Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

hgerhauser
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Für seltene Notsituationen kann eine Zwangsabschaltung mehr Sinn machen als ein Preissignal, da bin ich ganz bei Dir.

Bei stetigem Zubau von PV, Ladeeinrichtungen, Batterien, Wärmepumpen, Elektrolyseuren, Windrädern etc. sehe ich das aber sehr anders und da liegt die Kostenexplosion, die wir gerade haben, begründet. Wobei mir bewusst ist, dass die Explosion der Übertragungsnetzentgelte im letzten Jahr als konkreten Anlass die sprunghaft gestiegenen Gaspreise hatte, unter anderem weil Strom, der für Engpassmanagement gekauft werden muss, massiv teurer geworden ist.

Bei stetem Zubau setzt die Zwangsabschaltung keinerlei positive Anreize. Da wird nicht angereizt, dass Batteriespeicher entladen werden, um Netzausbau zu minimieren. Als einzige Massnahme ist da mehr Netzausbau gesetzt. Diese Massnahme ist in vielen Fällen extrem viel teurer als Alternativen. Da diese alternativen Massnahmen aber in keinster Weise durch Preissignale angereizt werden, muss man die Kostenexplosion mit der Brechstange angehen, also zu bestimmten Zeiten Verbraucher oder Erzeuger abregeln.

In einer Sondersituation muss man schnell handeln, wenn überhaupt könnten Marktsignale dann nur vollautomatisiert funktionieren. Auch da bin ich bei Dir. Wir reden aber hier vor allem über graduelle Änderungen. In einem Wohngebiet kommen stets mehr Wallboxen hinzu und ohne Preissignal wird typisch um 18:00 geladen. Im Winter ist es da dunkel und lokal keine andere Produktion da. Also muss man ausbauen und bei viel Leistung wird das schnell extremst teuer. Bei größeren Kunden gibt es Leistungspreise von 90 Euro pro kW, hat man so Kosten ist das nicht schlimm bei guter Auslastung. 1 kW über 9000 Stunden sind 9000 kWh, bei 9000 Cent pro Jahr und kW also 1 Cent pro kWh fürs Netz. Braucht man die 11 kW aber nur an 90 Stunden im Winter (an Werktagen um 18:00) werden da plötzlich 100 Cent pro kWh an Netzausbaukosten draus. So was kann man en masse nicht umlegen. Also Brechstange drauf und zwangsabregeln, so dass man gar nicht unbezahlbar ausbauen muss. Damit kann man dann aber nicht mit 11 kW um 18:00 laden, selbst wenn man das tatsächlich dringend braucht. Bei variablen Preisen werden 50 Cent die kWh um 18:00 dicke reichen, damit da kaum jemand laden will, und vor allem, wenn man die auch für lokale Einspeisung bietet, werden viele ihre PV Batterie nutzen, um dann einzuspeisen. Man kommt um die hohen Netzausbaukosten rum, und kann trotzdem auf die Zwangsabregelung verzichten. Wer will und wirklich dringend um 18:00 laden muss, kann das dann.

Alte Damen mit knappem Budget könnten von so einer Marktregelung profitieren. Du baust da ein Schreckgespenst auf, dass die durch hohe Preise in die Knie gezwungen werden und frieren müssen. Wenn der Markt gut funktioniert, wird heizen und Strom für die billiger und kümmern um alle mögliche Steuerungen müssen die sich auch nicht. Die profitieren davon, dass mehr Erneuerbare im Markt sind und den Preis damit drücken können, und davon, dass die Systemkosten insgesamt niedriger sind, insbesondere die für den Netzausbau, der im Verteilnetz meiner Auffassung nach gar nicht nötig ist, wenn Flexibilitäten preislich angereizt werden.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

