Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ich frage mich gerade, warum damals die Wallbox-Förderung in Deutschland nicht soviel Aufschrei verursacht hatte wie hier diese kleine, fast überall mißinterpretierte Aussage eines Technikers, der auf Eventualitäten hinweist. Die Wallboxen damals wurden auch nur gefördert, wenn sie steuerbar waren.

Am Anfang des Rußlandkrieges war der Aufschrei auch riesig, weil die Bundesregierung angeblich nicht alle Eventualitäten bedacht hatte bei Gas und Strom.

Andererseits wäre ich sogar gar nicht so böse wenn Wallboxen über 3,7 kW Leistung nur noch zugelassen werden würden, wenn sie auch steuerbar sind. Weil das ist ja genau das, was das eAuto als so gute Ergänzung zu den EE macht: das Laden über Nacht / Tag läßt sich fast immer eine gewisse Zeit aufschieben.

Vielleicht ist diese EU-Regelung ja sogar schon im Entstehen, aber wie ENV sagt warten sie damit noch bis die Art und Weise Steuerbarkeit EU-weit festgelegt wurde. Nicht jede Regierung möchte alles für Deutschland explizit und besonders regeln wie die letzte. Siehe auch der Sonderweg in Sachen "intelligente" Zähler etc.

Grüazi, MaXx
#2307 - Mit koordiniertem, gemeinsamen Laden die Strompreise reduzieren und die Welt retten ;-)
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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@MaXx.Grr

Der Unterschied ist, dass die Wallboxen bei der Förderung nur steuerfähig sein mussten und nicht tatsächlich steuerbar installiert werden mussten, wohingegen die geplante Neuregelung darauf abzielt, dass Wallboxen nur noch tatsächlich steuerbar installiert werden sollen.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ioniq1234 hat geschrieben: Es wird aber noch eine Weile dauern, ehe viele Entscheider feststellen, dass ein Auto nicht jeden Tag geladen werden muss und auch nicht punkt 18 Uhr.
Es wird wohl auch noch ein bisschen dauern, ehe viele Foristen feststellen, dass die Entscheider das längst wissen.

Es gibt sicher verschiedene Standpunkte, die alle ihre Berechtigung haben, aber da sitzen keine ahnungslosen Idioten. Die Notwendigkeit für solche Regelungen wird nicht von der Vorstellung abgeleitet, dass alle um 18 Uhr ihr Auto laden, sondern unter anderem von Feldversuchen, in denen sich gerade durch das preisgesteuerte Laden hohe Gleichzeitigkeitsfaktoren ergeben haben - und zwar nicht um "Punkt 18 Uhr", sondern dann, wenn Strom billig ist. Mit fortschreitender Energiewende werden diese Szenarien an Bedeutung gewinnen, und man muss sich darauf vorbereiten.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Die Bullshit-Vorgabe von 3,7 kW zeigt mir persönlich schon deutlich, dass man bei den Entscheidern von der technischen Seite her keine Ahnung von der Materie hat.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Ioniq1234
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@A.Q.: Welche Feldversuche? Es gibt doch noch gar keine Gegenden in denen >90% BEV´s "wohnen". Und ich meine nicht irgendwelche Leihwagen, die nur für den Versuch den Leuten mal vorübergehend zur Verfügung gestellt wurden.

Auch können diese Feldversuche nicht den zukünftigen Netzausbau berücksichtigen.

Sowas ist nicht so sehr aussagekräftig, was tatsächlich in 20-30 Jahren passieren wird.

Was meinst Du was die Leute den Netzbetreibern erzählen werden, wenn diese ausgerechnet wenn der Strom am billigsten ist, nur mit 3,7KW laden dürfen. Da würde es Klagen ohne Ende hageln mit dem Vorwurf der VNB hätte in den letzten 20-30 Jahren nicht ausreichend vorgesorgt.

Was wird denn passieren? In MFH Wohngegenden ist es eh egal, da hier überwiegend nur öffentlich oder beim AG geladen wird. Und sollte es an den Ladeparks zu eng werden, wird einfach noch ein Trafo hingestellt.

Anders sieht es in den EFH Siedlungen aus. Hier gibt es fast überall PV und in 20-30 Jahren hat auch fast jeder einen Speicher im Keller. In erster Linie werden die Leute ihren eigenen PV Strom laden wollen, weil der immer billiger ist als Netzbezug. Bei wem das nicht reicht wird seine WB auf den Billigstrom irgendwann in der Nacht einstellen, zu der Zeit wo fast alle schon im Traumland sind. Dann gibt es im Ortsnetz mal eine kurze Spitze, die aber nicht lange anhällt und auf den Minimalverbrauch anderer Verbraucher trifft.

