Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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Ich hatte das hier ja schon mal kurz geschrieben, aber ich mache es mal etwas ausführlicher.

Ich war vor einigen Jahren, nachdem das Messstellenbetriebsgesetz verabschiedet worden war, an einem SmartMeter-Entwicklungsprojekt beteiligt. Nicht in der Tiefe, es war eher ein spezielles Projekt am Rande der ganzen Entwicklung, aber wenn man da einmal mitbekommen hat, wie das funktioniert, und an Besprechungen mit den Herstellern teilgenommen und deren Probleme und Herausforderungen gehört hat, sieht man das Thema mit etwas anderen Augen.

Die Situation stellt sich für die Hersteller der Geräte so dar: Man muss erst einmal eine komplizierte Software entwickeln, die den hohen Anforderungen der BSI gerecht wird. Das kostet schon mal einen siebenstelligen Betrag. Dann muss man dieses Gerät durch den Zertifizierungsprozess bringen. Das alleine wurde damals auf 300 bis 600 k€ geschätzt, und da man verschiedene Übertragungsgwege braucht, fällt das sogar mehrfach an, wenn auch etwas geringer. Dazu noch die Entwicklungskosten für die Hardware. Das sind erst einmal ziemliche Investitionen, die man erst einmal wieder reinholen muss. Wer nur diesen Tibber-Zähler bauen und vertreiben will, hat diese Kosten in viel geringerem Umfang, weil er kein BSI-Vorschriften beachten muss und keine Zertifizierung braucht.

Wenn man jetzt 1 Million dieser Geräte verkaufen könnte, kein Problem, dann sind das nur wenige Euro pro Gerät. Aber erst einmal sind das nur geringe Stückzahlen, weil niemand die Geräte freiwillig einbaut und der Pflichteinbau sich immer wieder verzögert hat. Dadurch sind die Gateways anfangs erst einmal ziemlich teuer.

Jetzt muss man auf die Sicht der Messstellenbetreiber wechseln. Die müssen erst einmal hohe Investitionen tätigen, um das ganze sinnvoll nutzen zu können. Sie brauchen Software- und Hardwarelösungen, die diese Daten BSI-konform einsammeln, verarbeiten und in einem Portal bereitstellen sowie an die Abrechnungssysteme weiterleiten müssen, ebenfalls mit hohen Sicherheitsanforderungen. Und um die vollen Vorteile als Netzbetreiber nutzen zu können, nämlich Integration in die Netze, die auf die Daten reagieren, besseres Monitoring usw., bedarf es weiterer Investitionen.

Auch hier gilt: Für die paar Anschlüsse, die es schon gibt, lohnt sich das einfach noch nicht. Am Anfang sind das erst einmal nur hohe Kosten und wenig Nutzen. Kein Wunder, dass man da den gesetzlichen Höchstbetrag verlangt.

Aber ich bin auch ziemlich überzeugt, dass das alles rabiat billiger wird, wenn es erst einmal läuft und in der Masse ausgerollt wird. Erst dann kann man als Messtellenbetreiber und Netzbetreiber Nutzen daraus ziehen, weil die kritische Masse erreicht ist. Die Investitionskosten verteilen sich über Millionen von Geräten, man hat ausreichende Datenmengen, um davon zu profitieren, das jährliche Herumschicken der Ableser entfällt. Und nicht zuletzt sind die Investitionen irgendwann abgeschrieben, man hat funktionierende Systeme und Erfahrung. Daraus werden unabhängige Messstellenbetreiber entstehen, die sich Konkurrenz machen und die Preise auch für die Verbraucher drücken. Niemand wird mehr 100 € im Jahr nur dafür bezahlen.