hgerhauser
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Die bestehenden Verteilnetze können viel extra Strom für Wärmepumpen und Elektroautos liefern, auch im Winter, wenn die lokale PV Produktion nur einen Bruchteil des zusätzlichen Verbrauchs abdecken kann. Voraussetzung ist dabei, dass es keine wirklich extremen Verbrauchsspitzen durch Kältewellen gibt. Die 23 kW Gasheizung von mir, die 25000 kWh im Jahr genommen hat, bevor ich angefangen habe zu sparen, die darf nicht effektiv durch 23 kW an elektrischem Heizstab ersetzt werden, wenn es draußen doch mal minus 20 Grad wird. Das schaffen die heutigen Verteilnetze nicht. Da muss entweder viel saniert werden, so dass der Bedarf massiv sinkt und/oder es müssen Hybridheizungen genutzt werden. Sprich in meinem persönlichen Fall, die 23 kW Gasheizung bleibt drin und jegliche Heizung mit Strom kann bei Engpass und dementsprechend hohem Preis abgeschaltet werden.
Und weitere Voraussetzung ist, dass Leute nicht massiv am frühen Abend laden, also einstöpseln, sobald sie von der Arbeit kommen und dann mit 22 kW von 17:30 bis 18;30 laden und das Auto dann voll bis zum nächsten Morgen stehen lassen.

Auch bei PV ist es ein Riesenproblem, wenn jetzt jedes Einfamilienhaus 12 kW an PV draufbekommt, vor allen nach Süden mit optimaler Sommerneigung ausgerichtet, so dass da ohne Abregelung 11 kW im Sommer exportiert werden sollen. Damit kommt das Verteilnetz auch nicht klar, davon abgesehen, dass es auch wenig Sinn macht aus dem Ortsnetz zu exportieren, wenn überall anders auch zu viel Strom produziert wird.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ja, wenn man jetzt auch noch Anreize für Speicher und EE-Anlagen setzen will, gebe ich dir Recht. Aber das ist erst einmal nicht das Ziel. Man kann sich sicherlich noch schlauere Systeme ausdenken, das alles zu steuern, aber es wird eben auch viel komplizierter, und da ist mein Motto anfangs: Keep it simple. Wenn es irgendwann gut läuft und man Erfahrungen gesammelt hat, kann man verbessern, but don't try to eat the apple in one bite.
Wir Deutschen neigen sowieso zum Overengineering (ich auch! ;) ), und ich fürchte, mit so einer Lösung, wie du sie vorschlägst, verzetteln wir uns, auch wenn sie theoretische Vorteile hätte. Man hat ja beim SmartMeter gesehen, wo das hinführt. Im Ausland sind die Dinger längst überall eingebaut, weil man nicht erst drei Jahre lang drüber nachgedacht hat, wie die perfekte Lösung aussehen müsste, an deren Implementierung dann die Hersteller alle wegen der hohen Anforderungen verzweifelt sind.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Wie ich schon oben geschrieben habe, muß man beim Strom 2 teilig rechnen:
- die Last im lokalen Verteilnetz und
- die Bereitstellung der Energie

Ganz einfach, wenn es viel Windstrom im Norden gibt, ist der Strom billig,
Wenn im Süden aufgrund der nicht ausgebauten Leitungen nichts ankommt, ist es das andere Problem.
Fiat 500e seit 2017, zusätzlich VW eGolf. inzwischen auch ein i3s in der Familie; 115 MWh Strom an den Ladesäulen verkauft.
Ladesäule vor der Haustür
#2307 Ladestart um 23:07

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

hgerhauser
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Wenn man nur auf Netzausbau setzt, passieren zwei Dinge, es wird unglaublich schweineteuer und die Energiewende wird abgewürgt. Verbraucher und Erzeuger werden dann zwangsabgeregelt und die ganzen Kosten werden pro kWh beim Strom abgeladen (werden müssen, man kann nicht alles über Steuern machen oder auf die Fossilen aufschlagen). Und damit lohnen sich Umstieg auf Emobilität und Wärmepumpe nicht mehr. Und Investitionen in PV und Wind ebenfalls nicht, wenn die Null Börsenpreise vor allem mal bei den PV und Windinvestoren ankommen, und die hohen Netzentgelte bei Elektroauto und Wärmepumpenbesitzern.

Das ist kein unbedeutender Nebenkriegsschauplatz, den man weiter auf die lange Bank schieben kann, weil (wir haben das schon immer so gemacht und alles soll beim alten bleiben) und weil (Änderungen sind doch viel zu kompliziert).
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

hgerhauser
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"lohnen nicht mehr" ist etwas extrem formuliert, aber die Kombination aus Zwangsabregeln + hoher Strompreis hilft sicher nicht, wobei ich den Strompreis höher bewerten würde.

