,45 (https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Bes ... onFile&v=1 Seite 4 unter 4.5.2).

Die Mindestleistung ist dann 4,2kW + 29 * 4,2kW * 0,45 = 59,01kW

Es müssten also selbst bei Abregelung mehr als 5 von 30 BEV gleichzeitig mit vollen 11kW laden, bevor das EMS auch nur aktiv werden muss. Wenn das EMS die Wallboxen auf je 4,2kW abregelt könnten sogar bis zu 14 BEV gleichzeitig laden ...

Das wären 1,967kW / BEV, was nach allen bisher vorliegenden Erfahrungen sogar als dauerhafte Maximalleistung des Anschlusses mehr als ausreichend wäre. Bei nicht zu großer Auslegung des Anschlusses könnte man sich hier die Regelung wahrscheinlich sogar komplett sparen.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Xentres hat geschrieben: Nein, dynamische Arbeitspreise sind bei der Problematik, die mit den neuen Regelungen (verlinkte Festlegungen) adressiert werden soll, gerade eben kontraproduktiv.
Solange der Endkundenpreis nur anhand des Börsenpreises gebildet wird, wie es aktuell diverse Anbieter machen, hast du natürlich recht. Aber was spricht dagegen, die Netzauslastung mit einzupreisen? Wahrscheinlich bin ich da wieder mal zu visionär mit meinen Ideen ;)
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Xentres
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Visionär ist kein Ausdruck, 30 Jahre zu früh eher.

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Gibt es eigentlich schon praktische Festlegungen, auf welche Weise die Ansteuerung der Wallbox erfolgen soll? (Potentialfreier Kontakt, EE-Bus oder OCPP)
Wie soll das von der Wallbox konkret umgesetzt werden? Reduzierung des Ladestroms auf fix 6A? ( bei dreiphasiger Ladung wäre das 4,2kW)
Oder ist wirklich die Leistung relevant und damit z.B. auch eine einphasige Ladung mit 20A möglich?
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Xentres
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@E-lmo

Das muss alles erst noch festgelegt werden:

"Für die technische Anbindung einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung an die in der Regel vom Messstellenbetreiber bereitzustellende Steuerungstechnik (etwa an die Steuerbox) und die sich dabei stellende Frage, wie die Ansteuerung konkret zu realisieren ist (physikalische Schnittstelle, logische Beschaltung) wird zur Gewährleistung des Investitions- und Vertrauensschutzes des Betreibers zu differenzieren sein:

Grundsätzlich kann der Messstellenbetreiber gegenüber dem Betreiber, der die Anbindung seiner Anlage nachfragt, eine bestimmte technische Anbindungs- und Ansteuerungsart dann verlangen, wenn die geforderten Standards frühzeitig transparent und nachvollziehbar durch den Messstellenbetreiber und bestenfalls parallel auch durch den Netzbetreiber (als Vertragspartner des Betreibers im Rahmen des § 14a) veröffentlicht worden sind und der Betreiber sich bei der Wahl der anzuschaffenden Anlage hierauf einstellen kann. Dabei präferiert die Beschlusskammer zur Vorbeugung gegen Marktsegmentierung idealerweise bundesweit einheitlich definierte Standards, was durch die in Tenorziffer 2 adressierten Empfehlungen nachdrücklich unterstützt werden soll.

Solange derartige Schnittstellenvorgaben durch den jeweiligen Messstellenbetreiber noch nicht veröffentlicht sind sieht es die Kammer als Aufgabe des Messstellenbetreibers an, jeweils passende Steuerungstechnik bereitzustellen, die eine Ansteuerung der steuerbaren Verbrauchseinrichtung ermöglicht. Bei heute im Einsatz befindlichen Anlagen dürfte es sich hierbei einstweilen um die Ansteuerung mittels potentialfreier Relaiskontakte handeln oder um vorgeschaltete Schütze handeln."
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

LeakMunde
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GregorLeaf hat geschrieben: Das wären 1,967kW / BEV, was nach allen bisher vorliegenden Erfahrungen sogar als dauerhafte Maximalleistung des Anschlusses mehr als ausreichend wäre. Bei nicht zu großer Auslegung des Anschlusses könnte man sich hier die Regelung wahrscheinlich sogar komplett sparen.
Für den Fall, dass eine Anlage mit mehr als 11 kW Teil der Steuerung ist, bin ich mir nicht sicher, wie genau mit einem Lastmanagement die Summe der Netzanschlussleistungen der Anlagen gebildet wird. Bzw wenn die Leistung des Netzanschlusses kleiner als die Summe der Leistung der Ladepunkte ist.