Man denke daran, was Mobiltelefone anfangs kosteten. Ein Telefon kostete 2000 DM, Grundgebühr 79 DM im Monat, jede Minute telefonieren 79 Pfennig, und sobald man die Innenstädte verließ, riss die Verbindung ab. Was damals 1 DM war, ist heute etwa 1 €. Mobiltelefone waren etwas für Geschäftsleute und Angeber.
10 Jahre später gab es Mobiltelefone für 70 DM, PrePaid-Tarife ohne Grundgebühr und Minutenpreise von 29 Pfennig. Und heute kann man für wenige Euro im Monat telefonieren bis der Arzt kommt, und praktisch überall mit Highspeed im Internet surfen und Video ansehen. Nahezu jeder hat ein Smartphone, sogar Kinder, nicht selten sogar mehrere. Viele Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab.
Ähnlich Internet. Mein erster DSL-Anschluss konnte 768 kbit/s und kostete 200 DM im Monat.

Und dann ist da noch die Sicht des Verbrauchers. Der hat davon erst einmal wenig. Auch hier müssen erst noch Applikationen entwickelt werden. Waschmaschinen, Spülmaschinen, Wärmepumpen, Wallboxen und so weiter, die mit den Smart Metern kommunizieren und auf sie reagieren. Keine Bastellösungen für Nerds, sondern Plug & Play. Neue zeitvariable Stromtarife wie Tibber. All das steckt noch ganz am Anfang, und wenn die Applikationen da sind, hat auch der Verbraucher etwas davon.

Ich verstehe ja völlig, dass jemand heutzutage kein SmartMeter haben will. Will ich auch im Moment noch nicht, aus den genannten Gründen. Aber ich bin auch überzeugt, dass die Dinger in 10 bis 15 Jahren so selbstverständlich sein werden wie Smartphones, WLAN oder PCs, die Verbraucher sie gerne nutzen und sie letztlich sogar billiger kommen als die alten Ferrariszähler.
„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)
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Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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Habeck hat jetzt die Smart-Meter-Pläne etwas konkretisiert: https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 7bff4e4e34

Wichtigste Neuigkeit gegenüber dem schon Bekannten ist eine Senkung des Höchstpreises auf 20 € pro Jahr (bisher je nach Stromverbrauch zwischen 23 und 100 €).
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Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

Singing-Bard
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Es tut sich was:


Interessanter Artikel im Spiegel:

Nach 15 Jahren Hickhack
Wirtschaftsministerium will Einbau von Smart Metern beschleunigen

https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 7bff4e4e34

Der Smartmeter soll jetzt nur 20€ im Jahr kosten.
Die anderen Kosten sollen die Unternehmen tragen (Hä? die holen sich das doch dann vom Verbraucher zurück wenn die Zähler teurer sind ...)

Und den Nutzen für den Verbraucher sollen flexible Stromverträge bieten. Als ob uns Verbrauchern der Strom in Summe billiger kommen würde ...


Schön auch die tausendseitige Technische Anforderung die die Beamten im laufe der 15 Jahren entwickelt haben. Grosses Kino!!!

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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Schau mal auf den Beitrag direkt über deinem ... 8-)
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Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

Coolpack
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Wichtiges Thema - was mich - obwohl im falschen Forum - zu einem Kommentar reizt.
Smartmeter wurden ja schon lange vor 2019 vom Gesetzgeber gefordert - damals gab es noch keine zugelassenen Zähler.. Heute gibt es sie - allerdings zu saftigen Monatsmieten für Smartmeter, Gateway und Datenaufbereitung wie Lastgangspeicherung und Ergebnisanzeigen. Die Kosten dafür erheben die Netzbetreiber - Angebot der NEW-DAT in 2019 für eine Smart Meter Infastuktur im 6 Familienhaus ca. 120 € pro Jahr pro Haushalt plus 3-4 € für die monatlichen Verbrauchsmitteilungen. Für den Nutzer rechnet sich das nicht - soviel kann er sicher nicht durch tägliche Beobachtung auf dem Smartphone einsparen - eher durch konsequente, achtsame Stromnutzung. Vielleicht wird das ja der erste Schritt zu Prepaid Metern wie in England - wer nicht vorausgezahlt hat, steht dann stromlos da.