Gut gemacht kann der Strompreis für alle sinken, weil PV und Wärmepumpe gezielt lokale Erzeugungsspitzen abnehmen und im Zusammenspiel mit anderen Flexibilitäten, insbesondere Batterien, ohne Netzausbau mehr kWh durch das Netz schicken.

Das Zwangsabregeln ist kein Teufelszeug, sicher, der wirkliche negative Effekt, wenn man nicht mit 11 kW um 18:00 laden kann, wenn man das mal dringend braucht, dürfte nicht so schlimm sein. Dann verpasst man halt mal einen Termin oder kommt 15 Minuten zu spät, weil man nochmal an (nicht zwangsabgeregelten) Schnelllader muss. Die meisten potentiellen Elektroautofahrer wird das nicht schrecken, solange es ein seltenster Sonderfall ist.

Mit ein wenig zwangsabregeln, lässt sich sicher im Zeitraum um 2025 im Vergleich viel Verteilnetzausbau einsparen. Insgesamt ist der Fokus dadrauf aber einfach falsch und des Zwangsabregeln im großen und ganzen eben komplett vermeidbar, wenn man da anders rangeht. Wie man genau Anreize für Speicherentladung um 18:00 und z.B. 90 Grad steile Südwestanlagen setzt (die 6 Monate im Jahr um 18:00 noch ordentliche Erträge bringen), da ist im Detail sicher noch viel zu klären. Dass das aber der Zwangregelung von Wallboxen eindeutig vorzuziehen ist, da bin ich sehr sicher.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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A.Q. hat geschrieben: .
env20040 hat geschrieben: Zwischen schwarz und weiss, also ein und aus gibt es auch grau...
Also eine Leistungsreduzierung.
Das geht aber nicht auf Trafoebene. Wie viel Strom gezogen wird, bestimmen die Verbraucher. Ich kann nicht einfach dem Trafo sagen, gib mal weniger Leistung ab, denn dann kommt der Stromausfall nur noch schneller.
Geht ganz einfach, nennt sich Lastmanagement auf Verbraucher Ebene und gibt es nun schon so ca.... 40 Jahre.
Diverse E Fahrzeuge von 18 bis 90 Kwh.

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ja, aber es ging ja um den Vorschlag, die Leistung gerade nicht auf Verbraucher-, sondern auf Trafoebene zu begrenzen.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Hier werden aber schöne Wunschkonzerte fernab der Realität formuliert.

Realität wird sein, dass ein Rundsteuerempfänger eingebaut wird und dann abgeregelt werden kann.

An SmartMeter glaube ich in den nächsten 10 Jahren erst, wenn bei mir eins im Keller hängt.

(Kann auch gerne ganz darauf verzichten)
BMW i3 120 Ah - seit 04/2020 - Melbourne Rot

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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aserraric hat geschrieben: Was hilft es denn, die Daten pro Trafo zu haben? Die einzige Steuerungsmöglichkeit am Trafo ist der Lastabwurf, also ganze Häuserblöcke vom Netz zu nehmen. Das sollte ja nicht das Ziel sein.

Die einzige Stelle, wo wirklich gezielt steuernd eingegriffen werden kann, ist nun mal die Ebene des einzelnen Kunden (z.B. indem man gezielt Wallboxen, Wärmepumpen, etc drosselt oder abschaltet).
Es ist granularer/selektiver möglich ja. Aber einzelne WB abzuschalten bringt halt auch recht wenig. Da werden bei einem Engpass dann sicher alle WBs/WPs einer/mehrerer Straße/n gedrosselt/abgeschaltet. Sonst merkt man die Entlastung auch nicht wirklich in der Mittel-/Hochspannungsebene, denn da ist dann ja meist der Engpass.
Model 3 SR+, MidnightSilver/black 06/2019, EAP 09/2020, 15,2 kWh/100 km (netto) @70 Tkm
08/2022 BKW 0,74 kWp, SSW, 500 kWh/a
Tesla-Referral: https://ts.la/erik66594 für SuC-Freikilometer u.a. Prämien; BeCharge Einladungscode: ZMLRUS9
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