Bei weniger als 11 kW der einzelnen Verbrauchseinrichtungen enthält die Formel aber nur die Anzahl der Verbrauchseinrichtungen. Man kann also recht einfach von den reduzierten Netzentgelten profitieren, ohne Risiko jemals von einer Maßnahme eingeschränkt zu sein.
Man meldet dem Netzbetreiber 4 Ladepunkte mit je 11 kW, allerdings mit Lastmanagement auf 11 kW in Summe begrenzt, um keinen Baukostenzuschuss zahlen zu müssen. Also z.B. eine Wallbox und drei Ladeziegel.
Die Mindestleistung beträgt dann 4,2 kW + 3 * 4,2 kW * 0,7 = 13 kW. Dann zahlt man die reduzierten Netzentgelte und darf die Wallbox trotzdem auch im Falle einer Drosselung immer mit 11 kW nutzen. Ob das so gewollt ist?
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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hghildeb hat geschrieben: Solange der Endkundenpreis nur anhand des Börsenpreises gebildet wird, wie es aktuell diverse Anbieter machen, hast du natürlich recht. Aber was spricht dagegen, die Netzauslastung mit einzupreisen? Wahrscheinlich bin ich da wieder mal zu visionär mit meinen Ideen ;)
Wir hatten das hier schon einmal ausführlich diskutiert. Momentan ist das einfach nicht durchführbar, weil jede Netzebene, hier vor allem jedes Verteilnetz in jedem seiner Netzbereiche dazu jederzeit ihre Auslastung bestimmen müsste und die Preisinformation an die Stromlieferanten oder Messstellenbetreiber übermitteln müssten, die wiederum die Preise den Verbrauchern und ihren steuerbaren Verbrauchseinrichtungen zur Verfügung stellen müsste. Und dann ist immer noch fraglich, ob hinreichend viele auf die Preissignale reagieren, um eine Überlast zu vermeiden.

Vielleicht kommt das irgendwann, aber sicher nicht in den nächsten zehn Jahren, wahrscheinlich nicht einmal in 15 oder 20 Jahren. Hier benötigt man eine komplette Digitalisierung der Netze und einheitliche Standards und Prozesse für den Datenaustausch.
Wir versuchen ja schon seit zehn Jahren erfolglos, auch nur die Smart Meter in die Häuser zu bringen.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

GregorLeaf
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E-lmo hat geschrieben: Oder ist wirklich die Leistung relevant und damit z.B. auch eine einphasige Ladung mit 20A möglich?
Es ist nur die Leistung relevant. Wenn mehrere steuerbare Verbrauchseinrichtungen am gleichen Anschluss hängen darf das EMS die gesamte zur Verfügung stehende Minimal-Leistung sogar nach eigenem Ermessen frei verteilen.

20A einphasig wären allerdings 4,6 kW und damit (bei nur einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung) zuviel. 18A wären möglich.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

GregorLeaf
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LeakMunde hat geschrieben: Bei weniger als 11 kW der einzelnen Verbrauchseinrichtungen enthält die Formel aber nur die Anzahl der Verbrauchseinrichtungen. Man kann also recht einfach von den reduzierten Netzentgelten profitieren, ohne Risiko jemals von einer Maßnahme eingeschränkt zu sein.
Man meldet dem Netzbetreiber 4 Ladepunkte mit je 11 kW, allerdings mit Lastmanagement auf 11 kW in Summe begrenzt, um keinen Baukostenzuschuss zahlen zu müssen. Also z.B. eine Wallbox und drei Ladeziegel.
Die Mindestleistung beträgt dann 4,2 kW + 3 * 4,2 kW * 0,7 = 13 kW. Dann zahlt man die reduzierten Netzentgelte und darf die Wallbox trotzdem auch im Falle einer Drosselung immer mit 11 kW nutzen. Ob das so gewollt ist?
Dann wird der Netzbetreiber von Haus aus so intelligent sein, dir keine Steuerung vorzuschreiben, und du zahlst weiterhin die vollen Netzentgelte.
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