Die Netzbetreiber (Achtung Monopol) werden ohnehin bald nicht nur Smartmeter sondern neue Zähler mit Lastmanagement der Wallboxen und Wärmepumpen einbauen müssen - wahrscheinlich auch auf Kosten der Kunden. Mit dem Gesetzgeber im Rücken können sie alle Kosten auf die Kunden abwälzen.

Irgendwann wird der Strom auch bei uns rationiert werden müssen, weil grüne grundlastfähige Energieerzeuger für Deutschland nicht in Sichtweite sind. Dazu eignet sich selbstverständlich ein beim Endverbraucher gemanagtes Netz sicher am besten. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Was die Zählerwut angeht, leistet sich Deutschland an allen Verbrauchsstellen bereits jetzt eine grosszügige Unterstützung für die Zählerlobby (Wärme, Wasser und Strom) auf Kosten der Endkunden. Als Beispiel nenne ich nur den in Europa einzigartigen 5 jährigen Tauschzyklus aller Wasseruhren in Mietwohnhäusern. Er bindet Arbeitskräfte und kostet jährlich geschätzt wohl ca, 500 Mio, die letztlich die Mieter belasten. Andere Länder tauschen in zehnjährigem Rhytmus.

Wem diese Zählerstrategie also letztendlich nützt, ist für mich noch völlig offen. Wer dabei gut verdient, dürfte klar sein.
Die grösseren Schwierigkeiten stehen uns noch bevor. Da wird noch mancher Wumms durchs Land gehen.

Beste Grüsse
Coolpack

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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Mehreren heute erschienenen Medienberichten zufolge soll das neue "Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende" auch die Verpflichtung aller Stromversorger zum Angebot dynamischer Tarife ab 2026 enthalten. Da bin ich mal gespannt, was das konkret zu bedeuten hat, denn eine solche verpflichtung steht ja bereits länger in § 41a EnWG.

https://www.handelsblatt.com/dpa/kreise ... 54398.html

Wenn jemand den Link zum Gesetzentwurf hat, immer her damit! :massa:
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Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

gekfsns
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Wir höchste Zeit für allgemein variable Stromtarife, gut daß da endlich was kommt

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

Singing-Bard
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Hier der ausführliche Artikel bei Heise.de zum Status der Smartmeter vom 05.12.22

" Gesetzentwurf: Verbraucher sollen nur 20 Euro jährlich für Smart Meter zahlen

Wirtschaftsminister Habeck will einen "Neustart" des Smart-Meter-Rollouts: Der Aufwand für Betreiber soll sinken und Verbraucher sollen deutlich weniger zahlen. ..."

https://www.heise.de/news/Gesetzentwurf ... 66309.html

Der Gesetzentwurf selbst ist glaub ich nicht verlinkt...

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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Na, wenn die Grundgebühren unisono in jedem Jahr wieder stark angehoben werden um die Gewinne zu optimieren dann sollte das doch auch wenigstens für die Smartmeter reichen damit die die Kunden nicht viel mehr monatlich kosten als die bisherigen Zähler ? In anderen Ländern geht das doch auch ? Die Zähler müssen doch sowieso von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Kann aber sein dass die Anbieter dann nicht ganz optimal ihr Geschäftsmodell der leichten Wertschöpfung umsetzen können.
Ist das nicht gut ?
Ja ! Das ist nicht gut !
Vectrix VX1, 2009; Smart Ft EQ, 2021; BMW i3s, 2022; Tesla M3 LR AWD, 2023

Re: Wichtig für alle Wallboxbesitzer Artikel in Heise.de "Energiewende: Habeck will Smart Meter, und zwar pronto"

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„Gasoline? It's a liquid fuel that was used centuries ago on Earth. They burned it to drive internal combustion engines.“ (Raumschiff Voyager, Staffel 2, Folge 1, 1995)
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