Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Ioniq1234
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Mal ein Rechenbeispiel:

100 BEV fahren jeweils im Schnitt 40km am Tag und verbrauchen im Mittel dafür 6kWh. Bei 100 Fahrzeugen sind das also 600kWh, die jeden Tag nachgeladen werden müssen.

Verteilen wir diese 600kWh auf den halben Tag, also 12h, so reden wir hier von 50KW zusätzlicher Netzlast in einer EFH Siedlung mit 100 Häusern bei 100% Elektromobilität und 100% Heimladungen.

Das ist natürlich unrealitisch. Einige werden auch in den restlichen 12h des Tages laden. Andere auf Arbeit, unterwegs am HPC oder beim Einkaufen. Unter dem Strich werden die 50KW bestenfalls der Maximalwert sein, der für einen sehr begrenzten Zeitraum auftritt. Glücklicherweise sind die Trafos für einige Stunden überlastfähig. Also selbst wenn die Sonne nicht scheint und alle ihre Wärmepumpen laufen haben, ist nicht mit einer Überlastung zu rechnen.

Wenn jetzt noch die Hausspeicher zentral gesteuert werden und bidirektionales Laden bei einigen praktiziert wird, ist die Kuh endgültig vom Eis.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ioniq1234 hat geschrieben: Ich möchste ja nicht kleinlicher als Papst sein, aber für jemanden, der dem Energiesektor sagt, was er zu tun hat, ist das sehr blamabel. Und das ist kein Tippfuhler. Niedrigvolt vs. Niederspannung. So krumme Finger hat niemand.
Das war doch nicht einmal ein wörtliches Zitat, sondern die Wiedergabe des Gesagten durch einen Journalisten. Wenn der das nicht auseinanderhalten kann, kannst du das nicht Müller anlasten. Für viele Menschen ist das, was aus der Steckdose kommt, ja Hochspannung. Oder steht das irgendwo als wörtliches Zitat? Wenn du das nicht so findest, lass die Meckerei.
Ioniq1234 hat geschrieben: Und wo kommt zu dieser Zeit der Strom her? Nicht vom Trafo sondern überwiegend von den Dächern in dieser beispielhaften EFH Siedlung.
Den meisten Strom wird diese Siedlung im Winter brauchen, wenn die Wärmepumpen an kalten Tagen auf Hochtouren laufen. Da ist nicht viel mit PV; und der Strom kann nur von Kraftwerken außerhalb der Verteilnetzebene kommen.

Wir hatten in den letzten Wochen nachts sehr häufig Strompreis knapp über 0 ct oder sogar negativ. Da scheint keine Sonne. Im Tibber-Thread siehst du ja, wie sehr die Leute bereits ihre Ladezeiten dorthin verlagern.

..., könnte es in Zukunft schwieriger werden, über Preisanreize die Halter von Elektroautos zum "marktdienlichen Laden" zu bewegen. Diese Art von Lademanagement soll eigentlich dann greifen, wenn der Strom gerade am günstigsten ist. Doch nach Ansicht von Markus Wunsch von Netze BW können solche Preisanreize gar "gefährlich" werden. Schließlich könnten sie den Gleichzeitigkeitsfaktor nach oben treiben und damit einen Netzstrang an die Belastungsgrenze bringen.
https://www.golem.de/news/pilotprojekte ... 70096.html
Dieses marktdienliche Laden ist aber sehr wichtig für das Gelingen der Energiewende.

Man kann es also drehen und wenden wie man will. Die Mehrbelastung der Niederspannungsnetze wird nicht stärker steigen als man ohnehin im Zuge des Netzausbaus Vorsorge treffen wird.
Das sehen die Netzbetreiber aber ganz anders. Aus demselben Artikel: Der Gleichzeitigkeitsfaktor ist für die Netzbetreiber entscheidend. "Extreme Gleichzeitigkeiten von bis zu 90 Prozent sind absolut nicht auszuschließen", sagte Patrick Vasile von der Netzintegration Elektromobilität bei Netze BW und fügte hinzu: "Wir müssen als Verteilnetzbetreiber unsere Stromnetze auch für diese sehr unwahrscheinlichen Fälle genauso auslegen wie auf die durchschnittliche Auslastung." Sein Fazit: "Da gibt es nur eine Lösung: Wir müssen unser Netz verstärken."

Doch das ist leichter gesagt als getan. Laut Vasile verfügt allein Netze BW über fast 200.000 Niederspannungsstromkreise. Bei der Elektromobilität gehe es um "gigantische Ladeleistungen", die versorgt werden müssten. Zwar werde das Stromnetz laufend ausgebaut und erneuert. Jedoch verlaufe der Hochlauf der E-Mobilität hin zu den geplanten 15 Millionen Elektroautos bis 2030 "viel schneller, als wir die Erneuerung des Netzausbaus umsetzen können".

So viele Kollegen, Dienstleister und Baufirmen "gibt es gar nicht, um das in einem ähnlichen Zeitraum umzusetzen", sagte Vasile. Zudem vergingen von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines Umspannwerks etwa zehn Jahre.


Sprich: Entweder wir werden in eine Situation kommen, wo Neuanschlüsse von Wallboxen und Wärmepumpen verweigert werden müssen, weil der Netzausbau nicht schnell genug möglich ist. Oder wir führen ein Lastmanagement mit einer Steuerbarkeit dieser Einrichtungen ein.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Ioniq1234
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Ok mal eine andere Rechnung:

Ein durchschnittliches EFH mit 100m² verbraucht ungefähr 6000kWh/a an Wärmepumpenstrom. Nach Gradtagtabelle werden allein im Januar 17% davon benötigt. Das sind ungefähr 1000kWh im Monat. Also 33kWh am Tag.