Zusätzlich steht in 20-30 Jahren in dem Ortsnetz kein Trafo mehr mit sagen wir 500kVa sondern ein 750er oder mit noch größerer Leistung.

Einige Seiten weiter vorne hatte ich schonmal ausgerechnet, dass 100 BEV´s über nur 10h geladen nur 120KW zusätzliche Leistung benötigen. Reduziert um Ladungen unterwegs und aus der jeweils eigenen PV. Und da der Tag 24h und nicht nur 10h hat, wird es vermutlich noch weniger.


Ich möchte noch hinzügen, dass ich solche Entscheider kenne. Und wenn die bei einem Workshop die Emob Abteilung fragt, wie das mit den Netzen aussieht und selbst noch nie ein BEV unter dem A hatte...

In MFH wurden diesbezüglich Messungen gemacht und festgestellt, dass die Anschlussleistung des Hauses nicht selten um den Faktor 2 überdimensioniert ist. In solchen 10er MFH sind also bis zu 5 WB mit 11KW ohne LM problemlos möglich, mit LM sogar für alle 10 Wohnungen. Anschlusserhöhung ist nicht nötig und so bleibt die Ausbaureserve in der Straße erhalten.


Ich will ja nicht sagen, dass es überall so ist. Insbesondere in alten Wohngegenden wo tatsächlich seit 40 Jahren nichts erneuert wurde, kann es schon knapp werden, wenn da nicht bald was gemacht wird.


An der Stelle frage ich mich erneut, wie das früher funktioniert hat, wo in manchen Gegendenden mit Nachtspeicheröfen diese fast gleichzeitig Schaltuhrgesteuert eingeschaltet haben. Und je nach Wohnungsgröße und gewünschter Temperatur gingen dann auch gerne mal 11KW und mehr pro Wohnung durch den zusätzlichen Zähler über mehrere Stunden.

In den 80ern gab es in Deutschland etwa 40GW Nachtspeicherheizungen. Für WP und WB wird nur ein Bruchteil davon benötigt.

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ioniq1234 hat geschrieben: @A.Q.: Welche Feldversuche? Es gibt doch noch gar keine Gegenden in denen >90% BEV´s "wohnen". Und ich meine nicht irgendwelche Leihwagen, die nur für den Versuch den Leuten mal vorübergehend zur Verfügung gestellt wurden.
Doch, genau die. Was soll es denn ändern, dass das nur geliehene Autos waren? Diese Versuche liefen über 6 bis 12 Monate, das reicht wohl aus, um seiune Gewohnheiten zu entwickeln.

Diese Tests mögen nicht perfekt sein, aber ich verstehe nicht, wie jemand glauben kann, er wüsste es aus seiner eigenen Erfahrung heraus, die sich praktisch nur auf einen selbst beschränkt, besser.
Auch können diese Feldversuche nicht den zukünftigen Netzausbau berücksichtigen.
Brauchen sie auch nicht, es ging darum, Erfahrungen zum Nutzerverhalten zu sammeln. Die Projektion auf bestimmte Netzsituationen ist ein separates Thema.
Was meinst Du was die Leute den Netzbetreibern erzählen werden, wenn diese ausgerechnet wenn der Strom am billigsten ist, nur mit 3,7KW laden dürfen. Da würde es Klagen ohne Ende hageln mit dem Vorwurf der VNB hätte in den letzten 20-30 Jahren nicht ausreichend vorgesorgt.
Die Netzausbaupflicht wird dadurch ja gar nicht berührt. Es geht lediglich darum, dass bei noch nicht erfolgtem Netzausbau niemand abgewiesen werden muss.

Und vor allem: Ich finde es schon etwas seltsam, dass man einerseits extreme Auswirkungen durch massive Eingriffe des VNB von "nur 3,7 kW" herbeiphantasiert und gleichzeitig argumentiert, es würden sich ja gar keine Engpässe ergeben. Wenn sie sich nicht ergeben, gibt es auch keine Einschränkungen. Es geht hier um einen Sicherungsmechanismus. Genauso, wie ich einen Leitungsschutzschalter einbaue, um für den unwahrscheinlichen Fall einer Überlastung vorzusorgen. Gebraucht werden die meistens nie, aber wenn doch, ist es einfach gut, ihn zu haben, weil die Auswirkungen (Kabelbrand) sonst zu heftig wären.
Den Stromausfall im ganzen Viertel, nur weil der unwahrscheinliche Fall einer zu hohen Gleichzeitigkeit doch einmal im Jahr auftritt, will auch niemand haben.
in 20-30 Jahren
Es geht nicht um "in 20 bis 30 Jahren", sondern es soll schon in einem Jahr beginnen. Die Energiewende soll sehr schnell Fahrt aufnehmen und schon bis 2030 vieles umgestellt sein - das sind nur noch sieben Jahre.