Bei den 100 Häusern reden wir hier von 3300kWh. Verteilt auf 24h macht 137,5 KW Last im heizstärksten Monat Januar.

Wenn Leute Ihre Ladezeiten in die Späten Abend- und Nachtstunden verlegen um so besser. Zu der Zeit sind die meisten anderen Verbraucher nicht mehr in Betrieb. Da wird nicht mehr gekocht, Wäsche gebügelt oder Haare gefönt.

Wir reden hier immer noch von einem Ortsnetz mit einem 500kVa Trafo, der nötigenfalls beim nächsten Turnustausch auf 600 oder 750kVa erhöht werden könnte.


Im übrigen hat EnBW bereits vor Jahren sein Netz einem Stresstest bezüglich Elektromobilität unterzogen und herausgefunden, dass die ohnehin geplanten Ausbauten ausreichend sind. Wundert mich jetzt, dass ein andere Netzbetreiber ohne eingehende Prüfung seiner Netze zu einer komplett gegenteiligen Aussage kommt.


Ich frage mich manchmal wie das all die Jahre gut gehen konnte mit Millionen von Elektroherden, Durchlauferhitzern, Nachtspeicherheizungen und so weiter. Wenn ich mir vorstelle wenn jeder Abends nach dem nach Hause kommen den Herd anschmeißt, die Röhre tuteln lässt und das Flutlicht einschaltet. Natürlich den 500 Watt Deckenfluter. Und im Rest des Hauses fast alle 60-100Watt Glühbirnen.

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Es gibt zwar eine gewisse Spannung zwischen Nutzung von Elektrizität bei günstigen Preisen (für Ladung, Wärmepumpen, Waschmaschinen und anderen verlegbaren Lasten) und der Netzbelastung in den Wohngebieten. Problematisch wäre es insbesondere dann, wenn es in einer Stunde sehr günstig wäre und in den anderen Stunden viel teurer. Denn dann würden alle in genau dieser Stunde laden wollen. In der Praxis sind es jedoch immer viele Stunden am Stück, die günstig sind, so dass man durch eine Begrenzung der Ladeleistung (wie jetzt vorgeschlagen) kaum Nachteile hat.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Ioniq1234 hat geschrieben: Im übrigen hat EnBW bereits vor Jahren sein Netz einem Stresstest bezüglich Elektromobilität unterzogen und herausgefunden, dass die ohnehin geplanten Ausbauten ausreichend sind. Wundert mich jetzt, dass ein andere Netzbetreiber ohne eingehende Prüfung seiner Netze zu einer komplett gegenteiligen Aussage kommt.
Es geht ja konkret um variable Tarife. Die gab es bei dem EnBW-Stresstest nicht.
Ioniq 28 kWh Premium mit Sitzpaket, Intense Blue, Michelin CrossClimate+, Produktionsdatum 16.4.2019 - Abholung in Landsberg am 14.9.2019 (Sangl #588)

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Es ist auch kein "anderer Netzbetreiber", sondern derselbe.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Wie komme ich an Fördergeld?
Ich jammere..

Vielleich wird nun etwas klarer wessen Interessen die Blackoutthematisierung dient.
Also noch mehr jammern.
Diverse E Fahrzeuge von 18 bis 90 Kwh.

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

Optimus
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Wie komme ich an noch mehr Fördergeld? Lauter jammern. ;) (siehe Ladesäulen)

Spätestens wenn die Abschaltung/Leistungsreduzierung aufgrund von Gleichzeitigkeitsfaktoren >=90% immer/häufig nur während der Schwachlastzeiten (Strompreis nahe/unter 0 ct/kWh) passiert, sollte man hellhörig werden. Wem nützt sowas? Wer hat (monetär) davon einen Vorteil? ;)
rethorische Frage
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08/2022 BKW 0,74 kWp, SSW, 500 kWh/a
Tesla-Referral: https://ts.la/erik66594 für SuC-Freikilometer u.a. Prämien; BeCharge Einladungscode: ZMLRUS9

Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

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Optimus hat geschrieben: Wem nützt sowas? Wer hat (monetär) davon einen Vorteil? ;)
Die Stromkunden. Den Netzbetreibern kann es eigentlich egal sein, denn deren Gewinne sind sowieso reguliert. Wenn die Netzbetreiber aber erhöhte Kosten haben, weil die Netze in Rekordtempo ausgebaut werden müssen und die wenig verfügbaren Dienstleister praktisch jeden Preis aufrufen können (so wie zum Beispiel derzeit bei PV-Anlagen), dann spüren die Stromverbraucher das am Ende in den Netzentgelten.
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Re: Neuer Anlauf für Zwangsregelung von Wallboxen

hgerhauser
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Auch für die lokalen Engpässe wäre mir eine Lösung, die hauptsächlich auf variable Preise setzt am liebsten.

Dafür müsste der lokale Traffo eine Art Smartmeter für die Belastung haben.

Wird Strom aus PV exportiert, fallen für Verbraucher von Strom alle Netzentgelte und Abgaben weg.

Wird Strom importiert, fallen Netzentgelte an, in der Nähe der Belastungsgrenze dann auch sehr hohe Netzentgelte.

Bei Strom aus PV oder vehicle to grid würde man dann die vermiedenen Netzentgelte beim Preis aufschlagen, also Leute belohnen, die lokal erzeugen, wenn lokal ein Mangel ist.

Fernsteuerung/Abschaltung von Erzeugern oder Verbrauchern ist eine Lösung, die mir gar nicht gefällt.

Was die Gleichzeitigkeit des Ladens bei Preissignalen angeht, kann man da mit Verzögerungen arbeiten, so dass der Preis für Hausnummer 1 fünf Minuten später als bei Haus 2 auf Null fällt.
heikoheiko.blogspot.com
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