In 20 Jahren, da stimme ich dir zu, ist wahrscheinlich alles schon wieder vorbei und der Netzausbau abgeschlossen.

Was ich aber auch nicht ganz verstehe an dem Entwurf, ist die Teilnahmeverpflichtung "ohne Ausnahme", also in allen Verteilnetzen. In vielen Verteilnetzen gibt es genug Reserven und es sind keine Engpässe zu besorgen. Dort ist eine Teilnahmeverpflichtung überflüssig. Meiner Ansicht nach sollte es für jedes Netz eine rollierende Prognose geben, wie wahrscheinlich Netzengpässe in den nächsten x Jahren sind, und ab einer gewissen Wahrscheinlichkeit sollte dann eine Teilnahmepflicht für alle Neuinstallationen umgesetzt werden, ansonsten nicht.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Ioniq1234
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A.Q. hat geschrieben: Doch, genau die. Was soll es denn ändern, dass das nur geliehene Autos waren? Diese Versuche liefen über 6 bis 12 Monate, das reicht wohl aus, um seiune Gewohnheiten zu entwickeln.
Soweit ich mich an die Ergebnisse erinnere, war die gemessene Spitzenleistung unterhalb des Erwarteten geblieben. Und es macht schon einen Unterschied ob ich mich damit identifiziere und zum Beispiel im Laufe der Zeit mit Ladekarten und öffentlichem Laden beschäftige oder nur mehr oder weniger gezwungenermaßen in der Akkureichweite herumfahre. Zu der Zeit gab es auch noch nicht so viele HPC´s, wo mann mal schnell 20-50kWh auf dem Einkaufswewg oder sonstwo laden kann. Auch gibt es noch nicht so viele AG wo geladen werden kann.

All das wird sich in den nächsten Jahren noch drastisch ändern und die Heimladung etwas an Bedeutung verlieren.

Es geht nicht nur um meine eigenen Erfahrungen, sondern auch um Beobachtungen anderer, Infos hier im Forum und so weiter.
Es geht nicht um "in 20 bis 30 Jahren", sondern es soll schon in einem Jahr beginnen. Die Energiewende soll sehr schnell Fahrt aufnehmen und schon bis 2030 vieles umgestellt sein - das sind nur noch sieben Jahre.

In 20 Jahren, da stimme ich dir zu, ist wahrscheinlich alles schon wieder vorbei und der Netzausbau abgeschlossen.
Na um so besser. In 7 Jahren haben wir vielleicht 30% Marktdurchdringung. Dann sollte die "Sicherung" nur ganz ganz selten wirklich zum auslösen kommen.


Nur zur Klarstellung. Ich bin NICHT gegen den Vorstoß der BNA. Im Gegenteil ich finde es gut, dass vorgesorgt wird. Nur habe ich meine Zweifel ob das in den nächsten Jahren bereits nötig sein wird. In den 80ern haben die Netze in manchen Orten erheblich mehr zu verkraften gehabt.

Vielleicht sollte man lieber die Digitalisierung der Netze mehr voranbringen und mit den Daten dann besser einschätzen zu können, was wo wirklich nötig ist und entsprechend ausbauen.

Ich will nicht sagen, dass das jetzt ein Schnellschuss wird, aber so "kurzfristig" bin ich mir nicht sicher ob die Entwicklung bereits in wenigen Jahren durch andere Technologien oder Erkenntnisse überholt wird.

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Das Thema Steuerbarkeit von Verbrauchseinrichtungen spielt in diesem Artikel zwar nur eine Nebenrolle, aber ich fand ihn vor allem auch zu der hier diskutierten Frage nach der Notwendigkeit eines Smart Grids sehr interessant: https://www.msn.com/de-de/finanzen/top- ... 691c0&ei=9
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Der letzte Absatz des Artikels faßt das Kommende gut zusammen, drückt sich jedoch um eine klare Sprache. Kurz und knapp steht da: "Es wird massiv Kraftwerksleistung fehlen und wir müssen den Mangel verwalten."

Und so wird das smart grit zur Essensmarke des 21. Jahrhundert Deutschlands........

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Mit anderen Worten: Es fehlt dir die sprachliche Dramatik und Übertreibung, die du persönlich dem Thema beimisst?
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